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Medien und Krieg: Krisenkommunikation im Golfkrieg 1991

Termpaper, 2003, 27 Pages
Author: Julia Schubert
Subject: Communications: Media and Politics, Politic Communications

Details

Category: Termpaper
Year: 2003
Pages: 27
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 59  Entries
Language: German
Archive No.: V30106
ISBN (E-book): 978-3-638-31442-8

File size: 412 KB


Excerpt (computer-generated)

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
PS: „Medien und Krieg“
Fachsemester: 4

Medien und Krieg: Krisenkommunikation im Golfkrieg 1991

von: Julia Schubert

 


Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung 2

1 Was ist Krisenkommunikation 3

1.1 Relevanz von Krisen und Kriegen für die Medien 5

2 Krisenkommunikation im Golfkrieg 1991 6

2.1 Erfahrungen vorangegangener Kriege 6
2.2 Die Arbeit der Journalisten am Golf 8

2.2.1 Pool-System, Briefings – Erfolgsstrategie der Militärführung 9
2.2.2 Sonderrolle CNN – Informationsmonopol 12

2.3 Konsequenzen und Selbstreferentialität des Systems Journalismus 15

3 Heutiger Blickwinkel – Nach einem weiteren Krieg am Golf 17

4 Schlussbemerkung 20

5 Literaturverzeichnis 21

6 Anhang 24


 

Einleitung

Kriege sind dadurch charakterisiert, dass sie Ausnahmezustände menschlicher Interaktion darstellen. Im Krieg gelten andere Regeln. Das betrifft die Handlungs- und Betrachtungsweisen der Kriegsparteien sowie die der außenstehenden „Beobachter“. Die Genese, Darstellung und Aufbereitung kriegerischer Situationen geschieht innerhalb, mit und durch Kommunikation. Besonders in diesem Bereich gelten andere Regeln als in friedlichen Zeiten. Schon im Vorfeld des Krieges, wenn sich eine Krise zuspitzt, um letztlich zur kriegerischen Konfliktaustragung zu werden, spricht man von Krisenkommunikation. Diese Abhandlung wird sich mit eben dieser besonderen Art der Kommunikation auseinandersetzten. Hierbei soll erklärt werden, was genau unter „Krisenkommunikation“ zu verstehen ist. Unter welchen Bedingungen kommunizieren die Hauptakteure – Militär und Journalisten? Wie stellt sich Krisenkommunikation in diesem Verhältnis dar und welchen Veränderungen ist sie unterworfen? Welche Bedeutung kommt der Selbstreferenz des Systems Journalismus zu?

Am Beispiel des Ersten Golfkrieges 1991 sollen die theoretischen Erwägungen des einführenden Abschnitts dieser Arbeit näher erläutert werden. Dabei sollen die Bedingungen, unter denen die Berichterstatter am Golf arbeiteten dargestellt werden. Wie stellte sich das Verhältnis von Militär und Medien während dieses Krieges in der Praxis dar. Warum kam es zur Krisenkommunikation in dieser Ausprägung? Auch die Sonderrolle des Fernsehsenders CNN muss hierbei einbezogen werden. Weiterhin stellt sich die Frage, wie sich die Krisenkommunikation nach dem Ersten Golfkrieg geändert hat und welche Ausprägung sie im neuesten Krieg am Golf entwickelte und annahm. Zielstellung dieser Arbeit ist letztlich der Nachweis, dass die Krisenkommunikation einem dynamischen Prozess unterworfen ist. Die Bedingungen, unter denen sie durchgeführt wird, werden maßgeblich von politischen und militärischen Faktoren beeinflusst, denen das System Journalismus meist unterworfen ist und aus denen es nur selten ausbrechen kann. Die Erkenntnis, dass der Kommunikation in Kriegs- und Krisenzeiten nur schwerlich vertraut werden darf, dass ihr kritisch begegnet werden muss, ist nicht nur wissenschaftlich sondern vor allem auch gesellschaftlich relevant.

