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Diploma Thesis, 1993, 184 Pages
Author: Dr. Marcus Schmitt
Subject: Philosophy - Early Modern Philosophy (approx. 1350 - 1600)
Details
Tags: Buch, Marsilio, Ficinos, Theologia, Platonica, Einführung, Quellen
Year: 1993
Pages: 184
Grade: sehr gut
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-30546-4
ISBN (Book): 978-3-638-72379-4
File size: 527 KB
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Abstract
Die Arbeit wurde bereits im Jahre 1993 angefertigt und beinhaltet eine deutsche Übersetzung des 5. Buches der Theologia Platonica von Marsilio Ficino. Ergänzt wird sie durch eine Einführung sowie einen kurzen philosophischen Quellenkommentar.
Excerpt (computer-generated)
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Theologische Fakultät - Philosophisches Institut
Marsilio Ficino: Theologia Platonica, 5. Buch
Einführung - Übersetzung - Quellen
Diplomarbeit
zur Erlangung des Magistergrades der Philosophie an der
Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck
vorgelegt von
Marcus Schmitt
WS 1993/94
Vorwort:
Mit dieser Arbeit lege ich die erste deutsche Übersetzung eines gesamten Buches aus Marsilio Ficinos philosophischem Hauptwerk "Theologia Platonica de immortalitate animorum" vor. Bislang existierten in deutscher Sprache lediglich Auszüge aus dem dritten, achten und elften Buch, die S. Otto für den von ihm herausgegebenen Band "Renaissance und frühe Neuzeit", Stuttgart 1984, anfertigte.
Ziel meiner Studie ist es, einen Beitrag zur Erforschung der Renaissance-Philosophie zu leisten. Das Hauptgewicht dieser Ausgabe liegt auf der Übersetzung. Ergänzt wird sie nach dem "klassischen" Muster von Ausgaben durch einen einführenden Teil und einen Quellenkommentar im Anschluß an die Übersetzung. Um den vorgegebenen Rahmen zu wahren, habe ich auf eine detaillierte philologisch-philosophische Kommentierung des ficinianischen Textes verzichtet. Sie wäre in ihrer notwendigen Intensität zu umfangreich geworden. Andererseits erschien es mir sinnvoll, auf jeden Fall ein gesamtes Buch zu behandeln und nicht nur einen kleinen Ausschnitt, um einen abgerundeten Überblick zu geben. Die Darstellung der Quellen, derer sich Ficino implizit und explizit im 5. Buch seiner "Theologia Platonica" bedient, kann keine Vollständigkeit beanspruchen, sondern soll eher exemplarisch dem Leser die philosophiegeschichtlichen Leitlinien aufzeigen und dazu ausführlichere Erläuterungen zu Gedanken bieten, die Ficino in seinem Text nur kurz erwähnt. Sie wird daher sowohl eine Verständnishilfe sein als auch den philosophischen Hintergrund vertiefen.
Inhalt des 5. Buches der "Theologia Platonica" sind die "rationes communes", d.h. die anerkannten "Gemeinplätze" für die vernunftmäßige Erschließung der Unsterblichkeit der Seelen. Diese Thematik gehört zu den zentralen Inhalten abendländischer Philosophie. Daher verdient sie m.E. eine nähere Betrachtung bei Ficino.
Ich habe diese Arbeit begonnen im vollen Bewußtsein, daß die Renaissance-Philosophie in der derzeitigen philosophischen Forschung, v.a. im deutschsprachigen Raum, ein Schattendasein fristet. Die Hauptarbeit zu Ficino wurde bislang v.a. im anglo-amerikanischen und italienischen Sprachraum geleistet. Dies mag beispielhaft folgende, m.E. sehr bezeichnende persönliche Erfahrung belegen: Das einzige Exemplar der kritischen Ausgabe der "Theologia Platonica" von R. Marcel in Innsbruck fand sich in der Bibliothek des Institutes für Klassische Philologie. Dort fehlt allerdings noch der 1970 erschienene dritte Band, obwohl dieser bis heute im Handel zu erwerben ist. Die ersten beiden Bände wurden kurz nach Erscheinen 1964 angeschafft, waren aber bis zur Verwendung durch mich nicht aufgeschnitten.
Ficino ist der herausragende Philosoph der Renaissance auf dem Gebiet des Platonismus. Der Einfluß dieser philosophischen Richtung auf die Geistesgeschichte des Abendlandes kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Von daher rechtfertigt sich eine intensivere Beschäftigung damit von selbst.
