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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 30 Pages
Author: Gabriele Prey
Subject: Sociology - Work, Profession, Education, Organisation
Details
Institution/College: University of Bamberg
Tags: Arbeitsteilung, Integration, Gesellschaftstheorie
Year: 2004
Pages: 30
Grade: 1,7
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-29960-2
File size: 252 KB
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Excerpt (computer-generated)
Arbeitsteilung und Integration (Durkheim)
von: Gabriele Prey
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Durkheims Studie über die Teilung der sozialen Arbeit 3
2.1. Funktionen der Arbeitsteilung 3
2.1.1. Solidaritätsformen 5 2.1.1. Mechanische Solidarität 7 2.1.2. Organische Solidarität 9
2.1.2. Zusammenhang zwischen organischer Solidarität und Vertragssolidarität 11
2.2. Gründe und Bedingungen für die Arbeitsteilung 13
2.3. Anormale Formen der Arbeitsteilung 18
2.3.1. Anomische Arbeitsteilung 18
2.3.2. Erzwungene Arbeitsteilung 19
2.3.3. Fehlkoordination der Funktionen 20
2.3.4. Konsequenzen der Anomalien für die Integration 21
2.4. Das Konzept der Berufsgruppen 22
3. Übertragung von Durkheims Theorie auf die Prozesse der Europäisierung und der Globalisierung 24
4. Schluss 28
5. Literaturverzeichnis 29
1. Einleitung
Arbeitsteilung und Integration sind auch heute noch zentrale Begriffe in unserer Gesellschaft sowohl im soziologischen und politischen als auch im wirtschaftlichen und rechtlichen Bereich. Emile Durkheim widmet sich schon 1893 der Bedeutung der Arbeitsteilung für die Entwicklung und Integration von Gesellschaften. Das Ergebnis ist eines seiner bekanntesten Werke „De la division du travail social“, das den deutschen Titel „Über die Teilung der sozialen Arbeit“ trägt. In seinen Arbeiten beschäftigt Durkheim sich stark mit der Untersuchung seiner damaligen Gesellschaft. Er versucht herauszufinden, was das Besondere an der modernen Industriegesellschaft ist. Die Antwort, die er auf darauf findet, ist, dass die Arbeitsteilung das besondere Kennzeichen ausmacht, das die Industriegesellschaft von anderen Gesellschaften unterscheidet. Jeder Mensch besitzt unterschiedliche Fähigkeiten und spezialisiert sich immer mehr darauf. So kommt es zu einer größeren Abhängigkeit zwischen den Individuen sowie zu einer spezifischen Solidarität, die Durkheim als organisch bezeichnet und die zur Integration innerhalb von entwickelten Gesellschaften führt. Dies stellt einen Gegensatz zum Utilitarismus und somit zur individualistischen Gesellschaftstheorie von Herbert Spencer dar. Bei seinen Studien geht Durkheim ausgesprochen methodisch und soziologisch vor. Charakteristisch für ihn ist dabei, dass er soziale Phänomene nur durch soziale Tatsachen, sogenannte „faits sociaux“ erklären will. Soziologie ist für ihn eine positive Wissenschaft, die auf einer empirischen Beweisführung begründet sein soll. Für Durkheim ist es also wichtig, alle Erkenntnisse im Rahmen seiner Gesellschaftsanalyse nur aus gesellschaftlichen Gegebenheiten wie zum Beispiel Moral, Solidarität und Recht herzuleiten. Ziel dieser Arbeit ist es, zunächst Durkheims Theorie über die Arbeitsteilung darzustellen. Dabei werden die Funktionen sowie die Gründe und Bedingungen für die Arbeitsteilung näher erörtert und mögliche anormale Formen sowie das Konzept der Berufsgruppen vorgestellt. Im Anschluss daran werden die gewonnenen Erkenntnisse auf die heutigen Phänomene der Europäisierung und der Globalisierung übertragen. (vgl. Durkheim 1977, S. 17-35 und http://www.net-lexikon.de)
2. Durkheim: Über die Teilung der sozialen Arbeit
In seiner Studie über die soziale Arbeitsteilung geht Durkheim von einer bestimmten Leitfrage aus. Er will nämlich herausfinden, wieso ein Individuum auf der einen Seite immer autonomer, aber auf der anderen Seite immer abhängiger von der Gesellschaft wird. Dies würde ja eine Gleichheit zwischen den eigentlich gegensätzlichen Begriffen von Individualität und Solidarität bedeuten. Die Ursache für diesen scheinbaren Widerspruch liegt nach seinen Erkenntnissen in der Veränderung der sozialen Solidarität, deren Ursache wiederum eine vermehrte Arbeitsteilung ist. Spezialisierung und Arbeitsteilung machen eine Person demnach autonomer und zugleich solidarischer. Durkheim erweitert außerdem den Begriff der Arbeitsteilung, indem er ihn nicht nur auf ökonomische, sondern auch auf soziale und biologische Bereiche anwendet. Er geht beispielsweise auf die Aufteilung der Funktionen zwischen den Geschlechtern oder auf die Evolutionsgeschichte ein. (vgl. Gephart 1993, S. 328-329 und S. 363-365 und Parsons 1979, S. 118-121)
