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Sprache und Geschlecht - Beurteilungen geschlechtsspezifischen Sprachverhaltens

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 1999, 27 Pages
Author: Cornelia Peters
Subject: German Studies - Linguistics

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 1999
Pages: 27
Grade: 1,7
Language: German
Archive No.: V28710
ISBN (E-book): 978-3-638-30414-6
ISBN (Book): 978-3-638-85342-2
File size: 216 KB

Abstract

Die Erforschung des Zusammenhangs von Geschlecht und Sprache kann nicht losgelöst erfolgen von einigen grundlegenden Erkenntnissen, die sich auf das Zusammenleben von Frauen und Männern in der Gesellschaft beziehen. Thematisiert wurde diese Problematik vor allem durch die Frauenbewegung in den USA und Europa, deren Anfänge zum Ende des 18. Jahrhunderts zurückreichen. Die Engländerin Mary Wollstonecraft veröffentlichte bereits 1787 „Thoughts on the Education of Daughters“ und im Jahre 1792 das für die Frauenbewegungen bahnbrechende Werk „A Vindication of the Rights of Woman“.1 In Deutschland existierten aktive Frauenbewegungen von der Mitte des 19. Jahrhunderts an. Von ihnen schlossen sich im Jahre 1894 insgesamt 137 Vereine zum „Bund deutscher Frauenvereine“ (BdF) zusammen, deren Mitgliederzahl bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges auf ca. 500 000 angewachsen war. Die organisierten Frauen nahmen sich dabei sehr unterschiedlicher Themenbereiche an, die von den traditionellen weiblichen Bereichen der sozialen Fürsorge bis zu modernen emanzipatorischen Anliegen reichten.2 Nachdem während des Dritten Reiches und des Zweiten Weltkrieges diese Bewegungen in Deutschland gewaltsam unterdrückt wurden, kamen sie gegen Ende der 60er Jahre wieder auf und entwickelten sich seither ständig weiter. Entscheidende Impulse erhielten sie während der letzten zwanzig Jahre vor allem aus den USA.


Excerpt (computer-generated)

Universität Koblenz-Landau
Abteilung Koblenz
Fachbereich Germanistik
Wintersemester 1998/99
Hauptseminar: Soziolinguistik

Hausarbeit zum Thema:

Sprache und Geschlecht

Beurteilungen geschlechtsspezifischen Sprachverhaltens im Überblick

von

Cornelia Peters 

31. Januar 1999

 

Inhalt 

1. Frauenbewegungen in Europa und den USA 23
1.1 Stereotype Geschlechtsrollenbilder und Verhaltensnormen 23
1.2 Sexismus und Gewalt 23

2. Geschlecht und Sprache 23
2.1 Sprachsystem und Sprachgebrauch 23
2.1.1 Systemimmanente Faktoren der Diskriminierung 23
2.1.2 Sexistische Tendenzen im Sprachgebrauch 23
2.2 Interaktions- und Gesprächsverhalten 23

3. Interpretationstendenzen gesprächsanalytischer Studien 23
3.1 Die Defizithypothese 23
3.2 Die Dominanzhypothese 23
3.2.1 Geschlechtsspezifisches Sprachverhalten in Institutionen und Beruf 23
3.2.2 Erweiterung des gesellschaftlichen und sprachlichen Dominanzbegriffes 23
3.3 Die Differenzhypothese 23
3.3.1 Symmetrische und asymmetrische Gesprächsstrategien 23
3.3.2. Gespräch als Produkt zahlreicher Situationsvariablen 23

4. Abkehr von dualistischen Denkmodellen 23

5. Literaturverzeichnis 23

 

1. Frauenbewegungen in Europa und den USA

Die Erforschung des Zusammenhangs von Geschlecht und Sprache kann nicht losgelöst erfolgen von einigen grundlegenden Erkenntnissen, die sich auf das Zusammenleben von Frauen und Männern in der Gesellschaft beziehen.
Thematisiert wurde diese Problematik vor allem durch die Frauenbewegung in den USA und Europa, deren Anfänge zum Ende des 18. Jahrhunderts zurückreichen. Die Engländerin Mary Wollstonecraft veröffentlichte bereits 1787 „Thoughts on the Education of Daughters“ und im Jahre 1792 das für die Frauenbewegungen bahnbrechende Werk „A Vindication of the Rights of Woman“.1 In Deutschland existierten aktive Frauenbewegungen von der Mitte des 19. Jahrhunderts an. Von ihnen schlossen sich im Jahre 1894 insgesamt 137 Vereine zum „Bund deutscher Frauenvereine“ (BdF) zusammen, deren Mitgliederzahl bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges auf ca. 500 000 angewachsen war. Die organisierten Frauen nahmen sich dabei sehr unterschiedlicher Themenbereiche an, die von den traditionellen weiblichen Bereichen der sozialen Fürsorge bis zu modernen emanzipatorischen Anliegen reichten.2 Nachdem während des Dritten Reiches und des Zweiten Weltkrieges diese Bewegungen in Deutschland gewaltsam unterdrückt wurden, kamen sie gegen Ende der 60er Jahre wieder auf und entwickelten sich seither ständig weiter. Entscheidende Impulse erhielten sie während der letzten zwanzig Jahre vor allem aus den USA.

