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Internetbefragung zur Erfassung von Quantität und Qualität der Gewalt an deutschen Schulen in den Klassen 5-10

Magisterarbeit, 2003, 86 Seiten
Autor: Kristian Klett
Fach: Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Details

Kategorie: Magisterarbeit
Jahr: 2003
Seiten: 86
Note: 1,0
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V29415
ISBN (E-Book): 978-3-638-30923-3

Dateigröße: 805 KB


Textauszug (computergeneriert)

Universität zu Köln

Internetbefragung zur Erfassung von Quantität und Qualität der Gewalt
an deutschen Schulen in den Klassen 5-10

Schriftliche Hausarbeit

vorgelegt im Rahmen der Magisterprüfung

von

Kristian Klett

für das Fach Pädagogik,

Köln, Dezember 2003

Inhaltsverzeichnis

1. ANSTELLE EINES VORWORTS ... 4

2. EINLEITUNG ... 5

3. THEORETISCHE GRUNDLAGEN ... 8
3.1. TERMINOLOGIE & EINGRENZUNG ... 8
3.1.1. Die Reichweite des Gewaltbegriffs ... 8
3.1.2. Drangsalieren und Mobben ... 8
3.1.3. Schülerreaktion auf Mobben? ... 9
3.2. GEWALTKONZEPTION ALS WIRKLICHKEITSKONSTRUKT ... 10
3.2.1. Gewaltwahrnehmung in Öffentlichkeit und Politik ... 10
3.2.2. Vergleichbarkeit in der Gewaltforschung ... 11
3.2.3. Institutionalisierte Statistiken mit Bezug auf Jugendgewalt ... 12
3.2.3.1. Jugendkriminalitätsstatistik mit Fokus auf Gewaltdelikte... 12
3.2.3.2. Statistik der Unfälle durch Gewalthandlungen ... 14
3.2.4. Allgemeine Gültigkeit von Aussagen in der Gewaltforschung ... 15
3.3. FORSCHUNGSSTAND ZUR GEWALT AN SCHULEN ... 17
3.3.1. Aggressionstheorien ... 17
3.3.2. Aktuelle Thesen der Forschung zur Gewalt an Schulen ... 17
3.3.3. Längsschnittuntersuchung zur Gewalt an Schulen von FUCHS ... 20
3.4. URSACHEN UND ENTSTEHUNGSBEDINGUNGEN VON GEWALT ... 21
3.4.1. Medien und Gewalt ... 22
3.4.2. Gewalt in der Familie ... 22
3.4.3. Gender und Genetik ... 23
3.4.4. Strukturelle Gewalt - Lehrer als Täter ... 23
3.5. HANDLUNGSMÖGLICHKEITEN, PRÄVENTIONS- UND INTERVENTIONS-PROGRAMME ... 25
3.5.1. Lehrer-Aus- und Fortbildung ... 25
3.5.2. Präventionsprogramme ... 26
3.5.3. Interventions- und Trainingsprogramme ... 26
3.6. SCHÜLERUMFRAGEN ZUR GEWALTSITUATION (AUSWAHL) ... 28
3.6.1. KFN-Schülerbefragung (Dunkelfeldbefragung) ... 28
3.6.2. Exemplarische Schulinterne Umfrage zu Gewalt ... 29

