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Der Einfluss des Vaters auf die Delinquenzentwicklung jugendlicher Straftäter - Literaturanalyse

Scholarly Research Paper, 2004, 50 Pages
Author: Katja Bohlander
Subject: Psychology - Forensic Psychology, Penal System

Details

Category: Scholarly Research Paper
Year: 2004
Pages: 50
Grade: 1,2
Language: German
Archive No.: V28217
ISBN (E-book): 978-3-638-30064-3

File size: 250 KB
Notes :
Die Arbeit wurde über einen Zeitraum von sechs Monaten erarbeitet. Sie stellt eine Vorstufe zur Diplomarbeit dar und dokumentiert die selbstständige EInarbeitung in einen Themenkomplex.



Excerpt (computer-generated)

Der Einfluss des Vaters auf die Delinquenzentwicklung
jugendlicher Straftäter - Literaturanalyse

von: Katja Bohlander

 


Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort S. 3

2. Einleitung S. 5

3. Einfluss des Erziehungsstiles der Eltern, besonders des Vaters S. 10

4. Einfluss des Moralkodex und der Wertvorstellungen des Vaters S. 23

5. Familiale Strukturstörungen S. 31

6. Vaterverlust in bestimmten Phasen S. 34

7. Elternzufriedenheit S. 39

8. Delegation und Labeling S. 41

9. Fazit und offene Fragen S. 43

10. Literatur S. 45




1. Vorwort

Diese Arbeit war eigentlich als Bestandteil des Theorieteils einer empirischen Diplomarbeit geplant. Im Frühjahr 2003 hatte ich ein Praktikum in der Jugendstrafanstalt Ottweiler absolviert, und diese Arbeit entstand aus Interesse an dem Thema „Jugendliche Straftäter und ihre Väter“. Bei der Hospitanz in zahlreichen Beratungs- und Therapiegesprächen mit jugendlichen Straftätern war immer wieder zu hören und zu spüren, welch starken, nachdrücklichen Einfluss die Erfahrungen des Jugendlichen mit seiner Herkunftsfamilie auf ihn ausübten, und es wurde viel über Väter und noch mehr über den Mangel an positiv erfahrener Väterlichkeit gesprochen. Geht man davon aus, dass delinquente Verhaltensmuster u. a. durch einen Mangel an Strukturierung sowohl der Psyche als auch des Verhaltens der jugendlichen Delinquenten entstehen (PECHER, 1989; CORNEAU, 1993), kommt man nicht umhin, den Vater und dessen strukturierende Wirkung (PETRI, 1997; KLOSINSKI, 1986) in seiner Bedeutung für die Delinquenzentwicklung jugendlicher Straftäter zu würdigen. In dieser Arbeit habe ich mich in erster Linie auf die Literaturanalyse des Themas „Der Einfluss des Vaters auf die Delinquenzentwicklung jugendlicher Straftäter“ beschränkt. Die Arbeit erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Allgemeingültigkeit, sondern bietet vielmehr einen ersten Überblick. Ich habe soweit wie möglich versucht, eigene subjektive Erfahrungen auszulassen, mich auf die in der Literatur gefundenen „Fakten“ zu beschränken und diese an mancher Stelle zu kritisieren. Dies trägt leider nicht zu einer guten Lesbarkeit des Textes bei, und man sollte das im Auge behalten, was Young-Eisendraht & Muramoto (2002) kritisch über die westlichen, wissenschaftlichen Methoden äußern:

„Scientism proposes that scientific investigation is nothing more than the accumulation of `facts`. The question thus arises: what actually are `facts`? They are not simply existing there, waiting for scientific investigation. Only a little phenomenological reflection reveals that they show themselves as facts because of the construction of, or at least the correlation with, what is usually called mind. Mind thus is a fundamental fact. It is psychology that reveals this truth. (Young-Eisendraht & Muramoto, 2002, S. 25)

Obwohl aus administrativen, bürokratischen und organisatorischen Gründen nun „nur“ eine Semesterarbeit entstanden ist, danke ich Herrn Dipl.Psych. A. Lessel, JVA Ottweiler, für die interessanten Einblicke, die er mir in ein so „geschlossenes“ System, wie es ein beratendes Gespräch mit einem jugendlichen Häftling nur sein kann, gewährt hat. Die vorliegende Arbeit bezieht sich vorwiegend auf männliche jugendliche Straftäter.

