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Gibt es Grenzen für Literatur? Untersuchungen am Beispiel des Romans "American Psycho" von Bret Easton Ellis

Autor: Saskia von der Burg
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

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Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2002
Seiten: 17
Note: 2,0
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 248 KB
Archivnummer: V27736
ISBN (E-Book): 978-3-638-29701-1
ISBN (Buch): 978-3-638-77197-9
Anmerkungen :
In der Arbeit habe ich mich kritisch mit dem Roman "American Psycho", der Anfang der 90er Jahre einen regelrechten Skandal ausgelöst hat, auseinandergesetzt. Dabei lag mein Schwerpunkt auf der Frage, ob es Grenzen für Literatur gibt. Warum stößt "American Psycho" heute noch auf Kritik und was unterscheidet dieses Buch von beispielsweise einem Splatterfilm? Anhand von umfangreichen Material (Kritiken, Rezensionen) stelle ich die Wirkungsgeschichte des Romans in Amerika und in Deutschand dar.

Zusammenfassung / Abstract

Kinofilme fallen immer wieder der "Schere" zum Opfer. Jugendgefährende Szenen werden entschärft oder komplett entfernt. Gleiches gilt für Popsongs. Aber wie ist das eigentlich bei Literatur? Hat Literatur Grenzen? Und wenn ja, wer legt diese fest? In den 90er Jahren löste Bret Easton Ellis mit seinem Roman "American Psycho" einen regelrechten Skandal aus. Frauenverbände gingen auf die Straße und veranlassten die Indizierung des Romans. "American Psycho" war nur noch unter der Ladentheke oder auf Nachfrage und Vorzeigen des AUsweises zu bekommen. Zu Recht? Handelt es sich bei diesem Buch u Splatter und Pornografie oder hohe Kunst? Mit dieser Frage beschäftigt sich das vorliegende Buch.

Textauszug (computergeneriert)

Gibt es Grenzen für Literatur? - Untersuchungen am Beispiel
des Romans "American Psycho" von Bret Easton Ellis

von: Saskia von der Burg

8. Semester

 


0. Zum Gegenstand der Arbeit 02

1. Was darf Literatur? 03

1.1. Ein inszenierter Skandal? 04
1.2. Literatur, die Kunst des schönen Wortes? 06

2. Die Grenzen der Literatur am Beispiel von Bret Easton Ellis’ „American Psycho“ 08

2.1. Frauenfeindlichkeit als Grenze für Literatur? 08
2.2. Muss Literatur moralisch sein? 11

3. Abschlussbemerkung 13

4. Bibliografie 15


 

 

0. Zum Gegenstand der Arbeit

Die Frage nach den Grenzen der Literatur ist nicht neu. Nicht erst seit den Terrorakten des elften September im vergangenen Jahr gibt es in den Medien und in der Literaturforschung die vieldiskutierte Frage, wie weit Gewaltdarstellungen gehen dürfen, müssen und sollen. Kurz nach den Anschlägen in New York und Washington wurden zeitweise gewaltverherrlichende Filme aus den Kinoprogrammen genommen – heute, ein knappes Jahr später, werden sie wieder gezeigt. Doch während Gewalt im Fernsehen und im Kino größtenteils akzeptiert und kritiklos wahrgenommen wird, bildet die Literatur scheinbar eine Ausnahme. Die Kunst des schönen Wortes darf das nicht aussprechen, was wir tagtäglich visualisieren. So scheint es zumindest. Anders lässt sich der Skandal, den der amerikanische Jungautor Bret Easton Ellis 1991 mit seinem dritten Roman „American Psycho“1 auslöste, nicht erklären.

Im Anschluss soll nun anhand des Romans und zahlreicher Stellungnahmen von Seiten des Autors sowie von Kritikern, Befürwortern und Behörden die Frage diskutiert werden, ob es Grenzen für das Sagbare in der Literatur gibt und wenn ja, worin diese bestehen.

