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Die Wirkung der Gewaltdarstellung im Fernsehen auf Kinder und Jugendliche

Autor: Christina Buchholz
Fach: Medien / Kommunikation - Forschung und Studien

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Details

Kategorie: Vordiplomarbeit
Jahr: 2004
Seiten: 38
Note: 1,0
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 321 KB
Archivnummer: V27732
ISBN (E-Book): 978-3-638-29698-4

Textauszug (computergeneriert)

Die Wirkung der Gewaltdarstellung im Fernsehen
auf Kinder und Jugendliche

von: Christina Buchholz

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung  1

2. Gewalt und Aggression  2

3. Gewalt im Fernsehen 4

3.1 Struktur der Gewalt des Gesamtangebotes  5
3.2 Gewaltanteile der einzelnen Sender und Genres  6

4. Fernsehverhalten von Kindern und Jugendlichen  6

4.1 Quantitative Fernsehnutzung 7
4.2 Fernsehnutzung nach Wochentagen und Tageszeiten 7
4.3 Senderpräferenzen 9
4.4 Programminhalte  9
4.5 Gewaltrezeption und –faszination der Kinder und Jugendlichen 10

5. Modelle zur Erklärung der Wirkung medialer Gewaltdarstellungen 12

5.1 Die Katharsisthese  12
5.2 Die Inhibitionsthese  12
5.3 Die Stimulationsthese  13
5.4 Die Habitualisierungsthese  13
5.5 Die Suggestionsthese  14
5.6 Die Kultivierungsthese  14
5.7 Die These der Wirkungslosigkeit  14
5.8 Die Theorie des sozialen Lernens  15

6. Die Wirkungen des medialen Gewaltkonsums auf Kinder und Jugendliche  17

6.1 Nachahmungstaten  17
6.2 Unterschiede im Erleben medialer Gewalt von Mädchen und Jungen 18
6.3 Auswirkungen auf das Aggressionsverhalten von Kindern und Jugendlichen 19

7. Interventionsmöglichkeiten 24

8. Schlussfolgerung und Ausblick  27

Literaturverzeichnis  29
 


 

 

1. Einleitung

„Sollen wir es also so leicht hingehen lassen, dass die Kinder ganz beliebige Märchen und von ganz Beliebigen erfundenen anhören und so in ihrer Seele Vorstellungen aufnehmen, die meistenteils denen entgegengesetzt sind, welche sie, wenn sie erwachsen sind, unserer Meinung nach werden haben sollen? – Das wollen wir keineswegs hingehen lassen. – Zuerst also, wie es scheint, müssen wir Aufsicht führen über die, welche Märchen und Sagen dichten, und welches Märchen sie gut gedichtet haben, dieses einführen, welches aber nicht, das ausschließen.“ 1 Platon ~ 400 v. Chr. Neu ist sie nicht, die Frage nach den Wirkungen von Gewaltdarstellungen, jedoch immer noch so aktuell und kontrovers wie zu Zeiten Platons. Und obwohl zu keinem Bereich der Medienwirkungsforschung mehr Untersuchungen vorliegen, ist die Publikations flut ungebrochen. Bis heute wurden über 5000 Studien zu diesem Thema gezählt, wobei die Quantität angesichts der herrschenden Uneinigkeit oder stellenweise gar Widersprüchlichkeit der Forschungsergebnisse nicht zwangsläufig auf deren Qualität schließen lässt. Verursacht die Gewaltdarstellung im Fernsehen reale Gewalt? Betrachtet man den öffentlichen Diskurs, scheint diese Frage längst überflüssig. Bei jeder spektakulären Gewalttat, besonders durch Jugendliche, entflammt die Diskussion erneut. Mangels plausibler Erklärungen wird das Fernsehen zum Sündenbock.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich im Folgenden mit eben dieser Frage. Denn unter Experten wurde der direkte Schluss vom Inhalt auf die Wirkung längst negiert. Aber auch die noch in den 70er Jahren vertretene „These der Wirkungslosigkeit“ ist heute nicht mehr haltbar. Eine empirisch gesicherte Antwort auf diese Wirkungsfrage gibt es nicht und kann es nicht geben, da sich nicht nur die Medienlandschaft permanent verändert, sondern auch Wirkungen an sich im Laufe der Zeit immer wieder Veränderungen, ja gar einem „Verfallsdatum“2 unterliegen. Diese Tatsache weist auf die Problematik der vorliegenden Arbeit hin. Sie kann aufgrund der Komplexität keinen Anspruch auf Berücksichtigung sämtlicher Aspekte des Themengebiets erheben. Stattdessen soll versucht werden, einen Überblick über die Thematik zu geben und auf besonders interessante und prägnante Aspekte vertiefend einzugehen. Als fester Teil im kindlichen Alltag kann von dem Leitmedium Fernsehen als einer neuen Sozialisationsinstanz, neben den Eltern, gesprochen werden. Junge Rezipienten sind den Wirkungen der Fernsehinhalte besonders stark ausgesetzt, da sie bis zu einem Alter von 10 bis 11 Jahren längst nicht alle Geschehnisse auf dem Bildschirm kognitiv nachvollziehen können. 3 Aus diesem Grund bilden sie die in dieser Arbeit untersuchte Personengruppe. Die Einbeziehung der Wirkungen weiterer Medien mit violenten Inhalten wie Comics, Computerspiele oder das Internet wäre in einem weiteren Rahmen ebenfalls interessant, würde hier jedoch zu weit führen.