4. EMPIRISCHE SCHÜLERBEFRAGUNG ... 32
4.1. WISSENSCHAFTLICHE FRAGESTELLUNGEN UND HYPOTHESEN ... 32
4.2. BESCHREIBUNG DES INTERNETPORTALS WWW.GEWALT-ANSCHULEN.DE ... 33
4.3. UNTERSUCHUNGSMETHODE ... 35
4.3.1. Akquisition der Stichprobe ... 35
4.3.1.1. ... über Human Multiplier ... 36
4.3.1.2. ... über Newsgroups ... 36
4.3.1.3. ... über schulrelevante Internetseiten und Bildungsserver ... 36
4.3.1.4. ... über Newsletter ... 37
4.3.1.5. ... über Diskussionsforen und Gästebücher ... 37
4.3.1.6. ... über digitale Mundpropaganda ... 37
4.3.1.7. ... über die Mailingliste von VISIONARY ... 37
4.3.2. Identifikation der Stichprobe ... 38
4.3.3. Authentizität der Eingabedaten ... 38
4.3.4. Vermeidung eines strukturellen Bias der Befragung ... 39
4.3.4.1. ... in der Fragestellung ... 39
4.3.4.2. ... in Bezug auf die "Ja-Sage-Bereitschaft" ... 39
4.3.4.3. ... in Bezug auf die "soziale Erwünschtheit" ... 40
4.3.4.4. ... in Bezug auf die "zentrale Tendenz" ... 40
4.3.4.5. ... in Bezug auf die Stichprobenauswahl ... 40
4.3.4.6. ... in Bezug auf das Medium Internet ... 41
4.4. UNTERSUCHUNGSDESIGN ... 42
4.4.1. Datengewinnung ... 42
4.4.2. Erläuterung der Frageliste ... 42
4.4.3. Beschreibung der Stichprobe ... 44
4.5. DESKRIPTIVE AUSWERTUNG & STATISTISCHE DARSTELLUNG DER BEFRAGUNG ... 47
4.5.1. Wie verbreitet sind Präventions- und Interventionsmaßnamen zu Gewalt ... 48
4.5.2. Die Einstellungen zu Gewalt von Schülern ... 49
4.5.3. Auslöser von Gewalt & Aggression ... 51
4.5.4. Wahrgenommene Präsenz von Gewalt aus der Opferperspektive in Quantität und Qualität ... 53
4.5.5. Wie (sicher) fühlen sich Schüler an ihrer Schule ... 56
4.5.6. Einstufung des Schulklimas ... 58
4.5.7. Wer ist Vertrauensperson nach einer Gewalthandlung? ... 60
4.5.8. Schülerbewertung von Gewaltpräventions- und Interventionsmaßnahmen ... 60
4.5.9. Die Bedeutung der Gewalt für Schüler ... 61
4.6. ERGEBNISSE DER UNTERSUCHUNG ... 63

5. SCHLUSSFOLGERUNGEN UND AUSBLICK ... 66

6. LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS ... 69
6.1. LITERATURANGABEN ... 69
6.2. INTERNET-QUELLENNACHWEIS (URLS) ... 71
6.3. ABBILDUNGSVERZEICHNIS ... 73

7. ANHANG ... 74
7.1. (nicht enthalten) ... 74
7.2. SCREENSHOTS DES INTERNETPORTALS WWW.GEWALT-ANSCHULEN.DE ... 74
7.3. VOLLSTÄNDIGE FRAGELISTE DER ONLINESCHÜLERBEFRAGUNG ... 76
7.4. KLEINES GLOSSAR DER WICHTIGSTEN HIER VERWENDETEN INTERNETBEGRIFFE ... 80
7.5. ANTWORTLISTE DER FRAGE NR. 8: "WAS BEDEUTET FÜR DICH GEWALT?" ... 82

 

1. Anstelle eines Vorworts

[...]

2. Einleitung
Schule war schon immer auch ein Ort der Gewalt! Denn Jugendgewalt ist keine neue kulturelle Erscheinung. Nicht nur, dass jeder aus seiner eigenen Schulzeit von Gewalthandlungen oder Begebenheiten zu erzählen weiß, es können auch viele historische Jugendkulturen (bzw. Subkulturen) eine vielleicht in Vergessenheit geratene Affinität zu Gewalt nicht leugnen. Erinnert sei an die so genannten Halbstarkenkrawalle in den Fünfzigern, die Studentenunruhen in den Sechzigern, den Terrorismus in den Siebzigern, die Hausbesetzer und die Street-Gangs in den Achtzigerjahren, an die Rocker-Cliquen, an die Punks und an die rechtsradikalen Ausschreitungen von jugendlichen Skinheads vor allem Anfang und Mitte der Neunziger Jahre (vgl. UNIVERSITÄT MÜNSTER, 1; sowie UNIVERSITÄT CHEMNITZ, 1).

