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Was will uns diese Kunst? Zu Arthur C. Dantos Kunstphilosophie close

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Was will uns diese Kunst? Zu Arthur C. Dantos Kunstphilosophie

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 22 Pages
Author: Jessica Heyser
Subject: Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)

Details

Event: Hauptseminar: „Arthur C. Danto: Die Verklärung des Gewöhnlichen“
Institution/College: University of the Arts Berlin (WE 3 - Kunstwissenschaft und Ästhetik)
Tags: Kunst, Arthur, Dantos, Kunstphilosophie, Hauptseminar, Danto, Verklärung, Gewöhnlichen“
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2002
Pages: 22
Grade: 1,7
Language: German
Archive No.: V28257
ISBN (E-book): 978-3-638-30086-5
ISBN (Book): 978-3-638-67675-5
File size: 316 KB

Abstract

„Das historische Stadium der Kunst ist vorüber, wenn man erkannt hat, was die Kunst ist und was sie bedeutet. Die Künstler haben der Philosophie den Weg bereitet, und nun ist der Augenblick gekommen, an dem die Arbeit den Philosophen überlassen werden muß.“ In der Wochenzeitung „Die Zeit“ vom 6. Juni 2002 stellt sich Hanno Rauterberg im Feuilleton anläßlich der Eröffnung der Kasseler Ausstellung documenta 11 die Frage: „Was soll uns diese Kunst?“. Ausstellungsleiter Okwui Enzwor setze auf Diskussion statt Kunst, und strebe „nach Totalentsorgung – es soll ein Ende haben mit der Kunst.“ Die Kunst sei „in die Reiche der Philosophie, der Soziologie und Politologie entflohen.“ Die Gründe für diese Entwicklung sieht Rauterberg zum einen darin, dass der individualistische Anspruch des Künstlers heute zu einem gesellschaftlichen Ideal avanciert sei, die Kunst darum mehr und mehr im Alltag aufgehe. Zum anderen darin, dass sich die meisten zeitgenössischen Künstler weiterhin dem überwundenen „Avantgarde-Konzept“ anhingen. Das Dogma des Neuen sei der fatale Anspruch in der zeitgenössischen Kunst, da er nur mehr ein Spiel produziere, das die eigenen Regeln zum Inhalt macht. Aufgrund dieser Voraussetzung sei kein Raum für „neue Kunst“, sondern es werde lediglich das Avantgarde-Konzept repro-duziert: „Der Regelbruch gehört mittlerweile zum Regelhaften.“ Darum stellten sich die Künstler immer wieder dieselben Fragen: „Welchen Zwängen können wir uns entziehen? Und: Welche Grenzen lassen sich noch überschreiten? Immer und immer wieder wird nach-gewiesen, dass alles sich zur Kunst verklären läßt. Und immer wieder gerät man so ins Schwarze Loch der Bedeutungslosigkeit.“ Rauterbergs kritischer Artikel zur zeitgenössischen Kunstsituation bestätigt im nachhinein Arthur C. Dantos These vom Ende der Kunst. Beide stellen fest, dass nach der „Verklärung des Gewöhnlichen“, seitdem Alltagsgegenstände in die Kunstwelt aufgestiegen sind, die Kunstwelt sich nicht mehr an den Fortschrittsgedanken binden läßt. Rauterberg stimmt die Entwicklung in der Kunst pessimistisch; dennoch fordert er eine neue Besinnung auf das Können der Künstler. Danto hingegen begreift das „Ende der Kunst“ als besondere Möglichkeit, um darüber nachzudenken, was Kunst eigentlich bedeutet; jetzt sei die Zeit für die Philo-sophie gekommen, um losgelöst von ästhetischen Gesichtspunkten die Essenz der Kunst auf-zuspüren.


