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Thesis (M.A.), 2004, 77 Pages
Author: Stefanie Hermes
Subject: Ethnology / Cultural Anthropology
Details
Tags: Angewandte, Ethnologie, Wirtschaft, Probleme, Chancen, Unternehmenskulturforschung
Year: 2004
Pages: 77
Grade: 2,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-30998-1
File size: 410 KB
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Excerpt (computer-generated)
Schriftliche Hausarbeit
zur Erlangung des Magister Artium
an der Philosophischen Fakultät
der Universität zu Köln
Institut für Völkerkunde
Angewandte Ethnologie in der Wirtschaft:
Probleme und Chancen der ethnologischen Unternehmenskulturforschung
vorgelegt von
Stefanie Hermes
Leverkusen, 1. September 2003
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 1
2. Thema und Fragestellung ... 3
3. Methode der Literatursuche und Textanalyse ... 5
4. Begriffsdefinitionen zum Thema Unternehmenskultur ... 6
4.1 Definition des Begriffs „Kultur“ ... 7
4.2 Definition des Begriffs „Unternehmen“ ... 9
4.3 Definition des Begriffs „Unternehmenskultur“ ... 10
5. Zentrale theoretische Aspekte des Kulturwandels in der Ethnologie und ihr Bezug zur Unternehmenskultur ... 14
5.1 Kulturwandel aus ethnologischer Sicht ... 14
5.2 Kulturwandel in Unternehmen ... 18
6. Angewandte Ethnologie in Unternehmen und ethnologische Methoden zur Erfassung einer Unternehmenskultur ... 22
6.1 Angewandte Ethnologie in Unternehmen ... 22
6.2 Ethnologische Methoden zur Erfassung einer Unternehmenskultur ... 23
6.2.1 Teilnehmende Beobachtung ... 23
6.2.2 Qualitative ethnographische Interviews ... 25
7. Ethnologische Unternehmenskulturforschung in Deutschland: Problematische und chancenreiche Aspekte in der Begegnung zwischen Forscher und Unternehmen – Eine Analyse dreier exemplarischer Studien ... 27
7.1 Andreas Novak: „Die Zentrale. Ethnologische Aspekte einer Unternehmenskultur“ ... 28
7.1.1 Eckdaten der Studie ... 28
7.1.2 Problematische Aspekte in der Begegnung zwischen Forscher und Unternehmen ... 29
7.1.3 Chancenreiche Aspekte in der Begegnung zwischen Forscher und Unternehmen ... 33
7.1.4 Schlussbetrachtung der Studie ... 35
7.2 Andreas Wittel: „Belegschaftskultur im Schatten der Firmenideologie“ ... 36
7.2.1 Eckdaten der Studie ... 36
7.2.2 Problematische Aspekte in der Begegnung zwischen Forscher und Unternehmen ... 38
7.2.3 Chancenreiche Aspekte in der Begegnung zwischen Forscher und Unternehmen ... 43
7.2.4 Schlussbetrachtung der Studie ... 45
7.3 Irene Götz: „Unternehmenskultur: Die Arbeitswelt einer Großbäckerei aus kulturwissenschaftlicher Sicht“ ... 46
7.3.1 Eckdaten der Studie ... 46
7.3.2 Problematische Aspekte in der Begegnung zwischen Forscher und Unternehmen ... 48
7.3.3 Chancenreiche Aspekte in der Begegnung zwischen Forscher und Unternehmen ... 52
7.3.4 Schlussbetrachtung der Studie ... 56
7.4 Zusammenfassung der problematischen und chancenreichen Aspekte in der Begegnung zwischen Forscher und Unternehmen ... 57
7.4.1 Schaubild „Problematische Aspekte in der Begegnung zwischen Forscher und Unternehmen“ ... 57
7.4.2 Schaubild „Chancenreiche Aspekte in der Begegnung zwischen Forscher und Unternehmen“ ... 58
7.5 Optimierungspotentiale in der ethnologischen Unternehmenskulturforschung ... 60
8. Zusammenfassung und Resümee ... 63
9. Fazit und Ausblick: Die Perspektiven der ethnologischen Unternehmenskulturforschung in Deutschland ... 66
Literaturverzeichnis ... 67
Anhang: Anhang I: Deutsche Firmen und ihre Unternehmenskultur - Darstellung im Internet ... 71
Abbildungsverzeichnis
[...]
