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Die Bastian-Studie im öffentlichen Diskurs

Examination Thesis, 2004, 100 Pages
Author: Jens Knigge
Subject: Musicology

Details

Category: Examination Thesis
Year: 2004
Pages: 100
Grade: 1,0
Language: German
Archive No.: V29193
ISBN (E-book): 978-3-638-30767-3

File size: 546 KB


Excerpt (computer-generated)

Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart

Wissenschaftliche Arbeit im Studiengang Schulmusik

Die Bastian-Studie im öffentlichen Diskurs

vorgelegt von

Jens Knigge

15.4.2004

Vorwort

[...]

 

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis ... V

Einleitung ... 1

1. Grundlagen ... 3
1.1 Die Studie Zum Einfluss erweiterter Musikerziehung auf die allgemeine und individuelle Entwicklung von Kindern ... 3
1.1.1 Genese der Studie ... 4
1.1.2 Aufgabenstellung und Forschungshypothesen ... 4
1.1.3 Datenerhebung und Beschreibung der Stichprobe ... 6
1.1.4 Ziele der Studie ... 7
1.2 Das Konzept der ‚Musikbetonung’ an Berliner Grundschulen ... 8
1.3 Eine Transferstudie – definitorische Vorbemerkungen ... 10

2. Rezeption I: Die Studie in den populärwissenschaftlichen Medien ... 12
2.1 Studienbegleitende Berichte ... 12
2.2 Mediale Verarbeitung der Studienergebnisse ... 14
2.3 Hintergründe des Medieninteresses ... 19

3. Rezeption II: Diskurs und Kritik in der Fachliteratur ... 23
3.1 Forschungsmethoden ... 23
3.1.1 Versuchsdesign und Treatment ... 23
3.1.2 Die Stichprobe ... 30
3.1.2.1 Stichprobengröße und Relation der Versuchsgruppen ... 30
3.1.2.2 Qualitative Unterschiede der Versuchsgruppen ... 31
3.1.3 Leistungs- und Qualifikationsprofil der Lehrkräfte ... 33
3.2 Interpretation der Studienergebnisse ... 34
3.3 Präsentation der Studienergebnisse ... 40
3.3.1 Einseitige Darstellung der Ergebnisse ... 41
3.3.2 Darstellung der Ergebnisse im Taschenbuch Kinder optimal fördern – mit Musik ... 44
3.4 Bildungspolitischer Hintergrund ... 50
3.4.1 Zur Situation des Musikunterrichts im Schulwesen ... 50
3.4.2 Politische Intention der Studie ... 53
3.4.3 Auswirkung der politischen Intention auf die Studie ... 56
3.4.4 Kritik an der schulpolitischen Argumentation der Studie ... 57

4. Wirkung: Aufnahme und Folgen der Studie ... 62
4.1 Aufnahme in den Verbänden ... 64
4.2 Politische Auswirkungen ... 67
4.3 Aufnahme der Studie in Schulen und die Auswirkung auf das öffentliche Bewusstsein ... 72

5. Zusammenfassung und Ausblick ... 78

Literaturverzeichnis ... 85

Anhang ... 95

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Tabelle der untersuchten Faktoren ... 6
Abbildung 2 Versuchsdesign zur Messung genereller und spezieller Effekte verschiedener Treatments im Vergleich zu einer Gruppe ohne Treatment ... 24
Abbildung 3 Ergebnisse der zweiten Messung zur selbstbewerteten Befindlichkeit ... 37
Abbildung 4 Tabelle der Befragten Personen zur Wirkung der Bastian-Studie ... 63

 

Einleitung


„Musik macht klug“1
„Musik macht kreativ und leistungsstark“2
„Musik fördert Intelligenz und soziale Kompetenz“3

Schlagzeilen dieser Art waren in den letzten Jahren immer wieder zu lesen. Eine Reihe von Medienberichten suggerierte, dass durch eine wissenschaftliche Studie positive Auswirkungen von Musikunterricht auf die verschiedensten Bereiche der Persönlichkeit nachgewiesen werden könnten. In Zeiten eines „stetig darbenden Musikunterrichts an unseren Schulen“ (Roman Herzog in: vds 1999) wirken solche Meldungen wie Balsam für die Seelen vieler Musikpädagogen4. Dem ständig wachsenden Legitimationsdruck des Musikunterrichts im Schulcurriculum könnten somit u.U. wissenschaftlich abgesicherte Argumente entgegengesetzt werden. Trotzdem scheint Vorsicht angebracht zu sein. Was sind die genauen Hintergründe dieser Meldungen von segensreichen Auswirkungen der Musik?

Im April 2000 wurde das Buch Musik (-erziehung) und ihre Wirkung (Bastian 2000) veröffentlicht. Der Musikpädagoge Hans Günther Bastian dokumentiert darin die Ergebnisse seines sechsjährigen Forschungsprojekts an Berliner Grundschulen. Diese Studie bildet den Ausgangspunkt für die oben genannten Meldungen, sowie für vorliegende Arbeit. Richter beschreibt die sogenannte Bastian- Studie als das wichtigste Thema des musikpädagogischen Diskurses im Jahr 2000 (vgl. Richter 20011: 4). Die Studie fand jedoch nicht nur Beachtung im wissenschaftlichen Kontext. Für eine musikpädagogische Forschungsarbeit nicht gerade selbstverständlich, wurde die Studie von einem überaus breiten Medieninteresse begleitet.

