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Scholary Paper (Seminar), 2004, 15 Pages
Author: Meike Kohl
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Institution/College: University of Münster (Germanistisches Seminar)
Tags: Beziehungen, Identitätskrise, Kommunikationsverlust, Statussymbolen, Vergleich, Frischs, Skizze, Unglücks, Otto, Julius, Bierbaums, Prinz, Kuckuck, Proseminar, Literatur, Unfall
Year: 2004
Pages: 15
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 8 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-31533-3
File size: 244 KB
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Excerpt (computer-generated)
Westfälische Wilhelms -Universität Münster
Institut für Deutsche Philologie II
Neuere deutsche Literatur
Proseminar: Literatur und Unfall
Beziehungen zwischen Identitätskrise,
Kommunikationsverlust und Statussymbolen. Ein Vergleich
zwischen Max Frischs Skizze eines Unglücks und
Otto Julius Bierbaums Prinz Kuckuck
von: Meike Kohl
Inhaltsverzeichnis
1. Hinführung 2
2. Max Frisch, Skizze eines Unglücks 2
2.1. Die gesellschaftliche Rolle Viktors 3
2.1.1 Analyse der Erzählsituation 3
2.1.2 Wahrnehmung der Figur Viktors 3
2.2. Die Pole Sicherheitsverlust, Kommunikationsprobleme und Machtdemonstration 5
2.2.1. Zeitstruktur und Raumordnung 5
2.2.2.Wechselwirkungen 6
2.3. Identitätssicherung durch Statussymbole 7
2.4. Reise-, Mantel- und Todesmotiv 8
3. Otto Julius Bierbaum, Prinz Kuckuck. Leben Taten Meinungen und Höllenfahrt eines Wollüstlings 9
3.1. Identitätsproblematik 10
3.2. Rhetorischer Unfall 10
3.3. Verklammerung von Figur und Maschine 11
3.4. Reise-, Mantel- und Todesmotiv 12
4. Zeitliche Dimension des Themas 13
5. Bibliographie 14
1. Hinführung
Diese Arbeit steh unter der Prämisse, die thematischen und strukturellen Ähnlichkeiten der Erzählung Skizze eines Unglücks aus Max Frischs Tagebuch 1966-71 und Otto Julius Bierbaums 1906/07 erschienenen Roman Prinz Kuckuck. Leben Taten Meinungen und Höllenfahrt eines Wollüstlings darzustellen. Abgegrenzt vom Gesamtroman Prinz Kuckuck werden hier besonders die Seiten 409 bis 444 betrachtet, da sonst der maximale Umfang dieser Arbeit nicht gewährleistet werden kann. Als Ausgangsthese gilt, dass in beiden Texten drei miteinander verschränkte Pole zu finden sind: Die Identitätsprobleme der beiden Figuren Viktor und Henry Felix´, die Fixierung auf und der Verlust der gesellschaftlichen Rolle, eine damit einhergehende Unsicherheit nebst kommunikativem Versagen, und letztendlich das Auto als Statussymbol und (vermeintliches) Mittel zur Rehabilitation. Für beide Texte kennzeichnend ist die Auseinandersetzung mit der Diskrepanz zwischen eigener Identität und Rolle – inwiefern diese Rollen nun von außen auferlegt und zur Sicherung des Selbstverständnisses von den Protagonisten verinnerlicht, angenommen werden, und ob diese durch ihre Rollenannahme weitgehend identitätslos bleiben, soll geklärt werden. Des weiteren ergeben sich Motivähnlichkeiten, die aufgeführt werden sollen. Die beiden Texte werden separat auf diese These geprüft werden, sowohl inhaltlich als auch formal. Die Analyse der Skizze eines Unglücks wird dabei ausführlicher behandelt werden, da dieser Text einerseits in der Forschung weit mehr beachtet wurde, andererseits durch seine Kompaktheit eine tiefergehende Analyse auf wenig Raum zulä sst. Im Vergleich dazu werden die Ähnlichkeiten und Differenzen zu Prinz Kuckuck aufgezeigt werden, um im Anschluss vorzustellen, welche Aussagen sich über das Verständnis der Identitätsfindung und die Relation zwischen Mensch und Maschine trotz des zeitlichen Abstands von sechzig Jahren machen lassen.
2. Max Frisch, Skizze eines Unglücks
Diese diaristische Erzählung, 1972 erschienen, gehört zu einer Reihe von Erzählungen und Einträgen im literarischen Tagebuchs Max Frisch, Tagebuch 1966-1971. Obwohl es sich um einen kurzen, skizzenhaft gezeichneten Text handelt, zeigt eine genauere Betrachtung von Erzählperspektive, Raum- und Zeitstruktur, dass dieser sorgfältig und vielschichtig aufgebaut ist. Erzählt wird die Geschichte einer Urlaubsfahrt eines Akademikerpaars, während der die feste gesellschaftliche Rolle des Protagonisten Viktor aufgelöst wird. Die dadurch ausgelöste Unsicherheit verschränkt sich mit einer Kommunikationsstörung, letztendlich scheitert der Versuch Viktors, seine Rollenidentität wiederherzustellen. Das Auto dient als Mittel zur Demonstration seiner vermeintlichen Sicherheit, was im Tod seiner Partnerin Marlis endet.
2.1 Die gesellschaftliche Rolle Viktors
Die Abhängigkeit Viktors von seiner Rollenidentität und damit einhergehend seine Nicht- Identität außerhalb dieser Rolle ist die Grundproblematik der Skizze eines Unglücks. Es handelt sich nicht nur um ein von der Figur Viktor entworfenes Selbstbildnis, denn dieses wird auch durch seine Umgebung und insbesondere seine Partnerin gefestigt und aufrechterhalten. Erstes Indiz dafür lässt sich durch Analyse der Erzählsituation finden:
2.1.1. Analyse der Erzählsituation
Erzählt wird die Skizze eines Unglücks durch die Retrospektive eines auktorialen Erzählers, der jedoch in viele Passagen zugunsten einer personalen Erzählperspektive zurücktritt. Über weite Strecken fokussiert sich der Text auf das Wahrnehmen Viktors, dieses geschieht mittels erlebter direkter und indirekter Rede, Gedankenwiedergabe und Gedankenrede1, z. B.: „Vielleicht geht es heute besser. Er wird seinen Vorschlag, die Reise abzubrechen, nicht machen. Im grunde ist es lächerlich.“2. In geringerem Umfang lässt sich die Sichtweise Marlis` ausmachen: „Sie weiß, daß Viktor wartet. Sie findet, man habe Zeit. Warum geht er immer voraus, sodaß er dann warten muß? Sie kann nicht schneller.“ (228). Weiterhin gibt es Textstellen, die sich weder Viktor, Marlis noch der Perspektive des auktorialen Erzählers eindeutig zuordnen lassen. Claudia Mauelshagen spricht in Bezug auf das Zusammenspiel der Sichtweisen von einer „fragmentierten Perspektive“ und „polyphoner Gestaltung“3.
2.1.2. Wahrnehmung der Figur Viktor
[...]
1 Claudia Mauelshagen, „Das Weiße zwischen den Worten“, S.78.
2 Max Frisch, Skizze eines Unglücks. Tagebuch 1966-71, S.226-27.Alle weiteren Zitate beziehen sich auf diesen Text und werden durch Angabe der Seitenzahl im laufenden Text gekennzeichnet.
3 Vgl. Claudia Mauelshagen, S.78-80.
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