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Termpaper, 2004, 17 Pages
Author: Miriam Blümel
Subject: Scandinavian Languages
Details
Institution/College: University of Bonn (Germanistisches Seminar, Abteilung für Skandinavistik)
Tags: Bild, Nordmenschen, Tacitus, Perspektive, Kultur, Religion, Germanen, Einführung, Skandinavistik
Year: 2004
Pages: 17
Grade: noch gut
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-30541-9
ISBN (Book): 978-3-638-78928-8
File size: 334 KB
Dichter Text - einzeiliger Zeilenabstand
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Abstract
Die Germania des Geschichtsschreibers Tacitus ist das wichtigste Zeugnis schriftlicher Art über Altgermanien. Mit der Bezeichnung "Germanien“ meint Tacitus das freie Germanien rechtsrheinisch, also nicht die unter römischer Oberhoheit stehenden Provinzen Germania superior und Germania inferior linksseitig des Rheins. Mit dem Begriff „Germanen“ prägten die Römer eine Bezeichnung für ein ethnisches Kollektiv, bei dem es sich in Wirklichkeit um eine Vielzahl von verschiedenen Stämmen mit eigener politischer Führung, eigenen Bräuchen und eigener Sachkultur handelte. Tacitus ist selbst nie in Germanien gewesen. Er verdankt seine Quellen den Berichten von Offizieren und Kaufleuten, die Kontakt mit Germanen hatten. Die Hauptintention, die er mit der Germania verfolgte, war wohl, der eigenen römischen Gesellschaft ihren sittlichen Verfall und ihre Dekadenz vorzuhalten, sowie mit der Darstellung der (in den Augen der Römer) simplen Lebensformen der Germanen an tugendhaftere und moralischere Zeiten in Rom zu erinnern. Mit diesem Wissen über die subjektiven Beweggründe des Autors sollte man an diese antike Ethnographie herangehen, wenn man sich ein Bild von den „Germanen“ machen möchte. Die Germanen hinterließen der Nachwelt keine schriftlichen Aufzeichnungen. Alle Schriftstücke, die über die Germanen existieren, sind Berichte antiker Autoren. Ich möchte den Versuch wagen, einen Vergleich zwischen den historischen Beschreibungen des Tacitus und den modernen Erkenntnissen von Forschern aus den Bereichen Archäologie, Alter Geschichte, Sprach- und Religionswissenschaft zu ziehen. Meine Absicht ist hierbei, mich der Fragestellung zu nähern, wer unsere germanischen Vorfahren wirklich waren und wie sie lebten.
Excerpt (computer-generated)
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Germanistisches Seminar, Abteilung für Skandinavistik
Einführung in die Skandinavistik 1
2. Semester
Das Bild der "Nordmenschen" bei Tacitus aus moderner
Perspektive - Kultur und Religion der Germanen
von: Miriam Blümel
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitende Betrachtungen S.3
II. Zur Person Tacitus
1. Lebenslauf S.4
2. Werke des Tacitus/ Germania allg. S.4-5
III. Kultur und Religion der Germanen
1. Der Name der Germanen S.5
2. Das Erscheinungsbild der Germanen S.5-6
3. Die Kleidung der Germanen S.7
4. Haus und Hof der Germanen S.7-8
5. Der Alltag der Germanen S.8
6. Die Nahrung der Germanen S.8-9
7. Die Gesellschaft der Germanen S.9-10
8. Die Sippe der Germanen S.10-11
9. Die Religion der Germanen S.11-13
10. Die Schriftzeichen der Germanen S.13-14
11. Das Rechtssystem der Germanen S.14-15
12. Die Frauen der Germanen S.15-16
IV. Schlusswort S.16
Literaturverzeichnis S.17
I. Einleitende Betrachtungen
Die Germania des Geschichtsschreibers Tacitus ist das wichtigste Zeugnis schriftlicher Art über Altgermanien. Mit der Bezeichnung "Germanien“ meint Tacitus das freie Germanien rechtsrheinisch, also nicht die unter römischer Oberhoheit stehenden Provinzen Germania superior und Germania inferior linksseitig des Rheins. Die Menschen aus dem Norden traten erstmals unter die Augen der römischen Weltmacht, als 113 v.Chr. der Wanderzug der germanischen Kimbern und Teutonen mit römischen Legionen an einem Alpenpass zusammenstieß. Die Römer wollten dieses Volk daran hindern, Land in Italien zu besiedeln, den Germanen allerdings gelang es, die Legionen aufzureiben. Die folgenden Kontakte zwischen Römern und Germanen waren durch den römischen Expansionsdrang nach Norden durch kriegerische Auseinandersetzungen geprägt, in denen die „Nordleute“ für ihre Freiheit und Unabhängigkeit kämpften. Nachdem 9 n.Chr. drei römische Legionen im heutigen Osnabrücker Land von den Germanen unter Führung des Fürsten Arminius geschlagen werden konnten („Schlacht im Teutoburger Wald“), blieb die endgültige Grenze zwischen freiem Germanien und römischem Imperium immer der Rhein.
Mit dem Begriff „Germanen“ prägten die Römer eine Bezeichnung für ein ethnisches Kollektiv, bei dem es sich in Wirklichkeit um eine Vielzahl von verschiedenen Stämmen mit eigener politischer Führung, eigenen Bräuchen und eigener Sachkultur handelte. In den meisten Fällen aber sprachen die Römer ganz einfach von „Barbaren“. Barbaren waren für sie alle Völker, die nicht ihrer Zivilisationsstufe entsprachen und fremdartige Sitten hatten, eigentlich alle Nicht-Römer, die Griechen ausgenommen. Solche Barbaren waren in den Augen eines Römers Menschen zweiter Klasse.