1. Was darf Literatur?

Bret Easton Ellis, der 1985 im Alter von einundzwanzig Jahren noch während seiner Studienzeit mit „Less than Zero“2 bereits seinen ersten Bestseller verfasste, gehörte Anfang der neunziger Jahre mit seinem Roman „American Psycho“ wohl zu den umstrittensten und meist diskutierten Autoren der Gegenwart. Zwar hatte es schon vorher Romane über Massenmörder, die aus der Perspektive eines Icherzählers die Handlung schildern, gegeben - man denke nur an James Elroys „A Killer on the Road“.3 Aber Ellis „American Psycho“ ging damals über die bisherigen genretypischen Eigenschaften hinaus und führte aus vielerlei Gründen in den USA zu einem handfesten Skandal. Dessen Darstellung sowie die Aufnahme des Romans in der deutschen Kritik soll nun im Folgenden die Frage nach der Aufgabe und den Grenzen der Literatur einleiten.

1.1. Ein inszenierter Skandal?

„Können wir nicht mehr das sagen, was wir sagen wollen, nur weil ein kleiner, winziger, minimaler Teil der Bevölkerung das Ganze falsch verstehen könnte?“4 So reagiert Bret Easton Ellis, wenn er auf die Aufregung um „American Psycho“ angesprochen wird. Zu brutal sei die Geschichte des Psychopathen Patrick Bateman, dessen Leben zwischen dem schönen Schein an der Wall Street und den dunklen Seiten des Serienmordes für Aufsehen sorgte. Im gleichen Atemzug wurde Ellis oft vorgeworfen, er habe nur deshalb ein solch kontroverses Buch geschrieben, um sich nach dem Misserfolg seines vorhergehenden Romans „The Rules of Attraction“5 wieder ins Gespräch zu bringen. Zugegebenermaßen ist ihm das mit „American Psycho“ gelungen. Bereits vor der Veröffentlichung des Romans kommt es in den USA zu massiven Protesten – meist von Frauenrechtsorganisationen. Ganze zwei Monate vor dem eigentlichen Erscheinungstermin bringt die sonntägliche „New York Times Book Review“ eine Buchbesprechung von „American Psycho“ mit dem Vorabdruck einiger gewalttätiger Szenen unter der Überschrift „Tötet dieses Buch! Soll Bret Easton Ellis ungestraft morden dürfen?“6 heraus. Dieser Artikel, der hauptsächlich auf die Sex- und Gewaltszenen, aber nicht auf die gesellschaftskritischen Aspekte des Romans eingeht, zieht eine Welle der Empörung nach sich. Aufgrund der massiven Proteste entschließt sich Ellis ursprünglicher Verlag Simon & Schuster die erste Auflage des Romans postwendend einzustampfen. Der Vertrag mit Ellis wird aufgekündigt und Simon & Schuster verzichtet, um weiteren Wirbel zu vermeiden, freiwillig auf das bereits gezahlte Vorschusshonorar von 300.000 Dollar.7 Es dauert keine achtundvierzig Stunden bis sich der Konkurrenzverlag Vintage Books, eine Tochterfirma des Verlags Randomhouse, die Rechte an American Psycho sichert.

[...]


1 Ellis, “American Psycho”, New York/ Köln 1991. Im folgenden werden Zitate unter Verwendung der Sigle “AP” nachgewiesen.

2 Ellis, “Less than Zero“, New York 1985.

3 Elroy, “A Killer on the Road”, Los Angeles 1986.

4 Silbert, „Gericht liest ‚American Psycho’ anders“, 1996.

5 Ellis, Bret Easton: “The Rules of Attraction”, New York 1987.

6 Rosenblatt, „Tötet dieses Buch“, in: Times, 1990.

7 Vgl. z.B. Lewerenz, „Anleitung zur Folter“, in: Kieler Nachrichten, 1991.

Kommentare

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