Register or log in at GRIN

Your e-mail-address or password is wrong
Register now
For new authors: free, easy and fast
This will be used as your user name, please specify a valid e-mail address

Lost password

Your e-mail-address or password is wrong

Request a new password
Zurück zur Kriminalbiologie? close

Please wait

Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.

Zurück zur Kriminalbiologie?

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 31 Pages
Author: Daniel Lois
Subject: Sociology - Law, Delinquency, Abnormal Behavior

Details

Event: Aktuele Fragestellungen der Kriminalsoziologie
Institution/College: RWTH Aachen University (Institut für Soziologie)
Tags: Zurück, Kriminalbiologie, Aktuele, Fragestellungen, Kriminalsoziologie
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2002
Pages: 31
Grade: 1,3
Language: German
Archive No.: V28097
ISBN (E-book): 978-3-638-29981-7

File size: 273 KB


Excerpt (computer-generated)

Zurück zur Kriminalbiologie?

von: Daniel Lois

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung Seite 3

2. Überblick über die Geschichte der Kriminalbiologie 4

2.1 Die Entstehung der Kriminalbiologie in der anthropologisch-positiven Schule des 19. Jahrhunderts 4
2.2 Die Rolle der Eugenik in der Weimarer Republik 7
2.3 Die Kriminalbiologie als staatstragende Doktrin im Dritten Reich 9
2.4 Die Entwicklung der Kriminalbiologie nach 1945 12

3. Neuere kriminalbiologische Konzepte 13

3.1 Die Evolutionstheoretische Sichtweise der Humansoziobiologie 13
3.2 Genetische Annahmen: Die Zwillings- und Adoptionsforschung 16
3.3 H.J. Eysenck: Persönlichkeitstypologischer Ansatz 18
3.4 Biochemische Annahmen 21

4. Diskussion der dargestellten Ansätze 22

5. Resümee 29

6. Literaturverzeichnis 31




 

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit hat die Zielsetzung zu untersuchen, inwiefern neuere kriminalbio-logische Ansätze aus der Verhaltensgenetik, Psychologie und Soziobiologie in der Lage sind, Antworten auf die Frage zu geben, wovon delinquentes Verhalten ursächlich abhängt: von der genetischen Anlage oder den Umweltbedingungen. Die aus der Wissenschaftsgläubigkeit des 19. Jahrhunderts entstandene Kriminalbiologie glaubte mit empirisch-positiven Methoden das Wesen der Verbrecherpersönlichkeit herausfinden zu können. Die Untersuchung krimineller Personen vollzog sich in den jeweiligen Epochen anhand der vorherrschenden wissenschaftlichen Mittel. Die Vorstellung des Veroneser Arzt C. Lombroso, den geborenen Verbrecher anhand von wenigen physiologischen Merkmalen festmachen zu können, schien zu Beginn des 20. Jahrhunderts ad acta gelegt zu sein. Bis heute ist allerdings immer wieder ein Aufflammen biokriminologischer Theorien evident, die jeweils durch Fortschritte in unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen wie der Biologischen Psychologie, der Hirnforschung oder der Verhaltensgenetik inspiriert werden. Auch in den Sozialwissenschaften zeigt sich eine wachsende Bereitschaft seit den siebziger Jahren, biologische Grundlagen in die Erklärung menschlichen Verhaltens mit einzubeziehen, in der Entwicklung der Soziobiologie. Sie erlebte ihren vorläufigen Höhepunkt in Edward O. Wilsons Standartwerk „Sociobiology – The new Synthesis“ (1977). Dass sie auch in Deutschland eine wachsende Zahl von Anhängern findet, zeigt sich alleine schon anhand der in jüngster Zeit erschienenen Einführungsbücher zum Thema. Kriminalbiologische Theorien erzielen auch darum immer wieder eine hohe öffentliche Aufmerksamkeit, weil sie durch die Behauptung, Kriminalität sei angeboren und stecke im Wesen des Menschen, mythische Ängste vor einer die zivilisierte Welt bedrohenden Macht erzeugen. Mit ihrer Vorstellung vom geborenen Verbrecher wirken kriminalbiologische Ansätze deshalb so provozierend, da sie sowohl dem Menschen den freien Willen absprechen, als auch Einflüsse des sozialen Milieus negieren. Es entsteht ein ,therapeutischer Nihilismus’: Verbrechen ist Schicksal, an dem nichts zu verändern ist. Eine besonders plastische Wirkung erzielen vor allem Vertreter der Zwillings- und Adioptionsforschung, wenn sie in einschlägigen Fernsehsendungen den Einfluss der Vererbung als derart stark charakterisieren, dass eineiige Zwillinge nicht nur häufig gemeinsam kriminell werden, sondern auch die gleiche Zahnpasta benutzen (was neben einem Kriminalitätsgen auch auf ein ,Blen-da-Dent-Gen’ schließen lassen würde). Um einen Überblick über verschiedene Ansätze aus dem Bereich der Kriminalbiologie bieten zu können, bezieht die folgende Ausarbeitung neben der Soziobiologie auch einen Ansatz aus der Psychologie mit ein, der genetische, physiologische und persönlichkeitstypologische Gesichtspunkte miteinander verknüpft. Schließlich soll auch der Einfluss der Biochemie auf das menschliche Verhalten diskutiert werden.

