Zur Entwicklung der französischen Sprache in Kanada

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Details
Autor: Ralf Strauss
Fach: Romanistik - Französisch - Linguistik
Veranstaltung: Varietäten des Französischen
Institution/Hochschule: Humboldt-Universität zu Berlin (Institut für Romanistik)
Jahr: 2001
Seiten: 20
Note: gut
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 281 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-29841-4
Zunächst wird die Geschichte und aktuelle Situation der Provinz Québec beleuchtet. Nach den Wurzeln der französischen Sprache in Kanada wird Sprachpflege und- politik im 20. Jahrhundert untersucht. Es folgen Ausführungen zu Besonderheiten des kanadischen Französisch in den Bereichen von Aussprache, Morphologie, Syntax, Wortschatz und Übernahmen aus Indianer- und Eskimosprachen sowie dem Englischen.
Textauszug (computergeneriert)
Zur Entwicklung der französischen Sprache in Kanada
von: Ralf Strauss
INHALTSVERZEICHNIS
1. EINLEITUNG 3
2. DIE PROVINZ QUÉBEC. LAND UND LEUTE 3
2.1 SPRACHVERTEILUNG 4
3. GESCHICHTLICHER ABRIß 4
3.1 GRUNDLEGUNG DER FRANZÖSISCHEN SPRACHE IN KANADA 8
3.2. SPRACHPFLEGE UND -POLITIK IM 20. JAHRHUNDERT 11
4. BESONDERHEITEN DES FRANÇAIS CANADIEN 13
A) AUSSPRACHE 13
B) MORPHOLOGIE 15
C) SYNTAX 15
D)WORTSCHATZ 16
E) ÜBERNAHMEN AUS DEN INDIANER UND ESKIMOSPRACHEN 17
F) ANGLIZISMEN 18
6. TENDENZEN 19
7. LITERATURVERZEICHNIS 19
1. Einleitung
Toronto, im März 1996. Am Flughafen sind zweisprachige Hinweisschilder zu sehen - auf englisch und französisch. Die anglophone Vormachtstellung scheint eingeschränkt, Zweisprachigkeit durchgesetzt. Der Immigration Officer läßt sich allerdings nicht auf ein Gespräch in Französisch ein. Im Hostel das erste Zusammentreffen mit einem Kanadier aus Québec. Doch der Kommunikationsversuch mit ihm scheitert kläglich. Er versteht mein Französisch nicht, ich kann mit seinem nichts anfangen - sollten die Vorurteile über das kanadische Französisch - vor der Reise hatte ich davon gelesen - also stimmen? Im Reiseführer wurde es als Schock beschrieben, was Frankokanadier ereilt, wenn sie, nach einer langen Reise, zum ersten Mal in Paris sind und versuchen mit den Franzosen zu sprechen - endlich im Ursprungsland ihrer Muttersprache und doch müssen sie erleben, daß sie genauso wenig verstanden werden wie zum Beispiel in Ontario. Gespannt warte ich auf die Fahrt nach Montréal. Dort hört man Ungewohntes. Le char statt la voiture und zum Dank, nicht zur Begrüßung, ein bienvenue - offensichtlich anglophon beeinflußt durch „you are welcome“ – und es lassen sich erste Regeln der „Andersartigkeit“ erkennen. Die Provinz Québec steht nicht unter dem Bann(er) des Ahornblattes wie die übrigen kanadischen Provinzen, sondern unter dem der Lilie - dem alten Symbol der Macht der französischen Könige. Von den anderen Provinzen unterscheidet sie nicht nur die Sprache, sondern auch das Erinnern an vergangene Zeiten. So steht auf den Kennzeichen der in Québec zugelassenen Autos: „Je me souviens.“ Eine Erinnerung an Früher offensichtlich. Ist nun, wie die Lilie aus der französischen Fahne, die aktuelle Entwicklung aus dem Französischen im frankophonen Teil Kanadas verschwunden? Die geschichtliche Entwicklung und die Besonderheiten des Französischen in Québec sollen Thema der hier vorgelegten Arbeit sein.