Untersucht werden soll nur das Fernsehen, spezieller die dargestellte fiktive Gewalt. Die Erforschung realer Gewalt wurde in diesem Zusammenhang bisher kaum berücksichtigt und wird von Kindern und Jugendlichen auch weniger konsumiert. Ferner erfordert die Komplexität eine Fokussierung auf die Auswirkungen auf das Aggressionsverhalten der jungen Fernsehzuschauer. Grundlage dieser Arbeit bildet die zu Beginn skizzierte Gewaltpräsenz im deutschen Fernsehprogramm und die darauf folgende Zusammenfassung des aktuellen Fernsehverhaltens der Kinder und Jugendlichen. Ein Vergleich dieser Daten soll Aufschluss über den Gewaltkonsum der hier untersuchten Gruppe geben. Anschließend werden die Entwicklungen der Medienwirkungsforschung und ihre populärsten Thesen beschrieben. Den Schwerpunkt dieser Arbeit stellt das sechste Kapitel. Dieses ist den Wirkungen der Gewaltdarstellungen im Fernsehen auf Kinder und Jugendliche gewidmet. Es fokussiert, unter Einbezug der aktuellen Forschungstrends, mögliche Einflüsse auf ihr Aggressivitätsverhalten. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen werden abschließend pädagogische Interventionsmöglichkeiten skizziert. Begonnen werden soll im Folgenden jedoch mit den umstrittenen Begriffe ‚Gewalt’ und ‚Aggression’, deren bis dato ungenügende und in den meisten Studien sehr unterschiedlich verwendete Definitionen eine Präzisierung des Diskurses der Gewaltwirkung weiterhin erschwert.

2. Gewalt und Aggression

„Ja, was heißt / Bei dir Gewalt?“4 – Lessing, Nathan der Weise (1778) „Gewalt ist einer der schillerndsten und zugleich schwierigsten Begriffe der Sozialwissenschaften.“5 Die Vielzahl kontroverser Deutungen allein in Lexika macht die Komplexität des Begriffes deutlich. Auch alltagssprachlich ist der Begriff alles andere als eindeutig: Bevölkerungsumfragen offenbaren eine extreme kognitive Diffusität des Gewaltbegriffs.6 Dieses definitorische Defizit schlägt sich deutlich auf die Aussagekraft jedweder Hypothesen zur Gewaltwirkung nieder. Daher soll den Anfang dieser Arbeit eine Definition nicht nur der Gewalt, sondern auch des durch einige Autoren gleichgesetzten Begriffs der Aggression stellen:

