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Organisation und Administration der Wasserversorgung im kaiserlichen Rom um die erste Jahrhundertwende: Frontinus' "De aquaeductu urbis Romae"

Seminararbeit, 2004, 27 Seiten
Autor: Thomas Diehl
Fach: Geschichte - Frühgeschichte, Antike

Details

Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2004
Seiten: 27
Note: 1
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V28391
ISBN (E-Book): 978-3-638-30186-2
ISBN (Buch): 978-3-638-64980-3
Dateigröße: 303 KB

Zusammenfassung / Abstract

Zwingende Voraussetzung menschlichen Lebens ist Wasser. Umsomehr ist folglich eine verläßliche Wasserversorgung notwendige Bedingung für jede Art von Siedlung dörflicher oder städtischer Natur. Angesichts der klimatischen Verhältnisse im Mittelmeerraum ist gerade dort eine funktionierende und verläßliche Wasserversorgung wichtig, angesichts der dort herrschenden Niederschlags- und Grundwasserarmut und „ausgeprägter Sommertrockenheit ist die Wasserversorgung von erheblicher Bedeutung für die Siedlergemeinschaften.“ Eine berechenbare und zuverlässige Wasserversorgung war (und ist) dabei nicht nur von zentraler Bedeutung für Großstädte, sie ist vielmehr zuerst eine Bedingung für deren Entstehen und Anwachsen. Gerade die antike Großstadt Rom war daher auf eine funktionierende und stetige Versorgung mit dem lebensnotwenigen Gut angewiesen. Man mag nun denken, daß die Stadt durch die Lage am Tiber ja hinlänglich mit Wasser ausgestattet war. Doch diese erste Annahme schlägt fehl. Während die Versorgung mit sauberen Wasser noch bis weit in die Neuzeit hinein keine Selbstverständlichkeit war, war das Streben der Römer offensichtlich, ihre Stadt (wie auch andere Städte) mit sauberen Wasser zu versorgen – Wasser aus dem Tiber genügte diesen Ansprüchen nicht. Während der Tiber als natürlicher Verkehrsweg und nicht als Trinkwasserquelle galt, konnte die Grund- und Quellwasserversorgung vor Ort die Bedürfnisse Roms kaum befriedigen. Als Frontinus 97 n.Chr. zum curator aquarum ernannt wurde, war der Bau von Aquädukten aufgrund des rapide steigenden Wasserbedarfs der antiken Millionenstadt (vor allem durch den zunehmenden Bau und Betrieb von Thermen) zu einer bedeutsamen Bauaufgabe der Kaiser geworden. Frontinus nennt diese „ein besonderes Zeichen für die Größe des römischen Imperiums“ , Plinius geht in seiner Bewunderung noch weiter, da man gestehen müsse, „daß es auf der ganzen Erde nie etwas Bewundernswerteres gegeben hat.“ Dieses Symbol römischer Baukunst musste zum Schutz und zur Instandhaltung administrativ verwaltet werden. Wie dies geschah, darüber gibt Frontinus in seiner gegen Ende des 1. Jhs. entstandenen Schrift „De aquaeductu urnis Romae“ umfangreiche Auskunft. Das Werk gibt dabei viele Einblicke in politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen der Kaiserzeit.


Textauszug (computergeneriert)

UNIVERSITÄT KASSEL
FACHBEREICH 5: GESELLSCHAFTSWISSENSCHAFTEN
Seminar Alte Geschichte: Die Infrastruktur des Imperium Romanum
5. Semester

Organisation und Administration der Wasserversorgung im
kaiserlichen Rom um die erste Jahrhundertwende:
Frontinus′ "De aquaeductu urbis Romae"

von: Thomas Diehl

 


Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung 2

2) Die Wasserverteilung in Rom 5

2.1) Aufschlüsselung nach Versorgungsbereichen 5
2.2) Private Anschlüsse an das Versorgungsnetz 8

3) Senatsbeschlüsse über die Wasserversorgung und die Lex Quinctia de aquaeductu 12

4) Die cura aquarum 13

4.1) Die Entstehung der Verwaltungsbehörde 13
4.2) Der curator aquarum 14
4.3) Der procurator aquarum 16
4.4) Die familia publica und familia Caesaris 17
4.5) Die Finanzierung der Behörde 17

5) Aufgaben und Kompetenzen der cura aquarum 18

5.1) Instandhaltung der Wasserleitungen 18
5.2) Kontrolle und Rechtsschutz 22

6) Resümee 24

7) Quellen- und Literaturverzeichnis 27


 

 

