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Das Subjekt und sein Name in der Kultur der Postmoderne - Subjekt-Bildung in der Postmoderne

Scholary Paper (Seminar), 2004, 16 Pages
Author: Christoph Kohlhöfer
Subject: Pedagogy - Pedagogic Sociology

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2004
Pages: 16
Grade: sehr gut
Bibliography: ~ 12  Entries
Language: German
Archive No.: V29781
ISBN (E-book): 978-3-638-31217-2
ISBN (Book): 978-3-638-76081-2
File size: 225 KB
Notes :
AID 11453 //


Abstract

Selbsthilfegruppen und Bücher als Glücksratgeber und Lebensberatung drücken eine gesteigerte Suche des Individuums nach Orientierung, einem Halt oder einer gewissheitsstiftenden Funktion aus. Eine solche Suche wiederum müsste folglich einen Hinweis auf ein gestörtes Subjekt-Sein bzw. auf einen Zustand der Verwirrung darstellen. Die Frage ist demnach: Wie wird das Subjekt gebildet? oder Wie bildet sich das Subjekt? Dies sind Fragen, die letztlich auch bei den häufigen plakativen modischen Trendtipps wie „Seien Sie einfach Sie selbst“ oder „Entrümpeln Sie Ihr Leben“ eine Rolle spielen. Offensichtlich ist es also nicht mehr selbstverständlich, Selbst zu sein. Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Einfluss der sogenannten Postmoderne auf den Einzelnen und fragt nach dessen Bildungsmöglichkeiten.


Excerpt (computer-generated)

Das Subjekt und sein Name in der Kultur der Postmoderne –
Subjekt-Bildung in der Postmoderne

von: Christoph Kohlhöfer

 


1. Einleitung

2. Kurze Erläuterung der Vorstellung von einem Subjekt

3. Zum Begriff „Postmoderne“

4. Die Kultur der Postmoderne und das Subjekt

5. Der Versuch der Erlangung eines „Namens“

6. Schluss

7. Literatur



 

1. Einleitung

Offensichtlich leben wir in einer Zeit mit neuen Gegebenheiten. Neue Konfrontationen, neue Möglichkeiten sowie neuartige Verwirrungen dürften ein Kennzeichen dieser „neuen“ Zeit sein. Eine Vielzahl von Beratungsbüchern und Selbsthilfegruppenangeboten gibt zumindest einen Hinweis oder stellt ein Indiz für eine Veränderung dar, mit der der Einzelne offensichtlich Probleme hat, aus eigenen Stücken zurechtzukommen. Solche Beratungs- und Hilfsinstitutionen beschränken sich dabei nicht auf offenkundige Problemfelder wie Drogen- oder Alkoholmissbrauch, wobei deren Ausdruck natürlich ebenfalls auf eine anderweitige Ursache hinweist, die wiederum ein Indiz für eine veränderte Lebenssituation darstellen könnte, sondern richten sich ebenfalls an Menschen, die objektiv keinerlei Problem zu haben scheinen. Beratungsbücher wie „Mut zum Glück“ oder „Wie meistere ich mein Leben?“ sind lediglich direkte und gezielte Ausdrucksvarianten. Der Boom und die Beschäftigung mit der indischen Yogalehre, mit spirituellen Dingen, mit fremdartigen Religionen, mit bestimmten körpereigenen Energiepunkten und weiteren Dingen dieser Art, welche sich nicht nur bei gewollter und gezielter Suche finden lassen, sondern in aller Selbstverständlichkeit in seriösen Frauen- wie auch Männermagazinen zu finden sind, dürfte allein aus gesteigertem Interesse nicht zu erklären sein. Vielmehr dürfte sich hierin eine Suche ausdrücken: nämlich die Suche des Subjekts nach Orientierung, einem Halt oder einer gewissheitsstiftenden Funktion. Eine solche Suche wiederum müsste folglich einen Hinweis auf ein gestörtes Subjekt-Sein bzw. auf einen Zustand der Verwirrung darstellen.

