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Medizin im Nationalsozialismus

Scholary Paper (Seminar), 2004, 21 Pages
Author: Gergely Kapolnasi
Subject: History - National Socialism, World War II

Details

Event: Proseminar - Die Universität im Nationalsozialismus
Institution/College: University of Heidelberg (Historisches Seminar)
Tags: Medizin, Nationalsozialismus, Proseminar, Universität, Nationalsozialismus
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2004
Pages: 21
Grade: 1-2
Bibliography: ~ 12  Entries
Language: German
Archive No.: V29909
ISBN (E-book): 978-3-638-31307-0
ISBN (Book): 978-3-638-78944-8
File size: 289 KB

Abstract

Der Beruf des Arztes war von jeher ein Heilberuf. Der Arzt sollte seinem Patienten kein Leid zufügen, sein Vertrauen nicht missbrauchen und er sollte immer zum Wohle des Patienten und der Gesellschaft allgemein arbeiten. Dies ist auch das Bild, das wir auch heute noch vom idealen Arzt haben. Der Beruf des Mediziners war schon immer ein sehr geachteter, dies ist bis heute noch so. Die Begriffe „Halbgott in Weiß“ oder „Onkel Doktor“ zeigen uns einerseits den Respekt und andererseits das Vertrauen, das man gemeinhin dem ärztlichen Beruf entgegenbringt. Wie es diese Arbeit allerdings zeigt, ist dieses weitläufige Bild des ärztlichen Berufes in der Geschichte nicht immer richtig gewesen. Kann man noch von einem „Halbgott in Weiß“ sprechen, wenn dieser seine Fähigkeiten und sein Wissen zum Töten aus ideologischen Gründen verwendet? Kann das Kind den Arzt noch vertrauensvoll „Onkel Doktor“ nennen, wenn dieser das ihm entgegengebrachte Vertrauen rücksichtslos missbraucht? Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Rolle der Mediziner in einem der dunkelsten Kapitel des vergangenen Jahrhunderts. Wie kam es dazu, dass die Kunst des Heilens dermaßen „entarten“ konnte? Um diese Frage näher zu beleuchten, wenden wir uns zunächst einer kurzen Geschichte der deutschen Medizin bis 1933 und der Begrifflichkeit der „Eugenik“ zu. Danach beschäftigen wir uns mit der Frage, welche Rolle die Mediziner im sog. „Dritten Reich“ spielten. Die anschließende Betrachtung des Medizinstudiums zeigt die Entwicklung der medizinischen Lehre an den Universitäten während der Herrschaft der Nationalsozialisten. In diesem Zusammenhang wird auch das Schicksal jüdischer Ärzte und Medizinstudenten kurz beleuchtet. Im Anschluss wird schließlich der Frage nachgegangen, inwieweit es Widerstand gegen das Unrechtsregime und den Gräueltaten der Nationalsozialisten unter der Ärzteschaft und den Medizinstudenten gab.


Excerpt (computer-generated)

Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Historisches Seminar
Sommersemester 2004
Proseminar: Die Universität im Nationalsozialismus

MEDIZIN
im Nationalsozialismus

Hausarbeit

von 

Gergely Kápolnási

Datum: 09.07.2004

 

Inhaltsverzeichnis

Einleitung  2

1 Die Geschichte der deutschen Medizin bis 1933  3

2 Eugenik – eine kurze Einführung  5

3 Die Rolle der Ärzte im „Dritten Reich“  6

4 Das Studium der Medizin  9

5 Das Schicksal jüdischer Ärzte  10

6 Das Schicksal jüdischer Medizinstudenten  10

7 Opposition und Widerstand in der Ärzteschaft und bei den Medizinstudenten  11

8 Zwei Ärztekarrieren  12

Fazit  14

Literaturverzeichnis  17

Anhang   18

 

Einleitung


„Ich werde niemandem, nicht einmal auf ausdrückliches Verlangen, ein tödliches Medikament geben, und ich werde auch keinen entsprechenden Rat erteilen; ebenso werde ich keiner Frau ein Abtreibungsmittel aushändigen. (...)

