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Scholary Paper (Seminar), 1998, 18 Pages
Author: Sascha Wingen
Subject: Sociology - Gender Studies
Details
Institution/College: Ruhr-University of Bochum (Fakultät für Sozialwissenschaften)
Tags: gender, sex, Feminismus, Diskurstheorie, Ethnomethodologie, Postmoderne, Dekonstruktion, Biologismus, Naturalismus, Phallozentrismus
Year: 1998
Pages: 18
Grade: 1,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-11708-1
ISBN (Book): 978-3-638-85185-5
File size: 104 KB
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Abstract
Die Zweiteilung der Geschlechter in Männer und Frauen als sich gegenseitig ausschließende Kategorien erscheint in weiten Teilen menschlicher Gesellschaften seit denkbar langer Zeit als unhinterfragbare Tatsache. Während in früheren Zeiten der Frage nach dem Ursprung der Zweigeschlechtlichkeit mit einem Verweis auf die göttliche Schöpfung (im Christentum) begegnet wurde, wird die Existenz zweier Geschlechtskategorien in heutiger Zeit über die Natur (Evolution, Biologie) begründet. Diese Letztbegründung bietet den Ausgangspunkt für alle darauf aufbauenden geschlechtsspezifischen Unterscheidungen in diversen gesellschaftlichen Kontexten. Auch die Frauenforschung und Frauenbewegung hat in ihren frühen Stadien Konzepte auf Grundlage der Zweigeschlechtlichkeit entwickelt und diese sozialisationstheoretisch begründet. In jüngerer Zeit läßt sich jedoch ein Wandel weg von der Akzeptanz natürlicher Geschlechtsunterschiede hin zur Dekonstruktion eben dieser Unterschiede erkennen. Frau (und teilweise auch man) geht mit Bezug auf andere erkenntnistheoretische Annahmen (wie z. b. die konstruktivistische Epistemologie) davon aus, daß die Zweigeschlechtlichkeit im sozialen Prozeß konstruiert wird. In der vorliegenden Arbeit sollen zunächst die Geschlechtskategorien anhand der Konzepte „sex“ und „gender“ gegenübergestellt und kritisch beleuchtet werden. Im Anschluß daran werden unterschiedliche theoretische Grundpositionen vorgestellt, die die Geschlechterdifferenz oder deren Aufhebung in verschiedener Weise erklären. Parallel hierzu sollen auch einige Strömungen in der Frauenbewegung mit unterschiedlichen Annahmen und Zielrichtungen angesprochen werden. Im Anschluß an diesen Theorieteil folgen einige Beispiele aus den Bereichen Arbeit und Wissenschaft, welche die Konsequenzen der sozialen Konstruktion von Geschlecht hinsichtlich dem Aufbau und Erhalt männlicher Herrschaftsstrukturen in Gesellschaften illustrieren sollen. Hierbei wird die Geschlechterdifferenz als notwendige Voraussetzung für eine anschließende Hierarchie im Geschlechterverhältnis betrachtet. Abschließend werden einige Gedanken mit Blick auf mögliche Coping-Strategien sowie prophylaktische Maßnahmen von Frauen und Männern zur Durchbrechung dieser hierarchischen Verhältnisse skizziert.
