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Die römische Geschichtschreibung

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 13 Pages
Author: Dorothea Nolde
Subject: History - Early and Ancient History

Details

Event: Quintilian: Institutio Oratoria, X
Institution/College: University of Cologne (Institut für Altertumskunde)
Tags: Geschichtschreibung, Quintilian, Institutio, Oratoria
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2004
Pages: 13
Grade: 1,3
Language: German
Archive No.: V28292
ISBN (E-book): 978-3-638-30115-2
ISBN (Book): 978-3-638-80992-4
File size: 215 KB

Abstract

Die Geschichtsschreibung (historia) zählt neben der Rede (eloquentia oratoria) und der Philosophie (philosophia) zu den drei römischen Kunstprosagattungen. Trotz des Grundpostulats, dass sie zur Ermittlung der historischen Wahrheit dienen sollte, stand der literarisch-ästhetische Aspekt aber immer im Vordergrund. Ziel der Geschichtsschreibung war die Verknüpfung von prodesse und delectare. Da es sich bei den Autoren meist um Staatsmänner handelte, sollte sie auch dazu dienen, politisch zu wirken. Eine häufig patriotische Prägung ist daher nicht verwunderlich. Vor allem in der Kaiserzeit wurde sie auch gerne benutzt, um Kritik an den herrschenden Verhältnissen zu üben. Die Arbeit bietet neben einem kleinen Exkurs zu den Vorformen der römischen Geschichtsschreibung einen umfassenden Überblick über die wichtigsten Vertreter der Gattung von der frühen Republik bis zur späten Kaiserzeit. Abschließend wird die Gattung noch aus Sicht Quintilians gewürdigt, der im 10. Buch seiner Institutio oratoria nicht nur auf den Verdienst der Geschichtsschreibung für den Redner eingeht, sondern auch einen Lektürekanon mustergültiger griechischer und römischer Autoren aufstellt.


Excerpt (computer-generated)

Die römische Geschichtschreibung

von: Dorothea Nolde

7. Fachsemester

 


Inhaltsverzeichnis

A. Allgemeines zur römischen Geschichtsschreibung S. 3

1. Etymologie S. 3
2. Antike Definition S. 3
3. Ursprünge und Vorformen S. 3
4. Gattungsmerkmale und Intention S. 4

B. Gattungsgeschichte S. 4

1. Die frühe Republik S. 4
2. Die späte Republik (Krise) S. 5
3. Die frühe Kaiserzeit S. 7
4. Die späte Kaiserzeit S. 9

C. Die römische Geschichtsschreibung bei Quintilian S. 10

1. Quintilian: Leben und Werk S. 10
2. Das Gattungsverständnis bei Quintilian S. 10
3. Die römische Geschichtsschreibung (§ 101-104) S. 11

D. Schlussbetrachtung S. 12

Literaturverzeichnis S. 13


 

 

A. Allgemeines zur römischen Geschichtsschreibung

1. Etymologie

Das griechische Wort historìa ist etymologisch verwandt mit dem latein ischen videre und dem deutschen wissen und wurde ursprünglich im Sinne von „Erkundung“ / „Erforschung“ gebraucht. Übertragen auf die Geschichtsschreibung bedeutet das also die Erforschung geschichtlicher Tatsachen, sowie deren möglichst wahrheitsgetreue Wiedergabe.

2. Antike Gattungsdefinition

Die Geschichtsschreibung (historia) zählt neben der Rede (eloquentia oratoria) und der Philosophie (philosophia) zu den drei römischen Kunstprosagattungen. Aristoteles grenzt sie in seiner Poetik (1451 a38-b5) folgendermaßen gegen die Dichtung ab: „Denn der Geschichtsschreiber und der Dichter unterscheiden sich nicht dadurch voneinander, dass sich der eine in Versen und der andere in Prosa mitteilt [...]; sie unterscheiden sich vielmehr dadurch, dass der eine das wirklich Geschehene mitteilt, der andere, was geschehen sein könnte.“

3. Ursprünge und Vorformen

Wie der Großteil der literarischen Gattungen geht auch die Geschichtsschreibung auf griechische Vorbilder zurück, wobei auch in Rom selbst Vorformen existierten, die später in der Geschichtsschreibung aufgegriffen wurden. Zu diesen Vorformen gehörten unter anderem die Familienarchive. Diese Archive waren deshalb von so großer Bedeutung, weil sich das Ansehen einer Gens ganz wesentlich darauf stütze, welche Leistungen und Taten die Vorfahren erbracht hatten. Damit diese Leistungen öffentlich wurden, war es üblich, bei der Bestattung eines Verwandten eine Leichenrede (laudatio funebris) zu halten, in der noch einmal an seine Erfolge und Auszeichnungen erinnert wurde. Diese Leichenreden wurden häufig verschriftlicht und in den Familienarchiven gesammelt.1 Auch der titulus, die Grabinschrift, hob noch einmal in knapper Form die wichtigsten Daten hervor. Inwieweit die Annales Maximi, ein jährlich vom pontifex maximus zusammengestelltes Verzeichnis der wichtigsten Daten (Inhaber der hohen Ämter, Erdbeben, Kriege, etc.), die Geschichtsschreibung beeinflusst haben, ist unklar. Möglicherweise geht die Annalistik (jahrweise Darstellung der Geschichte Roms ab urbe condita) eher auf die Annales des Q. Ennius zurück. Zwar handelte es sich dabei nicht um ein Prosawerk, sondern um einen epischen Text, aber die Darstellung der Geschichte Roms wies durchaus annalistische Züge auf. Auch der Einfluss der Fasti, einem Verzeichnis von Magistraten, Triumphatoren etc., dürfte damit ähnlich schwer nachzuvollziehen sein.

4. Gattungsmerkmale und Intention

Von Cicero als opus oratorium, von Quintilian als carmen solutum bezeichnet, gehörte die römische Geschichtsschreibung, wie bereits erwähnt, zu den drei Gattungen der römischen Kunstprosa. Trotz des Grundpostulats, dass sie zur Ermittlung der historischen Wahrheit dienen sollte, stand der literarisch-ästhetische Aspekt daher aber immer im Vordergrund.1 Ziel der Geschichtsschreibung war die Verknüpfung von prodesse und delectare. Da es sich bei den Autoren meist um Staatsmänner handelte, sollte sie auch dazu dienen, politisch zu wirken. Eine häufig patriotische Prägung ist daher nicht verwunderlich. Vor allem in der Kaiserzeit wurde sie auch gerne benutzt, um Kritik an den herrschenden Verhältnissen zu üben. Obwohl die einzelnen Werke selbstverständlich sehr unterschiedlich waren, gab es einige Elemente, die für die Geschichtsschreibung charakteristisch waren. Dazu gehörten zum Beispiel die Proömien, in denen sich der Autor zu seinem Thema, seiner Vorgehensweise, seinem Geschichtsverständnis und seiner Darstellungsweise äußerte, oder fiktive Reden und Briefe, die dazu dienen sollten, Hintergründe und Motivationen zu beleuchten. Ebenfalls typisch waren Exkurse mit häufig geographischer oder ethnographischer Thematik, die die fortlaufende Darstellung immer wieder unterbrachen.

B. Gattungsgeschichte

1. Die frühe Republik

[...]


1 Vgl. Rüpke, J., Röm. Geschichtsschreibung, S. 51

1 Vgl. Lexikon der alten Welt, Röm. Geschichtsschreibung, Sp. 1074


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