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Gender als Faktor in der interkulturellen Wirtschaftskommunikation

Research Paper, 2001, 60 Pages
Author: Galina Leontij
Subject: Sociology - Gender Studies

Details

Category: Research Paper
Year: 2001
Pages: 60
Grade: sehr gut (bereits veröff.)
Language: German
Archive No.: V28177
ISBN (E-book): 978-3-638-30031-5

File size: 383 KB
Notes :
Bei dieser Arbeit handelt es sich um die Pionier-Forschungsarbeit zur deutsch-ukrainischen Wirtschaftskommunikation, die gleichzeitig die erste Forschungsphase meiner Doktorarbeit darstellt. Stichworte: qualitative Sozialforschung, Gender-Studies, Interkulturelle Kommunikation, Stereotypenforschung, Ost-West-Kommunikation



Excerpt (computer-generated)

Forschungsarbeit

Gender als Faktor in der interkulturellen
Wirtschaftskommunikation

(am Beispiel deutsch-ukrainischer Joint-Ventures in Kiev)

von

Galina Leontij, MA

Doktorandin am Institut fur Sprachwissenschaft
der Universitat Wien / Fachgruppe Soziologie, Universitat Konstanz

 

Gliederung

1. Einführung in die Problemstellung des Forschungsauftrages

2. Die erste Erhebungsphase

3. Informantenzugang als Faktor der interkulturellen Kommunikation

4. Methode
4.1. Methode der Datenerhebung: das verstehende Interview
4.2. Zur Methode der Auswertung
4.2.1. [was ist erfragbar]
4.2.2. [groundedtheoretische Auswertung]
4.3. Zukünftiges methodisches Vorgehen in der Feldforschung: Ethnographie

5. Reflexionsniveau, Involvement
5.1. Involvement
5.2. Interviewerin als Faktor

6. Topoi und Stereotypen
6.1. Zur Theorie der Interkulturalität
6.1.1. Interkulturelle kommunikative Konfliktpotentiale/Irritationspotentiale/Missverständnisse
6.1. 2. Das Fremde und das Eigene: Stereotype und Vorurteile und ihre Relevanz in interkulturellen Konflikten
6.2. Empirische Befunde
6.2.1. Zuschreibungen an die Mitglieder der beiden Kulturen:
a) ukrainische Passivität
b) zur "Geduld" als einer angeblich typischen Charaktereigenschaft der Ukrainer
c) Unterschiedliche Erwartungshaltungen ("ich hab dann halt gedacht, hier ist es auch so...") und Stereotypen ("der osten war immer irgendwie so grau: und UNATTRAKTIV irgendwie")
6.2.2. Arbeitsmoral und ihre Hintergrunde: die deutsche Ordnungsliebe gegen die sowjetische Schlamperei
6.2.3. Nachwuchs und neue Angestellte, Generationenkonflikte
6.2.4. Hierarchien und Arbeitsmethoden: "[...]". (und wenn es ein chef ist, dann ist es beihnahe eine ikone die man anbeten soll.)
a) Zusammenprallen von unterschiedlichen Autoritätsmethoden: westliche gg. die sowjetisch geprägte
b) Ukrainische Auffassung vom Geschäftsleben und westlichen Arbeitsmethoden
6.2.5. Das Aufeinanderprallen von unterschiedlichen Managementkonzepten aufgrund unterschiedlicher Gesellschaftsstrukturen
6.2.6. Konfliktpotentiale in der Alltagsorganisation
6.3. Phänomene der Verwestlichung
6.3.1. Die Wahrnehmung der Verwestlichung durch Ukrainer/innen und Deutsche/Osterreicher kontrastiv
6.3.2. Die Rolle der aus dem Westen "importierten Kultur" in der ukrainischen Gesellschaft. Einfluss der westlichen auf die ukrainische Kultur
6.3.3. Veränderungen in der Ukraine: "das Kopieren" der westlichen Standards?
6.4. Gender in der Ukraine
6.4.1. Das Geschlechterrollenverhalten von Arbeitskräften in multinationalen Betrieben . "wenn ich in ein unternehmen rein komme/ und ich sehe da ist der präsident eine frau dann weis ich dann wird das geschäft auch funktionieren."
. "die männliche leitung hat meistens keine ahnung"
a) westliche Managerinnen im ukrainischen Arbeitsumfeld: Schwierigkeiten bei der Autoritätsdurchsetzung
b) ukrainische Frauen und Männer aus westlicher Sicht: Arbeitsmoral und Kompetenzen
6.4.2. Geschlechtersituation der Ukrainer im Allgemeinen: ihre eigene Sicht
6.4.3. Frauen/Männer und Geschäft: Unternehmensgründung und Aufstiegschancen
a) in den West/Ost-Unternehmen
b) Mangel an weiblichen Führungskräften und die Grunde dafür (aus der Sicht meiner Respondenten)
c) Chancenverbesserung für Frauen? Keineswegs. Ein Kampf gegen Vorurteile
6.4.4. Kulturalität/Inszenierung von Männlichkeit/Weiblichkeit in der Ukraine (Impressionen)