Excerpt (computer-generated)

Universität der Künste Berlin
WE 3 – Kunstwissenschaft und Ästhetik
Hauptseminar: „Arthur C. Danto: Die Verklärung des Gewöhnlichen“

Was will uns diese Kunst?
Zu Arthur C. Dantos Kunstphilosophie

von: Jessica Heyser

 

Inhaltsverzeichnis

Zuvor S. 1

1. Das Ende der Kunst oder das Ende der „wahren Kunst“

1.1 Das Fortschrittsparadigma
1.2 Die Ausdruckstheorie
1.3 Die These vom kognitiven Fortschritt S. 2

2. Für eine essentialistische Definition von Kunst S. 6

3. Kunst und Nicht-Kunst S. 8

4. Der mediale Aspekt von Kunst S. 9

5. Ästhetik und Kunst S. 11

6. Interpretation von Kunstwerken S. 12

7. Metaphorische Transfiguration

7.1 Metapher
7.2 Ausdruck
7.3 Stil S. 14

8. Resümee S. 17

Schluss S. 18

Literaturverzeichnis S. 20


 

 

„Das historische Stadium der Kunst ist vorüber, wenn man erkannt hat, was die Kunst ist und was sie bedeutet. Die Künstler haben der Philosophie den Weg bereitet, und nun ist der Augenblick gekommen, an dem die Arbeit den Philosophen überlassen werden muß.“1

Zuvor

In der Wochenzeitung „Die Zeit“ vom 6. Juni 2002 stellt sich Hanno Rauterberg im Feuilleton anläßlich der Eröffnung der Kasseler Ausstellung documenta 11 die Frage: „Was soll uns diese Kunst?“. Ausstellungsleiter Okwui Enzwor setze auf Diskussion statt Kunst, und strebe „nach Totalentsorgung – es soll ein Ende haben mit der Kunst.“ Die Kunst sei „in die Reiche der Philosophie, der Soziologie und Politologie entflohen.“ Die Gründe für diese Entwicklung sieht Rauterberg zum einen darin, dass der individualistische Anspruch des Künstlers heute zu einem gesellschaftlichen Ideal avanciert sei, die Kunst darum mehr und mehr im Alltag aufgehe. Zum anderen darin, dass sich die meisten zeitgenössischen Künstler weiterhin dem überwundenen „Avantgarde-Konzept“ anhingen. Das Dogma des Neuen sei der fatale Anspruch in der zeitgenössischen Kunst, da er nur mehr ein Spiel produziere, das die eigenen Regeln zum Inhalt macht. Aufgrund dieser Voraussetzung sei kein Raum für „neue Kunst“, sondern es werde lediglich das Avantgarde-Konzept reproduziert: „Der Regelbruch gehört mittlerweile zum Regelhaften.“ Darum stellten sich die Künstler immer wieder dieselben Fragen: „Welchen Zwängen können wir uns entziehen? Und: Welche Grenzen lassen sich noch überschreiten? Immer und immer wieder wird nachgewiesen, dass alles sich zur Kunst verklären läßt. Und immer wieder gerät man so ins Schwarze Loch der Bedeutungslosigkeit.“2 Rauterbergs kritischer Artikel zur zeitgenössischen Kunstsituation bestätigt im nachhinein Arthur C. Dantos These vom Ende der Kunst.3 Beide stellen fest, dass nach der „Verklärung des Gewöhnlichen“, seitdem Alltagsgegenstände in die Kunstwelt aufgestiegen sind, die Kunstwelt sich nicht mehr an den Fortschrittsgedanken binden läßt. Rauterberg stimmt die Entwicklung in der Kunst pessimistisch; dennoch fordert er eine neue Besinnung auf das Können der Künstler. Danto hingegen begreift das „Ende der Kunst“ als besondere Möglichkeit, um darüber nachzudenken, was Kunst eigentlich bedeutet; jetzt sei die Zeit für die Philosophie gekommen, um losgelöst von ästhetischen Gesichtspunkten die Essenz der Kunst aufzuspüren.