1) Einleitung

Zwingende Voraussetzung für menschliches Leben ist Wasser. Umsomehr ist folglich eine verläßliche Wasserversorgung notwendige Bedingung für jede Art von Siedlung dörflicher oder städtischer Natur. Angesichts der klimatischen Verhältnisse im Mittelmeerraum ist gerade dort eine funktionierende und verläßliche Wasserversorgung wichtig, angesichts der dort herrschenden Niederschlags- und Grundwasserarmut und „ausgeprägter Sommertrockenheit ist die Wasserversorgung von erheblicher Bedeutung für die Siedlergemeinschaften.“ Eine berechenbare und zuverlässige Wasserversorgung war (und ist) dabei nicht nur von zentraler Bedeutung für Großstädte, sie ist vielmehr eine Bedingung für deren Entstehen und Anwachsen. Gerade die antike Großstadt Rom war daher auf eine funktionierende und stetige Versorgung mit dem lebensnotwenigen Gut angewiesen. Man mag nun denken, daß die Stadt durch die Lage am Tiber ja hinlänglich mit Wasser ausgestattet war. Doch diese erste Annahme schlägt fehl. Während die Versorgung mit sauberen Wasser noch bis weit in die Neuzeit hinein keine Selbstverständlichkeit war, war das Streben der Römer offensichtlich, ihre Stadt (wie auch andere Städte) mit sauberem Wasser zu versorgen – Wasser aus dem Tiber genügte diesen Ansprüchen nicht. Während der Tiber als natürlicher Verkehrsweg und nicht als Trinkwasserquelle galt, konnte die Grund- und Quellwasserversorgung vor Ort die Bedürfnisse Roms kaum befriedigen. Aus diesem Grund – und unter der erfüllten Bedingung eines intakten und befriedete Flächenstaats - wurde 312 v.Chr. mit der Aqua Appia die erste Wasserleitung gebaut, die Wasser aus einer außerhalb des Stadtgebietes gelegenen Quelle in die Stadt führte. Auf diese folgten, bedingt durch die Notwendigkeit eines erweiterten Wasserangebots durch das Anwachsen der Stadt nach Ende des 2. Punischen Krieges,2 die Anio Vetus 272 v. Chr, die Aqua Marcia nach 144 v.Chr. und die Aqua Tepula um 125 v.Chr..3 Die Bereitstellung von Trinkwasser auf diese Art war dabei nicht bestimmten Gruppen vorbehalten, sondern sie sollte der gesamten Bevölkerung dienen und war daher als Aufgabe von öffentlichem Interesse anerkannt.4 Angesichts der steigenden Bevölkerungszahl Roms bis hin zu etwa 1 Million Einwohnern (eine Zahl, die erst um 1800 wieder – in London – erreicht wurde) in bzw. seit der augusteischen Zeit, die vermutlich bis zum Anfang des 4. Jahrhunderts relativ konstant blieb,5 mußten zur Versorgung dieser Massen mit Wasser enorme Anstrengungen unternommen werden. Doch schafften die Römer nicht nur, eine ausreichende Versorgung herzustellen – Plinius berichtet von „Überfluß an Wasser in der Öffentlichkeit, in Bädern, Fischteichen, Kanälen, Häusern, Gärten und Landgütern nahe bei der Stadt.“6 Als Frontinus 97 n.Chr. zum curator aquarum ernannt wurde, war der Bau von Aquädukten aufgrund des rapide steigenden Wasserbedarfs (vor allem durch den zunehmenden Bau und Betrieb von Thermen) zu einer bedeutsamen Bauaufgabe der Kaiser geworden.7 Im 1. Jahrhundert n.Chr. wurden daher drei neue Wasserleitungen gebaut, insgesamt gab es zur Zeit Frontinus’ neun Aquädukte mit einer Gesamtlänge von über 420 km.8 Frontinus nennt diese „ein besonderes Zeichen für die Größe des römischen Imperiums,“9 Plinius geht in seiner Bewunderung noch weiter, da man gestehen müsse, „daß es auf der ganzen Erde nie etwas Bewundernswerteres gegeben hat.“10 Zur Sicherung der römischen Wasserversorgung mußten die Wasserleitungen geschützt werden, angesichts der Länge dieser war dies eine umfangreiche Aufgabe. Verhindert werden mußten zum einen Verfall oder andere Alters- und Abnutzungserscheinungen durch Instandhaltung der Leitungen, zum anderen die unberechtigte Entnahme von Wasser aus diesen Leitungen, wozu es vielerlei Möglichkeiten gab und was ein großes Problem darstellte – von der Aqua Marcia z.B. berichtet Frontinus, daß es bei dieser von Leitungsanfang bis Leitungsende (in Rom) einen Schwund von annähernd 40% gab, wobei nur ein kleiner Teil aus Bauschäden resultierte.11 Überhaupt durchzieht die Schrift Frontinus’ die Klage über weitverbreiteten Diebstahl von und Betrug mit Wasser. Eine Kernaufgabe der cura aquarum war die Abwehr all dieser die kontinuierliche Wasserversorgung bedrohender Dinge. Zu fragen ist daher im folgenden nach der Organisation und Administration der römischen Wasserversorgung durch die cura aquarum. Betrachtet werden sollen dabei auch die Fragen nach der Verteilung des Wasseraufkommens, wobei auch private Wasserkonzessionen betrachtet werden, nach gesetzlichen Bestimmungen zum rechtlichen Schutz der Leitungen und nicht zuletzt nach der Finanzierung des Ganzen. Eine Behandlung der Entstehung und Struktur der cura aquarum versteht sich von selbst.

