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Emile Durkheim - Soziale Differenzierung und ihre Konsequenzen für das Erziehungssystem

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 1997, 19 Pages
Author: Christiane Schorr
Subject: Pedagogy - Pedagogic Sociology

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 1997
Pages: 19
Grade: 1,3
Language: German
Archive No.: V29108
ISBN (E-book): 978-3-638-30717-8

File size: 210 KB


Excerpt (computer-generated)

Universität Trier
Fachbereich I - Pädagogik
Veranstaltung: „Theorien der Sozialisation“

Emile Durkheim - Soziale Differenzierung und ihre
Konsequenzen für das Erziehungssystem

von: Christiane Schorr

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Emile Durkheims Leben und Werk 4

3. Soziale Differenzierung in der Theorie Emile Durkheims 6

3.1. Der Prozeß der sozialen Differenzierung 6

3.1.1. Die Entwicklung von ‚segmentierten’ zu ‚arbeitsteiligen’ Gesellschaften 6
3.1.2. Konsequenzen für das Individuum 8
3.1.3. Die Berufsgruppen als moralische Institutionen 10

3.2. Aufgaben und Chancen für das Erziehungssystem 11

4. Kritik an Durkheims Theorie 15

5. Schlußbetrachtung: Die Aktualität der Theorie Durkheims 17

Anhang

Literaturverzeichnis 19


 

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Themenkomplex der sozialen Differenzierung in der Theorie des französischen Soziologen Emile Durkheim und den daraus resultierenden Konsequenzen für das Erziehungssystem. Die umfassenden ökonomischen, gesellschaftlichen und politischen Veränderungen zu Lebzeiten Durkheims veranlaßten ihn dazu, sich Gedanken über die veränderten Bedingungen und den Zustand der Gesellschaft zu machen. Er entwickelte eine Theorie der sozialen Differenzierung, in welcher er sich eingehend mit den Beziehungen zwischen Individuum und Gesellschaft beschäftigte. Die Erziehungswissenschaft fungiert seiner Meinung nach als eine Art Bindeglied zwischen den einzelnen Menschen und der Gesellschaft. Die Erziehung als intentionale Sozialisation und die soziologische Moralwissenschaft sollen die Individuen dazu befähigen, sich in die Gesellschaft zu integrieren und letztendlich zu moralisch handelnden Wesen zu werden. Das erste Kapitel beschäftigt sich mit dem Leben und dem Werk des Soziologen Emile Durkheim. Der zweite Gliederungspunkt befaßt sich mit dem Aspekt der sozialen Differenzierung in der Theorie Durkheims. Dabei wird zunächst der Prozeß der Entwicklung von segmentierten zu arbeitsteiligen Gesellschaften dargestellt, im Anschluß daran werden die Konsequenzen, die sich für den einzelnen Menschen aus der gesellschaftlichen Differenzierung ergeben, näher beleuchtet. Nachfolgend beschäftigt sich ein weiterer Unterpunkt mit den sogenannten Berufsgruppen, die in der Theorie Durkheims eine Art moralische Institution bilden. In dem sich anschließenden Punkt werden die Aufgaben und Chancen, die sich für das Erziehungssystem aus der sozialen Ausdifferenzierung ergeben, dargestellt. Das dritte Kapitel hat zur Aufgabe bestehende Stärken und Schwächen der Durkheimschen Lehre näher zu beleuchten und abschließend beschäftigt sich der letzte Gliederungspunkt mit der Aktualität der Entwürfe des französischen Soziologen. Die verwendeten Materialien, einerseits Zeitschriftenartikel, andererseits Kapitel aus Büchern oder ganze Bücher, besitzen zum Teil einen einführenden Charakter in den Themenkomplex der Durkheimschen Theorie. Desweiteren wurden zur Fertigstellung dieser Hausarbeit ins Deutsche übersetzte Originaltexte des Soziologen Emile Durkheim und weiterführende bzw. ergänzende Texte verwendet.