[...]
Inhaltsverzeichnis
Vorwort ... 1
Einführung: ... 5
I. Der Autor und seine philosophischen Leitlinien ... 6
II. Die Bücher I-IV ... 13
III. Inhalt und Gedankengang des 5. Buches ... 17
IV. Bibliographie ... 31
Übersetzung: ... 40
Vorbemerkung ... 41
1. Kapitel ... 42
2. Kapitel ... 44
3. Kapitel ... 45
4. Kapitel ... 46
5. Kapitel ... 52
6. Kapitel ... 55
7. Kapitel ... 57
8. Kapitel ... 60
9. Kapitel ... 64
10. Kapitel ... 69
11. Kapitel ... 72
12. Kapitel ... 75
13. Kapitel ... 80
14. Kapitel ... 87
15. Kapitel ... 93
Kommentar: Quellen im 5. Buch: ... 105
Einleitung ... 106
Zum 1. Kapitel ... 107
Zum 4. Kapitel ... 115
Zum 5. Kapitel ... 119
Zum 8. Kapitel ... 121
Zum 9. Kapitel ... 123
Zum 10. Kapitel ... 124
Zum 11. Kapitel ... 125
Zum 12. Kapitel ... 127
Zum 13. Kapitel ... 132
Zum 14. Kapitel ... 149
Zum 15. Kapitel ... 171
Einführung
I. Der Autor und seine philosophischen Leitlinien
Marsilio Ficino (1433-1499)1 absolvierte in seiner Jugendzeit vielfältige Studien in den Fächern Medizin, Philologie, Philosophie und Naturwissenschaften. Nachdem er sich in seinen Studienjahren eingehende Kenntnisse der mittelalterlichen Philosophie, v.a. des Aristotelismus und Augustinismus erworben hatte, wandte er sich dem Platonismus und seinen Quellen zu. Diese philosophische Richtung sollte ihn in seinem Denken entscheidend prägen. Platon ist für Ficino Höhepunkt und Vollendung einer Theologie, die nach seiner Ansicht schon weit vor die Zeit des großen Atheners zurückreicht und auf Zoroaster, Orpheus, Hermes Trismegistos, Pythagoras u.a. gründet. Das Corpus Hermeticum datierte Ficino zeitlich noch weit vor Platon und hielt es für eine sehr alte theologische Quelle. Heute ist bekannt, daß diese mystisch-theologischen Texte aus dem 2. und 3. nachchristlichen Jahrhundert stammen. Dieses philosophisch-theologische Geschichtsbild brachte eine wichtige Konsequenz mit sich: Die von Platon verkörperte Theologie ist genauso alt und ursprünglich wie die christliche Religion, die auf Moses und die Propheten zurückgeht. Beide beanspruchen Wahrheit. Diese Traditionen stehen nicht im Widerspruch zueinander, sondern künden von dem einen Gott, den alle Völker aufgrund einer natürlichen Veranlagung, wenn auch mit verschiedenen Riten auf je eigene Art und Weise verehren: Platon und seine Quellen auf dem Wege der Vernunft; Moses, die Propheten und die christlichen Apostel auf dem Wege der Offenbarung. Die Reihe der alten Theologen endet mit Platon; die Lehre wird fortgeführt in den platonischen Schulen des Altertums, v.a. in der Athener Akademie, aber dann auch im Mittel- und Neuplatonismus, insbesondere bei Plotin und Proklos. Mit der Schließung der Akademie durch Kaiser Justinian im Jahre 529 bricht diese Tradition, zumindest nach außen hin sichtbar als schulische Institution, obschon sie im Mittelalter, v.a. im Augustinismus weiterlebt, zunächst einmal ab.