Der Begriff Aggression entstammt der Psychologie und wird in der Fachliteratur zumeist als ein zerstörerisches, antisoziales Verhalten dargestellt. Hobmair versteht unter „[…] Aggression […] alle Verhaltensweisen, die eine direkte oder indirekte Schädigung von Organismen und/oder Gegenständen beabsichtigen.“7 Im Gegensatz dazu findet sich im „Brockhaus“ die Aussage, Aggression sei ein „affektbedingtes Angriffsbedürfnis“8, insofern kann diese also als eine natürliche, dem Menschen innewohnende Neigung verstanden werden. Vergessen wird oftmals die prosoziale Aggression, eine Aggression für gesellschaftlich akzeptierte Zwecke wie die Durchsetzung des Rechts, die durchaus eine produktive und konstruktive Kraft darstellt.9 Aggression bedeutet nämlich im ursprünglichen Sinn so etwas wie einen Beginn oder einen Zugang zu etwas oder jemandem (von lateinisch: a- gredi), deshalb sei ein Leben ohne Aggression unmöglich, sofern es um die Umsetzung der Werte Eigenständigkeit und Selbstbewusstsein gehe. Aggression muss also nicht zwangsläufig auf gewalttätige, destruierende Weise entladen werden. 10 Oftmals gehen die Definitionen von Aggression und Gewalt ineinander über, wie bei einem Vergleich von Hobmairs Definition mit der folgenden deutlich wird: „Gewalt [ist] die rücksichtslose Anwendung von physischem und/oder psychischem Zwang gegenüber einem anderen, um diesem Schaden zuzufügen […].“11 Da es der Rahmen dieser Arbeit nicht zulässt, eine vertiefende Diskussion dieser Begrifflichkeiten darzulegen, werden im Folgenden, wie in der Fachliteratur, zwischen zwei theoretischen Formen der Gewalt unterschieden: personelle und strukturelle Gewalt. Nach Galtung (1971) handelt es sich bei struktureller Gewalt um die in ein soziales System „eingeflochtene“ Gewalt, um eine Art „Ungerechtigkeit“. Sie tritt auf, ohne dass sichtbar eine ausführende Person vorhanden ist und „ohne dass sich das Opfer von der strukturellen Gewalt dieser ‚Vergewaltigung’ bewusst sein muss, in ungleichen Machtverhältnissen“. 12 Die Thematik der strukturellen Gewalt ist jedoch aufgrund der großen Probleme, die mit ihrer Operationalisierung verbunden sind, in der Debatte zur Wirkung von medialen Gewaltdarstellungen bisher nahezu unbeachtet geblieben. 13 Personale Gewalt zeigt sich laut Theunert in dem Handeln und Verhalten eines speziellen Individuums mit den Folgen einer sichtbaren physischen oder psychischen Verletzung.14 Eine unabhängige Betrachtung dieser beiden Gewaltarten ist jedoch kaum möglich. Personale Gewalt wird durch strukturelle begünstigt, strukturelle Gewalt dagegen durch personale aufrechterhalten.

3. Gewalt im Fernsehen

[...]


1 Platon, (~400 v.Chr.), Politeia, S. 114, 377 b-c.

2 Merten (1999), S. 257.

3 Vgl. Kübler (1998), S. 507.

4 Lessing (1981), S. 43.

5 Imbusch (2002), S. 26.

6 Vgl. Imbusch (2002), S. 26.

7 Hobmair (1991), S.168.

8 Brockhaus-Enzyklopädie (1986), S.211.

9 Vgl. Zimbardo (1995), S. 426; Rogge (1999), S. 142 f.

10 Vgl. Rogge (1999), S. 143.

11 Meyers Lexikonredaktion (1996), Band 4, S. 1265.

12 Kunczik (1998), S. 16.

13 Vgl. Kunczik (1998), S. 16.

14 Vgl. Theunert (1997), S. 89.

Kommentare

Johannes Jaschke
08.03.2005 11:38:06
Danke....
Hallo Tini... Lob wir deine hervorragende Arbeit. Ist ja ein Zufall.Werde mir die Arbeit nachher bestellen. Kann sie sehr gut verwenden. Ich hoffe das die weiteren Ausführungen der Qualität der Einleitung entsprechen. Aber ich denke da kann ich mich sicherlich auf dich verlassen. MFG Johannes "JOJO" Jaschke

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