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Scholary Paper (Seminar), 1999, 23 Pages
Author: Johannes Kaspar
Subject: Law - Philosophy, History and Sociology of Law
Details
Institution/College: LMU Munich (Institut für Rechtswissenschaften)
Tags: Utilitarismus, Jeremy, Bentham, John, Stuart, Mill, Seminar, Modernes, Rechtsdenken
Year: 1999
Pages: 23
Grade: sehr gut
Bibliography: ~ 15 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-10205-6
ISBN (Book): 978-3-638-78655-3
File size: 182 KB
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Abstract
Gegenstand der Arbeit ist der klassische Utilitarismus, der seit seiner Ausarbeitung durch Jeremy Bentham und John Stuart Mill Anfang des 19. Jahrhunderts vor allem im angelsächsischen Sprachraum viel Aufmerksamkeit und Zustimmung erfahren hat. Bis heute ist er dort - wenn auch in Form von zahlreichen Abwandlungen und Varianten - eine der wichtigsten und einflussreichsten philosophischen Strömungen. Aus utilitaristischer Perspektive ist diejenige Handlung gut und moralisch wertvoll, deren Konsequenzen das größte Glück für die größte Zahl der von ihr betroffenen Personen bedeuten („greatest happiness for the greatest number“). Die Attraktivität eines solchen Ansatzes, der ohne Metaphysik auszukommen scheint, liegt auf der Hand: Zum einen baut er auf einem Grundzug des Menschen auf, dem Streben nach Glück. Zum anderen wird Moral als vom Menschen und für den Menschen geschaffene Einrichtung begriffen, die durch die Bezugsgröße „Glück“ rational kalkulierbar und empirisch messbar sein soll. Anhand der Arbeiten von Bentham und Mill wird die Konzeption des klassischen Utilitarismus vorgestellt und einer kritischen Würdigung unterzogen. Dabei wird am Beispiel des staatlichen Strafens gezeigt, dass manche Kritik am utilitaristischen Denken überzogen ist und insbesondere eine generelle Unvereinbarkeit mit der Idee unveräußerlicher Grund- und Menschenrechte nicht besteht.
Excerpt (computer-generated)
Dr. Johannes Kaspar
Modernes amerikanisches Rechtsdenken
LMU München, SS 1999
Der klassische Utilitarismus: Jeremy Bentham und John Stuart Mill
I. Einleitung... 2
II. Jeremy Bentham (1748-1832) ... 3
1. Quellen der Benthamschen Konzeption... 4
a) Antike und frühchristliche Quellen ... 4
b) Neuzeitliche Quellen... 5
aa) Hobbes (1588-1679)... 5
bb) Spinoza (1632-1677)... 5
cc) Locke (1632-1704) ... 6
dd) Hutcheson (1694-1747) ... 6
ee) Weitere Quellen... 7
2. Die Ausarbeitung durch Bentham... 7
a) Benthams Ziele... 7
b) Das Prinzip der Nützlichkeit ... 8
c) Der Ursprung von Freude und Leid... 9
d) Arten von Freude und Leid ... 10
e) Das hedonistische Kalkül ... 10
aa) Benthams Konzeption ... 10
bb) Schwierigkeiten des hedonistischen Kalküls... 11
III. John Stuart Mill (1806-1873)... 13
1. Mills Konzeption ... 14
2. Zur Beweisbarkeit des Nützlichkeitsprinzips ... 15
3. Kritik ... 16
a) Kritik am Verfahren ... 16
b) Kritik am Beweis des utilitaristischen Prinzips ...17
IV. Die Grenzen des utilitaristischen Denkens am Beispiel des Strafrechts... 18
1. Der Gerechtigkeitseinwand... 18
2. Stellungnahme... 20
Literaturverzeichnis: ... 22
I. Einleitung
Der klassische Utilitarismus (von utilitas, lateinisch für Nutzen) hat seit seiner Ausarbeitung durch Jeremy Bentham und John Stuart Mill Anfang des 19. Jahrhunderts vor allem im angelsächsischen Sprachraum viel Aufmerksamkeit und Zustimmung erfahren. Bis heute ist er dort - wenn auch in Form von zahlreichen Abwandlungen und Varianten1 - eine der wichtigsten und einflussreichsten philosophischen Strömungen.
