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Zum Wesen der Aura in der Ästhetik Walter Benjamins

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 1995, 14 Pages
Author: Christian Plätzer
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 1995
Pages: 14
Grade: Sehr gut
Language: German
Archive No.: V28081
ISBN (E-book): 978-3-638-29969-5

File size: 217 KB


Excerpt (computer-generated)

Zum Wesen der Aura in der Ästhetik Walter Benjamins

von: Christian Plätzer

 


INHALT

1. Einleitung  3

2. Der Ästhetikbegriff Benjamins 4

3. Auratische Erfahrung in der Kunstrezeption 5

4. Der Verlust der Aura durch die technische Reproduktion des Kunstwerks  7

5. Auratische Wahrnehmung unter Drogeneinfluß - zur Ästhetik des Rauschs  9

6. Zusammenfassung  12

LITERATURVERZEICHNIS 14


 

 

1. Einleitung

Die Drogenexperimente Walter Benjamins fallen in den Zeitraum von 1927 bis 1934. Den Anstoß dazu bekam er von seinen beiden Freunden, den Ärzten Ernst Joel und Fritz Fraenkel, die ihn als Versuchsperson für ihre entsprechenden medizinischen Untersuchungen warben. Benjamins Experimente mit Haschisch und Opium, später auch Meskalin, dürfen nicht als Flucht vor der Realität in den Rausch mißverstanden werden. Im Gegenteil wurden die Versuche äußerst ernsthaft und zumeist unter ärztlicher Beobachtung durchgeführt. Benjamin nutzte den Rausch als Grenzbereich menschlichen Wahrnehmungsvermögens zur Inspiration für seine intellektuellen Arbeiten. Ziel der Versuche blieb immer der reinfiltrierte intellektuale Ertrag1. Die Texte, die er noch in derselben Nacht oder am Tag nach dem Rausch niederschrieb, ermöglichen uns so "einen Blick in das Laboratorium seiner Gedanken"2. Dies ist umso aufschlußreicher für die Deutung von Benjamins philosophischen Arbeiten, da diese durch verschiedene Parallelen in engem Zusammenhang mit seinen Rauscherfahrungen stehen. So erhielten auch Benjamins Überlegungen zur auratischen Wahrnehmung entscheidende Impulse im Drogenrausch3. Aura ist einer der zentralen Begriffe, die sich kontinuierlich durch sein Werk während des letzten Jahrzehnts seines Lebens ziehen. Der Terminus ist konstitutiv für Walter Benjamins ästhetische Theorie und wird dadurch nach seiner Verwendung in Medizin, Theosophie, Parapsychologie und in der Kabbala, erstmals zu einem philosophischen Begriff. Der Entdeckung der Aura im Rausch folgte bereits wenige Zeit später die Beobachtung ihres Verfalls durch die Möglichkeit der technischen Reproduktion des Kunstwerks in der Moderne. Die verschiedenen Beschreibungen der Aura, die sich im Werk Benjamins während der 30er Jahre finden lassen, führten in der Forschung vielfach dazu, darin einen Wandel der Vorstellung an sich zu sehen. Das Phänomen selbst läßt sich aus den Drogentexten allein nicht hinreichend erschließen. Die betreffenden Stellen sind Aufzeichnungen aus Rauschzuständen und verzeichnen meist dunkel und fragmentarisch Gedankengänge, die "nüchternen" Überlegungen nur schwer zugänglich sind. Unter Rückgriff auf die wesentlich konkreteren Beschreibungen im Essay "Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit" werden die Texte plastischer. Diese Arbeit ist eine Gegenüberstellung der Vorstellungsinhalte - ausgehend von der Wahrnehmung der Aura als traditioneller Rezeptionsform von Kunst über deren Verfall bis hin zum Sehen der Aura unter Drogeneinfluß. Viele Beziehungen, Unterschiede und Gemeinsamkeiten scheinen das Phänomen noch weiter zu verrätseln, lassen sich bei genauerem Hinsehen aber zu einer konkreten Konzeption ergänzen, die auch nach dem Verfall der Aura fortbesteht. Die einzelnen Texte erweisen sich als Bausteine zu Walter Benjamins ästhetischem Modell.

2. Der Ästhetikbegriff Benjamins

Das Werk Benjamins greift in unterschiedlichste wissenschaftliche Disziplinen aus. Seine Arbeiten werden von Philosophie, Theologie über Literaturwissenschaften bis hin zu Geschichte u.a. rezipiert. Eine eindeutige Zuordnung würde seinen Schriften niemals gerecht. Es bleibt dennoch festzustellen, daß der entscheidende Bereich seiner Untersuchungen die Auseinandersetzung mit dem Begriff des Ästhetischen bildet4. Ästhetik wird bei Benjamin allerdings nicht in erster Linie als Kunsttheorie begriffen, sondern primär in ihrer ursprünglichen Funktion betrachtet, die in der Frage der Wahrnehmung liegt. Diese Definition geht zurück auf das griechische Stammwort aisthesis und wurde als Wissenschaft von der Sinneswahrnehmung im Gegensatz zu geistiger Erkenntnis erstmals um 1750 von A.G. Baumgarten formuliert. Ästhetik als Theorie der Wahrnehmung wird bei Walter Benjamin zur neuen Leitwissenschaft5, die durch die technologischen Innovationen der Moderne einem tiefgreifenden Wandel unterliegt.

3. Auratische Erfahrung in der Kunstrezeption

[...]


1 Walter Benjamin: Über Haschisch. Hrsg.v. Tillman Rexroth. Frankfurt am Main 1972, S.106.

2 Krista R. Greffrath: Metaphorischer Materialismus. Untersuchungen zum Geschichtsbegriff Walter Benjamins. München 1981, S.133.

3 Benjamin, Über Haschisch, S.106.

4 Norbert Bolz, Willem van Reijen: Walter Benjamin. In: Reihe Campus. Einführungen. Hrsg.v. Christian Krüger u.a. Frankfurt am Main/New York 1991, S.107.

5 Bolz/Reijen,W.Benjamin, S.107.


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