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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 20 Pages
Author: Philipp Schaubruch
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Details
Tags: Figur, Priesterkönigs, Johannes, Projektionsfigur, Verbindung, Orient, Okzident, Eschenbachs, Parzival
Year: 2004
Pages: 20
Bibliography: ~ 19 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-31144-1
File size: 321 KB
Der Arbeit liegt die folgende Übersetzung zugrunde: Der Brief des Presbyters Johannes; Übersetzung von Ulrich Knefelkamp. Aus Knefelkamp, Ulrich: Die Suche nach dem Reich des Priesterkönig Johannes, Gelsenkirchen, 1986.
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Excerpt (computer-generated)
UNIVERSITÄT KONSTANZ
Fachgruppe Literaturwissenschaft
7. Fachsemester
Die Figur des Priesterkönigs Johannes, Projektionsfigur
einer visionären Verbindung zwischen Orient und Okzident?
anhand W. Eschenbachs Parzival
von: Philipp Schaubruch
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2.1 Legende – Entstehungshintergrund 2 - 4
2.2 Historische Entwicklungsbedingungen 4 - 5
3. Textbezogene Überlegungen 5 - 10
3.1 Orienthandlungen 5 - 6
3.2 Gachmuret Handlung 6 - 8
3.3 Feirefiz – Parzival 8 - 10
4.1 Kirche und Toleranzbild 10 - 12
5.1 „Interpretation eines Gesellschaftsentwurfes“ 12 - 14
5.2 Priesterkönig Johannes, Historische Relation 14 - 16
6. Fazit/ Schluss 16
7. Literaturverzeichnis 17 - 18
8. Erklärung selbständiges Arbeiten 19
1. Einleitung
„Wenn Du aber die Größe und Erhabenheit Unserer Hoheit wissen willst und in welchen Ländern Unsere Majestät gebietet, dann erkenne und glaube ohne Zweifel, dass ich, der Priester Johannes, Herr bin über die Herrschenden und hervorrage in allen Reichtümern, die unter dem Himmel sind, an Tugend und Macht über alle Könige dieser Erde.“. 1 Der Mythos des nie existierenden Priesterkönig Johannes, der auch Presbyter Johannes genannt wurde (griech. „Presbyteros“ = Ältester)2, gehört mithin zu den Gestalten des mittelalterlichen Abendlandes, die wesentlichen historischen Einfluss genommen hat und somit im Vergleich zu real existierenden Zeitzeugen in ihrer Wirkung in wenigem nachsteht. Bis ins 16. Jahrhundert hinein speisten verschiedenste, orientalische Reiseberichte die Fortdauer der mythischen Legende.3 In der folgenden Arbeit soll versucht werden, die Entstehung des Mythos, den Wolfram von Eschenbach im Parzival 4 zur damaligen Zeit erneut anstößt, zu veranschaulichen und dessen Motive zu erläutern. Auch die Beschreibung des historischen Hintergrundes soll Aufschlüsse über die Motive der Einbettung orientalischer Quellen, sowie im konkreten Bezug auf den bearbeiteten Haupttext des Parzival 5 geben. Am Text soll schließlich versucht werden das Bild des Heiden im Kontext der Zeit (Kirchen-/ weltliche Meinung) zu entwickeln und schließlich zu klären, inwiefern die Figur des Priesterkönigs Johannes tatsächlich und auf welche Weise eine Verbindung zwischen Orient und Okzident darstellen konnte.
2.1 Legende - Entstehungshintergrund
Um die Bedeutung und Interpretation der Einbettung der Figur des Priesterkönigs Johannes in den Parzival6 systematisch zu erfassen, ist es entscheidend die historischen Voraussetzungen, sowie den Entstehungshintergrund der Johanneslegende zur Zeit W.v.E. darzustellen. Auf eine Forschungsübersicht zum Priesterkönig Johannes (P.J.) soll aus Umfangsgründen hier verzichtet werden (vgl. hierzu hist. Übersicht in Ulrich Knefelkamp 1986, S. 13-18).