Auch in der Popkultur fallen vermehrt Produkte auf, die eine solche Verwirrung thematisieren bzw. mit ihr spielen. Filme wie „Being John Malkovich“, „Fight Club“, „Existenz“ oder „Memento“ sind nur einige Beispiele, die sich mit dem Subjekt und seiner Identität beschäftigen. Dabei geht es letztlich immer, wenn auch in Form von Unterhaltung, welche sicherlich keinen analytischen oder wissenschaftlichen Anspruch erhebt, um die Konstitution des Subjekts. Die Frage ist demnach: Wie wird das Subjekt gebildet? oder Wie bildet sich das Subjekt? Dies sind Fragen, die letztlich auch bei den häufigen plakativen modischen Trendtipps wie „Seien Sie einfach Sie selbst“ oder „Entrümpeln Sie Ihr Leben“ eine Rolle spielen. Offensichtlich ist es also nicht mehr selbstverständlich, Selbst zu sein. Voraussetzung ist demnach eine ungeheure Fülle von nicht zu ordnender Umwelt, die es zu „entrümpeln“ gilt. Damit ist allerdings immer schon ein sogenannter „Neuanfang“ implizit. Bedeutend ist also, die in diesen Tipps erwähnte Möglichkeit eines erneuerten Subjekts. Subjekt-Sein und Identität wären so austauschbare und beliebige Komponenten, die jederzeit, sozusagen im Schnelldurchlauf, verändert werden können. Wenn diese Ursache in der überall zitierten postmodernen Kultur begründet liegt, so gilt es diese näher anzuschauen. Der Terminus „Postmoderne“ wurde in den letzten Jahren geradezu inflationär verwendet, um noch die einfachsten Dinge, wie z.B. die Besonderheit eines Kochrezeptes, zu betonen. Als beliebig verwendbares Modewort hat der Begriff allerdings mittlerweile seinen Höhepunkt überschritten und taucht, besonders auch in den Feuilleton-Teilen von Zeitungen, in abnehmendem Maße auf. Besonders interessieren im Zusammenhang mit dieser Arbeit natürlich die möglichen Auswirkungen auf das Subjekt. Zunächst muss daher kurz auf das Subjekt als solches eingegangen werden. Im Rahmen dieser Arbeit kann natürlich nicht die Fülle des Diskurses über das Subjekt berücksichtigt werden. An dieser Stelle soll es lediglich darum gehen, eine kurze Definition des Verständnisses von einem Subjekt wiederzugeben.

2. Kurze Erläuterung der Vorstellung von einem Subjekt

Emile Durkheim, einer der Begründer der Sozialwissenschaften, schrieb über die Person, dass erst ihre Autonomität sie zu einer Person mache: „Eine Person zu sein, bedeutet, eine autonome Quelle des Handelns zu sein.“ (Durkheim zit. n. Sonntag 1999: 13) Damit ist auch schon der Hauptpunkt der Überlegungen zum Subjekt gegeben: das eigenständige Handeln. Eine Definition im Sinne Durkheims nimmt Isaiah Berlin vor. Er verknüpft Subjekt-Sein und Subjektivität zu dem Wunsch des Einzelnen „sein eigener Herr zu sein. Ich möchte, dass mein Leben und meine Entscheidungen von mir selbst abhängen und nicht von irgendwelchen äußeren Mächten. Ich möchte meinem eigenen Willen, nicht dem anderer Menschen folgen. Ich will Subjekt, nicht Objekt sein.“ (Berlin zit. n. Zima 2000: 6) Autonomes Handeln steht hiernach im Vordergrund. Berlin unterscheidet zwischen einem Subjekt, welches ‚frei’ handeln könne, und einem Objekt, mit welchem etwas geschehe. Die passive Aneignung vorgefertigter und schnell vergänglicher Lebenskonzepte gefährde damit das Subjekt als solches. Eine solche Subjektdefinition durch Autonomität geht letztlich zurück auf Réne Descartes (1596-1650). Descartes selbst hat zwar niemals den Subjektbegriff verwendet, dennoch liegt der absolute Bezugspunkt seiner Ausführungen auf dem Ich. Das Ich stellt nach Descartes die erste und absolute Gewissheit dar und wird damit zur grundsätzlichen Bedingung aller Erkenntnis selbst. Über die Grundlage des Zweifels gegenüber allem Wissbaren gelangt Descartes zu einer Selbst-Erkenntnis. Zwar könne alles bezweifelt werden, doch sei der feststehende Punkt aus dem aller Zweifel hervorgehe das denkende Ich. Unbezweifelbar sei daher das Denken des Ich. Dieses Denken könne nicht von dem Ich getrennt werden, vielmehr zeige das Denken das Ich erst auf. So gelangt Descartes zu seiner berühmten Aussage: „Je pense, donc je suis!“ Implizit ist hierin die radikale Trennung von Körper und Geist, denn die Erkenntnis beruht auf der Wahrnehmung des Geistes. Der Mensch wird damit entleiblicht. Dennoch wird der Mensch durch diese Trennung auf den Weg der Selbstermächtigung gesetzt, denn das Ich erscheint nun als zu konstituierendes. (vgl. Ricken 1999: 47/48)

[...]


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