2. Einleitung

Seit es kriminelle Handlungen gibt, machen sich Menschen Gedanken über die Ursachen kriminellen Verhaltens. Dass bis zum heutigen Tage noch keine einstimmige Meinung darüber herrscht, welche Faktoren nun mehr oder weniger zur Delinquenzentwicklung beitragen, weist deutlich auf die Komplexität dieses Themenbereiches hin. Einigkeit besteht mittlerweile lediglich darin, dass die Ursachen einer Delinquenzentwicklung im Jugendalter vielfältig sind und sich aus einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren noch nicht vollständig erschließen lassen, sowie dass die Familie einen bedeutenden Beitrag dazu leistet, ob ein Jugendlicher delinquent wird oder nicht. In der Literatur häufig genannte Faktoren der Delinquenzentwicklung sind: Sozialisation in der Familie, Bildung, Zugehörigkeit zu einer sozialen Schicht, Einbindung in eine „peer group“, und Intelligenz.

Eine Darstellung aller Theorien und Faktoren der Delinquenzentwicklung bei Jugendlichen ist in diesem Rahmen unmöglich. Es sei auf einschlägige Literatur verwiesen (z.B. Landscheidt, 1995; Frindte & Neumann (Hrsg.), 2002; Kerner et al., 1990). Eine erste allgemeine Übersicht bieten:

- Haskell, M.R; Yablonsky, L. (1982). Juvenile Delinquency. Boston: Houghton Mifflin Company
- Cavan, R.S.; Ferdinand, Th.N. (1975). Juvenile Delinquency. New York: Harper & Row
- Rutter, M., Giller, H., Hagell, A. (1998). Antisocial behavior by young people. Cambridge: Cambridge University Press.

Zwei Arbeiten seien hier näher erläutert:

Frindte & Neumann (2002) beziehen sich in ihrer Arbeit zwar in erster Linie auf fremdenfeindliche Gewalttaten. Die Darstellung der singulären Erklärungsvariablen für fremdenfeinliche Gewalttaten Jugendlicher lassen sich jedoch auf Jugendkriminalität verallgemeinern. Sie nennen folgende Faktoren, die sich auf Jugendkriminalität verallgemeinern lassen: Geschlecht, Schule/Bildung, Persönlichkeit und Wertvorstellungen, Motive, elterliches Erziehungsverhalten, Gruppenzugehörigkeit und situative Bedingungen, Deprivation, regionale Herkunft und Einfluss der Massenmedien. Verschiedene Ansätze findet man auch in Kerner et al. (1990), wo beispielsweise Wouter Buikhuisen in seinem Beitrag „Der Täter in seinen biosozialen Bezügen“ einen interessanten Beitrag zur Ursachenforschung leistet. Buikhuisen sieht, kurz zusammengefasst, die Ursache der Kriminalität in einer Störung der Informationsverarbeitung, die wiederum zu einem zu langsamen oder falschen Konditionierungsprozess führt. Aus dieser „falschen Konditionierung“ kann kriminelles Verhalten folgen. Buikhuisen sieht die Ursache eines fehlgeschlagenen Sozialistaionsprozesses und somit die Ursachen der Kriminalität folglich in einem fehlerhaften kognitiven Informationsverarbeitungsprozess, welcher „bio-psychologische“ Ursachen hat. Die Frage für Buikhuisen ist nun, inwieweit die Gesellschaft erkennt, dass „diese Kinder tieferliegende bio-psychologische Probleme haben“ als die von vielen anderen Autoren propagierten sozialisatorischen Faktoren der Jugendkriminalität, und inwieweit diese Kinder über „kompensierende Talente, z.B. Sport oder Musik“ verfügen (Kerner et al., 1990, S. 76). Wie weit man der Ansicht folgen möchte, Kriminalität sei grundsätzlich auf die „bio-psychologische“ Ebene zurückzuführen, bleibe jedem selbst überlassen

[...]


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