2.1. Funktionen der Arbeitsteilung
Bei der Klärung des Begriffs der Arbeitsteilung zäumt Durkheim das Pferd sozusagen von hinten auf, indem er zunächst klärt, welche Funktion die Arbeitsteilung nicht inne hat. Obwohl es im ersten Moment einleuchtend scheinen mag, ist es laut Durkheim kein Ziel der Arbeitsteilung, die Gesellschaft in irgendeiner Form weiter zu entwickeln oder die wirtschaftliche Produktivität zu steigern. Arbeitsteilung stellt somit keinen Daseinsgrund für die Zivilisation dar. Wenn dies nämlich der Fall wäre, hätte die Arbeitsteilung keinen moralischen Charakter und man wüsste auch nicht, wieso sie überhaupt entstanden ist. Mit dieser Argumentation führt uns Durkheim an die eigentliche Funktion der Arbeitsteilung, die er folgendermaßen beschreibt: „In diesem Fall sind die ökonomischen Dienste, die sie leisten kann, gering, verglichen mit der moralischen Wirkung, die sie hervorruft, und ihre wahre Funktion besteht darin, zwischen zwei oder mehreren Personen ein Gefühl der Solidarität herzustellen. Wie immer dieses Ergebnis auch erlangt wird, es regt diese Freundschaft an und zeichnet sie mit seinem Stempel.“ (Durkheim 1977, S. 96) Also, prinzipiell hat die Arbeitsteilung folgende Wirkung auf die Gesellschaft: sie erzeugt soziale Solidarität zwischen den Individuen, indem sie zwischen ihnen Abhängigkeiten schafft. Diese Abhängigkeiten entstehen, weil der Einzelne nicht vollkommen ist und nicht alle Aufgaben alleine erfüllen kann. Durkheim erörtert dies am Beispiel der Ehe. Hier hat sich mit der Zeit eine spezifische Arbeitsteilung entwickelt, welche durch eine Vielzahl von Regeln sowie durch die Ehesolidarität symbolisiert wird. An diesem Beispiel lässt sich zeigen, dass die Arbeitsteilung Mann und Frau aneinander bindet. Der Mann ist für die Versorgung der Familie und ihren Schutz zuständig, während sie für das Heim und die Kindererziehung verantwortlich ist. (Heute hat sich dieses Rollenbild aber verändert) So hat jeder eine fest definierte Rolle bzw. eine klar festgelegte Funktionen, die sich gegenseitig auch nicht überschneiden. Dadurch entsteht aber gleichzeitig eine wechselseitige Abhängigkeit, was bedeutet, dass jeder sich darauf verlassen muss, dass der andere seine Aufgabe auch erfüllt. Ansonsten würde das Zusammenleben nicht erfolgreich verlaufen. Wie man sieht, entsteht auf diese Weise eine langfristig angelegte solidarische Beziehung zwischen zwei oder auch mehreren Personen, die Durkheim folgendermaßen beschreibt:
„Individuen sind untereinander verbunden, die sonst unabhängig wären. Statt sich getrennt zu entwickeln, vereinen sie ihre Anstrengungen. Sie sind solidarisch, und diese Solidarität wirkt sich nicht nur in den kurzen Augenblicken aus, in denen sie einander gefällig sind, sondern weit darüber hinaus.“ (Durkheim 1977, S. 101) Durkheim wirft im Hinblick auf die Konstanz der durch die Arbeitsteilung geschaffenen Solidarität auch den Begriff der natürlichen Ergänzung auf. Im Gegensatz zum geläufigen Sprichwort „gleich und gleich gesellt sich gern“ geht Durkheim davon aus, dass die Arbeitsteilung samt ihrer Solidarität auf Verschiedenartigkeit der Individuen beruht. Wie wir eben gesehen haben, besitzt jede Person unterschiedliche Fähigkeiten, wodurch zahlreiche Abhängigkeiten entstehen können. Das heißt aber auch, dass wir immer mit Individuen verbunden sind, die andere Rollen und Funktionen wahrnehmen als wir selber. Somit gründet sich Arbeitsteilung nicht wie beispielsweise in einer Freundschaft auf Ähnlichkeiten, sondern eben auf Unähnlichkeiten. Diejenige Person, mit der wir durch Arbeitsteilung verbunden sind, stellt somit laut Durkheim unsere natürliche Ergänzung dar.
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