Als Quelle dient dabei Frontinus’ Abhandlung „De aquaeductu urbis romae“ in der Übersetzung Gerhard Kühnes für die Frontinus-Gesellschaft. Im Alter von über 60, vielleicht fast 70 Jahren12 wurde Frontin von Nerva 97 n.Chr. zum curator aquarum ernannt.13 Seine Schrift „De aquaeductu urnis Romae“ war zur „eigenen Unterrichtung und .. Gewinnung eigener Maßstäbe“14 wie auch zur allgemeinen Belehrung gedacht und ist eine „hydrologische Quelle ersten Ranges.“15 Vollendet wurde die kurz nach Amtsantritt begonnene Schrift schließlich unter Traian (nach 98 n.Chr.),16 Frontinus selbst stand vermutlich bis 103 an der Spitze der cura aquarum.17 Seine Schrift über die römische Wasserversorgung stellt ein idealtypisches Beispiel üner römisches Amtsverständnis dar. Bis ins kleinste Detail stellt Frontinus historische, technische, juristische und admisnistrative Begebenheiten und Bedingungen dar. Im folgenden eine grobe Übersicht des Inhalts:

[...]


1 Höcker, Christoph, DNP 12/2, 2003, S. 406-415, s.v. Wasserversorgung; II: Klassische Antike, hier: S. 406

2 Vgl. Schneider, Helmuth, Einführung in die antike Technikgeschichte, Darmstadt 1992, S. 183

3 Vgl. a.a.O., S. 410f.

4 Vgl. Eck, Werner, Die Gestalt Frontins in ihrer politischen und sozialen Umwelt; Organisation und Administration der Wasserversorgung Roms, in: Frontinus-Gesellschaft e.V. (Hrsg.), Wasserversorgung im antiken Rom, München/Wien 19832, S. 45-78, hier: S. 63f.. Beide Texte sind als Einheit zu sehen, da Eck die Fußnoten im Anhang als Einheit anfügt.

5 Vgl. Jongman, Wilhelm, DNP 10, 2001, S. 1077-1079, s.v. Roma; II.A.: Bevölkerung, hier: S. 1077f.

6 Plin. nat. 36, 123, in: Plinius Secunuds, Gaius, Naturkunde, Hrsg. u. übers. von Roderich König in Zusammenarbeit mit Joachim Hopp, München/Zürich 1992, hier: S. 87

7 Vgl. Höcker 2003, S. 411; Robinson, Olivia F., Ancient Rome. City planing and administration, London/New York 1992, hier: S. 99

8 Garbrecht, Günther, Die Wasserversorgung Roms, in: Frontinus-Gesellschaft e.V. (Hrsg.), Wasserversorgung im antiken Rom, München/Wien 19832, S. 32-41, hier: S. 32f.

9 Frontin 119,1, in: Kühne, Gerhard, Die Wasserversorgung der antiken Stadt Rom. Übersetzung der Schrift von Sextus Iulius Frontinus, in: Frontinus-Gesellschaft e.V. (Hrsg.), Wasserversorgung im antiken Rom, München / Wien 19832, S. 79-128

10 Plin. nat. 36, 123

11 Frontinus 67; Höcker 2003, S. 414. Fahlbusch erklärt diese Differenz aus unterschiedlichen Fließgeschwindigkeiten, vgl. Fahlbusch, Henning, Über Abflußmessung und Standardisierung bei den Wasserversorgungsanlagen Roms, in: Frontinus-Gesellschaft e.V. (Hrsg.), Wasserversorgung im antiken Rom, München/Wien 19832, S. 129-144, hier: S. 137f.. Angesichts der offensichtlich hohen Zahl von Wasserdiebstahl (siehe 4.2) scheint allein Fahlbuschs Erklärung nicht ausreichend.

12 Um 73 n.Chr. bekleidete er erstmals das Amt eines Konsuls (vgl. dazu Hainzmann, Manfred, Untersuchungen zur Geschichte und Verwaltung der stadtrömischen Wasserleitungen, Wien 1975, S. 4), wozu man üblicherweise mindestens 42 Jahre alt sein mußte.

13 Frontinus 1; vgl. Hainzmann 1975, S. 4

14 Frontinus 2

15 Sallmann, Klaus, DNP 4, 1998, S. 677f., s.v. Frontinus, S. Iulius, hier: S. 678

16 Vgl. Hainzmann 1975, S. 5

17Vgl. Bruun, Christer, The Water Supply of Ancient Rome. A Study of Roman Imperial Administration, Helsinki 1991, S. 199


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