Excerpt (computer-generated)
Ruhr-Universität Bochum
Fakultät für Sozialwissenschaften
Seminar in Soziologie
SS 1998
„Arbeit und Geschlecht“
Hausarbeit
Neuere Erklärungskonzepte zur
sozialen Konstruktion von „gender“
Sascha Wingen
Inhalt
INHALT 2
0 EINLEITUNG 3
1 „SEX“ UND „GENDER“ - SINNVOLLE ORDNUNGSKATEGORIEN? 4
1.1 DIE BIOLOGISCHE ZWEIGESCHLECHTLICHKEIT 4
1.2 DIE SOZIALE ZWEIGESCHLECHTLICHKEIT 5
2 THEORETISCHE GRUNDPOSITIONEN 6
2.1 BIOLOGISMUS/NATURALISMUS 6
2.2 GLEICHHEIT DER GESCHLECHTER 7
2.3 GYNOZENTRISCHER FEMINISMUS 7
2.4 POSTMODERNE DEKONSTRUKTION 8
2.4.1 DISKURSTHEORIE 8
2.4.2 ETHNOMETHODOLOGIE 9
3 DIFFERENZ UND HIERARCHIE 10
3.1 ARBEITSWELT 11
3.2 PHALLOZENTRISMUS 13
3.3 WISSENSCHAFT 14
4 AUSBLICK 14
LITERATUR 17
0 Einleitung
Die Zweiteilung der Geschlechter in Männer und Frauen als sich gegenseitig ausschließende Kategorien erscheint in weiten Teilen menschlicher Gesellschaften seit denkbar langer Zeit als unhinterfragbare Tatsache. Während in früheren Zeiten der Frage nach dem Ursprung der Zweigeschlechtlichkeit mit einem Verweis auf die göttliche Schöpfung (im Christentum) begegnet wurde, wird die Existenz zweier Geschlechtskategorien in heutiger Zeit über die Natur (Evolution, Biologie) begründet. Diese Letztbegründung bietet den Ausgangspunkt für alle darauf aufbauenden geschlechtsspezifischen Unterscheidungen in diversen gesellschaftlichen Kontexten. Auch die Frauenforschung und Frauenbewegung hat in ihren frühen Stadien Konzepte auf Grundlage der Zweigeschlechtlichkeit entwickelt und diese sozialisationstheoretisch begründet. In jüngerer Zeit läßt sich jedoch ein Wandel weg von der Akzeptanz natürlicher Geschlechtsunterschiede hin zur Dekonstruktion eben dieser Unterschiede erkennen. Frau (und teilweise auch man) geht mit Bezug auf andere erkenntnistheoretische Annahmen (wie z. b. die konstruktivistische Epistemologie) davon aus, daß die Zweigeschlechtlichkeit im sozialen Prozeß konstruiert wird.
In der vorliegenden Hausarbeit sollen zunächst die Geschlechtskategorien anhand der Konzepte „sex“ und „gender“ gegenübergestellt und kritisch beleuchtet werden. Im Anschluß daran werden unterschiedliche theoretische Grundpositionen vorgestellt, die die Geschlechterdifferenz oder deren Aufhebung in verschiedener Weise erklären. Parallel hierzu sollen auch einige Strömungen in der Frauenbewegung mit unterschiedlichen Annahmen und Zielrichtungen angesprochen werden. Im Anschluß an diesen Theorieteil folgen einige Beispiele aus den Bereichen Arbeit und Wissenschaft, welche die Konsequenzen der sozialen Konstruktion von Geschlecht hinsichtlich dem Aufbau und Erhalt männlicher Herrschaftsstrukturen in Gesellschaften illustrieren sollen. Hierbei wird die Geschlechterdifferenz als notwendige Voraussetzung für eine anschließende Hierarchie im Geschlechterverhältnis betrachtet. Abschließend werden einige Gedanken mit Blick auf mögliche Coping-Strategien sowie prophylaktische Maßnahmen von Frauen und Männern zur Durchbrechung dieser hierarchischen Verhältnisse skizziert.
1 „Sex“ und „gender“ - sinnvolle Ordnungskategorien?
1.1 Die biologische Zweigeschlechtlichkeit
Im anglo-amerikanischen Sprachraum bezeichnet das Wort „sex“ den biologisch zugeschriebenen Status von Menschen als Männer oder Frauen. Eine solche Zuschreibung erfolgt aufgrund verschiedener anatomischer, morphologischer, physiologischer oder endokrinologischer Unterscheidungen (vgl. Gildemeister/Wetterer, 1992, S. 209). So wird z. B. bei der Geburt eines Menschen anhand seiner äußeren Geschlechtsmerkmale das biologische Geschlecht (entweder Mädchen oder Junge) festgelegt. Im Alltagsverständnis der meisten Menschen ist diese Festlegung als selbstverständlich (da „natürlich“) verankert.
Allerdings scheint bei näherer Betrachtung der bestimmenden Kriterien für die Festlegung des „sex“ eine grundsätzliche und widerspruchsfreie Einordnung in zwei sich ausschließende Kategorien (Mann/Frau) problematischer zu sein als angenommen. Die für die Bestimmung trennscharfer Klassifizierungen verantwortlichen Wissenschaften (z. B. Biologie und Physiologie) entwerfen neuerdings ein weitaus differenzierteres Bild der binären biologischen Geschlechtszuordnung. Die Geschlechtskategorien „werden nicht mehr als zwei entgegengesetzte, einander ausschließende Kategorien verstanden, sondern vielmehr als Kontinuum, bestehend aus dem genetischen Geschlecht, dem Keimdrüsengeschlecht und dem Hormongeschlecht.“ (Lorber/Farell, 1991, S. 7).
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