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Erwartungen von Andersartigkeit. Erklärungsansätze aus der Stereotypen- und Vorurteilsforschung

Seminararbeit, 2003, 34 Seiten
Autoren: Heidi Howard, Heidemarie Cortés
Fach: Wirtschaft - Personal und Organisation

Details

Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2003
Seiten: 34
Note: 1.0
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V28986
ISBN (E-Book): 978-3-638-30625-6

Dateigröße: 264 KB
Anmerkungen :
Diese Seminararbeit wurde im Rahmen eines personalpolitischen Seminars zum Thema Diversity Management bei Prof. Dr. Krell (FU Berlin)angefertigt und wurde sowohl vom Lehrstuhl als auch von den anderen Seminarteilnehmern besonders gelobt. Ausgewählte Theorien des psychodynamischen, des kognitiven und des psychosozialen Ansatzes werden kritisch betrachtet und auf ihren Beitrag zum Konzept des Diversity Managements überprüft. Das Literaturverzeichnis umfasst 3,5 Seiten.



Textauszug (computergeneriert)

FREIE UNIVERSITÄT BERLIN
Fachbereich Wirtschaftswissenschaft, Institut für Management
Seminar Diversity Management

Erwartungen von Andersartigkeit.
Erklärungsansätze aus der Stereotypen- und Vorurteilsforschung

von: Heidemarie Cortés Eberling Fachsemester: 6 und
von: Heidi Howard Fachsemester: 7

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 2

2. Was versteht man unter Vorurteilen und Stereotypen? 2

3. Erklärungsansätze zur Vorurteils- und Stereotypenforschung 4

3.1. Psychodynamischer Ansatz 4

3.1.1. Sündenbocktheorie 5
3.1.2. Theorie der autoritären Persönlichkeit 7
3.1.3. Beitrag zum Diversity Management 10

3.2. Kognitiver Ansatz 12

3.2.1. Akzentuierungstheorie 13
3.2.2. Theorie der illusorischen Korrelation 15
3.2.3. Beitrag zum Diversity Management 17

3.3. Psychosozialer Ansatz 19

3.3.1. Theorie des realistischen Gruppenkonflikts 20
3.3.2. Theorie der sozialen Identität 22
3.3.3. Beitrag zum Diversity Management 26

4. Fazit 28

Literatur 30

 


 

1. Einleitung

Immer mehr Unternehmen entdecken die Vorteile, die eine „multikulturelle Organisation“ mit sich bringt. „[D]iversity can give you a ‘richness’ that cannot be provided by the homogenous workforce“ (Thomas 1992, S. 310). Unternehmen, die bisher das Zusammentreffen unterschiedlicher Gruppen mit verschiedenen Eigenschaften als Konfliktquelle gesehen haben, erkennen zunehmend, dass Vielfalt ein Wettbewerbsvorteil mit sich bringen kann. Das Konzept des Diversity Managements greift diese Ideen auf. Diversity wird als Vielfalt verstanden, die durch Unterschiede und Gemeinsamkeiten charakterisiert ist (vgl. Thomas 1996, S. 5). Cox (1993) definiert das Ziel des Diversity Managements wie folgt: „[M]aximizing the ability of all employees to contribute to organizational goals and to achieve their full potential unhindered by group identities such as gender, race, nationality, age, and departmental affiliation” (Cox 1993, S. 11). Um dieses Ziel in einer „multikulturellen Organisation“ erreichen zu können, soll die Organisationskultur dahingehend geändert werden, dass sie weder Vorurteile noch Diskriminierung enthält. Cox (1991) beschreibt das Leitbild einer „multikulturellen Organisation“, in dem der Soll-Zustand die Abwesenheit von Vorurteilen und Diskriminierung voraussetzt (vgl. Cox 1991, S. 39). Um Vorurteile abbauen zu können, müssen diese zunächst erkannt werden. Dazu muss ein Bewusstsein geschaffen werden, warum diese überhaupt entstehen. In dieser Seminararbeit wird auf verschiedene Erklärungsansätze der Vorurteilsforschung eingegangen, um einerseits zu überprüfen, inwieweit die Ansätze eine geeignete Erklärung für die Entstehung und Entwicklung von Stereotypen und Vorurteilen liefern. Andererseits werden die Erklärungsansätze auf ihren Beitrag zum Konzept des Diversity Managements überprüft. Ferner wird auf die Frage, ob die Bildung von Vorurteilen und Stereotypen überhaupt vermeidbar ist, eingegangen.