2. Überblick über die Geschichte der Kriminalbiologie

2.1 Die Entstehung der Kriminalbiologie in der anthropologisch-positiven Schule des 19. Jahrhunderts

Im Mittelalter galt das Verbrechen als Sünde wider Gott. Die zeitgeschichtlichen Epochen des Humanismus und der Renaissance vermittelten erstmals ein säkularisiertes Weltbild, das den Menschen als Individuum in den Mittelpunkt des Interesses stellte. Das Strafrecht musste sich von seinen religiösen Bezügen lösen und weltlich begründet werden. Seine Reformbedürftigkeit verdeutlichte die Entdeckung gesellschaftlicher Verbrechensursachen. So schlug der Humanist Thomas Morus (1478-1535) bereits im 16. Jahrhundert eine präventive Kriminalitätsbekämpfung durch die Linderung von Elend und Armut vor.

Eine systematische und wissenschaftliche Befassung mit der Kriminalität setzte im 18. Jahr-hundert im Zeitalter der Aufklärung ein. Der aufklärerische Geist betrachtete alle Menschen als freie und gleiche, rational und eigenverantwortlich handelnde Individuen. Aufgrund der unterschiedlichen Verteilung von Triebhaftigkeit, Bildung und Wohlstand galten zwar manche Menschen als stärker gefährdet, Straftaten zu begehen, als andere. Prinzipiell wurde die Kriminalität allerdings als ein für jedermann vermeidbarer Umstand gesehen, wodurch täter-orientierte Erklärungen des Verbrechens grundsätzlich ausschieden. Statt dessen wurden die Kriminalitätsursachen etwa in einer unvernünftigen und ungerechten Struktur des Kriminaljustizsystems, d.h. in einer sozialen Reaktion auf ein gesellschaftlichen Phänomen, gesucht. Auf dieser Grundlage brachte die klassische Schule der Kriminologie erste Ansätze zu einer Humanisierung des damaligen menschenunwürdigen Justizsystems mit sich. Der Schutz der Freiheit und Privatsphäre des Strafgefangenen sowie die Erkenntnis der Nutzlosigkeit und Ungerechtigkeit von Todesstrafe und Folter waren Schritte auf dem Weg zu einem verhältnismäßigen, rechtsstaatlichen und effizienten Strafrecht. Durch eine Ökonomie des Strafens sollte seine Wirksamkeit und soziale Akzeptanz erhöht werden (vgl. Kunz 1994: 83-89). Das ökonomische Strafsystems der klassischen Schule war auf eine Gesellschaft gleicher, wirtschaftlich und politisch emanzipierter Bürger zugeschnitten. Mit der Entstehung des Industrieproletariats und den sich verhärtenden Klassengegensätzen verlor dieses Konzept seinen Bezug zur gesellschaftlichen Realität. Die mit Armut und Elend zusammenhängende Kriminalität war Auslöser einer milieubezogenen Betrachtung des Verbrechens, wie sie bspw. Gabriel Tarde (1843-1904) in Frankreich vornahm. Diese Herangehensweise war allerdings keineswegs Ausdruck eines ausgeprägten Verständnisses von Kriminalität als Produkt gesellschaftlicher Einflüsse. Es handelte sich um den Versuch von mit bürgerlichen Wertvorstellungen beseelten Besserungsvereinen, den Kreislauf von Verelendung und Kriminalität im beginnenden Industriezeitalter zu durchbrechen. Deshalb fand in den Zucht-Häusern eine Auslese zwischen denjenigen, die sich für die vermittelte Arbeitsdisziplin empfänglich zeigten, und den ,unverbesserlichen’ Straftätern statt, die unschädlich gemacht werden sollten. Das Augenmerk der Kriminologie richtete sich von nun an auf die Natur jener Unverbesserlichen, die sie vermeintlich zum Verbrechen drängte. Die Idee einer biologischen Prädestination zum Verbrechen wurde zuerst vom Züricher Pfarrer Johann Casper Lavater (1741-1801) entwickelt. Er studierte die Gesichtszüge hingerichteter Missetäter und leitete daraus eine Kriminalphysiognomie ab. Im Zuge der raschen Entwicklung der medizinischen und experimentellen Wissenschaften im 19. Jahrhundert verstärkte sich das Interesse einer biologischen Kriminalitätserklärung auf der theoretischen Grundlage von Charles Darwins (1809-1982) Evolutionslehre. August Comte (1798-1857) lieferte durch seinen positiven, erfahrungswissenschaftlichen Ansatz das methodische Rüstzeug, den gesellschaftsbezogenen, präventiven klassischen Ansatz zugunsten einer empirisch-positiven Analyse des Verbrechers aufzugeben. Paradoxerweise begegnete man den sozialen Problemen der Zeit mit dem gleichen positivistischen Enthusiasmus, der im Zuge der Industriellen Revolution für deren Entstehung erst verantwortlich gewesen war (vgl. Justizministerium NRW 1997: 71).