7. Schlussthesen

Literaturverzeichnis

Anhang

 

1. Einführung in die Problemstellung des Projekts

Seit der Umstrukturierung der Sowjetunion sind verschiedene gesellschaftliche Veränderungen beobachtbar, die nach erwartbaren Transformationsprozessen (-versuchen, -handlungen etc.) zu unerwarteten Ergebnissen und Enttauschungen geführt haben.


"Die Beispiellosigkeit der eingetretenen Zusammenbruche und fortwirkenden Umbruche sowie die Unmöglichkeiten, diese Situationen im ′Osten′ in Bezug auf den ′Westen′ Europas ... transformations- und/oder modernisierungstheoretisch zu subsumieren, äußern sich ... in der völligen Verschiedenheit der sozialen Existenzgrundlagen, der Inhalte, Formen und Zwecke des Arbeitens, Wirtschaftens, des Erwerbs der Lebensmittel aller Art sowie der Inhalte und Formen sozialer Beziehungen und kultureller Lebensäußerungen in allen Bereichen dieser Gesellschaften - vor, wahrend und nach den Zusammenbrüchen der sie prägenden politischen Systeme.

Dies betrifft schließlich auch die sozialen Verhaltenspositionen und -muster durch die kulturellen Wertesysteme, Normen aller Art sowie die Tradierungen der sozialen Psyche, der politischen Mentalität von Individuen, Gruppen und Schichten in den Generationen und durch sie in den verschiedenen Bereichen der Individuation und Sozialisation." (Geier 1994, S. 115)

Gerade diese Unerwartbarkeit der Umbruche und deren "Produkte" ist für die sozial- und kulturwissenschaftliche Forschung spannend. Die Relevanzen betreffen sowohl den Bereich der interkulturellen (Wirtschafts-) Kommunikation als auch die Geschlechterforschung; diesen zwei Gebieten widmet sich meine Arbeit.

Die zunehmende (zumindest angestrebte) Offenheit der osteuropäischen Länder für die Einführung der Marktwirtschaft und des Privatunternehmertums ist der Anreiz für verschiedene westliche Unternehmen, den Osteuropa-Markt zu erschließen. Es ist eine zunehmende Internationalisierung des Wirtschaftslebens in Osteuropa beobachtbar, die eine direkte Kommunikation und Kooperation zwischen Angehörigen verschiedener Kulturen aus West- und Osteuropa erfordert. Dass diese Kontakte auch als problematisch empfunden werden, weil es zur Kollision von unterschiedlichen Gesetzessystemen, Wirtschaftsstrukturen, Mentalitäten etc. kommt, d.h. zur Kollision von zwei unterschiedlichen Kulturen, haben bereits einige Studien erwiesen.1 Es gibt einige Untersuchungen speziell zur deutschsowjetischen Kommunikation, wie die von Helga Kotthoff (1993), Kappel/Rathmayr (1994) und anderen.

