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Zur Diskussion über die Frage der Schuld am Ersten Weltkrieg am Beispiel der Fischer-Kontroverse

Seminararbeit, 2003, 17 Seiten
Autor: Dominik Petko
Fach: Politik - Pol. Systeme - Politisches System Deutschlands

Details

Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2003
Seiten: 17
Note: sehr gut
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V29514
ISBN (E-Book): 978-3-638-31003-1
ISBN (Buch): 978-3-638-83922-8
Dateigröße: 205 KB
Anmerkungen :
Der Historiker Fritz Fischer und seine Thesen zur Kriegszielpolitik des Deutschen Kaiserreiches und zur Frage der Schuld am Ersten Weltkrieg.


Zusammenfassung / Abstract

Der Historiker Fritz Fischer und seine Thesen zur Kriegszielpolitik des Deutschen Kaiserreiches und zur Frage der Schuld am Ersten Weltkrieg.


Textauszug (computergeneriert)

Goethe-Universität Frankfurt am Main
Fachbereich 03: Gesellschaftswissenschaften
Grundkurs: Entstehung, politisches System und Struktur der BRD
Fachsemester: 3

Zur Diskussion über die Frage der Schuld am Ersten
Weltkrieg am Beispiel der Fischer-Kontroverse

von: Dominik Petko

 


Inhaltsverzeichnis

Vorwort 3

1. Einleitung 3-4

2. Der Historiker Fritz Fischer und seine Thesen zur 4-7

Kriegszielpolitik des Deutschen Kaiserreiches und zur Frage der Schuld am Ersten Weltkrieg

3. Thesen und Einschätzungen anderer Historiker 7

3.1. Gerhard Ritter 8
3.2. Ludwig Dehio 9
3.3. Egmont Zechlin 10
3.4. Klaus-Dietrich Erdmann 11
3.5. Wolfgang J. Mommsen 12

4. Zusammenfassung 13-14

5. Schlußwort 14

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

6.1. Quellenverzeichnis 15
6.2. Literaturverzeichnis 16


 

Vorwort

„History is not a web woven with innocent hands. Among all the causes which degrade and demoralize men, power ist most constant and the most active.“1

1. Einleitung

Der deutsche Historiker Fritz Fischer löste in den Jahren nach 1961 durch seine Publikationen und Vorträge zur Rolle des Deutschen Kaiserreiches bei der Entstehung und Führung des Ersten Weltkrieges die nach ihm benannte Kontroverse aus. Die Grundaussage seines 1961 entstandenen Hauptwerkes „Griff nach der Weltmacht“ war, daß Deutschland den ersten Weltkrieg nicht nur billigend in Kauf genommen, sondern ihn „vom Zaun gebrochen“ hatte und „nicht hineingeschlittert“ war. Spätestens seit 1911 habe das Deutsche Reich und Kaiser Wilhelm II. den Ersten Weltkrieg herbeigeführt, um endlich zur Weltmacht aufzusteigen.2 Auch in seinem 1969 erschienen Werk „Krieg der Illusionen“3 vertrat er die These, daß der Kriegswunsch den Grundlagen des wilhelminischen Deutschlands entsprang, zum Selbstverständnis der Nation paßte, von Wirtschaft, Parteien und Interessensverbänden gefördert wurde und der Krieg Ziel der deutschen Politik war. Wesentliche Ziele waren nach Fischer die Machtsicherung der herrschenden Schichten durch eine erfolgreiche imperialistische Außenpolitik, die Lösung sozialer Spannungen durch Krieg sowie wirtschaftliche und machtpolitische Zielsetzungen.4 In dieser Deutlichkeit und Schärfe hatte sich bis dahin noch kein Geschichtswissenschaftler geäußert. Entsprechend betroffen und heftig waren auch die Reaktionen anderer Historiker, die darin „eine Zumutung für die Zunft sahen“.5 Im folgenden sollen F. Fischers Thesen und seine Bewertung der deutschen Kriegsziele im Ersten Weltkrieg, die von ihm aufgedeckten und bewiesenen Motive und Hintergründe und die Einschätzungen und Meinungen weiterer Historiker aufgeführt und dargestellt werden.