In wie viele Häuser ich auch kommen werde, zum Nutzen der Kranken will ich eintreten und mich von jedem vorsätzlichen Unrecht und jeder anderen Sittenlosigkeit fernhalten, auch von sexuellen Handlungen mit Frauen und Männern, sowohl Freien als auch Sklaven.“

Auszug aus dem Hippokratischen Eid
(Quelle: http://www.uni-heidelberg.de/institute/fak5/igm/g47/bauerhip.htm; vom 16.06.2004)

„Ratten, Wanzen und Flöhe sind auch Naturerscheinungen, ebenso wie die Zigeuner und Juden. Sie sind daher gleichfalls gottgewollte Wesen, aber man kann sie ebenso wenig durch rücksichtsvolle Behandlung bessern oder beim Zusammenleben von uns fernhalten wie entartete Asoziale und unnormale ichsüchtige, kriminell-hemmungslose Menschen. Alles Leben ist Kampf. Wir müssen daher alle diese Schädlinge biologisch allmählich ausmerzen.“

K. Hannemann, Arzt: Willensfreiheit oder Erbschicksal? In: „Ziel und Weg“ (Organ des NS-Ärztebundes). 
Zitiert in: Bastian, Furchtbare Ärzte, S. 36

Diese beiden Zitate verdeutlichen die Problematik, mit der sich diese Arbeit beschäftigt. Der Beruf des Arztes war (wie es der Auszug aus dem Hippokratischen Eid zeigt) von jeher ein Heilberuf. Der Arzt sollte seinem Patienten kein Leid zufügen, sein Vertrauen nicht missbrauchen und er sollte immer zum Wohle des Patienten und der Gesellschaft allgemein arbeiten. Dies ist auch das Bild, das wir auch heute noch vom idealen Arzt haben. Der Beruf des Mediziners war schon immer ein sehr geachteter, dies ist bis heute noch so. Die Begriffe „Halbgott in Weiß“ oder „Onkel Doktor“ zeigen uns einerseits den Respekt und andererseits das Vertrauen, das man gemeinhin dem ärztlichen Beruf entgegenbringt. Wie es diese Arbeit allerdings zeigt, ist dieses weitläufige Bild des ärztlichen Berufes in der Geschichte nicht immer richtig gewesen. Kann man noch von einem „Halbgott in Weiß“ sprechen, wenn dieser seine Fähigkeiten und sein Wissen zum Töten aus ideologischen Gründen verwendet? Kann das Kind den Arzt noch vertrauensvoll „Onkel Doktor“ nennen, wenn dieser das ihm entgegengebrachte Vertrauen rücksichtslos missbraucht?

Sicherlich ist das Bild vom „Halbgott in Weiß“ auch heute nicht richtig, denn auch Ärzte sind nur Menschen (der Verfasser dieser Arbeit kann dies durch seine dreijährige Tätigkeit im Klinikum Aschaffenburg im Rahmen einer Krankenpflegeausbildung bezeugen). Dies rechtfertigt allerdings keineswegs die Verbrechen, die in der Geschichte von Ärzten begangen wurden. Denn gerade nach rein menschlichen Maßstäben sind diese von Medizinern begangene Taten untragbar und in ihrem Ausmaß schier unerträglich.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Rolle der Mediziner in einem der dunkelsten Kapitel des vergangenen Jahrhunderts. Wie kam es dazu, dass die Kunst des Heilens dermaßen „entarten“ konnte? Um diese Frage näher zu beleuchten, wenden wir uns zunächst einer kurzen Geschichte der deutschen Medizin bis 1933 und der Begrifflichkeit der „Eugenik“ zu. Danach beschäftigen wir uns mit der Frage, welche Rolle die Mediziner im sog. „Dritten Reich“ spielten. Die anschließende Betrachtung des Medizinstudiums zeigt die Entwicklung der medizinischen Lehre an den Universitäten während der Herrschaft der Nationalsozialisten. In diesem Zusammenhang wird auch das Schicksal jüdischer Ärzte und Medizinstudenten kurz beleuchtet. Im Anschluss wird schließlich der Frage nachgegangen, inwieweit es Widerstand gegen das Unrechtsregime und den Gräueltaten der Nationalsozialisten unter der Ärzteschaft und den Medizinstudenten gab. Abschließend befassen wir uns mit zwei Ärztekarrieren. Werfen wir jedoch als erstes einen Blick auf die Geschichte der deutschen Medizin vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten.

1 Die Geschichte der deutschen Medizin bis 1933

Die Institutionalisierung der Medizin begann bereits im 16. und 17. Jahrhundert mit dem Kampf gegen die Pest. Man versuchte dieser Krankheit durch öffentliche Maßnahmen (Hygienemaßnahmen, Quarantäne)1 Herr zu werden, „Gesundheit und Krankheit (...) wurden zu einer öffentlichen Angelegenheit2“. Durch diese Entwicklung geriet die Medizin immer mehr in den Einfluss der Obrigkeit.

Im 19. Jahrhundert verbreiteten sich immer stärker die Theorien des Sozialdarwinismus und der Eugenik. In der folgenden Zeit bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges radikalisierten sich die Schriften zu dieser Thematik3.

[....]


1 Bastian, Furchtbare Ärzte S. 16

2 ebenda

3 siehe Zitat 1 und 2 im Anhang


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