1. Das Ende der Kunst oder das Ende der „wahren Kunst“

Arthur C. Danto hat mit seiner These vom „Ende der Kunst“ in den 80er Jahren für Furore gesorgt. Sie bezieht sich jedoch nicht auf das Ende der Kunst als solcher, was auch seiner Tätigkeit als Kunstkritiker zeitgenössischer Kunstwerke völlig widersprechen würde, sondern darauf dass seiner Meinung nach Fortschritt in der zeitgenössischen Kunst nicht mehr mö glich sei. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts habe die Diskussion um das, was Kunst sein soll, einen immer größeren Raum eingenommen. Nicht die Kunstwerke selbst, sondern vielmehr die Pamphlete, die Manifestationen, damit die Frage nach der „wahren Kunst“ standen nach Dantos Beobachtung im Vordergrund. Jede neue Kunstform wurde mit der Frage nach einer neuen Kunsttheorie verknüpft. Seit dem schleiche sich ein selbstreflexives (und selbstreferentielles) Moment in die Kunst ein. Im 20. Jahrhundert vollzog sich nun vollends ein Grenzve rschiebung: Die Frage nach der künstlerischen Identität rückt in der Auseinandersetzung in den Vordergrund der Kunst überhaupt. Die Bewertung von Kunst verschiebe sich von der stilgebundenen (äußerliche Merkmale) Bewertung zur subjektiven Interpretation (mit Kontextwissen) des Sujets als existenziellem Ausdruck einer Sichtweise. Um diese Grenzverschiebung deutlich zu machen, nimmt Danto auf zwei kunstgeschichtliche Modelle bezug.

1.1 Das Fortschrittsparadigma

Zum einen gibt es die Möglichkeit, die Entwicklung der Kunst als eine progressive Geschichte zu lesen, wie Vasari oder Gombrich4 es tun. Nach Gombrich habe Kunst eine Geschichte, „weil Illusion in der Kunst nicht nur das Resultat, sondern auch das unentbehrliche Rüstzeug von des Künstlers Analyse der Welt der Erscheinungen ist.“5 Die Stilgeschichte erscheint so als die allmähliche Eroberung der natürlichen Erscheinungen, gleichsam als eine optische Verdoppelung.6 Die Folge ist ein „fortlaufendes Schrumpfen des Abstands zwischen Repräsentation und Wirklichkeit“7 Das Medium Bild soll idealiter den Blick auf die Wirklichkeit frei geben und somit als Medium durchlässig werden. Doch die neuere Medienentwicklung, wie die Erfindung des Films8, also der bewegten Bilder, die nach Danto eine Art „direkter Wahrnehmung“ ermöglichen, und damit beinahe als Äquivalent für wirklich wahrgenommene Bewegung gelten könnte, läßt das Ziel der perfekten Mimesis obsolet werden.

[...]


1 Arthur C. Danto: Das Ende der Kunst, in: Die philosophische Entmündigung der Kunst, München 1993; (Originalausgabe: The philosophical Disenfrachisement of Art, New York, 1986), S. 141.

2 Vgl. Hanno Rauterberg: Was soll uns diese Kunst? Notizen zur schweren Schieflage der Kunst – kurz vor Eröffnung der Kasseler Ausstellung Documenta 11, in: Die Zeit (Nr. 24), 6. Juni 2002.

3 Vgl. Danto: Das Ende der Kunst.

4 Vgl. z. B. Ernst H. Gombrich: Kunst und Illusion. Zur Psychologie der bildlichen Darstellung, Stuttgart 1986. (Originalausgabe: Art and Illusion, Oxford 1977.)

5 Gobrich: Kunst und Illusion, S. 46.

6 Vgl. Ende, S. 114.

7 Ende, S. 115.

8 Inwieweit der Film als Medium tatsächlich die erstrebte „direkte Wahrnehmung“ ermöglicht, müßte natürlich diskutiert werden. In der Filmkunst wird oft mit der bewußten Durchbrechung von Illusion, z. B. durch Schnitte, Überblenden gearbeitet, was die These unterstützt, wonach der Film das Medium ist, das dieser Durchbrechung bedarf, um sich bei den Zuschauern als Film ins Gedächtnis zu rufen.


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