Der Veroneser Arzt Cesare Lombroso (1836-1909) entwickelte dieses biologische Verständnis zu einem anthropologischen Erklärungsansatz weiter. Nachdem die Aufklärung noch von willensfrei handelnden Individuen ausgegangen war, behauptete Lombroso, dass menschliches Verhalten durch angeborene Wesensmerkmale vorherbestimmt sei. Er teilte die Menschen in bestimmte Typen ein, für die jeweils spezielle Neigungen charakteristisch seien. Lombroso unterschied anhand einer Mischung von physischen und psychischen Merkmalen, z.B. einer fliehenden Stirn, hohen Backenknochen, Gemütlosigkeit, Grausamkeit oder Schmerzunempfindlichkeit zwischen normalen Menschen und dem geborenen Verbrecher. Ein Drittel aller Delinquenten verdächtigte er, aufgrund ihrer vererbten Anlage zwanghaft zum Verbrechen getrieben worden zu sein. Für Lombrosos erschien es möglich, den Verbrechertypus aus der bloßen Alltagsbeobachtung heraus, gewissermaßen ,instinktiv’, erkennen zu können: „Wenn der Verbrecher auch alle seine Gesichtszüge in der Gewalt hat, so gelingt es doch dem grössten Heuchler nicht, den Blick, der sein Innerstes verräth, zu verstecken. Ich finde eine grosse Aehnlichkeit zwischen dem Blick des Mörders und dem der Katze, wenn sie im Hinterhalte lauert oder zum Sprung bereit ist.“ (Lombroso 1876, zitiert nach: Kunz 1994: 96) Aus dieser Auffassung resultieren Lombrosos Vorstellungen der Verbrechertherapie: er solle für immer in Anstalten für Unverbesserliche interniert oder ganz beseitigt werden. Für den jugendlichen Täter sei ein den schlechten Charaktereigenschaften entsprechender Beruf, z.B. Schlächter oder Prostituierte, angemessen.

[...]


Comments

No comments yet

Add Comment
Your comment is reviewed before being published

Other users also were interested in the following titles:


This text can be quoted and accessed from this url:

http://www.grin.com/e-book/28097/zurueck-zur-kriminalbiologie
please wait Please wait