2. Was versteht man unter Vorurteilen und Stereotypen?

Den Begriff Vorurteil zu erklären ist nicht leicht, da in der Literatur je nach Erklärungsansatz und Ziel der Forschungen verschiedene Schwerpunkte gelegt werden. Einstellungen, Vorurteile und Stereotypen stellen ein soziales Konstrukt dar und können somit auch nicht eindeutig definiert werden. Eine Einstellung ist ein Überbegriff für Vorurteile und Stereotypen, daher ist es notwenig kurz auf diese einzugehen. Einstellungen kann man als „allgemeine, latente Bereitschaften, bestimmte psychologische Objekte in einer bestimmten Weise wahrzunehmen und auf sie zu reagieren“ (Davis 1969, S. 51) verstehen. Sie werden üblicherweise in drei Komponenten unterteilt: die kognitive, die konative und die affektive Komponente. Die kognitive Komponente besteht aus Wahrnehmungen, sie beinhaltet Stereotype, Meinungen und Ansichten eines Individuums. Die konative Komponente beinhaltet dagegen das Verhalten eines Individuums und dessen Tendenz für ein bestimmtes Verhalten; Diskriminierung ist hier einzuordnen. Die affektive Komponente, welche die Gefühle und Emotionen des Individuums gegenüber des Einstellungsgegenstands beinhaltet, ist „häufig die am tiefsten verwurzelte Komponente und Änderungen gegenüber äußerst resistent“ (Mann 1994, S.166). Diese drei Komponenten sind nicht voneinander unabhängig, sie sind „gleichzeitig vorhanden und miteinander verflochten“ (Davis 1969, S.52).

Der Begriff Vorurteil stammt „ursprünglich [aus] dem juristischen Sprachgebrauch; er bezeichnet ein gerichtliches Urteil, das dem endgültigen Urteil vorausging“ (Brockhaus, S. 460). Heutzutage wird unter einem Vorurteil „eine ungerechtfertigte negative Einstellung gegenüber einer Person oder Personengruppe allein auf der Grundlage ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe“ (Bierbrauer 1996, S.152) verstanden. Der Begriff Stereotyp wurde aus dem Bereich der Buchdruckerei vom amerikanischen Journalisten Lippmann (1964) übernommen. Früher wurden Druckbuchstaben zu ihrer Herstellung in eine Form gegossen, analog dazu wurde es dann auf den Menschen übertragen, da dieser über kognitive Muster verfügt, welche sowie die Druckbuchstaben in eine Form gegossen scheinen (vgl. Bierbrauer 1996, S.151). Heutzutage werden Stereotype als „[s]ozial geteilte Meinungen über Persönlichkeitsmerkmale und Verhaltensweisen von Mitgliedern einer sozialen Kategorie“ (Fiedler/Bless 2002, S.134) verstanden. Stereotype und Vorurteile werden häufig synonym benutzt, es ist jedoch zu unterscheiden, dass „[i]m Begriff des Stereotyps [...] überwiegend auf kognitive Prozesse der Unterscheidung und Verallgemeinerung, im Begriff des Vorurteils [...] überwiegend auf affektive Prozesse der Abwertung“ (Schäfer 1988, S.51) eingegangen wird. Vorurteile entstehen durch Motivationsprozesse, Stereotype haben dagegen primär kognitive Ursachen (vgl. Herkner 1991, S. 493).

3. Erklärungsansätze zur Vorurteils- und Stereotypenforschung

Jeder Mensch hat Vorurteile und Stereotypen über verschiedene soziale Gruppen; diese sind oft tief in der Gesellschaft verankert und werden somit von einer relativ großen Gruppe von Menschen geteilt. Vorurteile und Stereotypen bilden sich sehr schnell, doch im Gegensatz dazu ist es sehr schwer, diese wieder abzubauen. Sie erfüllen bestimmte Funktionen, sie dienen beispielsweise als Orientierungshilfe und verleihen dem Individuum in unbekannten Situationen Verhaltenssicherheit. Durch die Ein- und Ausgrenzung von Personen werden Gruppen gebildet, hierbei sind Vorurteile und Stereotypen dem Individuum behilflich. Weiterhin bilden, sichern und legitimieren Vorurteile die Machtverhältnisse innerhalb einer Gesellschaft und erfüllen somit eine weitere Funktion. In den folgenden Abschnitten wird erklärt, wie sich Vorurteile und Stereotypen entwickeln und warum diese eine alltägliche Erscheinung sind. Hierbei wird auf den psychodynamischen, den kognitiven, sowie auf den psychosozialen Ansatz eingegangen. Weiterhin soll überprüft werden, inwiefern die einzelnen Ansätze einen Beitrag zum Konzept des Diversity Managements liefern.

3.1. Psychodynamischer Ansatz

Im Rahmen des psychodynamischen Ansatzes werden die Gründe für die Entwicklung von Stereotypen und Vorurteilen im Wesen des Menschen gesucht. Nach diesem Ansatz entstehen feindselige Einstellungen gegenüber Fremdgruppen aufgrund von innerpsychischen Konflikten und Fehlentwicklungen der Persönlichkeitsstruktur. Andere Faktoren wie kulturelle Bedingungen, soziale Normen und Erlebnisse in der Kindheit beeinflussen zwar die Entwicklung von Vorurteilen. Letztlich kommt es aber bei dem einzelnen Menschen darauf an, wie er „diese Einflüsse zusammen mit seinen unbewußten [Fehler i.O.] Konflikten und seinen psychodynamischen Reaktionen in seinen gesamten Lebensstil zusammenfügt“ (Allport 1971, S. 393). Dieser Ansatz wird durch die Sündenbocktheorie (Dollard, Miller, Doob, Mowrer und Sears 1939) und die Theorie der autoritären Persönlichkeit (Adorno, Frenkel-Brunswik, Levinson und Sanford 1950) ergänzt.

3.1.1. Sündenbocktheorie

[...]


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