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Adaption Courtoise. Wolfram von Eschenbachs 'Parzival' und Chrétien du Troyes Conte du Graal' im Textvergleich am Beispiel der Szene auf der Gralburg Adaption Courtoise: Wolfram von Eschenbachs 'Parzival' und Chrétien de Troyes 'Conte du Graal'

Termpaper, 2002, 21 Pages
Author: Katrin Fischotter
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik

Details

Category: Termpaper
Year: 2002
Pages: 21
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 7  Entries
Language: German
Archive No.: V29742
ISBN (E-book): 978-3-638-31181-6

File size: 241 KB


Excerpt (computer-generated)

Ruhr-Universität Bochum
Germanistisches Institut
Sommersemester 2002
Proseminar: Tradition und Innovation
Wolframs Parzival und der conte du Graal von Chrétien de Troyes

Adaption Courtoise:
Wolfram von Eschenbachs „Parzival“ und Chrétien du Troyes
„Conte du Graal“ im Textvergleich, am Beispiel der Szene auf der Gralburg

von

Katrin Fischotter

 

1 Einleitung – Adaption Courtoise und der Parzival Wolfram von Eschenbachs  2

2 Hauptteil  3
2.1. Der Weg zur Gralburg  3
2.2. Empfang auf der Gralburg  7
2.3. Die Gralprozession  11
2.3.1 Schwert und Lanze  11
2.3.2 Der Gral und die Speisung  13
2.4. Die Nacht auf der Gralburg und das ‚böse’ Erwachen  18

3 Schluss  19

4 Literaturverzeichnis  21
4.1. Primärtexte  21
4.2. Sekundärtexte  21

 

1 Einleitung - Adaption Courtoise und der Parzival Wolfram von Eschenbachs

Da um 1200 beinahe alle deutschen Romane auf eine französische Vorlage zurückgehen, gibt der Vergleich mit der französischen Quelle Aufschluss über die künstlerische Individualität und den Anteil der Durchformung durch den deutschen Autor.1 Wie hat ein Schriftsteller also die Vorlage verändert, mit welcher Intention und wie beeinflusste er damit auch die Gesamtpräsentation des Stoffes? Dies sind Fragen, die man nur durch den genauen Textvergleich lösen kann. Der Rückgriff auf Quellen war im Mittelalter üblich, da es nicht gefragt war neue Stoffe zu erfinden, sondern höchstes Gebot, Wahrheit zu verbreiten. Diese Wahrheit wurde nur unter Berufung auf vorangegangene Quellen beglaubigt2 und fand meist im Vorwort statt. Damit wurden die Texte für die mittelalterlichen Rezipienten glaubwürdig. Auch einer der beliebtesten französischen Dichter dessen Werke von vielen deutschen Autoren adaptiert wurden, Chrétien de Troyes, gibt nicht vor etwas zu erfinden, sondern erklärt viele kleinere Erzählungen zu einem Sinnganzen zusammenzufügen3 und gilt damit als Begründer der ‚bele conjointure’.

Die deutschen Dichtungen weichen in der Regel in Nuancen von ihren Vorlagen ab und gerade in dieser Abweichung kann man das Besondere der Literatur erkennen. Wolfram von Eschenbach dagegen, der wahrscheinlich zwischen 1200 und 1210 den Parzival verfasste, hatte weitaus mehr Spielraum in seiner Dichtung, da Chrétien de Troyes Le Roman de Perceval ou Le Conte du Graal, zwischen 1180 und 1190 verfasst, kein fertiggestellter Roman war. Es gilt heute als sicher, dass Wolframs Quelle dieser Roman Chrétiens war, auch wenn der Erzähler im Parzival behauptet, die Geschichte von einem Provenzalen Namens Kyot gehört zu haben. Die Bücher 3-12 des Parzival gehen auf Chrétien zurück, während die Vorgeschichte und die ‚Fertigdichtung’ des Roman de Perceval alleinig Wolframs Schaffung sind. Für diesen Teil zog er wahrscheinlich verschiedene Motive aus anderen, damals bekannter Geschichten heran. Auch hat Wolfram besonders in der Gralszene einiges, was er sich vielleicht nicht erklären konnte, zu seiner Hauptvorlage verändert. Vielleicht erfand er daher Kyot, damit man seiner Geschichte nicht die Glaubwürdigkeit absprechen konnte.
Gerade aus diesen Gründen ist Wolframs Parzival und besonders die Szene auf der Gralburg, so interessant. Hier scheint man besonders viel über den künstlerischen Stil und die Individualität des Autors Wolfram von Eschenbach zu erfahren.

2 Hauptteil 

2.1. Der Weg zur Gralburg 

Schon Parzivals Weg zur Gralburg wird von den beiden Autoren sehr unterschiedlich gestaltet. Rein äußerlich beschreiben die Szenerie bei Chrétien 94 Zeilen, von Vers 2975, als Perceval Blancheflor verlassen hat, bis Vers 3069, als er auf der Gralburg empfangen wird. Wolfram benötigt dafür 122 Zeilen. Er beschreibt dabei unter anderem den Fischer, die Burg und den Kummer den Parzival hat, weil er Condwiramurs verlassen hat, ausführlicher. Parzival, der mittlerweile mit Condwiramurs verheiratet ist, bzw. Perceval, der bei Chrétien Blancheflor als Freundin errungen hat, will nun ausziehen und seine Mutter suchen. Dieses Motiv hat Wolfram von Chrétien übernommen, jedoch ist die Sorge um die Mutter im Conte du Graal weitaus ausgeprägter: „seine Mutter liegt ihm am Herzen [...]; sie aufzusuchen, ist sein drängenstes Anliegen.4 Der junge Perceval reitet den ganzen Tag im Gebet vertieft und bittet Gott, seine Mutter lebend zu finden:

[....]


1 Vgl. Joachim Bumke: Geschichte der deutschen Literatur im hohen Mittelalter, München 1990, S.133-134

2 Vgl. Hilkert Weddige : Einführung in die germanistische Mediävistik, München 1987, S.191

3 Vgl. Volker Mertens : Der deutsche Artusroman, Stuttgart 1998, S.26/27


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