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Scholary Paper (Seminar), 2004, 16 Pages
Author: Jasmin Weitzel
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Details
Institution/College: Justus-Liebig-University Giessen (Institut für Germanistik)
Tags: Parzivals, Mutter, Gralsburg, Wolfram, Eschenbachs, Parzival
Year: 2004
Pages: 16
Grade: 2
Bibliography: ~ 25 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-31394-0
File size: 198 KB
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Excerpt (computer-generated)
Parzivals Weg
Von der Mutter zur Gralsburg
Schriftliche Ausarbeitung des Referats vom 28.06. und 05.07.2004
im Hauptseminar „WvE: Parzival“
an der J-v-L Universität Giessen
vorgelegt von
Jasmin Weitzel
(Lehramt Gymnasium Mathematik,
Germanistik und Philosophie)
Gliederung
1. Einleitung 1
2. Die wichtigsten Aspekte der ersten Parzivalpartie 1
2.1 Die Geburt Parzivals 1
2.1.1 Motiv: Von der Namensgebung und der Identitätsfindung 2
2.2 Parzivals Kindheit in der Einöde Soltane 3
2.3 Ritter oder Gott? 4
2.3.1 Motiv: tumpheit – Als doppelseitiges Symbol 4
2.4 Parzivals Weg zum Artushof 6
2.5 Parzival am Artushof 7
2.6 Parzival tötet Ither 7
2.7 Parzivals Erziehung zum Ritter 7
2.7.1 Motiv: Die Rittererziehung – Wirklichkeit und Literatur 8
2.8 Pelrapeire: Ein Königreich für einen Ritter 9
2.9 Parzival findet die Gralsburg „Munsalvaesche“ 10
2.9.1 Motiv: Fischer und Gralskönig 10
2.10 Der Gral „Lapsit exillis“ – „Ein Ding“ 11
2.11 Die versäumte Frage 11
2.12 Begegnung mit Sigune 11
2.13 Begegnung mit Orilus und Jeschute 11
2.14 Liebe und Verstand – Drei Blutstropfen im Schnee 11
2.14.1 Motiv: Drei Blutstropfen im Schnee 12
2.15 Parzival wird Artusritter 12
2.16 Cundries Fluch 12
2.17 Beginn der Gralssuche 12
2.18 Gott ist tot? Abkehr von Gott 13
3. Ausblicke 13
Literaturverzeichnis 14
1. Einleitung
Die folgende schriftliche Ausarbeitung des am 28.06. und am 05.07.2004 gehaltenen Referats, im Rahmen des Hauptseminars „Wolfram von Eschenbachs: Parzival“, wird sich in den Hauptzügen an den Strukturen des Referats orientieren. Die Bücher zwei bis sechs des Romans (Epos) „Parzival“ werden in bezug auf Parzivals Weg von der Mutter zur Gralsburg untersucht, dabei wird chronologisch vorgegangen. Forderst werden die wichtigsten Aspekte des Handlungsstrangs verdeutlicht, außerdem wird auf die wichtigsten Motive, welche sich aus der breiten Forschungsliteratur ergeben, eingegangen. Abschließend wird ein kurzer Ausblick auf eine mögliche Fragestellung bezüglich der Idee des „Erziehungs- und Bildungsromans“ gegeben.
Im Anhang werden u. a. die Ausarbeitungen der Mitreferenten zu finden sein. Im übrigen werde ich Zitate aus Wolframs „Parzival“ nur in geklammerten Verszahlen angeben.