Die erste Überlieferung, in der der Name eines Patriarchen Johannes auftaucht wird auf das Jahr 1122 datiert. Der unbekannte Autor bezieht sich in seinem Bericht auf die Ankunft eines indischen Patriarchen in Rom (erster Aufenthalt war Byzanz), der vor dem Papst über sein Heimatland referiert. Wesentlich sind Beschreibungen über Wunderwirkungen der Mutterkirche des Apostels Thomas.7 In einer weiteren Quelle wird um 1126 in leichten Variationen ähnliches referiert.8 Anhand der Übereinstimmungen der zwei Quellen geht die Forschung von der Richtigkeit der Aussagen aus, ein interessanter Beleg für die Erhaltung der Quelle ist jedoch, dass wie im Mittelalter (MA) üblich, mündlichen Berichten und Überlieferungen von Orientreisenden seitens der Kirchenvertretung zunächst keinen Glauben geschenkt wurde und erst nach dem Schwur auf das Evangelium eine mögliche Wahrheit akzeptiert werden konnte.
Die zentrale, historische Quelle für die Johannes Forschung beruht auf der Chronik von Otto Freising (ca.1111-58), Bischof, Theologe und Geschichtsschreiber, der einen Bericht des Bischofs Hugo v. Gabula (Djibal in Syrien) beschreibt, wonach »vor wenigen Jahren ein gewisser Johannes, ein König und Priester, der im äußersten Orient, jenseits von Persien und Armenien, wohne und wie sein Volk Christ, aber Nestorianer9 sei, zwei Brüder, die Könige der Perser und Meder10, Samiarden genannt, angegriffen und ihre Hauptstadt ... erobert« habe (Chronik VII, 33).11 Aus der Erzählung des syrischen Bischofs, die von Freising unkommentiert weitergegeben wird, sind erste Johannes Mythen, wie ein Land voller Überfluss im fernen Osten, glänzende Erfolge in Schlachten gegen die Könige der Meder und Perser, oder aber auch der Wunsch Jerusalem zu befreien (angeblich am unüberquerbaren Tigris gescheitert) abzulesen. Schnell verbreiteten sich im christlichen Europa erste Legenden und Fabeln über ein fantastisches Reich im Osten.12 So taucht um 1170 ein angeblicher Brief von P. J. an Kaiser Emanuel von Byzanz, Kaiser Friedrich Barbarossa und Papst Alexander III. auf, der den Mythos geschickt erweitert und ausbaut. Zu W.v.E. gelangte der Brief vermutlich durch eine Abschrift und Übersetzung (griech. lat.) des Erzbischofs Christian von Mainz. Inhaltlich werden, exemplarisch für die mittelalterlichen, bis in die Antike zurückreichenden Kenntnisse und Motivgestaltungen des Orients, paradiesische und den Überfluss beschreibende Elemente genannt (vgl. Anhang I.).
[...]
1 Der Brief des Presbyters Johannes, übersetzt von Knefelkamp, Die Suche nach dem Reich des Priesterkönig Johannes, Gelsenkirchen, 1986, S.180
2 Online in Internet: URL: http://www.net-lexikon.de/Presbyter.html [Stand 01.06.2004]
3 vgl.: Knefelkamp, Suche nach dem Reich, a.a.O.,S.121 ff.
4 Eschenbach, Wolfram, in Parzival nach der Ausgabe von Karl Lachmann, Ditzingen 2003
5 ebd.
6 im folg. nicht mehr aufgeführt
7 vgl.: Knefelkamp, Suche nach dem Reich, a.a.O.,S.21 ff.
8 ebd.,S.55
9 Nestorianer, benannt nach dem Erzbischof v. Konstantinopel (428-31). Anhänger schlossen sich in der Nestorianischen Kirche zusammen und betrieben erfolgreiche Missionsarbeit im Orient. Online in Internet: URL: http://www.net-lexikon.de/Nestorianer.html [Stand 01.06.2004]
10 Meder, iranische Stämme (Anatolien-Ostiran), ebd.
11 Biographisch Bibliographisches Kirchenlexikon, Bf. III (1992), Spalten 530-533 Autor: Christof Dahm. Online in Internet: URL: http://www.bautz.de/bbkl/j/Johannes_d_pri.shtml [Stand 01.06.2004]
12 ebd., Spalten 530-533
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