2. Emile Durkheims Leben und Werk

„Von Durkheim kann man, wie von vielen anderen nur sagen, daß sein Leben sein Werk ist.“1 Emile Durkheim wurde am 15. April 1858 in Epinal in Lothringen geboren. Dadurch bedingt, daß alle seine direkten männlichen Vorfahren -vom Vater bis zum Urgroßvater- Rabbiner waren, wuchs er in einer sittenstrengen und sehr gläubigen jüdischen Familie auf. Der junge Durkheim brach jedoch relativ bald mit der beruflich-religiösen Tradition seiner Familie und wurde im Jahr 1879 in die Ecole Normale Supérieure in Paris aufgenommen. Dort studierte er bis 1882 klassische Sozial- und Moralphilosophie und zusätzlich die Fortschritte der Jurisprudenz, Psychologie und Sozialwissenschaften. Nach seinem Abschluß unterrichtete er einige Jahre als Gymnasiallehrer, bis er im Schuljahr 1885/86 eine Studienreise nach Deutschland dazu nutzte, sich mit einigen Strömungen innerhalb der deutschen Geisteswissenschaften vertraut zu machen. Nach Frankreich zurückgekehrt wurde Emile Durkheim nach Bordeaux versetzt und erhielt die erste Soziologiestelle an einer französischen Universität. Bereits zu Anfang seiner Forschertätigkeit interessierte sich Durkheim besonders für das Verhältnis des einzelnen Menschen zur Gesellschaft, für den Themenkomplex der sozialen Ordnung und die Frage nach der inneren Verbundenheit einer Gesellschaft. Damit beschäftigt sich auch sein erstes Hauptwerk „Über soziale Arbeitsteilung“ (1893), welches ihn einer breiten Öffentlichkeit bekannt machte.2 Sein weiteres großes Werk „Der Selbstmord“ (1897), das er fast unmittelbar nach „Die Regeln der soziologischen Methode“ (1895) schrieb, schließt unmittelbar an das Ende seines Buches über die Arbeitsteilung an und enthält „[...] die erste soziologisch-empirische Studie über den Selbstmord.“3

In den darauf folgenden Jahren hielt er Vorlesungen in Soziologie und Pädagogik, in denen er beständig auf die Verbindungen zwischen Erziehung und Gesellschaft hinwies. Sein Hauptanliegen bestand stets darin, einen Einfluß auf die Ausbildung der angehenden Lehrer zu nehmen. Seit 1902 lebte und arbeitete Durkheim in Paris. Während des Ersten Weltkrieges beschäftigte sich der Soziologe mit Schriften über die deutsche Kriegspropaganda und mit der Mentalität der Deutschen. Er war Teilnehmer an zahlreichen Kommissionen und versuchte auf diese Weise eine Art ‘Beitrag zur Landesverteidigung’ zu leisten. Am 15. November 1917 starb Emile Durkheim, dessen soziologisches Forschungsprogramm so erfolgreich war, daß es zur Etablierung der Soziologie als eigenständiger Wissenschaft an den Universitäten in Frankreich führte.4 Besonders vor dem Hintergrund des Zusammenbruchs Frankreichs 1870/71 und des Ersten Weltkrieges läßt sich ein weiterer Verdienst Durkheims in der Krisenanalyse sehen. Die Soziologie sah er als eine Art Moralwissenschaft an, als Werkzeug um die bestehenden gesellschaftlichen Krisen zu überwinden.

3. Soziale Differenzierung in der Theorie Emile Durkheims

3.1. Der Prozeß der sozialen Differenzierung

3.1.1. Die Entwicklung von ‚segmentierten’ zu ‚arbeitsteiligen’ Gesellschaften

[...]


1 König, R.: Emile Durkheim. Der Soziologe als Moralist. In: Klassiker des soziologischen Denkens. Hrsg.: Käsler, D., München, 1976, S. 314.

2 Vgl. Korte, H.: Einführung in die Geschichte der Soziologie. Opladen, 1992, S. 67.

3 Ebenda, S. 71.

4 Vgl. König, R., a.a.O., S. 314ff.


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