"Es gibt da einen Witz von einem amerikanischen Manager, es könnte aber genau so gut ein deutscher oder ein englischer Manager sein. Also, der amerikanische Manager hat in einem Wirtschaftsmagazin gelesen, dass die Firmenkultur eine wichtige Sache ist. Daraufhin ruft er seine Mitarbeiter zusammen und gibt ihnen einen Auftrag: "Sucht mir irgendwo eine Firmenkultur. Sie darf soundso viel kosten. Ihr habt dafür ein halbes Jahr Zeit."
(Andreas Wittel 1996: 9)
1. Einleitung
An einem Ort, an dem Menschen in einem festgelegten Rahmen dauerhaft aufeinander treffen und ihre Zeit gemeinsam gestalten, entwickelt sich ein besonderer, kontextbezogener Umgang miteinander, der von spezifischen Denk- und Handlungsweisen geprägt ist – eine „Kultur“ entsteht. Auch ein Unternehmen ist ein solcher Ort, der eine Kultur – die so genannte Unternehmenskultur – hervorbringt.
Ebenso wie in allen anderen Kulturen werden auch in Unternehmen einzelne Aspekte aus dem kulturellen Sektor von bestimmten Gruppen für die Durchsetzung ihrer Interessen instrumentalisiert. Hier sind es beispielsweise bestimmte Gruppen im Management, die unter Schlagworten wie „Kultur des offenen Miteinanders“ oder „Trust-culture“ die Mitarbeiter in ihrer Arbeitswelt effektiver kontrollieren möchten. Auf der anderen Seite sind es z. B. Belegschaftsvertreter, die sich für die Etablierung einer „Lernkultur“ im Unternehmen einsetzen, um mehr Fortbildungszeiten für die Mitarbeiter zu erreichen.
Generell prägen Prozesse wie Bildung, Entwicklung, Implementierung und Veränderung eine Unternehmenskultur, die sowohl gemeinschaftsbildende Aspekte als auch Konfliktpotentiale mit sich bringen. An diesem Komplex setzt der Bereich der Angewandten Ethnologie an, der sich mit der Unternehmenskulturforschung beschäftigt. Auch wenn diese Form der Kulturforschung im Vergleich zu anderen, weiter verbreiteten Forschungsfeldern der Ethnologie immer noch eine Randdisziplin darstellt, so reichen ihre Wurzeln doch bis in die 1930er Jahre nach Amerika zurück. Damals begannen einzelne Ethnologen, Prozesse, Strukturen und Verhaltensweisen innerhalb von Industriebetrieben zu untersuchen1. Die eigentliche Geburtsstunde der Unternehmenskulturforschung in ihrer heutigen Form lag jedoch in den 70er Jahren und stand in engem Zusammenhang mit dem damaligen Erfolg japanischer Unternehmen. Dieser wurde von Seiten der amerikanischen Wirtschaft unter anderem auf die in japanischen Unternehmen vorherrschende, andersartige Kultur zurückgeführt. Bis zum heutigen Zeitpunkt hat sich die Unternehmenskulturforschung in Amerika zu einem festen Bestandteil der Ethnologie entwickelt, der auch von Seiten der Wirtschaft anerkannt ist. Anders sieht es hingegen bei der ethnologischen Unternehmenskulturforschung in Deutschland aus: Trotz verschiedener, insbesondere seit Ende der 80er Jahre durchgeführter Studien hat sie sich bis heute noch nicht richtig etablieren können. Sowohl von der unternehmerischen als auch von der ethnologischen Seite besteht ein nur sehr langsam wachsendes Interesse an den Beiträgen, die die Ethnologie im Bereich der Wirtschaft leisten kann.