Das Thema Jugendgewalt hat darüber hinaus schon seit langer Zeit Einzug in bekannte Literatur gehalten (z.B. Herr der Fliegen, Das fliegende Klassenzimmer, Krieg der Knöpfe, etc.). Aber nicht nur die neuere Literatur, sondern bereits SOKRATES hat im Jahr 400 v. Chr. über die Jugend geschrieben: "Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren die Lehrer" (KREUZER, 1995, zit. n. UNIVERSITÄT CHEMNITZ, 1).

Es kann mit Recht behauptet werden, dass Gewalt unter Jugendlichen und unter Schulkindern ein sehr altes Phänomen ist (vgl. OLWEUS, 2002, S.15). Die Thematik soll hier allerdings keineswegs bagatellisiert werden. Zunächst einmal ist beabsichtigt, der Schärfe und der Brisanz, dem Aufforderungscharakter zur Betroffenheit sowie auch der weitläufigen Tendenz zur Verschlimmerung entgegenzuwirken. Es geht um Versachlichung und Entdramatisierung (vgl. GEISLER, 1992, S.12).

Denn das Thema Gewalt an Schulen avanciert seit einiger Zeit zu einem medialen "Dauerbrenner", der in den vergangenen Jahren immer wieder in das Interesse der Öffentlichkeit gedrungen ist. Es sind meist gravierende und extreme Einzeltaten mit Tötungsdelikten und/oder Selbsttötungen, die die Aufmerksamkeit der Medien auf sich ziehen. Solche erschreckenden Einzelfälle wie z.B. in Erfurt (2002) oder aktuell in diesem Sommer in Coburg (2003) ziehen häufig eine öffentliche und daran anschließend eine politische Diskussion nach sich, der oft ein ebenso erschreckendes Bild von Gewalt an Schulen zugrunde liegt. So proklamieren die Medien eine generelle Zunahme von Gewalt an deutschen Schulen. Zudem wird beklagt, die Qualität aggressiver Handlungen habe sich verändert und die Täter seien jünger als früher (vgl. GESIS, 2).

Wenn Gewalt an Schulen thematisiert wird, scheinen viele "spezifische Interessen" (vgl. GEISLER, 1992, S. 10) aufeinander zu prallen und dabei am gleichen Strang zu ziehen. Sei es auf der einen Seite eine Sensationssucht der Öffentlichkeit1 oder sei es ein eifriges Karriereinteresse von Journalisten.2 Sei es eine gewollte Propaganda politischer Interessen, angefangen auf kommunaler Ebene bis hin zur Europapolitik3 oder auf der anderen Seite ein Schulvorwand zur Genehmigung weiterer öffentlicher Haushaltsmittel für die Bekämpfung von Gewalt an Schulen; eine Raffinesse, durch die andernfalls ausbleibende Haushaltsaufwendungen nun zur politisch dringend zu befürwortenden Aufwendung werden. Auch wenn hier nur einige Interessen aufgeführt werden können, darf mit Sicherheit von einer generellen Funktionalisierung der Gewaltdiskussion gesprochen werden.

Konsequenz dieser Diskussion ist eins: Es hat sich schleichend ein gesellschaftliches Bild von einer Zunahme von Gewalt an Schulen etabliert, welches sicher ein verzerrtes ist (vgl. REINDERS, S.3). So konstatiert KRETSCHMER in seiner Rezension der neusten Längsschnittuntersuchung von FUCHS (2001) hierzu, dass die Schüler besser seien als ihr Ruf; dass das Ausmaß von Gewalt bei weitem nicht so erschreckend sei, wie "sensationslüsterne Medienberichte glauben machen" (vgl. KRETSCHMER, 2001, S.1) wollten.