Ein Ergebnis der feministischen Bewegung der 70er und 80er Jahre war die Formulierung folgender Erkenntnisse:

  • Die westliche Kultur und Gesellschaft ist durch patriarchalische Macht- und Gesellschaftsstrukturen gekennzeichnet.
  • Die gesellschaftliche Geschlechterrolle ist nur in geringem Maße genetisch festgelegt und weitgehend Produkt einer sozialen Erziehung und Disziplinierung
  • In einer patriarchalisch orientierten Gesellschaft existieren stereotype Geschlechtsrollenbilder, d.h. die Rollen von Männern und Frauen sind traditionell festgelegt. Sie weisen stark unterschiedliche Verhaltensnormen auf und haben beträchtlichen Einfluß auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Frauen und Männern.3

1.1 Geschlechtsstereotypen und ihre soziale Bewertung

Bis heute lassen sich Eigenschaften typischer Geschlechtsrollenbilder isolieren, die auf die familiäre Arbeitsteilung zurückgehen: Die Frau war in erster Linie für die Familie, den Haushalt und die Kindererziehung zuständig, während der Mann primär die Ernährerrolle ausfüllte. Im Zuge der Sozialisierung wurden daher den Mädchen stärker personen- und beziehungsorientierte Verhaltensweisen und Normen vermittelt, während bei den Jungen sach- und statusorientiertes Verhalten gefördert wurde. Daraus ergeben sich folgende im Alltagswissen verankerte Vorstellungen von idealtypischem Geschlechtsrollenverhalten:

Für Frauen wird ein eher passives, freundliches, emotionales, fürsorgliches und sensitives Verhalten erwartet, das die soziale Abhängigkeit und Schutzbedürftigkeit betont. Männer dagegen entsprechen dem positiven Stereotyp, wenn sie dominant, emotional kontrolliert, berufsorientiert, unabhängig und kompetitiv auftreten. Dabei werden die männlichen Eigenschaften traditionell höher bewertet als die weiblichen. Diese Polarisierung der Geschlechter ist mit einem starken Machtgefälle verbunden und impliziert eine Benachteiligung der Frau. Schon der Zwang, sich zwischen den verschiedenen Rollenerwartungen entscheiden zu müssen (Familie, Kinder oder Karriere), stellt eine solche Benachteiligung dar, der sich Männer nur in seltenen Fällen ausgesetzt sehen. Obwohl Frauen laut Grundgesetz die gleichen Rechte wie Männer haben und die traditionellen Vorstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit innerhalb der letzten Jahre zunehmend in Frage gestellt werden, sind auch heute noch relativ wenige Frauen in höheren beruflichen Schichten anzutreffen.

Die Hamburger Sprachwissenschaftlerin Karsta Frank sieht als die erste, bedeutendste Legitimation der Frauenbewegung die Feststellung, daß die Bedürfnisse und Fähigkeiten der Frauen nicht allein in der ihnen traditionell zugewiesenen Rolle aufgehen. Ziel war und ist die Überwindung jener strukturell oder direkt wirkenden Gewalt, welche Frauen an der Realisierung und Entfaltung ihrer individuell höchst unterschiedlichen Potentiale hindert.4

[....]


1 vgl. David F. Crystal, (1998): The Cambridge Biographical Encyclopedia. Cambridge

2 vgl. Gabriele Haefs, Klaus Gille (1994): Von Sittenstrenge und Aufbegehren. Hamburg

3 vgl. Angelika Linke, Markus Nussbaumer, Paul R. Portmann (1994): Studienbuch Linguistik. Tübingen

4 vgl. Karsta Frank (1992): Sprachgewalt: Die sprachliche Reproduktion der Geschlechterhierarchie. Tübingen


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