2. Die Provinz Québec. Land und Leute1
Die Provinz Québec ist heute die größte der kanadischen Provinzen. Sie umfaßt mit einer Fläche von 1.540.680 Quadratkilometern 15,5% der Gesamtfläche Kanadas. In ostwestlicher Richtung erstreckt sich die Provinz über 1.610 Kilometer, in nordsüdlicher über 1.930 Kilometer. Das Mutterland Frankreich nimmt sich dagegen klein aus. Dessen Festland dehnt sich über 551.695 Quadratkilometer aus, der „Durchmesser“ des Hexagons beträgt rund 1.000 Kilometer (Michaud, 8). Der Name der Provinz Québec ist die Ableitung eines Begriffes aus der Algonkin- Sprache der Ureinwohner und meint: Der Ort, wo der Fluß fließt. Angespielt wird mit dieser Bezeichnung auf den mächtigen Sankt-Lorenz-Strom in der Nähe der heutigen Provinzhauptstadt, die den selben Namen trägt wie die gesamte Provinz. In der Provinz Québec leben 6.895.963 Menschen (Volkszählung 1991), in Frankreich auf wesentlich weniger Fläche verteilt 58 Millionen. In den Weiten der kanadischen Provinz verlieren sich die Bewohner gewissermaßen, so daß die Bevölkerungsdichte bei etwa vier Personen pro Quadratkilometer liegt. 78 Prozent der Bevölkerung leben allerdings konzentriert in den Städten.
2.1 Sprachverteilung
Die Einteilung der Einwohner Québecs nach ihren Muttersprachen ergibt heute folgendes Bild: 80 Prozent der Einwohner haben Französisch als Muttersprache, neun Prozent Englisch. Die anglophonen Sprecher der Provinz Québec leben insbesondere in Montréal. Ethnische Minderheiten, zumeist nicht in Kanada geboren, sprechen überwiegend Englisch. Dazu gehören beispielsweise Italiener, Libanesen und Griechen. Außerdem sei erwähnt, daß in Québec noch mehr als 75.000 Indianer und 11.400 Mestizen (métis) - Mischlinge europäisch-indianischer Abstammung - leben.
3. Geschichtlicher Abriß
Das Gebiet des heutigen Québec war ursprünglich von den Algonkin, Huronen und Irokesen- Stämmen besiedelt. Für den Beginn dieser Untersuchung entscheidend ist das Jahr 1534. Der französische Forschungsreisende Jacques Cartier landet in diesem Jahr auf der Halbinsel Gaspé und nimmt das Land für Frankreich in Besitz. Die systematische Kolonisierung des neu gewonnenen Fleckens Erde beginnt allerdings erst später, da die aufkommenden Religionskriege Frankreich in innere Unruhe versetzten. 16082 gründete der Franzose Samuel de Champlain dann eine Niederlassung mit Siedlern aus Europa, die heutige Stadt Québec. Noch zwanzig Jahre später lebten erst 76 Personen dort. Ansiedlung und Kolonisierung erfolgten relativ langsam, denn die Franzosen waren offenbar mehr daran interessiert, mit den Indianern (Pelz-)Handel zu treiben, als Siedlungen zu gründen und den Boden landwirtschaftlich nutzbar zu machen. Im Mutterland war es Kardinal Richelieu vorbehalten, das Interesse an den neuen Territorien bei einer breiteren Öffentlichkeit zu wecken. 1627 gründete er eine Monopolgesellschaft (die Compagnie des Cent-Associés) und stattete sie mit dem Recht aus, seigneuries auf dem anderen Kontinent zu vergeben und zwar an Personen (seigneurs genannt), die sich in der Lage sahen, Landsleute zu finden, die geeignet und geneigt waren, die Gebiete der Nouvelle-France zu besiedeln. Erst sieben Jahre später wurde die Gesellschaft konkret tätig und mit der Gründung von Trois Rivières und dann von Montréal3 nahm die Besiedlung peu à peu zu.
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1 Zu Kapitel 2f vgl. Microsoft Encarta „Quebec“.
2 Im Jahr nach der ersten Siedlung der Engländer in Jamestown, Virginia.
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