Damit sind bereits die beiden Hauptbereiche des öffentlichen Diskurses genannt, welcher im Zentrum dieser Arbeit steht. Der Schwerpunkt liegt also auf der Rezeption der Bastian-Studie. Es ist somit nicht das Ziel vorliegender Arbeit, die Studie in ihren methodischen Einzelheiten oder die daraus resultierenden Ergebnisse umfassend darzustellen. Es werden neben einigen allgemeineren Ausführungen explizit die Punkte der Studie besprochen, die für den öffentlichen Diskurs von Relevanz sind. Demzufolge ergibt sich der inhaltliche Aufbau dieser Arbeit wie folgt:

Zunächst ist es nötig, einen groben Überblick über die Bastian-Studie zu erhalten. Hierfür werden im ersten Kapitel einige Informationen bezüglich Entstehung, Durchführung und Konzeption der Studie dargestellt. Neben den konstituierenden Faktoren der Studie erfolgen an dieser Stelle auch definitorische Vorbemerkungen zu den Begriffen ‚Musikbetonung’ und ‚Transferstudie’.

Das zweite Kapitel befasst sich mit dem öffentlichen Diskurs. Hierbei steht zuerst die Rezeption der Studie in den populärwissenschaftlichen Medien im Mittelpunkt. Nach einer Übersicht über die Quantität und Qualität der Berichterstattung wird versucht, die Hintergründe dieses Medieninteresses näher zu beleuchten.

Im dritten Kapitel erfolgt die Darstellung des fachlichen Diskurses über die Bastian-Studie. Dieser zweite Teil der Rezeption wird vor allem aufgrund der inhaltlichen Differenz zur Medienberichterstattung in einem gesonderten Kapitel behandelt. Nach einer ausführlichen Methodenkritik werden die Interpretation und die Darstellung der Studienergebnisse in Relation zum bildungspolitischen Hintergrund der Studie betrachtet.

Aufgrund der Zielsetzung der Bastian-Studie, einen Beitrag zur Verbesserung der bildungspolitischen Situation des Musikunterrichts zu leisten, muss in einem nächsten Schritt nach den Auswirkungen der Studie gefragt werden. Dazu wird im vierten Kapitel der Arbeit eine Analyse der Aufnahme und Folgen der Studie auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen durchgeführt.

Das abschließende fünfte Kapitel fasst die gesammelten Erkenntnisse zusammen und gibt über den Diskurs hinaus einen Ausblick.

Die methodische Vorgehensweise entspricht hierbei derjenigen einer klassischen Literaturarbeit, wobei der Schwerpunkt auf den wissenschaftlichen Publikationen liegt. Ergänzend dazu wurden Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Schulwesen zur Wirkung und Rezeption der Bastian-Studie befragt. Die Antworten und Stellungnahmen sind dem Anhang der Arbeit zu entnehmen.

1. Grundlagen
In diesem ersten Kapitel soll ein grober Überblick über die Bastian-Studie gegeben werden. Hierfür werden konstituierende Faktoren, sowie die Entstehung und Konzeption der Studie vorgestellt. Für ein besseres Verständnis des Diskurses erfolgen daran anschließend einige Erläuterungen zu den Begriffen ‚Musikbetonung’ und ‚Transferstudie’.

1.1 Die Studie Zum Einfluss erweiterter Musikerziehung auf die allgemeine und individuelle Entwicklung von Kindern5
Das als Langzeit-6 und Evaluationsstudie7 konzipierte Forschungsprojekt Zum Einfluss erweiterter Musikerziehung auf die allgemeine und individuelle Entwicklung von Kindern wurde von Schuljahresbeginn 1992 bis zum Schuljahresende 1998 unter der Leitung von Hans Günther Bastian an Grundschulen in Berlin durchgeführt. Gefördert vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie war die Studie ursprünglich auf drei Jahre angelegt, wurde 1995 jedoch um weitere drei Jahre verlängert. Somit ergab sich eine Gesamtlaufzeit von sechs Jahren. Nachdem 1998 die Datenerhebung abgeschlossen war, wurden die Studienergebnisse Anfang 2000 in Form der Abschlusspublikation Musik(erziehung) und ihre Wirkung (Bastian 2000) veröffentlicht.

Bastian hat jedoch bereits vor dieser Zeit Forschungen über die Auswirkungen eines intensiven Umgangs mit Musik betrieben.8 Die daraus resultierenden Arbeiten stehen in direktem Zusammenhang mit der Entstehungsgeschichte der Studie.

[...]


1 Richter (2003)

2 Schüler (1996)

3 Klein (2000)

4 Derartige Begriffe werden stets geschlechtsneutral gebraucht.

5 dokumentiert in: H. G. Bastian, Musik (-erziehung und ihre Wirkung). Eine Langzeitstudie an Berliner Grundschulen, Mainz 2000.

6 In einer Langzeitstudie wird eine identische Personen-Stichprobe über einen bestimmten Zeitraum hinweg mehrmals auf ausgewählte Merkmale hin untersucht (vgl. Bastian 2000: 32).

7 Evaluationsforschung befasst sich als Teilbereich der empirischen Forschung mit der Bewertung des Erfolges von gezielt eingesetzten Maßnahmen oder Interventionen (vgl. Bastian 2000: 33).

8 dokumentiert in: Bastian (1989) und Bastian (1991)


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