Meiner Ansicht nach kann die Ethnologie mit ihrem speziellen Blickwinkel und ihren spezifischen Methoden jedoch gerade im Feld der Unternehmenskulturforschung die deutsche Wirtschaft entscheidend bereichern und zu einem besseren Verständnis des Menschen in seiner Arbeitswelt beitragen. In dieser Arbeit werde ich untersuchen, worin die Gründe für die zurückhaltende Vertretung der Ethnologie in der deutschen Unternehmenskulturforschung liegen und welchen Beitrag sie leisten könnte, wenn ihr eine Chance in der Wirtschaft gegeben würde bzw. wenn sie sich diese erarbeitete. Oder unternehmerisch gedacht: Welchen Gewinn könnte die Ethnologie mit ihrer Kulturforschung für Unternehmen darstellen und was könnte sie zum Unternehmenserfolg beisteuern?
Was hat mein Interesse gerade an diesem Bereich der Ethnologie geweckt, der bis dato in Deutschland noch sehr unterrepräsentiert ist und für viele Ethnologen wenig im Zentrum ihres Interesses steht? Als damalige Mitarbeiterin eines Unternehmens konnte ich vor einigen Jahren persönlich eine Fusion mit einem anderen Unternehmen aus der gleichen Branche miterleben. Nach dem Zusammenschluss ließ sich beobachten, dass der Umgang und die Zusammenarbeit in der neuen Mitarbeiterkonstellation bei weitem nicht reibungslos funktionierte, sondern im Gegenteil sehr konfliktbeladen war. Missverständliche Kommunikation und unterschiedliche Arbeitsauffassungen bzw. Einstellungen gegenüber dem Arbeitgeber waren nur einige Gründe dafür. Vor einem ethnologischen Hintergrund lässt sich heute im Nachhinein feststellen, dass ein wichtiger Grund für diese Konflikte die beiden völlig unterschiedlichen Unternehmens- und Arbeitskulturen waren, die bei der Zusammenführung aufeinander geprallt sind. Vielleicht hätte die Fusion viel effektiver verlaufen können, wenn sie rechtzeitig durch einen externen Beobachter analysiert worden wäre. Dieser hätte den Beteiligten die latenten Konflikte und Missverständnisse vor dem Hintergrund der unterschiedlichen, kulturell geprägten Deutungsmuster verstehbar machen können und ihnen damit einen gemeinsamen Orientierungsrahmen für die Bewältigung der Probleme liefern können.
In einem größeren Zusammenhang gesehen kann man ein Unternehmen und seine Kultur als ein gesellschaftliches Subsystem begreifen, welches einen eigenen Mikrokosmos darstellt und ähnliche Probleme und Konflikte in sich birgt wie andere Gesellschaften in der Welt. Hinzu kommt, dass durch die zunehmende Globalisierung auch in der Wirtschaftswelt ein verstärkter Kontakt und Austausch zwischen unterschiedlichen Nationalitäten – und damit Kulturen – stattfindet. Das wiederum hat zur Folge, dass man sich der eigenen Kultur und seiner Eigenarten bewusster wird, auch der Kultur, die ein Unternehmen prägt. Mit der Unternehmenswelt und ihren unterschiedlichen kulturellen Ausprägungen eröffnet sich ein Forschungsfeld, das bei näherer Betrachtung sowohl für die Wissenschaftsdisziplin Ethnologie als auch für die Unternehmen von wachsendem Interesse sein und für beide Seiten sowohl erkenntnis- als auch gewinnbringende Resultate liefern kann.
2. Thema und Fragestellung
Bis heute gibt es in Deutschland nur wenige Ethnologen, die sich intensiv mit dem Thema Unternehmenskulturforschung beschäftigen und Feldforschungen auf diesem Gebiet durchführen.
[...]
1 Gamst/Helmers (1991) geben in ihrem Artikel „Die kulturelle Perspektive und die Arbeit: Ein forschungsgeschichtliches Panorama der nordamerikanischen Industrieethnologie“ einen kurzen Überblick über die geschichtliche Entwicklung der nordamerikanischen Unternehmenskulturforschung.
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