Die Kollision betrifft sowohl unterschiedliche Managementkonzepte, Führungsmethode und Kommunikationsformen der Autorität und Kompetenz, als auch unterschiedliche Vorstellungen von Rollenmustern der Geschlechter, die in der Berufswelt ihren Platz innehaben.

Ich werde nicht Amerika entdecken, wenn ich vom Stereotyp bzw. von jenem ideologisch konstruierten Bild der Sowjetfrau sprechen werde, das eine perfekte Multifunktionsfrau beschreibt: eine perfekte Mutter, Haus- und Ehefrau, die gleichzeitig im Vollzeitarbeitstag ihrer Heimat dient, die vor schwerer Männerarbeit nicht zurückschreckt und gleichzeitig die vollkommene Weiblichkeit verkörpert. Es ist kein Geheimnis mehr, dass die Realität anders aussah.


"Die Behauptung, die Frau sei in fast allen gesellschaftlichen Fragen den Männern nachgeordnet, auf dem zweiten Platz, greift eine Fülle ideologischer, im allgemeinen Bewußtsein tief verwurzelter Stereotype an, die alle zu der Grundüberzeugung gehör(t)en, die Sowjetunion habe als erstes Land der Welt die Gleichberechtigung verwirklicht" (Trepper, S. 118).

Bei den zahlreichen Nachforschungen ergibt sich ein Paradox: in dem Land der Welt, das die höchste Beschäftigungsquote der Frauen (92 Prozent) verzeichnet, hält sich hartnäckig das Stereotyp, dass die eigentliche Sphäre der Frau in der Familie liegt und ihrem Wesen das Hegen und Pflegen anderer am meisten entspricht (Trepper, 118).
Ob sich beispielsweise dieses Stereotyp in den letzten zehn Jahren der marktwirtschaftlichen Fortschritte in der Post-Sowjetunion (als Forschungsfeld habe ich die für ihre Unabhängigkeit seit Jahrhunderten kämpfende Ukraine gewählt) verändert hat, ob mit der medialen Übertragung der westlichen Normen und Werte auch die westliche Frauenbewegung und die westliche Veränderung der Genderrollen in die ukrainische Gesellschaft einfließt, ist eines der Ziele meiner Forschung.

Neben dem medialen Aspekt ist nach dem direkten Einfluss der westlichen Repräsentanzen, der neu gebildeten West/Ost-joint-ventures, zu fragen. Wie wirkt sich die Beschäftigung der ukrainischen Frauen in den westlichen Unternehmen auf ihre berufliche

Chancen(verbesserung) aus? Und wie sieht die Zusammenarbeit zweier unterschiedlicher Kulturen in der Realität aus? Mit welchen interkulturellen Konflikten ist zu rechnen? Mein Projekt beabsichtigt einen Einblick in die Lebensweltausschnitte von Mitarbeitern der West- Ost Joint-ventures (Rekonstruktion der Selbst- und Fremdbeschreibungen), und dies wiederum soll die Bedingungen erklären, unter denen sich die Geschlechter in der Berufswelt arrangieren müssen.

Dies sind nur einige der Fragen, mit denen sich mein Projekt beschäftigt. Ich versuche in meinem Forschungsprojekt das Thema "Gender als Faktor in der interkulturellen Wirtschaftskommunikation" anhand von drei Fragestellungen zu untersuchen und diese miteinander zu verbinden:

[....]


1 Tylek-Hydrinska: Interkulturelle deutsch-polnische Wirtschaftskommunikation. Probleme und Mißverständnisse im Geschäftsalltag, In: Ehnert: Wirtschaftskommunikation kontrastiv 2000; Miková/Patrás: Die Kommunikation deutschsprachiger und slowakischer Partner im Unternehmen, in: Jonach, Interkulturelle Kommunikation 1998; Kappel/Rathmayr/Diehl-Zelonkina: Verhandeln mit Russen 1994;


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