1. Was ist Krisenkommunikation?

In seinem Beitrag „Krisenkommunikation“ aus dem Sammelband „Krieg als Medienereignis“ beschäftigt sich Martin Löffelholz mit dem Zusammenhang zwischen Krisen, Kommunikation und Kriegen. Allgemein haben Krisen ihren Ursprung in Konflikten und diese können sich bis in Kriege zuspitzen. Die Krise selbst basiert in ihrer Genese, in ihrem Verlauf und in ihrer Lösung auf „Bedingungen, Formen und Folgen von Kommunikation“. (Löffelholz 1993, S. 11-12) Vor allem Phänomene wie Unsicherheit, Entscheidungsdruck und Zeitknappheit, die mögliche Ursachen für Krisen darstellen, können durch kommunikative Prozesse hervorgehoben, verstärkt oder auch reduziert werden. Löffelholz versteht den Zusammenhang zwischen Krisen/Kriegen und Kommunikation im Sinne der Systemtheorie nach Luhmann, wobei Kommunikationen Gesellschaft konstruieren. Aus diesem Grund sind sie auch in der Lage Krisen zu konstituieren, die bis hin zu Kriegen führen können. Aber auch die Krisen selbst können Kommunikation darstellen, und zwar Kommunikation unter besonderen Bedingungen. Daraus ergibt sich, dass die Krisenkommunikation selbst Kommunikation über Kommunikation unter besonderen Bedingungen ist (Löffelholz 1993, S. 12).

Eine besondere Bedeutung bei der Frage wie der Zusammenhang zwischen den „drei Ks“ ist, stellen die Medien und ihr Einfluss bzw. ihre Wirkung dar. Immerhin wird die Wirklichkeitskonstruktion von Individuen durch die Darstellung verschiedener Sachverhalte durch die Medien maßgeblich geprägt. Es sind die Medien, welche die Auswahl und Bewertung von Informationen, die an den Rezipienten weitergeleitet werden, bestimmen. Dabei ist natürlich auch das Interesse des Publikums an der Krisenkommunikation von Bedeutung. In Krisenzeiten lässt sich ein gesteigertes Informationsbedürfnis bei den Rezipienten feststellen. Dies wird ergänzt durch ein Sensationsbedürfnis und individuelle Abenteuerlust. Natürlich sind in den Interessen des Publikums der kriegsführenden Parteien auch oft die Sorgen um Angehörige beinhaltet. Medien können durch ihre Berichterstattung Spannungsabbau und Tröstungen bieten (http://www.unifr.ch/journalisme/de/downloads/MEDiskurse. PDF).

Journalisten stellen dabei gewisse Medienangebote bereit, die der durchschnittliche Rezipient natürlich nicht nachprüfen kann, da er selbst ja nur über die Medien zu solchen Informationen kommen kann. Er selbst hat nicht die Möglichkeit direkt „vor Ort“ zu sein. Durch das medial vermittelte Bild einer Krise besteht weiterhin die Möglichkeit, dass „Feindbilder“ aufgebaut werden, Ängste geschürt werden und somit Konflikte nicht allein auf Regierungsebene sondern auch gesellschaftlich verhärtet oder verschärft werden können. Andererseits besitzen die Medien aber auch die Möglichkeit durch Information und Aufklärung Ängste der Rezipienten zu mindern und Verständnis aufzubauen. Trotz dieser Möglichkeiten sind die Medien nicht immer eine zuverlässige, wenn auch die einzige, Quelle für individuelle Wirklichkeitskonstruktionen. Besonders bei Krisenkommunikation sind sie von den „Info-Brocken“, die ihnen sorgfältig ausgewählt von den Führungseliten aus Politik und Militär zugeworfen werden, abhängig. Oft sind diese Informationen gar nicht prüfbar und haben vor allem in Kriegszeiten die Funktion von Propaganda oder zumindest geschönter Selbstdarstellung. Schließlich verfolgen diese Akteure ihre eigenen kommunikationspolitischen Ziele, die sich zum Beispiel in der Legitimierung des Krieges vor der Heimatfront und der globalen Öffentlichkeit darstellen oder die Desinformation des Feindes betreffen. Auch die Geheimhaltung von wichtigen Informationen und die Wahrnehmung der Medien als Störfaktor beeinflussen die Handlungsweise der Führungseliten im Umgang und bei der Weitergabe von kriegsrelevanten Informationen (http://www.unifr.ch/journalisme/de/downloads/ME-Diskurse.PDF). Auch ist das Militär ein wichtiger Einflussfaktor, was die Dynamik der Krisenkommunikation betrifft. Durch ständiges Lernen aus Fehlern vorangegangener Kriege bzw. immer, wenn während eines Krieges den Interessen des Militärs nicht optimal gerecht wurde, kann und wird es die Bedingungen der Informationsfreigabe nach eigenen Maßstäben ändern. 1 Generell gilt: „Der Erfolg des militärischen Informationsmanagements ist umso größer, je weniger Informationen den Medien aus anderen Quellen zur Verfügung stehen und je authentischer und relevanter die Informationen erscheinen.“ (Löffelholz 2002, S. 198)

[...]


1 Siehe Abschnitt 3.1, „Vietnam-Trauma“


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