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Das Kino des Pedro Almodóvar und die Intermedialität als Stilmerkmal seiner Filme

Hauptseminararbeit, 2003, 37 Seiten
Autor: Magister Christiane Hagn
Fach: Filmwissenschaft

Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2003
Seiten: 37
Note: 2
Literaturverzeichnis: ~ 19  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V29686
ISBN (E-Book): 978-3-638-31139-7

Dateigröße: 315 KB


Textauszug (computergeneriert)

Das Kino des Pedro Almodóvar und die Intermedialität
als Stilmerkmal seiner Filme

von: Christiane Hagn

 


Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung S.2

1. Leben und Werk S.4

1.1 Biographie S.4
1.2 Filmwerk S.6

2. Stil S.9

2.1 Figuren S.10
2.2.Themen S.13
2.3 Formale Merkmale S.16

3. Intermedialität S.17

3.1 Der Film im Film S.18
3.2 Cinephile Referenzen S.21
3.3 Die Literatur im Film S.24
3.4 Das Theater im Film S.26
3.5 Die Musik im Film S.28
3.6 Der Tanz im Film S.29

4. Zusammenfassung S.30

3.1 Analyseergebnisse S.
3.2 Spielfilmverzeichnis S.

5. Bibliographie S.

6. Wahrheitsgemäße Erklärung S.


 

0. Einleitung

„Alles beschleunigt sich zur Zeit, das ist der Befund der Fachleute zu den Veränderungen in Gesellschaft, Kultur, Kino. Alles drängelt heftiger, hemmungsloser in die öffentlichen Bereiche, ins multimediale Scheinwerferlicht -und gerät dann mindestens ebenso schnell wieder in Vergessenheit(...)“1 So beschreibt Fritz Göttler zum Start des 20. Münchner Filmfest im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung den Zeitgeist des Jahres 2002. Diese Beschleunigung und Schnelllebigkeit, die sich in fast allen Lebensbereichen zusehends ausbreitet, zeigt sich auch und vor allem im modernen Kino. Der technische Fortschritt überfordert unsere Sinne. Der schnelle Schnitt eilt unserem Auge voraus und lässt uns zurück, oftmals erschlagen von oberflächlicher Reizüberflutung. „Das Weltkino steuert also auf die Implosion zu, so die Prognose. Die Filme werden schneller, das Kino wird global(…)Das Tempo wird forciert(…)Verweigerung wäre wichtig in solchen Momenten, wer kann sie sich noch erlauben, sich leisten?“ .2 „Hable con ella“(2002), das neueste Werk des spanischen Regisseurs Pedro Almodóvar, könnte diese Frage beantworten und ein erster Schritt in Richtung Verweigerung sein. Stets den vorherrschenden Trend in der Filmindustrie ablehnend, überrascht der spanische Autor und Regisseur, seit nun über zwanzig Jahren, mit einem Kino, das wohl nicht so schnell in Vergessenheit geraten wird. Frauen im Koma, sprach- und bewegungslos, lange Einstellungen, keine hektischen Schnitte und dennoch von einer herausragenden Aktualität. Die Liebe, die Suche nach dem Glück und das menschliche Begehren bestimmen seit Anbeginn der bewegten Bilder die erzählten Geschichten. Und das Erzählen von Geschichten gehört für Almodóvar zum Leben, so selbstverständlich wie das Atmen3, wobei er sich dabei als virtuoser Meister im Umgang mit den Medien zeigt:

„Selten hat das Kino der neueren Zeit mit so viel Fantasie die Formen des Mediums zitiert, um eine eigene Bildsprache zu verwenden(...)“4, lobt eine Kolumnistin der Erlanger Nachrichten sein erzählerisches Talent. Auch im Bereich der Theater- und Medienwissenschaft spielt das Stichwort der Intermedialität, die Beschäftigung mit der Annäherung und der gegenseitige Ergänzung der verschiedenen Medien eine immer bedeutendere Rolle. So prägt der lebendige Einsatz von Film, Theater, Literatur, Musik und Tanz seit jeher seine Werke. Fließende Übergänge und die Verwobenheit der Medien sind auch für den laienhaften Betrachter als ein offensichtliches Element seiner Filme zu erkennen. Dieses mediale Zitatengeflecht sorgt für Abwechslung und erzeugt Spannung. Deshalb möchte ich in dieser Arbeit das Kino des Pedro Almodóvar vorstellen, mit besonderem Augenmerk auf die Intermedialität als Stilmerkmal seiner Filme. Die nähere Betrachtung ausgewählter Szenen macht deutlich, welche Möglichkeiten der Regisseur gefunden hat, die Grenzen zwischen den verschiedenen Medien aufzulösen und sie durch ihr Zusammenspiel zu überwinden. Sowohl der filmische Genuss, der die von ihm erzählten Geschichten bereiten, als auch die aktuelle Thematik der Intermedialität, sind maßgeblich gewesen bei der Wahl des Themas. Almodóvars Fähigkeit des meisterhaften, oft gar spielerischen Umgangs mit den filmischen Mitteln, hat ihren Ursprung in seiner frühen und bis heute unerschütterlichen Liebe zu dem Medium Film, die seine Entwicklung von dem kleinen Jungen aus der La Mancha hin zum Autodidakten und Weltregisseur erst begreiflich macht. Daher führe ich zuerst die meiner Ansicht nach wesentlichen Stationen seines Lebens und seines sehr umfangreichen Werks zusammenfassend auf. Anschließender Teil beschäftigt sich mit dem Stil seiner Filme in Bezug auf zentrale, immer wieder kehrende Figuren und Themen, die den Inhalt seiner Filme bestimmen, sowie auf formale Merkmale im Umgang mit den filmischen Gestaltungsmitteln. Im Anschluss daran stelle ich an ausgesuchten Filmsequenzen intermediale Verweise auf andere und eigene Filme vor, sowie Bezüge zu Literatur, Theater, Musik und Tanz, betrachte Funktion und Wirkung solcher Einschübe und fasse abschließend die erarbeiteten Analyseergebnisse zusammen. Das Spielfilmverzeichnis am Ende der Arbeit soll einen Überblick über das umfangreiche Filmschaffen des Regisseurs geben.

