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Russisches Montagekino

Scholary Paper (Seminar), 2003, 13 Pages
Author: Andrea Wildt
Subject: Film Science

Details

Event: Einführung in die Geschichte des Films
Institution/College: Free University of Berlin (Institut für Filmwissenschaft)
Tags: Russisches, Montagekino, Einführung, Geschichte, Films
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2003
Pages: 13
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 17  Entries
Language: German
Archive No.: V29941
ISBN (E-book): 978-3-638-31327-8
ISBN (Book): 978-3-638-91453-6
File size: 73 KB

Abstract

Im Vergleich zwischen Pudowskins Film die Mutter und Sergej Eisensteins Streik werden die verschiedenen Montagekonszepte der Zeit miteinander verglichen.


Excerpt (computer-generated)

Freie Universität Berlin
Einführung in die Geschichte des Films
Institut für Filmwissenschaft
WS 2002 / 2003

Russisches Montagekino

von

Andrea Wildt 

 3. Fachsemester

 

 

Inhaltsverzeichnis

Seite 1- 3 
Historische Einleitung

Seite 3 – 6
Sergej Eisenstein
„Montage der Attraktionen“
„Streik“

Seite 7 – 9
Wsewolod Pudowkin
„Die Mutter“

Seite 10
Kurzer Vergleich

 

Historische Einführung

Nur ein paar Monate nach der ersten öffentlichen kinematographischen Vorführung der Welt in Paris wurde die neue Entdeckung im Frühjahr 1896 auch in Russland vorgestellt. Ähnlich wie in Europa wurden die „lebenden Bilder“ vor allem wegen ihres außergewöhnlichen Schauwertes und der technischen Attraktion wegen bestaunt. Die Filmvorführungen waren meist Bestandteile von Varieté-, Zirkus- und Jahrmarktprogrammen. Also auch in Russland hat das Kino seine Wurzeln im Varieté und auf den Jahrmärkten.

Ab 1903 gab es neben den „Wanderkinos“ die ersten stationären sogenannten „Elektrotheater“1 und der Bedarf an Filmen und Equipment wuchs.
Um die Jahrhundertwende vom (19. zum 20.) galt Kino als gewinnbringend. Vor allem französische Produktionsfirmen siedelten sich in Russland an. Bis ca.1906 wurden nur importierte Filme in Russland gezeigt.2 Moskau wurde zum Hauptsitz der russischen Filmindustrie. Ab 1908 war die russische Filmkultur eine internationale, denn russische Filmemacher orientierten sich in der Machart ihrer Werke an europäischen und amerikanischen Unterhaltungsfilmen, die sich damals großer Beleibtheit beim russischen Volk erfreuten. Vor allem Historienfilme, Komödien und Melodramen wurden besucht.

Eine Besonderheit war das Genre der inszenierten Filmchronik. Die Produzenten erkannten das Interesse des Publikums am politischen Geschehen dieser Jahre und inszenierten Kinopantomimen, die einzelne Episoden bestimmter Ereignisse nachgestalten.3
Der erste Weltkrieg löste eine Nachfrage nach Unterhaltung im Volk aus und wegen des beschränkten Filmimports wuchsen die nationalen Produktionen.4 Wie andere Regierungen erkannte auch der Zar in Russland die dem Medium Film eigene Potenz zur Propaganda und Kriegsunterstützung. Dokumentar- & Spielfilme wurden gefördert.

Als 1919, die Bolschewiki als Folge der Revolutionen von 1917 und ihren daraus resultierenden sozialen und politischen Umwälzungen die Filmindustrie verstaatlichten und unter die ideologische Kontrolle des Kommissariats für Aufklärung5 stellten, wanderten ausländische Filmfirmen erst in den Süden, später dann nach Europa oder Amerika ab. Erst ab 1921 mit Beginn der „Neuen Ökonomischen Politik“ war es privaten Filmproduktionen wieder erlaubt neben den staatlichen zu existieren. Die Konkurrenz beider sollte die Filmproduktion anregen.6 Die russische Filmindustrie lag in Ruinen, was aber einige Optimisten zu der Annahme verleitete, dass gerade dieser Schritt zurück den Weg frei machen würde für eine von bürgerlichen Einflüssen befreite, total neuartige Filmkunst.7


„ Soviet Russian Cinema rose from the ashes of world war, revolution, and civil war in the early twenties. The cinema revolutionaries believed that film as the „last born“ of the arts, has been less contaminated by bourgeois ideology than the other arts. It therefore had the most possibilities for development in a socialist society.”

So wurde der Film zu der Kunst der Revolution und Lenin sprach: „Von allen Künsten ist für uns die Filmkunst die wichtigste.“8. Denn in einem Land, wo Analphabetismus weit verbreitet war, bot er mit seiner auf Bildern dominierenden Kommunikation ein ideales Mittel für Propaganda- und Bildungszwecke. 9 Man erreichte somit ein aus wirtschaftlichen und technischen Gründen bisher vom Kino ausgeschlossenes Publikum, die Arbeiter und Bauern in den Dörfern und Kleinstädten. Zur Hauptaufgabe der Kultur wurde die kommunistische Erziehung der werktätigen Massen. „Gebraucht wurde eine Massenpropaganda, die das Bewusstsein der Millionen umformen und sie ideologisch darauf vorbereiten konnte, aktiv am Aufbau des Sozialismus teilzunehmen.“ 10

Darin unterschied sich die Politik der russischen Arbeiterbewegung von der der deutschen, die im Film kein oppositionelles, demokratisches Potential sah, im Gegenteil es hielte die Arbeiter von politischen Aktivitäten fern.11

[....]


1 vgl. Staatliches Filminstitut der UdSSR: Der sowjetische Film. 1974 Berlin, S.43

2 Ebd. S.43

3 „Die allererste Verbreitung des Films in Russland fiel mit sehr bedeutenden politisch- gesellschaftlichen Ereignissen im Lande zusammen: mit dem industriellen Aufschwung am Ende des 19. Jhds., mit dem stürmischen Anwachsen der revolutionären Bewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts, dem russisch-japanischen Krieg und der ersten bürgerlichen Revolution in Russland. All das musste sich auf das Tempo der Verbreiterung des Films und auf den Charakter seines thematischen Angebots auswirken.“ Ebd. S.46

4 Ebd. S.55

5 freie Übersetzung meinerseits der von Youngblood benutzten englischen Bezeichnung „Commissariat of Enlightenment“; vgl. Youngblood: Movies for the masses. 1992 Cambridge, S.19

6 vgl. Engel: Geschichte des sowjetischen und russischen Films. 1999 Stuttgart, S.17

7 vgl. Youngblood: 1992, S.3

8 zitiert nach Engel: 1999, S.17

9 Farbig dekorierte Züge, auf denen sogenannte Agitki (Propagandafilme) gezeigt wurden, fuhren durchs ganze Land.

10 Staatliches Filminstitut der UdSSR: 1974 Berlin, S.101

11 vgl. Schweinitz: Prolog vor dem Film. 1992 Leipzig, S.127 - 144


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