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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 18 Pages
Author: Jessica Heyser
Subject: Philosophy - Theoretical (Realisation, Science, Logic, Language)
Details
Tags: Regeln, Sprachspiels, Ludwig, Wittgensteins, Philosophische, Untersuchungen
Year: 2002
Pages: 18
Grade: 1,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-30083-4
ISBN (Book): 978-3-638-84260-0
File size: 293 KB
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Abstract
Wittgenstein geht es um das Sprechen, um die tägliche Interaktion als das allgegenwärtige Spiel, und wie sich dieses strukturiert. Er nähert sich dem Phänomen der Sprache von „innen“, betritt ihr Spielfeld und fragt nicht, nach dem „Was“, welches die Diskurse hervorbringt und lenkt. Ihn interessieren zuvorderst die internen Funktionsweisen. Der Schwerpunkt der Hausarbeit wird deshalb auf der Struktur des Sprachspiels und seinen internen Mechanismen liegen. Diesbezüglich folgende Leitfragen: Inwieweit wird ein Spiel durch Regeln begrenzt? Was kann als eine Regel angesehen werden, und wie konstituieren sich die Regeln eines Spiels? Lassen sie sich beschreiben? Wie läßt sich Neues integrieren? Und welchen Unterschied gibt es in dieser Hinsicht zwischen einem Spiel, einem Sprachspiel und der Sprache allgemein? Ansatzpunkte bilden Wittgensteins Kommentare zu den Regeln und dem Regelhaften des Sprachspiels und zu dessen Grenzen. In diesem Zusammenhang halte ich allerdings auch eine kurze Einführung in den Sprachspielbegriff Wittgensteins für sinnvoll. Seine Bedeutungstheorie soll jedoch in diesem Kontext nicht ausführlich behandelt werden. Es ergibt sich eine Schwierigkeit bei der Interpretation von Wittgensteins Spätphilosophie, die sich allerdings bei jeder Theorie über die Sprache stellt: Instrument und Objekt fallen zusammen. Wittgenstein versucht dieser Schwierigkeit zu entkommen, indem er sich fast ausschließlich auf konkrete Situationen bezieht. Aus diesem Grund lassen seine „Zettelsammlungen“ viel Raum für die Interpretation. Dabei stellt sich die Frage, ob es legitim ist, Wittgensteins Spätphilosophie zu systematisieren, was dieser doch gerade vermeiden wollte. Doch für eine Auseinandersetzung ist es meiner Ansicht nach unumgänglich. In diesem Sinne werde ich Wittgenstein Gewalt antun. Doch „wittgensteinianisch“ handelt es sich gar nicht um eine Meta-Perspektive: Ich werde das Sprachspiel der Beschreibung und Interpretation von Wittgensteins Philosophie spielen. Neben „Philosophische Untersuchungen“ werden einige seiner Spätwerke als Quelle dienen: „Philosophische Grammatik“, „Blaue Buch“, „Philosophische Bemerkungen“ und „Über Gewißheit“.
Excerpt (computer-generated)
Humboldt-Universität zu Berlin
Philosophische Fakultät I
Hauptseminar: „Theorien des Spiels“
Die Regeln des Sprachspiels. Zu Ludwig Wittgensteins
"Philosophische Untersuchungen"
von: Jessica Heyser
Inhaltsverzeichnis
Einleitung S. 1
1. Sprachspiel S. 2
2. Eine Sprache erfinden S. 4
3. Spiele und Sprachspiele S. 5
4. Sprachspiel der Benennung S. 6
5. Regeln im Spiel S. 7
6. Mit Sprache spielen S. 11
7. Grenzen S. 13
Resümee S. 14
Literaturverzeichnis S. 16
Einleitung
Wittgenstein geht es um das Sprechen, um die tägliche Interaktion als das allgegenwärtige Spiel, und wie sich dieses strukturiert. Er nähert sich dem Phänomen der Sprache von „innen“, betritt ihr Spielfeld und fragt nicht, nach dem „Was“, welches die Diskurse hervorbringt und lenkt. Ihn interessieren zuvorderst die internen Funktionsweisen. Der Schwerpunkt der Hausarbeit wird deshalb auf der Struktur des Sprachspiels und seinen internen Mechanismen liegen. Diesbezüglich folgende Leitfragen: Inwieweit wird ein Spiel durch Regeln begrenzt? Was kann als eine Regel angesehen werden, und wie konstituieren sich die Regeln eines Spiels? Lassen sie sich beschreiben? Wie läßt sich Neues integrieren? Und welchen Unterschied gibt es in dieser Hinsicht zwischen einem Spiel, einem Sprachspiel und der Sprache allgemein? Ansatzpunkte bilden Wittgensteins Kommentare zu den Regeln und dem Regelhaften des Sprachspiels und zu dessen Grenzen. In diesem Zusammenhang halte ich allerdings auch eine kurze Einführung in den Sprachspielbegriff Wittgensteins für sinnvoll. Seine Bedeutungstheorie soll jedoch in diesem Kontext nicht ausführlich behandelt werden.