Seit ca. 1456, im Alter von 23 Jahren, beginnt Ficino mit dem Studium der griechischen Sprache, um Platon selbst und die anderen Quellen des Platonismus, v.a. Plotin, das Corpus Hermeticum, Iamblichos und Dionysios Areopagita im Original lesen zu können. Im Jahre 1462 erhält er von Cosimo de′ Medici den Auftrag, Platon und die platonischen Denker ins Lateinische zu übersetzen. Dazu bekommt Ficino ein Landhaus in Careggi bei Florenz geschenkt. Dieses Datum kann als Gründung der platonischen Akademie von Florenz, eigentlich als eine Art "Wiederbegründung" angesehen werden. Nach einer Unterbrechung von über 900 Jahren wurde wieder die alte theologische Tradition des Altertums institutionell nach außen hin sichtbar aufgegriffen, wenn auch die Akademie nur ein lockerer Freundschaftsbund von philosophisch Interessierten war, deren intellektueller Austausch durch die Lehren Platons und die Vorträge des Meisters darüber bestimmt wurde. Schon 1463 vollendete Ficino die Übersetzung des Corpus Hermeticum. Sie hatte unter den Gelehrten einen großen Erfolg. Danach begann er die Übertragung Platons. Sie war 1468 abgeschlossen. 1469 schrieb er seinen berühmten Kommentar zum "Symposion", im Anschluß daran sein philosophisches Hauptwerk "Theologia Platonica de immortalitate animorum". Es wurde 1474 abgeschlossen und 1482 erstmals gedruckt. Der Titel dieser 18 Bücher umfassenden Schrift deutet in mehrfacher Hinsicht auf Ficinos philosophisches Programm. Die platonische Überlieferung besitzt zwar ihre eigene Tradition und Autorität, steht aber in keiner Weise im Widerspruch zur christlichen Lehre, sondern liefert für diese die vernünftige Begründung. Die platonische Philosophie ist deshalb selbst eine "Theologie", Religion und Philosophie kommen in ihr zur Übereinstimmung. Die christliche Lehre ist mit ihr verwandt. Dazu beruft sich Ficino wiederholt auf Numenios und Augustinus, den er auch im 5. Buch seines Hauptwerkes ausgiebig zitiert. Pythagoras, Sokrates und Platon sind in den Augen Ficinos "fromme" Philosophen und haben mit ihren Lehren dem Christentum geradezu den Weg bereitet. Die Erneuerung der platonischen Philosophie durch ihn hat daher eine zentrale Aufgabe. Sie soll die christliche Lehre mit den Argumenten der Vernunft als wahre Religion untermauern. Er ist davon überzeugt, daß alle gebildeten Menschen, die allein der ratio folgen, nur über den Weg der Vernunft den Zugang zur Religion und damit zum ewigen Heil finden. "Die Erneuerung der platonischen Philosophie ist einmal in der allgemeinen Wiedergeburt der menschlichen Künste und Einrichtungen enthalten, und diese Philosophie erhält auf der anderen Seite die Bestimmung, im Bunde mit der christlichen Religion die Menschen zur Seligkeit zu führen und so als notwendiges Werkzeug dem ewigen Plan der göttlichen Vorsehung zu dienen."2
Der Untertitel seines Hauptwerkes "de immortalitate animorum" weist auf einen zentralen philosophischen Topos bei Ficino hin: die Unsterblichkeit der Seele.3 In der fünffachen Stufenordnung des Seins "Gott - Engel - Seele - Qualität - Körper" nimmt sie die mittlere Position ein und stellt somit das Bindeglied zwischen der intelligiblen und körperlichen Welt dar. Als einzige hat die vernunftbegabte Seele des Menschen Anteil an beiden Bereichen der Wirklichkeit. Ihre Natur ist eine doppelte: Sie neigt sich hinab zur Materie und steigt gleichzeitig hinauf zu Gott, wobei sie sich vom Entgegengesetzten nicht entfernt. Da die Seele das ausgezeichnete Wesensmerkmal des Menschen ist, identifiziert Ficino sie gleichsam mit ihm, dem daher eine zentrale Stellung und Würde im Kosmos zukommt. Er steht an der Grenzscheide zwischen Materie und Immaterialität.
[...]
1 Zu ausführlichen Darstellungen seines Lebens, Werkes und seiner philosophischen Grundpositionen sowie über die Florentiner Akademie vgl. die Einleitung von K. P. Hasse in: Marsilius Ficinus, Über die Liebe, 1. Aufl. 1914, 1-35; Kristeller P. O., Humanismus und Renaissance II, 101-114; Gerl H. B., Einführung in die Philosophie der Renaissance, 55-63. In: Marsilio Ficino, Über die Liebe, 2. Aufl. 1984 (übersetzt von K. P. Hasse, herausgegeben von P. R. Blum), findet sich eine chronologische Zeittafel zum Leben Ficinos auf den Seiten XXXV bis XXXVII. Zur historischen Einordnung und zum philosophischen Programm Ficinos vgl. Kristeller P. O., Die Philosophie des Marsilio Ficino, 8-17.
2 Kristeller P. O., Die Philosophie des Marsilio Ficino, 16-17.
3 Zu diesem philosophischen Topos vgl. Kristeller P. O., Die Philosophie des Marsilio Ficino, 307-334.
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