1. Leben und Werk

Sein Leben sei nur ein Vorwand, um Filme zu machen5, so zumindest rechtfertigt Pedro Almodóvar seine Existenz als Filmschaffender. Er ist derzeit der wohl weltweit bekannteste spanische Regisseur und ein Repräsentant des postmodernen Kinos, sowie eines Kinos der Großstadt. Was für Woody Allen New York ist, ist für Pedro Almodóvar Madrid. Fast in allen seinen Filmen setzt er der spanischen Metropole ein Denkmal. Damit steht er ganz im Gegensatz zu der Idee einer heilen agrarischen Welt, die das franquistische Kino der dreißiger und vierziger Jahre propagierte. Jedoch nicht nur die urbane Atmosphäre Madrids gibt ihm Anstoß für sein kreatives Schaffen, sondern auch Lebensstil und Denkweise seiner Landsleute inspirieren sein Werk. Eine Kindheit als Außenseiter, berufliche Erfahrungen im kleinbürgerlichen Milieu, sowie der politische und soziale Hintergrund des einst unter Franco regierten Landes, prägen den spanischen Kultregisseur und durchziehen seine Filme wie ein roter Faden. So spiegelt sich das Auf und Ab seines Lebenswegs in den ungeahnten Wendungen seiner Geschichten und in den verschiedenen Abschnitten seines künstlerischen Schaffens wieder. Obwohl Pedro Almodóvar schon allein deshalb nicht sterben möchte, weil er die Idee hasst, jemand könnte seine Biographie schreiben, vor oder nach seinem Tode6, werde ich nun trotzdem mit seinem, ein dem Kino gewidmetem Leben, beginnen.

1.1 Biographie

Der Spanier Pedro Almódovar, geboren am 24. September 1951 in Calzada de Calatrava, einem kleinen Dorf der La Mancha in der Provinz Ciudad Real, ist der älteste Sohn einer Familie von Landarbeitern. Im Alter von acht Jahren zieht er mit seiner Familie nach Cáceres um, in die Extremadura des damals frankistischen Spaniens. Dort besucht er die Schule und absolviert sein Abitur an einem Konvent der Salesianer und Franziskaner. Die von den Mönchen vermittelte religiöse Erziehung wirkt sich nicht förderlich auf seine Beziehung zur katholischen Kirche und seinen Glauben an Gott aus. Almodóvar formuliert es folgendermaßen: „Ich war zwölf, und wenn mich jemand gefragt hätte: „Was bist du?“, so hätte ich geantwortet: „Ich bin Nihilist.““7 „Meine Kindheit war nicht traurig, aber fröhlich war sie auch nicht(...)“, beschreibt der selbst die frühen Jahre seines Lebens. „Glücklicherweise hat mich nichts traumatisiert, weil ich von Natur aus sehr positiv bin und weil ich mich eben in die Lektüre und ins Kino flüchtete, was mir ein enormes Vergnügen bereitete(...)“8

Hier in der kleinen Ortschaft Cáceres, in den Double Features des lokalen Kinos, datieren die Anfänge seiner Leidenschaft für die Welt des Films. Bereits im Alter von 16 Jahren zieht er alleine und ohne Geld in die Metropole Madrid, mit dem Vorhaben, Film zu studieren und selbst Filme zu machen. Da die Filmschule unter der Diktatur Francos geschlossen worden ist, beginnt er als Verwaltungsangestellter bei der staatlichen Telefongesellschaft Telefónica, wo er die nächsten zehn Jahre arbeitet. Parallel dazu geht er nach Feierabend seinen künstlerischen Interessen nach, besucht fast täglich die Kinemathek und erkundet die Subkultur der Hauptstadt. „Ich habe mir gesagt, es sei wichtiger zu leben, und das würde meine Ausbildung sein, in allen Bereichen.“9, beschreibt Almodóvar diese Phase seines Lebens und erlernt somit von Anfang an sein Handwerk als Autodidakt.

[...]


1 Göttler, Fritz: Ein Kind der Achtziger- Das 20. Münchner Filmfest – ein Start in welche Zukunft? In: SZ.

2 Ebd.

3 Vgl. Pflaum, H.G. : Der verschwundene Artikel – Entschuldigung bitte…(…). In: SZ

4 Rauh, Inge: An der Pforte zum weiblichen Kosmos – Über das Begehren: Pedro Almodóvars Melodram „Sprich mit ihr“. In: EN. S.22

5 Vgl. Strauss, Frédéric: Pedro Almodóvar - Filmen am Rande des Nervenzusammenbruchs – Gespräche mit Frédéric Strauss / Pedro Almodóvar. S.2

6 Vgl. ebd. S.13

7 Ebd. S.20

8 Haas, Christoph: Almodóvar – Kino der Leidenschaften. S.13

9 Ebd. S. 15


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