2. Die wichtigsten Aspekte der ersten Parzivalpartie
2.1 Die Geburt Parzivals
Grundlage für die Bearbeitung des Referatsthemas sollten zunächst die Bücher drei bis sechs des (für mich) „Bildungs- und Erziehungsromans“ „Parzival“ von Wolfram von Eschenbach sein. Hier scheint es mir jedoch sinnvoller schon das Ende des zweiten Buches mit in die Bearbeitung des Themas aufzunehmen, da schon hier einige Motive, welche sich später verdichten werden, auftauchen. Ich beginne deshalb mit dem folgenden Zitat:
„man barg in vor ritterschaft,
ê er koeme an sîner witze craft.“ (Pz. 112,19 u. 20)
Schon kurz nach der Geburt Parzivals wird ein zentrales Motiv deutlich, indem Herzeloyde versucht ihren Sohn vom Ritterdasein fernzuhalten. Sicherlich erscheint es dem Leser zunächst verständlich, dass Herzeloyde, die gerade ihren Mann Gahmuret verloren hat, nicht auch noch ihren Sohn als Ritter sterben sehen möchte. Auffällig ist zudem der Stolz der Mutter einen Sohn geboren zu haben. Früher und auch oft heute noch war und ist ein Sohn mehr wert als ein Mädchen.
„Si und ander frouwen
begunden betalle schouwen
zwischen den bein en sîn visellîn.“ (Pz. 112, 23-25)
Die Szene verdeutlicht die Vermutung, Mutter und Gefolge betrachten zunächst den Penis des Sohnes, woraus sich ergibt, dass die Mutter wohl sehr stolz darauf sein muss einen Jungen zur Welt gebracht zu haben.
Herzeloyde nennt ihren Sohn im zweiten Buch „’bon fîz, scher fîz, bêâ fîz’“ (Pz.113,4), was übersetzt aus dem Französischen soviel bedeutet wie: mein gutes Söhnchen, mein teures Söhnchen, mein schönes Söhnchen. Hier legt Herzeloyde die Grundlage für Parzivals jugendliche „tumpheit“. Parzival wird bei seiner ersten Begegnung mit Sigune erklären, dass dies sein Name sei, woraufhin Sigune ihm seinen richtigen Namen nennen wird. Des weiteren findet man schon im zweiten Buch immer wieder Hinweise auf Parzivals Schönheit. Diese Thematik baut sich im Verlauf des „Romans“ zu einem eigenständigen Motiv aus, weil die Menschen, welche auf Parzival treffen, stets von seiner Schönheit eingenommen sind.
Außerdem ist sehr beeindruckend, dass Herzeloyde ihren Sohn selbst stillt:
„Diu küngîn nam dô sunder twâl
diu rôten välwelohten mâl:
ich meine ir tüttels gränsel:
daz schoup si im in sîn vlänsel.“ (113,5-8)
Gerade im Mittelalter ist das Säugen eines „Königs“ (überhaupt von Adligen) nicht die Aufgabe der adligen Mutter (Königin), sondern der Amme, welche vom Hof gerade für diese Aufgabe beauftragt wird. Jedoch kann man darin auch die Wurzel für Parzivals wachsende Stärke sehen, da man heute davon ausgeht, dass Kinder die mit der Brust gesäugt werden stärkere Abwehrkräfte entfalten.
Insgesamt kann man schon hier vermuten, dass aus Parzival etwas ganz besonderes werden muss, weil er schon im Säuglingsalter anders, vielleicht bevorzugt, behandelt wird.
2.1.1 Motiv: Von der Namensgebung und der Identitätsfindung
Wie schon angedeutet erfährt Parzival seinen richtigen Namen erst bei der Begegnung mit Sigune. Sie erklärt ihm:
„deiswâr du heizest Parzivâl.
Der name ist ‚Rehte enmitten durch’.“ (Pz. 140,16-17)1
Wir können davon ausgehen, dass der Name Parzival aus dem Französischen kommt. Hier gibt es die Worte par (durch), percée (Durchbruch), percer (durchbohren, durchdringen) und valée (das Tal). Zusammenfassend können wir „Parzival“ vielleicht mit „Taldurchstreifer“ übersetzen. Warum ist Parzival jedoch ein Taldurchstreifer? Welches Tal durchstreift er?
[....]
1 Übersetzung: Du heißt Parzival. Der Name bedeutet ‚Mittendurch’.
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