Scholarly Paper (Advanced Seminar), 1997, 20 Pages
Author: Christiane Schorr
Subject: Pedagogy - Pedagogic Sociology
Details
Institution/College: University of Trier (Fachbereich IV)
Tags: Unterrichtsstörungen, Selektionsmechanismen, Bildungswesen, Segregation
Year: 1997
Pages: 20
Grade: 1,3
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-30716-1
File size: 236 KB
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Excerpt (computer-generated)
Universität Trier
Fachbereich IV - Soziologie
Seminar: Selektionsmechanismen im Bildungswesen und räumliche Segregation
Unterrichtsstörungen
von: Christiane Schorr
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Institution Schule 4
2.1. Die Schule als Sozialisationsbereich 4
2.2. Charakteristische Strukturmerkmale der Schule 5
3. Theorien abweichenden Verhaltens 8
4. Unterrichtsstörungen 10
4.1. Formen von Unterrichtsstörungen 10
4.2. Ursachen von Unterrichtsstörungen 11
4.2.1. Familiäre und soziale Ursachen 11
4.2.2. Schulinterne Ursachen 12
4.3. Vergleich verschiedener Schultypen 15
4.4. Vergleich geschlechtsspezifischen Verhaltens 16
5. Fazit 17
Anhang
Literaturverzeichnis 19
1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Unterrichtsstörungen im Schulalltag als einer spezifischen Form abweichenden Schülerverhaltens. Leistungs- und Verhaltensprobleme von Kindern und Jugendlichen im schulischen Bereich sind in den letzten Jahren mehr und mehr ins Interesse der Öffentlichkeit gerückt. Wenn innerhalb der Schule von Problemen und abweichendem Verhalten gesprochen wird, taucht relativ häufig die Argumentation auf, die Gründe der Devianz lägen allein in der Schülerpersönlichkeit. Darüber hinaus existieren allerdings weitere Ursachen, die problemauslösenden Charakter besitzen können. Diese werden u.a. im Verlauf dieser Arbeit dargestellt. Das erste Kapitel beschäftigt sich mit der Institution Schule, mit den verschiedenen Sozialisationsfunktionen, die sie wahrnimmt und mit ihren charakteristischen Strukturmerkmalen.
Das zweite Kapitel vermittelt einen kurzen Überblick über einige der wichtigsten soziologischen Theorien abweichenden Verhaltens. Der dritte Gliederungspunkt befaßt sich mit der Problematik der Unterrichtsstörungen. Dabei werden zunächst die unterschiedlichen Formen dieser Störungen dargestellt. Im Anschluß daran werden die möglichen Ursachen, die sowohl im familiären und sozialen, als auch im außerschulischen Bereich liegen können, näher beleuchtet. In den sich anschließenden Punkten wird zuerst ein Vergleich zwischen unterschiedlichen Schultypen gezogen, um festzustellen, ob schulspezifische Unterschiede bezüglich des Themenkomplexes der Unterrichtsstörungen bestehen. Nachfolgend wird das geschlechtsspezifische Verhalten von Kindern und Jugendlichen im Schulalltag, auch im Zusammenhang mit Formen der Unterrichtsstörung, dargestellt. Abschließend beschäftigt sich der letzte Gliederungspunkt mit der Diskussion, die im Laufe der Seminarsitzunge n im Zusammenhang mit diesem Themenkomplex entstanden ist.
2. Die Institution Schule
2.1. Die Schule als Sozialisationsbereich
In den vergangenen Jahrzehnten haben sich die Strukturen des Bildungssystems der Bundesrepublik Deutschland stark verändert. Die Schulzeit hat sich für immer mehr Jugendliche verlängert, immer mehr Jugendliche halten sich immer länger in Einrichtungen des Bildungssystems auf. „Niemals zuvor in der Geschichte und Sozialgeschichte der Jugend hat ein so großer Teil der jungen Generation soviel Zeit im staatlich organisierten Schulsystem verbracht wie gegenwärtig.“1 Zugleich weitet sich auch die Phase der Jugend immer weiter aus, der Schulbesuch ist das vorherrschende Merkmal der Jugendzeit. Jugend- und Schulzeit sind weitgehend identisch.