Es ergibt sich eine Schwierigkeit bei der Interpretation von Wittgensteins Spätphilosophie, die sich allerdings bei jeder Theorie über die Sprache stellt: Instrument und Objekt fallen zusammen. Wittgenstein versucht dieser Schwierigkeit zu entkommen, indem er sich fast ausschließlich auf konkrete Situationen bezieht. Aus diesem Grund lassen seine „Zettelsammlungen“ viel Raum für die Interpretation. Dabei stellt sich die Frage, ob es legitim ist, Wittgensteins Spätphilosophie zu systematisieren, was dieser doch gerade vermeiden wollte. Doch für eine Auseinandersetzung ist es meiner Ansicht nach unumgänglich. In diesem Sinne werde ich Wittgenstein Gewalt antun. Doch „wittgensteinianisch“ handelt es sich gar nicht um eine Meta- Perspektive: Ich werde das Sprachspiel der Beschreibung und Interpretation von Wittgensteins Philosophie spielen. Neben „Philosophische Untersuchungen“ werden einige seiner Spätwerke als Quelle dienen: „Philosophische Grammatik“, „Blaue Buch“, „Philosophische Bemerkungen“ und „Über Gewißheit“.
1. Sprachspiel
Wittgensteins „Sprachspieldefinition“:
„Wir können uns auch denken, daß der ganze Vorgang des Gebrauchs der Worte in (2) eines jener Spiele ist, mittels welcher Kinder ihre Muttersprache erlernen. Ich will diese Spiele „Sprachspiele“ nennen (...). Ich werde auch das Ganze: der Sprache und der Tätigkeiten, mit denen sie verwoben ist, das „Sprachspiel“ nennen.“1 Er bezieht den Begriff des „Sprachspiels“ sowohl auf spezielle, umgrenzte Situationen im alltäglichen Sprechhandeln, z. B. auf solche, in denen Kinder die Sprache erlernen, und ebenso auf „das Ganze“, auf Sprache und Tätigkeit, abgelöst vom situativen Kontext. Das „Sprechhandeln“ fungiert dabei als Sinnbild des menschlichen Daseins insgesamt. Sprache und Tätigkeit sind für Wittgenstein nicht separat denkbar. Im Ausdruckshandeln, wenn Ziele formuliert, Intentionen offengelegt werden etc., also in der ve rbalen Praxis wird offensichtlich, dass die Sprache nicht vom handelnden Individuum, das sich ihrer bedient, loszulösen ist. Im Alltag trifft man auf unterschiedlichste kommunikative Situationen mit dementsprechend vielfältigen Verhaltens- und Redeweisen. Sie richten sich u. a. an bestimmten Zwecksetzungen im Interaktionsprozess aus.2 „- Es gibt unzählige solcher Arten: unzählige Arten der Verwendung alles dessen, was wir „Zeichen“, „Worte“, „Sätze“ nennen. Und diese Mannigfaltigkeit ist nichts Festes, ein für allemal Gegebenes; sondern neue Typen der Sprache, neue Sprachspiele, wie wir sagen können, entstehen und andre veralten und werden vergessen. (...) Das Wort „Sprachspiel“ soll hier hervorheben, daß das Sprechen der Sprache ein Teil ist einer Tätigkeit, oder einer Lebensform.“ 3 Im Prozess des täglichen Sprechens, des täglichen Handelns sind die Verwendungsweisen von sprachlichen Ausdrücken Veränderungen unterworfen. Die mannigfaltigen Wort- und Satzarten werden kontextabhängig aktualisiert und modifiziert. Es handelt sich um eine prinzipielle Offenheit. Auch hier zeigt sich, dass die Sprache nicht losgelöst von Handlungskontexten zu betrachten ist. Die gesamte Praxis und Lebenstätigkeit läßt sich nach Wittgenstein als ein Netzwerk zusammenhängender Sprachspiele begreifen.
[...]
1 PU 7.
2 Wittgenstein hebt im folgenden die unterschiedlichen Funktionen, welche ein Wort erfüllen kann, hervor. Siehe ÜG 64: „Die Bedeutung eines Worts vergleiche mit der „Funktion“ eines Beamten. Und „verschiedene Bedeutungen“ mit „verschiedene Funktionen“.
3 PU 23.
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