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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 23 Pages
Author: Antje Linßner
Subject: Film Science
Details
Institution/College: University of Leipzig (Theaterwissenschaft)
Tags: Kriegsfilm, Todes-Inszenierungen, Eine, Analyse, Darstellung, Sterbens, Platoon, Hamburger, Hill, Saving, Private, Ryan, Shell, Face, Kriegsfilm
Year: 2003
Pages: 23
Grade: 1,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-30417-7
ISBN (Book): 978-3-638-64991-9
File size: 183 KB
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Abstract
Die Filme „Hamburger Hill“, „Platoon“ und „Privat Ryan“ spielen eine je unterschiedliche Tonart vom „Lied vom Tod“. Allen Filmen gemein ist die Auseinandersetzung mit der Todesangst, der Angst vor dem Tod und der Todeserfahrung, speziell mit dem „Tod des Anderen“. Die Inszenierungen des Sterbeprozesses und des Todesmomentes sind verschiedene. Bahnt sich in „Platoon“ eine mythische Todesinszenierung an, da der Mythos den Tod als Ende und Beginn einer Wandlung beschreibt, so ist in „Hamburger Hill“ die Zerstörung des menschlichen Körpers die Ausdrucksform der Kriegserfahrung, „Private Ryan“ berichtet hingegen vom zerstückelten Körper im Tod, und schafft mit der Landungssequenz der alliierten Truppen in der Normandie einen Epos des Todes. Die Ansatzpunkte für die Frage nach der Todesinszenierung sind die ästhetischen und handlungsspezifischen Merkmale, die den Tod abbilden oder davon erzählen. Konkret bedeutet das die Untersuchung der Äußerungen und Handlungen der Soldaten zum Tod der Kameraden oder zum eigenen Tod als Bevorstand. Wie wird Sterben und Todesmoment ästhetisch dargestellt bzw. abgebildet? Wie wird der Tod an sich verstanden oder welche Bedeutungszusammenhänge werden ihm, speziell im Krieg, oder allgemein, zugeordnet? Wie wird das brutale DASS des Todes gezeigt, was sagt es über das WAS? Stefan Reinecke spricht davon, dass Kino den Schrecken abbilde, „Bilder vom Sterben machen das Unfassbare abbildbar, das Unvorstellbare verständlich“ . Erfahrung von Grauen oder Schrecken ist eine Möglichkeit für den Einzelnen, diffuse Ängste zu bewältigen, Verdrängungsmechanismen werden überflüssig. Ist das Sterben im Kriegsfilm ein Angebot zur Integration des uns „fremden“ Todes? „Rambo – und Filme, in denen massenhaft gestorben wird – kann man (...) als Angebot verstehen, in dem die Angst vor dem Tod (...) in der Vernichtung des Anderen, des Feindes undeutlich verarbeitet wird.“ . Hier ist noch hinzuzufügen, dass meines Erachtens diese Verarbeitung nicht nur in der Vernichtung des anderen vonstatten geht: die behandelten Filme bieten dafür viel Stoff.
Excerpt (computer-generated)
Institut für Theaterwissenschaft
Seminar: Shell shocked Face (WS 2002/03)
Hausarbeit
Thema:
Der amerikanische Kriegsfilm nach 1945 und seine Todes-Inszenierungen:
Eine vergleichende Analyse zur Darstellung des Sterbens anhand von
„Platoon“, „Hamburger Hill“ und „Saving Private Ryan“
von
Antje Linßner
Abgabetermin: 25.03.03
„Der Tod ist nicht vorbei
wenn einer tot ist,
wenn
wenn einer tot ist,
fängt er in gewisser Weise
überhaupt erst an, der Tod.“
(Michael Mayer)
Inhalt
0 Vorwort 4
1 Einleitung 5
2 Vorüberlegungen 6
2.1 Vom Töten im Krieg 6
2.2 Zum Verständnis des Todes 8
2.3 Todesangst und Angst vor dem Tod 9
2.4 Sterbeprozess und Todesmoment 12
2.5 Varianten der Todeserfahrung 14
3 Sterben und Tod in „Hamburger Hill“, „Platoon“ und „Private Ryan“ 16
3.1 Mythische Strukturen
3.2 Welt, Körper, Sterben und Tod 18
3.3 Der Umgang mit dem Tod 20
Anhang A: Literatur
Anhang B: Produktionsdaten der behandelten Filme 23
0 Vorwort
Die ersten zwanzig Minuten des Spielberg`schen „Private Ryan“ haben meine Kriegserfahrung auf den Kopf gestellt. Eben diese beschränkte sich bis dahin auf das (aus dem Film-)Wissen, dass es Krieg gibt, dass in jenem und welchen Kriegsgebiet x-tausend Menschen ums Leben gekommen sind, und dass, wenn man im Krieg erschossen wird, dies relativ unblutig mit einem Einschussloch an irgendeiner Körperstelle vonstatten geht, die Toten vielleicht noch ein bisschen rumliegen, aber irgendwann sind auch sie aus dem Bild verschwunden. Und aus meinem Blickfeld. Außerdem weiß jeder, dass die Schauspieler nach ihrer Sterbensszene wieder aufstehen: sie sterben nur den Filmtod. Ich verlasse mich im Kino prinzipiell auf den Fiktionsvertrag, und man kann nicht behaupten, dass Spielberg mit seinem Film vertragsbrüchig geworden sei.
