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Hausarbeit, 2004, 19 Seiten
Autor: Daniel Schüler
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Details
Institution/Hochschule: Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main (Institut für Deutsche Sprache und Literatur)
Tags: Wolfgang, Borcherts, Draußen, Stunde, Null, Literatur
Jahr: 2004
Seiten: 19
Note: 2
Literaturverzeichnis: ~ 10 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-31068-0
Dateigröße: 164 KB
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Textauszug (computergeneriert)
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt/Main
Sommersemester 2004
Seminar: Stunde Null der Literatur? Literatur in
Deutschland 1945-1950
Wolfgang Borcherts „Draußen vor der Tür“
von
Daniel Schüler
Inhaltsverzeichnis
Einleitung Seite 03
I. Zu inhaltlichen Gesichtspunkten des Stückes Seite 04
I.1 Die Figuren des Stückes Seite 05
I.1.1 Der Protagonist: Beckmann Seite 05
I.1.2 Die irrealen Figuren Seite 06
I.1.3 Die realen Figuren Seite 07
I.2 Der formale Aufbau Seite 10
I.2.1 Die Sprache Seite 13
II. Zu den außerliterarischen Aspekten des Stückes Seite 13
II.1 Die Aufführung des Stücks im Nachkriegsdeutschland Seite 13
II.1.1 Die Situation und das Umfeld Seite 13
II.1.2 Die Aufführung und die Reaktionen Seite 14
II.2 Inszenierungsansätze Seite 17
II.3 Zur überzeitlichen Aktualität des Stückes Seite 18
Literaturverzeichnis Seite 19
Einleitung
Die hier vorliegende Arbeit nähert sich Wolfgang Borcherts Nachkriegsdrama „Draußen vor Tür“ – als Hörspiel wie als gedrucktes Werk – und versucht, verschiedene Aspekte dieses Werks der so genannten Trümmerliteratur aufzugreifen und zu erläutern.
Hier wird es einmal um die Stellung des Werks in der Literatur der Nachkriegszeit gehen, aber auch um seine damalige Wirkung auf die Menschen im vom Krieg zerstörten und von den Kriegsereignissen geprägten Deutschland. Wie wurde das Werk damals aufgenommen, was verband die Leute mit dem hier Erzählten und was war umstritten?
Es wird herauszustellen sein, dass Borcherts Hörspiel einerseits keine Alleinstellung hatte, da es durchaus eine ganze Reihe von Werken der Heimkehrerliteratur gab, anderseits sich aber vielleicht doch aus dieser Reihe hervorhebt. Das Werk war ein sehr frühes und der Autor war ein junger, neuer Autor, der weder zu den vom nationalsozialistischen Regime kompromittierten Autoren zählte, noch zu den ins Exil gegangenen. Eine Besonderheit war aber vor Allem auch die praktische Gleichsetzung des Protagonisten Beckmann mit dem Autor Borchert, die – so sah es ein breiter Teil der Öffentlichkeit – das gleiche, oder zumindest doch ein sehr ähnliches, Schicksal teilen. Außerdem wirkt „Draußen vor Tür“ noch recht lange noch: es erfreut sich einer bis in die heutige Zeit recht großen Bekanntheit, was man von anderen Nachkriegsstücken nicht ohne weiteres Behaupten kann. Ist diese Bekanntheit insofern gerechtfertigt, als das uns das Werk auch heute noch aktuell sein kann und seine Botschaften auch für uns eine Bedeutung haben? Die Frage wird zu beantworten sein. Eine ganz zentrale Rolle in „Draußen vor der Tür“ spielt die Frage der Schuld und der Verantwortung. Auch diese Tatsache ist ein Punkt, der „Draußen vor der Tür“ hervorhebt, da die Aufarbeitung der Schuld und der Verantwortung am Krieg und für den Krieg in der breiten Bevölkerung in der Nachkriegszeit nicht gerade populär war. Im Vordergrund standen das Verdrängen und der Blick nach vorne.
I. Zu inhaltlichen Gesichtspunkten des Stückes
„Draußen vor der Tür“ wurde von Borchert geschrieben um aufgeführt zu werden – auch wenn im Untertitel „Ein Stück, das kein Theater spielen und kein Publikum sehen will“ etwas anderes behauptet wird. Den Untertitel des Stücks kann man auf die Äußerung des Kabarettdirektors beziehen, der sagt: „Das Publikum will gekitzelt werden und nicht gekniffen.“1 Genau gegen diese 1945 vorherrschende Rezeptionshaltung will Borchert anschreiben. Eigentlich sollte es zunächst „Ein Mann kommt nach Deutschland“ heißen, aber auf Anraten von Ernst Schnabel2 bekam es seinen Titel „Draußen vor der Tür“3, der auf das Außenseitertum Beckmanns anspielt. Bevor es am Theater aufgeführt wurde, wurde es als Hörspiel im Radio gesendet. Bevor wir uns der Wirkung zuwenden, sollen zunächst einige inhaltliche Gesichtspunkte des Werkes behandelt werden.
„Draußen vor der Tür“ ist offensichtlich in der Form eines Stationendramas – dessen sich die dramatische Literatur des deutschen Expressionismus gerne bediente4 – inszeniert und knüpft mit dieser Form an Strindberg an. Es gibt im Werk drei Handlungsebenen, die miteinander verschränkt sind. Das reale Geschehen, in dem die realen Figuren agieren, wird vom traumhaften Geschehen – in dem Beckmann traumartige Sequenzen durchlebt – und von den Szenen mit irrealen Figuren kommentierend ergänzt. Die Ebenen stehen also in einer Wechselwirkung im thematischen Kern des Stücks.
Die Figuren sind alle rein funktional zu sehen, sie sind auf die Repräsentation von Denk- und Handlungsweisen ausgelegt5. Das Vorhandensein von irrealen Figuren zielt auf die übergreifende Thematik ab, während die realen Figuren die konkrete zeitgeschichtliche Situation repräsentieren, dennoch aber auch einen zeitlosen Gehalt aufweisen. Die Forschung wirft Borcherts Stück oft eine ungeschlossene Organisation vor, die an einem Mangel an literarischer Gestaltungskraft liegen würde, jedoch sagt Koller6, dass eine durchgehende Struktur auch nicht in der Absicht des Autors lag und dass man berücksichtigen muss, dass das Drama in sehr kurzer Zeit geschrieben wurde.
[....]
1 Borchert 1986, Seite 42
2 Dramaturg und Regisseur beim Hörspiel des NWDR
3 Freund 1996, Seite 5
4 Freund 1996, Seite 87
5 Koller 2000, Seite 9ff
6 ders. Seite 10f
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