Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 12 Pages
Author: Kerstin Polte
Subject: Art - Art Theory, General
Details
Institution/College: State Academy of Design Karlsruhe (Kunswissenschaft)
Tags: Albert, Henry, Munsell, Farben
Year: 2002
Pages: 12
Grade: 1
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-30692-8
ISBN (Book): 978-3-638-78929-5
File size: 172 KB
Munsells Farbsystem
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Abstract
Die Grundprobleme der Farbräume vor Munsell kann man wie folgt beschreiben: zum einen versuchte man hauptsächlich Farbproben nach einem logischen Plan zu organisieren, also mit einer rein wissenschaftlich–logischen Methodik Farbräume zu entwerfen, die meist in symmetrische, geometrisch klare Formen gepresst wurden. In diesen Systemen wurde nur selten, bzw. ansatzweise der empfundenen Affinität der Farben Rechnung getragen. Zum anderen gab es abhängig vom jeweiligen Farbsystem individuelle Farbbezeichnungen, die stark variieren konnten je nach Farbempfindung des einzelnen Menschen. Es gab also keinerlei übergreifende Farbklassifikation, die eine allgemeine Kommunikationsbasis hätte darstellen können. Diesen Problemen hat als erster Munsell Abhilfe geschafft, wohl auch aus rein persönlichen Überlegungen und Schwierigkeiten heraus, die er als Künstler und Kunstlehrer mit diesem Ist-Zustand gehabt haben mußte. Er entwickelte ein System, welches hauptsächlich auf der “empfindungsmäßigen Gleichabständigkeit” der Farben beruht. Er versuchte, in visuell gleichen Schritten (die er mit seinen eigenen Augen begutachtete und aussuchte) den jeweiligen Attributen der Farbe Rechnung zu tragen. Zum anderen wollte er auch einen rationalen Weg finden, Farben zu beschreiben, also eine klare dezimale Notierung einführen, um nicht mehr mit den willkürlich gewählten verschiedenen Farbnamen operieren zu müssen. Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit der Problematik von Farbräumen vor und nach Munsell und wie sein spezifisches Farbsystem aussieht und eingesetzt werden kann.
Excerpt (computer-generated)
Im Rahmen des Seminars
Farben
(Kunstwissenschaft)
Hochschule für Gestaltung
SS 02
Albert Henry Munsell
von
Kerstin Polte
Gliederung
1) Vita s. 3
2) Vor Munsell
a) Wilhelm von Bezold s. 3
b) Nicholas Odgen Roods s. 4
c) Wilhelm Ostwald s. 5
3) Munsells Farbsystem
a) Die Problematik - Sein Ansatz s. 6
b) Die HUE-SKALA s. 7
c) Die VALUE-SKALA s. 8
d) Die CHROMA-SKALA s. 9
e) Ergebnis: der “COLOR TREE" s. 10
4) Nach Munsell
a) Die Munsell Renotation s. 11
b) Verbesserung des Hue-Farbtonkreises s. 12
c) Das HLS-System s. 12
d) Das CIE-Dreieck s. 12
e) Tryggve Johansson s. 13
f) DIN-System s. 13
g) ISCC-NBS-System s. 13
5) Links / Bibliographie s. 14
1) VITA
Der amerikanische Künstler (er malte v.a. Meeresstimmungen) und Kunstprofessor Albert Henry Munsell wurde am 6. Januar 1858 in Boston geboren und starb am 28. Juni 1918 im Alter von 60 Jahren. Berühmt wurde er allerdings weniger auf Grund seiner Bilder, sondern eher wegen seines neuartigen Entwurfs eines allgemeinen Farbordnungssystems.
Er begann 1898 mit Farbstudien, publizierte 1905 sein erstes Buch “A Color Notation” und 10 Jahre später, 1915, “The Atlas of the Munsell Color System”, worin Farbproben seiner 10 Primärhues (seiner Hauptfarben) mit verschiedenen Chroma- und Value-Werten zu finden waren. Diese waren ein Hauptbestandteil seines 3-dimensionalen Farbsystems, dem “Color Tree”, welches erstmalig nach Maßstäben der Wahrnehmung gegliedert war und nicht nach puren wissenschaftlich-theoretischen Regeln funktionierte. Zudem war durch seine Einführung der Farbvariablen Hue, Value und Chroma zum ersten Mal eine genaue Klassifikation von Farben (die “Munsell Notation”) möglich, die jeder existierenden Farbe genaue Attribute zuwies und sie auch so kommunizierbar machte.
Zudem erfand er das Tageslicht-Photometer, welches er eigens für seine perzeptiven Farbstudien entwarf.
Munsell gründete noch 1917 die Munsell Color Foundation (heute im Besitz von Gretag MacBeth), bevor er 1918 starb.
Sein “Color Atlas” wurde mehrfach neu aufgelegt und immer weitere Farbproben und -mischungen hinzugefügt (1929 sind es 20 Hues / 1950 sind es 40 Hues / 1958 werden Farben auf brillanten Oberflächen eingeführt etc.)
Dieses Farbsystem, die erste international akzeptierte Farbnorm, wird heute, in verfeinerten Formen, noch in vielen Gebieten benutzt, v.a. wenn es um die Bestimmung von Farboberflächen geht. Man kann das Munsell Farbsystem zudem als Wegbereiter des heutigen Farbstandards, des CIEDreiecks sehen.
2) Vor Munsell
a) Wilhelm von Bezold
Schon Wilhelm von Bezold (1837-1907), ein Münchner Professor für Meteorologie, formulierte das Anliegen, Farben nach perzeptiven Maßstäben zu beurteilen: ”... den Kreis so in Farbgruppen einzuteilen, daß der Charakter benachbarter Gruppen dem Auge gleich große Unterschiede darzubieten scheint". Beim Betrachten der jetzigen Ordnung "...hat man doch den Eindruck, daß der Ton im Gebiet von Blau und Grün sich viel langsamer ändert als in dem des Purpur und Violett.”
Von Bezold dachte bei seinen Farbüberlegungen eher daran, für Künstler und Färber Farbordnungen zu vereinfachen, so publizierte er 1874 "Die Farbenlehre in Hinblick auf Kunst und Kunstgewerbe”, Er war besonders an der Farbharmonielehre interessiert. So entwickelte er einen Farbkegel und bemühte sich, harmonische Triaden mit dem Modell gleichseitiger Dreiecke zu finden, die er um eine weiße Mitte legte. Nur, schaffte er so nicht den gesamten Farbraum abzudecken, was hauptsächlich auf seine falsche Überlegung zurückzuführen ist, dass Farbharmonie sich auch symmetrisch und einfach im geometrischen Raum zeigen müsse. Erst Munsell legte mit seinem Farbsystem einen asymmetrischen dreidimensionalen Farbraum vor.
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