Tacitus ist selbst nie in Germanien gewesen. Er verdankt seine Quellen den Berichten von Offizieren und Kaufleuten, die Kontakt mit Germanen hatten. Die Hauptintention, die er mit der Germania verfolgte, war wohl, der eigenen römischen Gesellschaft ihren sittlichen Verfall und ihre Dekadenz vorzuhalten, sowie mit der Darstellung der (in den Augen der Römer) simplen Lebensformen der Germanen an tugendhaftere und moralischere Zeiten in Rom zu erinnern. Mit diesem Wissen über die subjektiven Beweggründe des Autors sollte man an diese antike Ethnographie herangehen, wenn man sich ein Bild von den „Germanen“ machen möchte.1 Die Germanen hinterließen der Nachwelt keine schriftlichen Aufzeichnungen. Alle Schriftstücke, die über die Germanen existieren, sind Berichte antiker Autoren. In dieser Hausarbeit möchte ich den Versuch wagen, einen Vergleich zwischen den historischen Beschreibungen des Tacitus und den modernen Erkenntnissen von Forschern aus den Bereichen Archäologie, Alter Geschichte, Sprach- und Religionswissenschaft zu ziehen. Meine Absicht ist hierbei, mich der Fragestellung zu nähern, wer unsere germanischen Vorfahren wirklich waren und wie sie wirklich lebten. In vielen Köpfen kreisen immer noch klischeebehaftete Vorstellungen – von rauschbärtigen Trunkenbolden mit Fellen und zwei Hörnern einerseits oder von der „arischen Herrenrasse“ aus der NS-Ideologie andererseits. Das Konzept dieser Arbeit erscheint mir daher als eine lohnende Betrachtung.
II. Zur Person Tacitus
1. Lebenslauf
55 (n.Chr.) Publius Cornelius Tacitus (= der Schweigsame) wird als Sohn eines römischen Ritters in Rom geboren.
68 Tacitus wird politisch als Redner aktiv.
77 Tacitus heiratet die Tochter von Julius Agricola, dem späteren Statthalter von Britannien
78-88 Tacitus bekleidet verschiedene politische Ämter in Rom.
90 Hoher Offizier in verschiedenen römischen Provinzen
93 Rückkehr nach Rom nach dem Tode seines Schwiegervaters
97 Tacitus wird Konsul
100 Als Provinzverwalter von Kleinasien wird Tacitus einer der angesehensten Männer Roms
Um 120 Tod Tacitus
2. Werke des Tacitus
a) De vita Julii Agricolae (Das Leben des Julius Agricola), eine Biographie über seinen Schwiegervater aus dem Jahre 99.
b) Dialogus de oratoribus (Dialog über die Redner). In diesem Werk begründet Tacitus den Verfall der Redekunst mit dem Wandel von der Republik zur Monarchie.
c) Historien Hier schildert Tacitus die von ihm selbst erlebte Zeit der Flavierkaiser (Vespasian, Titus, Domitian), die aus guten Anfängen zur Willkürherrschaft ausartete.
d) Annalen Sie umfassen die Jahre 14-68 (die Regierungszeiten von Tiberius, Caligula, Claudius und Nero), vollständig erhalten sind nur die Bücher über die Zeit von 47-66. Die Annalen sind geprägt von der Resignation Tacitus über den Untergang der Republik zugunsten des Prinzipats mit all seinen Schattenseiten, in erster Linie beklagt er die Kaiser und Rom selbst, weniger das gesamte Imperium.
e) De origine et situ Germanorum, kurz Germania wurde 98 veröffentlicht und war sogar ein bescheidener literarischer Erfolg in Rom.
Die bis heute einzigartige handschriftliche Abschrift des Originalwerks wurde in der Mitte des 15 Jhdts. im Kloster Hersfeld in Hessen gefunden. Die Kapitel 1- 27 berichten allgemein über Leben, Sitten und Einrichtungen der Germanen Im Kapitel 28 behandelt Tacitus die Frage, ob Germanen nach Gallien eingewandert sind, oder ob auch eine Wanderung im umgekehrten Sinne erfolgt sein könnte. Er stützt sich auf die Behauptung Cäsars, dass einst die Gallier stärker gewesen seien als die Germanen und Kolonien auf rechtsrheinisches Gebiet geschickt hätten. Diese Annahme hat sich allerdings als falsch erwiesen, da die Kelten in vorgeschichtlicher Zeit in Süd- und Mitteldeutschland ansässig waren und erst den andrängenden Germanen über den Rhein nach Gallien auswichen. Die Kapitel 29- 30 handeln von den verschiedenen Germanenstämmen und ihren Eigenarten , u. a. die Bataver, Mattiaker, Chatten, Usipeter, Tenkterer, Brukterer, Friesen, Chauken, Cherusker, Foser, Sueben, Semnonen, Kimbern, Hermunduren.
III. Kultur und Religion der Germanen
1. Der Name der Germanen
[...]
1 Auf Bedeutung und Herkunft dieses Namens werde ich in Kapitel III, Abschnitt 1 zu sprechen kommen.
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