2. Der Historiker Fritz Fischer und seine Thesen zur Kriegszielpolitik des Deutschen Kaiserreiches

Die Hauptthese Fischers ist die, daß die Deutschland einen erheblichen Teil an der historischen Verantwortung für den Ausbruch des allgemeinen Krieges trägt und von Beginn des Kriegs eine festgelegte Kriegszielpolitik betrieb. Fritz Fischer enthüllte 1961 in „Griff nach der Weltmacht“ und in seinen voran veröffentlichten Aufsätzen in wissenschaftlicher Methodik die Kriegszielpolitik des Deutschen Reiches und dessen Verantwortung am Ausbruch des Ersten Weltkrieges. „Da Deutschland den österreichisch-serbischen Weg gewollt und gedeckt hat und, im Vertrauen auf die deutsche miltärische Überlegenheit, es im Juli 1914 bewußt auf einen Konflikt mit Rußland und Frankreich ankommen ließ, trägt die deutsche Reichsführung den entscheidenden Teil der historischen Verantwortung für den Ausbruch des allgemeinen Krieges.“6

Im Vorwort wies Fischer jedoch darauf hin, daß er in diesem Buch die Vorkriegsentwicklung Deutschlands nicht erschöpfend darstellen könne, dies beanspruche ein weiteres Buch. Als solches legte F. Fischer 1969 „Krieg der Illusionen“ vor. Er führte hier die Grundlagen des Wilhelminischen Deutschlands, die deutsche Politik 1911 - 1914 und den Kriegsausbruch an und erkannte Interessenlagen und Zusammenspiel von Wirtschaft und Politik. Auch stellte er fest, daß die Machtstellung der herrschenden Schichten durch eine erfolgreiche imperialistische Außenpolitik gesichert werden sollte, dabei die verschärften sozialen Spannungen durch einen Krieg lösend und das konservative System bewahrend.7 Eine weitere These lautete, daß Kräfte eines neuen völkischen Nationalismus bereits seit 1911 freigesetzt wurden. Diesen gedanklichen Ansatz vertiefte er in seinem Werk „Der erste Weltkrieg und das Deutsche Geschichtsbild“ und fand völkisch-nationalistische Diktion bereits bei den wilhelminischen Politikern und Militärs angelegt und begründet.8 Auch wies Fischer darauf hin, daß durch die Flottengesetze von 1898 und 1900 unter Admiral von Tirpitz und durch die Flottennovelle vom Mai 1912 ein Instrument zum Weltmachtstreben geschaffen worden war.9

Als besonders prägnant formuliert bezeichnete F. Fischer die Gedanken von Kurt Riezler, den er einen pilosophischen Adlatus von Bethmann-Hollweg nennt: „Der dreifache Sinn des Krieges sei: Verteidigung gegen das gegenwärtige Frankreich, Präventivkrieg gegen das zukünftige Rußland.... (als solcher zu spät), Kampf mit England um die Weltherrschaft“.10 Zu Bethmann Hollweg als dem ersten deutschen Kriegskanzler wollte Fischer nicht „eine schöne und reife Biographie“11 liefern, sondern durch das Hineinstellen der Person „in das Geflecht der Kräftelagerung und Machtverhältnisse des preußisch-deutschen Reiches vor dem Krieg und unter den Bedingungen des Krieges“12 die damaligen Strukturen und Tendenzen sowie die tatsächliche Reichspolitik aufzeigen. Entgegen der vorherrschenden Historikermeinung versuchte Fritz Fischer nachzuweisen, daß die Reichsregierung ein detailliertes Kriegszielprogramm besessen hatte.

[...]


1 Lord Acton, zitiert nach: Stefan Possony , Zur Bewältigung der Kriegsschuldfrage, Köln und Opladen 1968, S. 335.

2 Eine Zumutung für die Zunft, in: Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 03.12.99

3 Vgl. Fritz Fischer, Krieg der Illusionen. Die deutsche Politik von 1911-1914, Düsseldorf 1969, 1978, 1998, S. 12 f.

4 Vgl. ebd., S. 13

5 Eine Zumutung für die Zunft, in: Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 03.12.99

6 Fritz Fischer, Griff nach der Weltmacht. Die Kriegszielpolitik des Kaiserlichen Deutschland 1914/1918, Düsseldorf 1961, S. 82.

7 Vgl. Fritz Fischer, Krieg der Illusionen. Die deutsche Politik von 1911 - 1914, Düsseldorf 1969, 1978, 1998, S. 13.

8 Vgl. Fritz Fischer, Der Erste Weltkrieg und das Deutsche Geschichtsbild. Beiträge zur Bewältigung eines historischen Tabus. Düsseldorf 1977, S. 363.

9 Vgl. ebd., S.257 f.

10 F. Stern, Bethmann Hollweg und der Krieg, Tübingen 1968, S. 30., zitiert nach: Fritz Fischer, Krieg der Illusionen. Die deutsche Politik von 1911 - 1914, Düsseldorf 1969, 1978, 1998, S. 783.

11 Fritz Fischer, Der Erste Weltkrieg und das Deutsche Geschichtsbild. Beiträge zur Bewältigung eines historischen Tabus. Düsseldorf 1977, S. 228.

12 Ebd., S. 228.


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