Als konsequentialistischer Ansatz beantwortet der Utilitarismus die Frage, wie Recht und Unrecht unterschieden werden können, ohne Rückgriff auf göttliche Autorität oder unveräußerliche „natürliche“ Wertvorstellungen, sondern nur mit Blick auf die Folgen einer Handlung. Der Vorwurf des „Wertnihilismus“ (Nicolai Hartmann)2 ist dagegen verfehlt; denn auch die utilitaristische Ethik erkennt einen Wert an, den es anzustreben gilt, namentlich das
menschliche Glück. Im Gegensatz zum Egoismus wird dabei jedoch nicht auf individuelles, sondern auf kollektives Glück abgestellt; mit der geläufigen Kurzformel ausgedrückt: die Handlung soll gut und moralisch wertvoll sein, deren Konsequenzen das größte Glück für die größte Zahl der von ihr betroffenen Personen bedeuten („greatest happiness for the greatest number“). In einer Zeit der fragwürdig gewordenen Autoritäten lag damit die Attraktivität des Ansatzes auf der Hand: Zum einen baut er auf einem Grundzug des Menschen auf, dem Streben nach Glück. Zum anderen wird Moral als vom Menschen und für den Menschen geschaffene Einrichtung begriffen, die durch die Bezugsgröße „Glück“ rational kalkulierbar und empirisch messbar sein soll - „morality as a human creation, serving human ends“3.
Ungeachtet dessen blieb eine umfassende Auseinandersetzung mit dem Utilitarismus im deutschen Sprachraum aus, was Lasars als „Nicht-Rezeption des Utilitarismus in Deutschland“4 bezeichnet. Wo er Berücksichtigung fand, wurde der Utilitarismus kurz abgehandelt, teilweise geradezu abqualifiziert: Schischkoff spricht lapidar von einem „pseudo-ethischen, auf der Gleichsetzung von gut und nützlich beruhenden System“5. Marx und Engels befürchteten eine „exploitation de l´homme par l´homme“6, Nietzsche wiederum sieht den Utilitarismus in der Reihe der „Vordergrund-Denkweisen und Naivitäten“7.
Grund für die zurückhaltende Aufnahme in Deutschland mag auch die große Bedeutung der Kantschen Lehren gewesen sein. Denn der kategorische Imperativ Kants fordert ein
unbedingtes Sollen ohne Beachtung von Zweck oder Folgen einer Handlung8, wie sich deutlich auch anhand der absoluten, d. h. auf zweckfreier Vergeltung aufbauenden Straftheorie Kants zeigen lässt9. Im Folgenden soll der klassische Utilitarismus anhand der Arbeit seiner zwei wichtigsten Vertreter, Jeremy Bentham und John Stuart Mill, dargestellt werden.
1 S. Höffe (Hrsg.), Einführung in die utilitaristische Ethik, 1975, S. 8.
2 Köhler in Williams (Hrsg.), Kritik des Utilitarismus, 1979, S. 9.
3 Glover, Utilitarianism and its Critics, S. 2.
4 Lasars, Die klassisch-utilitaristische Begründung der Gerechtigkeit, 1982, S. 1.
5 Schischkoff (Hrsg.): Philosophisches Wörterbuch, 14. Aufl. (1957), S. 621.
6 Marx/Engels, „Deutsche Ideologie, Werke (1959), S. 394; zitiert nach Höffe in: Gähde/Schrader (Hrsg.), Der klassische Utilitarismus, 1992, S. 293.
7 „Jenseits von Gut und Böse“, in: Nietzsche, Werke (1968), sechste Abteilung, zweiter Band, Nr. 255, zitiert nach Höffe (Fn. 6), S. 293.
8 Lasars (Fn. 4), S. 19.
9 S. dazu Roxin, Strafrecht, 4. Aufl. (2006), § 3 Rn. 2 f.
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