Die wissenschaftliche Betrachtung von Gewalt an Schulen thematisiert "herausragende" Einzeltaten hingegen nicht (vgl. GESIS, 1). Es wird angenommen, dass hinter solchen Taten jeweils höchst individuelle Hintergründe und Ursachen stecken, deren Erforschung nicht zur Erkenntnis einer allgemeingültigen Tendenz oder einer generalisierbaren Aussage beitragen. Laut SCHNEIDER gibt es aus "kriminalpsychologischer Sicht nicht den Typ eines jugendlichen Verbrechers, sondern von Fall zu Fall unterschiedliche Merkmale, Tendenzen oder Neigungen der Täter" (vgl. TEACHERSNEWS, 1).

Der spektakelorientierten Berichterstattung wird lediglich ein Teil der allgemeinen Sensibilisierung der Gesellschaft gegenüber Gewalttaten – und damit auch gegenüber Gewalt an Schulen - zugesprochen.

Ob die Gewalttätigkeit oder Gewaltbereitschaft unter Kindern und Jugendlichen im Laufe der Jahre zugenommen hat, ist wissenschaftlich nicht einfach zu beantworten. Dass jedoch Gewalt an den Schulen ein ernst zu nehmendes Thema ist, welches sich vor allem im Hinblick auf präventive Möglichkeiten zur Verminderung der Gewalttätigkeit von Kindern und Jugendlichen und damit gleichzeitig im größeren Rahmen der Gesellschaftsentwicklung zu analysieren und dementsprechende Präventions- und Interventionsmaßnahmen zu entwickeln lohnt, ist unbestritten.

Die vorliegende Arbeit knüpft an dieser Stelle an. Im zunächst folgenden theoretischen Teil wird der aktuelle Stand der Gewaltforschung in Bezug auf Gewalt an Schulen, vor allem im Hinblick auf Quantität und Qualität der Gewalt unter Schülern und Jugendlichen, erörtert. Der empirische Teil dieser Arbeit stellt die Internetbefragung zur Qualität und Quantität von Gewalt an deutschen Schulen der Klassen fünf bis zehn einschließlich Auswertung vor. Hierbei handelt es sich um eine Querschnittuntersuchung, die einen Eindruck von der aktuellen Wahrnehmung von Gewalt bei Schülern vermitteln, und den positiven Einfluss von Präventions- und Interventionsmaßnahmen auf Einstellung gegenüber Gewalt, dem Sicherheitsgefühl an der Schule und dem Schulklima aufzeigen soll.

Es sei darauf hingewiesen, dass aus Gründen der Lesbarkeit auf "geschlechtsneutrale" Formulierungen verzichtet wird.

[...]


1 Es sei hier auch auf die Wechselwirkung zwischen Sensationslust und gleichzeitiger Verängstigung der Öffentlichkeit, der Berichterstattung und der politischen Handlungsweise und Handlungsnotwendigkeit hingewiesen. Eine solche Konstellation kann vielleicht erklären, warum in den USA in der Mitte der Neunziger Jahre nach mehreren Amokläufen von Schülern das United States Department of Education sich veranlasst sah in Zusammenarbeit mit dem United States Secret Service eine Bedrohungsanalyse mit dem Titel "Handreichung zur Einschätzung bedrohlicher Situationen in Schulen" zu veröffentlichen (vgl. SCHULPSYCHOLOGIE, 1).

2 Dass die journalistische Ethik häufig der ausgewogenen Berichterstattung nicht gewahrt bleibt, wird auch von politischer Seite z.B. in einem Bericht für die EUROPÄISCHE UNION bemängelt: "Die fast ausschließliche Berichterstattung eklatanter Einzelfälle stellt die Situation an den Schulen verzerrt dar" (REINDERS, S.3).

3 Die politische Landschaft scheint hier über Parteigrenzen hinweg einig. Kretschmer spricht von der Vereinigung von "konservativem Kulturpessimismus und altlinker Sozialkritik" (vgl. KRETSCHMAR, 2001, S.1). Das politische Agieren funktioniert nach dem antiken Prinzip der öffentlichen Schürung diffuser Ängste vor einer imaginären Gefährdung der allgemeinen Sicherheit (vgl. GESIS, 2; vgl auch UNIVERSITÄT MÜNSTER, 1; sowie FUCHS, LAMNEK, LUEDTKE, 2001).


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