Es läßt sich feststellen, daß die Schule als eine formale Organisation zur Qualifikation und Sozialisation der Kinder und Jugendlichen in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen hat. Für die Jugendlichen ist die Schule neben der Familie und der Gleichaltrigengruppe die wichtigste Institution ihrer individuellen und sozialen Existenz. Für die individuelle Entwicklung der jungen Menschen ist die Schule eine wichtige Instanz, da sie zur schrittweisen Ablösung von der Familie und somit zur Lösung aus dem primären Sozialisationsbereich beiträgt. Innerhalb der Schule werden altershomogene Gruppen von Schülern unterschiedlicher sozialer Herkunft und unterschiedlicher Wert- und Verhaltensmuster gebildet. Diesen Gruppen wird in der Regel ein erwachsener Erziehungsberechtigter, der Lehrer, beigeordnet. Lehrer und Schüler treten sich innerhalb der Schule in typischen Rollenpositionen gegenüber. Diese sind mit jeweils spezifischen Verhaltensmustern belegt, die gesellschaftlich determiniert sind.2 Mit Beginn der Schulzeit kommen die Kinder vermehrt in Kontakt mit Menschen, die mit dem Bereich der schichtspezifisch ablaufenden Primärsozialisation nichts gemeinsam haben. Es findet eine allmähliche Umorientierung von partikularistischen zu universalistischen Beziehungen bzw. von zugeschriebenen zu erworbenen Merkmalen statt. Im Hinblick auf die soziale Entwicklung ist die Schule bzw. die Schullaufbahn eine wichtige Institution für die Zuteilung der zukünftigen Sozialchancen, also z.B. bezüglich des Berufs und des damit zusammenhängenden Status. Die Schule bereitet die Jugendlichen in gewisser Weise auf bestimmte Verhaltensanforderungen im außerschulischen Lebensbereich vor. Innerhalb der Schule sollen die Fähigkeiten zur Entwicklung von Bereitschaften und Fertigkeiten der Individuen als wesentlicher Voraussetzung ihrer späteren Rollenerfüllung trainiert werden.3 „Bildungssysteme sind also Teil der gesamten Bemühungen der erwachsenen Generation zur Integration der Heranwachsenden, sie repräsentieren die gesellschaftlich veranstaltete Sozialisation.“4 Es wird deutlich, daß die Schule nicht nur die Funktion der Wissensvermittlung inne hat, sondern auch eine wichtige Erziehungs- und Sozialisationsfunktion wahrnimmt.
Trotz allem zeigt sich jedoch, daß die Schule für immer mehr Kinder und Jugendliche nur mehr eine Durchgangsstation zum Erwerb von Leistungsnachweisen für den Eintritt in das spätere Berufsleben ist. Viele junge Menschen erkennen der Institution Schule keinen Eigen- Sinn mehr zu, sie wird nur noch als ‘notwendiges Übel’ angesehen. Die Ursachen dieser Entwicklung sind vielfältig, u.a. können die sogenannten charakteristischen Strukturmerkmale der Schule, die im nächsten Kapitel dargestellt werden, für die Schüler problemauslösenden bzw. -fördernden Charakter besitzen. 5
2.2. Charakteristische Strukturmerkmale der Schule
[...]
1 Schäfers, B.: Soziologie des Jugendalters. Opladen, 1982, S. 110.
2 Vgl. Ebenda, S. 109f.
3 Vgl. Hurrelmann, K./Wolf, H.: Schulerfolg und Schulversagen im Jugendalter. Weinheim, München, 1986, S.5ff.
4 Fend, H.: Sozialisationseffekte der Schule. Weinheim, Basel, 1976, S. 13.
5 Vgl. Ulich, K.: Schulische Sozialisation. In: Neues Handbuch der Sozialisationsforschung. Hrsg.: Hurrelmann, K./Ulich, D., Weinheim, Basel, 1991, S. 380f.
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