Trotzdem traf mich blitzartig die Erkenntnis, dass das Sterben einen wesentlichen Teil des Krieges ausmacht. Dass der Tod der Anderen im Krieg unvermeidlich ist – er ist ein Prinzip des Krieges. Es ist die Auseinandersetzung mit folgender Fragestellung , die den Sinn dieser Arbeit ausmacht: Krieg ist eine Variante der Sichtbarmachung des Todes, und wie noch später erörtert wird, ist Tod ein Thema im gesellschaftlich tabuisierten Raum. Wie wird dieser eigentlich tabuisierte Tod inszeniert?
1 Einleitung
Die Filme „Hamburger Hill“, „Platoon“ und „Privat Ryan“ spielen eine je unterschiedliche Tonart vom „Lied vom Tod“. Allen Filmen gemein ist die Auseinandersetzung mit der Todesangst, der Angst vor dem Tod und der Todeserfahrung, speziell mit dem „Tod des Anderen“. Die Inszenierungen des Sterbeprozesses und des Todesmomentes sind verschiedene. Bahnt sich in „Platoon“ eine mythische Todesinszenierung an, da der Mythos den Tod als Ende und Beginn einer Wandlung beschreibt, so ist in „Hamburger Hill“ die Zerstörung des menschlichen Körpers die Ausdrucksform der Kriegserfahrung, „Private Ryan“ berichtet hingegen vom zerstückelten Körper im Tod, und schafft mit der Landungssequenz der alliierten Truppen in der Normandie einen Epos des Todes.
Die Ansatzpunkte für die Frage nach der Todesinszenierung sind die ästhetischen und handlungsspezifischen Merkmale, die den Tod abbilden oder davon erzählen. Konkret bedeutet das die Untersuchung der Äußerungen und Handlungen der Soldaten zum Tod der Kameraden oder zum eigenen Tod als Bevorstand. Wie wird Sterben und Todesmoment ästhetisch dargestellt bzw. abgebildet? Wie wird der Tod an sich verstanden oder welche Bedeutungszusammenhänge werden ihm, speziell im Krieg, oder allgemein, zugeordnet? Wie wird das brutale DASS des Todes gezeigt, was sagt es über das WAS?
Stefan Reinecke spricht davon, dass Kino den Schrecken abbilde, „Bilder vom Sterben machen das Unfassbare abbildbar, das Unvorstellbare verständlich“1. Erfahrung von Grauen oder Schrecken ist eine Möglichkeit für den Einzelnen, diffuse Ängste2 zu bewältigen, Verdrängungsmechanismen werden überflüssig. Ist das Sterben im Kriegsfilm ein Angebot zur Integration des uns „fremden“Todes? „Rambo – und Filme, in denen massenhaft gestorben wird – kann man (...) als Angebot verstehen, in dem die Angst vor dem Tod (...) in der Vernichtung des Anderen, des Feindes undeutlich verarbeitet wird.“3. Hier ist noch hinzuzufügen, dass meines Erachtens diese Verarbeitung nicht nur in der Vernichtung des anderen vonstatten geht: die behandelten Filme bieten dafür viel Stoff.
2 Vorüberlegungen
2.1 Vom Töten im Krieg
Der Tod des Menschen ist Mittel zum Zweck des Krieges. Das Auf-den-Feind- Treffen ist nur eine Frage der Zeit , es ist gewiss, dass es passiert. Es gibt in erster Linie keinen zufälligen Tod, der Mensch im Krieg stirbt seltener an Krankheit oder Unfall – er geht in den Krieg, um gestorben zu werden.
Das Töten im Krieg hat eine eigene Moral. Es „erhält ... auf breiter Basis gesellschaftliche Legitimation“4, und „legitim kann nur ein Handeln genannt werden, das mit kulturellen Normen im Einklang steht...“5. Gesellschaftlich wird das Töten (von anderen oder sich selbst!) im Normalfall strengstens geahndet, der Krieg bildet die Ausnahme, da er dem Erhalt der Gesellschaft oder der Eroberung dient. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Krieg von Gier, Hass, Angst, Machttrieb, Religion oder Ideologie6 motiviert ist. Entscheidend ist die Notwendigkeit des Krieges in den Augen dessen, der ihn beginnt. Dabei ist das Töten „... ebenso wie das Schenken von Leben eine Manifestation von Macht“7.
[....]
1 vgl. Reinecke, 121
2 Diese diffusen Ängste sind Ausdruck der Verdrängung. Der Archetypus des „Fremden“ spielt hier eine Rolle, der auch einer der Grundtypen des Horrors ist: solange etwas nicht vorstellbar im Sinne von abbildbar ist, kann es nicht bewältigt werden.
3 Reinecke, 98
4 von Stietenchron, S. 19
5 Assmann, S. 57
6 vgl. von Stietenchron, S. 27ff.
7 von Stientenchron (2), S. 155
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