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Islamismus und Saudi-Arabien

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 18 Pages
Author: Benjamin Klimaschewski
Subject: Politics - International Politics - Region: Near East, Near Orient

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2004
Pages: 18
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 21  Entries
Language: German
Archive No.: V30335
ISBN (E-book): 978-3-638-31618-7

File size: 187 KB


Excerpt (computer-generated)

Freie Universität Berlin
Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft
Seminar: Islamismus und Fundamentalismus

Islamismus und Saudi-Arabien

von: Benjamin Klimaschewski

 


Inhalt

1. Einleitung 3

2. Die wahhabitische Ideologie 3

3. Die Geschichte des Hauses Saud bis zur Staatsgründung 4

4. Das politische System und das Regime heute 7

4.1 Ist Saudi-Arabien ein Gottesstaat ? 9

5. Islamistische Strömungen gegen das Königshaus 10

5.1 Wie stabil ist das Regime ? 14

6. Vom Wahhabismusexport zur Terrorismusförderung 15

7. Schluß 17

8. Literaturliste 18



 

1. Einleitung

Die saudische Monarchie steht immer wieder im Blickpunkt der Debatten, wenn es darum geht, den Islamismus in seiner Entstehung, seiner Ausrichtung und seiner Gefährlichkeit für sowohl die westliche als auch die islamische Welt zu untersuchen. Das Königreich Saudi-Arabien bietet bei Betrachtung der letzten siebzig Jahre seit seiner Gründung die Palette der signifikanten Entwicklungen der Problematik des Islamismus. Es ist Ursprungsland der strengsten und rückständigsten islamischen Lehre, des Wahhabismus und steht für den Ausgangsort ihrer Verbreitung. Es wird von einer Dynastie beherrscht, die von einem Kurs abkam, den sie währenddessen weiter propagierte. Es steht für die Widersprüche seiner Herrscher, die sich bis heute einer Gefahr ausgesetzt sehen, die sie mit einem entscheidendem Anteil selbst erzeugten. So soll das Hauptinteresse der vorliegenden Arbeit darin bestehen, die Paradoxie darzustellen, die sich in der Tatsache offenbart, daß das wahrscheinlich islamischste Land der Erde islamistischer Opposition, die bis zum Terror reicht, ausgesetzt ist. Die einzelnen Kapitel bedienen sich dabei einer fast chronologischen Beschreibung der Entwicklungen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Diese Bezugnahme auf die jüngere Geschichte des Landes, der das Hauptaugenmerk dieser Arbeit gilt, ist notwendig, um die heutige Situation des Staates, das seit dem 11. September 2001 in Erklärungsnot geraten ist – siehe Spiegel-Interview mit dem ehemaligen saudischen Geheimdienstchef Prinz Turki Ibn al-Feisal in der Ausgabe 11/2004 -, darzustellen. Diese Arbeit verzichtet weitestgehend auf die Beschreibung aktueller Entwicklungen seit dem 11. September 2001, es soll nur hier kurz erwähnt werden, daß Saudi-Arabien den USA ihre Unterstützung im Anti-Terror-Kampf zugesagt hat.

2. Die wahhabitische Ideologie

Die wahhabitische Ideologie geht auf den islamischen Rechtsgelehrten Ibn Abd al-Wahhab (1703-1792) zurück, der diese islamische Reformlehre in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts entwickelte. Sie basiert auf der strengen sunnitischen Rechtsschule und intendiert eine rigoristische Rückbesinnung auf den wahren, unverfälschten Islam, der sich einzig auf den Propheten Mohammed und die von ihm offenbarte und praktizierte Lehre bezieht. Der Wahhabismus setzt so einen strengen Polytheismus voraus und lehnt jegliche Form der Heiligenverehrung ab, da es keinen Mittler zwischen dem einzelnen und Gott geben dürfe. Diese Haltung kollidiert mit der des schiitischen Glaubens, weshalb die wahhabitische Lehre neben Christen, Juden, Säkularisten und Feministen die Schiiten als unislamisch verachtet. Auch jegliche Neuerungen und Hinzufügungen, die nach dem 3. Jahrhundert der Hidschra, der Auswanderung des Propheten von Mekka nach Medina, eingeführt wurden, wie der Genuß von Kaffee oder Tabak, werden abgelehnt.

Abd al-Wahhab, der sich mit dieser strengen Auslegung islamischer Verhaltensvorschriften an seinen geistlichen Vorfahren orientierte, stieß mit seinem Aufruf zur Askese, zur absoluten Gottesverehrung und zur strengsten Einhaltung religiöser Riten auf Empörung und Ablehnung seitens der Menschen in seiner Heimatoase, fand aber bald Anschluß an einige Stammeskonföderationen der arabischen Halbinsel, nachdem er den Beduinen reiche Beute im Zuge der geplanten kriegerischen Verbreitung seiner Lehre, sowie das Paradies im Falle des Todes im Dschihad versprach. Die Verbreitung des Wahhabitentums im 18.Jahrhundert erklärt sich vor allem durch historische Veränderungen (Lewis 2003, S.136), daß heißt in der fortschreitenden Zurückdrängung des Islams durch die Christen. Der beginnende Rückzug der Osmanen, die zwar selbst Feinde der wahhabitischen Reformer waren, fand zwar in den islamischen Randgebieten statt, wurde aber bald auch im islamischen Kerngebiet als Gefahr für die gesamte islamische Welt wahrgenommen. Der wahhabitische Kriegszug richtete sich aber nicht nur gegen die Ungläubigen, sondern auch gegen die Muslime, die den strengen Auslegungen des Wahhabismus nicht gerecht wurden oder eine Form der Modernisierung anstrebten. Der Kampf gegen Sufiten, Schiiten oder andere „Verräter“ wurde mit brutaler Radikalität geführt und so die neue Herrschaft über weite Teile der arabischen Halbinsel bis nach Mesopotamien (Kerbala und Najef im Irak) ausgedehnt. Die wahhabitische Reformlehre hat bei der saudischen Geistlichkeit und den konservativen Kräften bis heute nicht an Bedeutung verloren. Der Haß auf alle Ungläubigen wird weiterhin geschürt, der Dschihad erfährt ständige Legitimation und die Einhaltung der wahhabitischen Normen wird mit aller Schärfe überwacht. 70 Prozent der Lehrpläne in den Schulen bestehen aus wahhabitischer Indoktrination (www.jungle-world.com/seiten/2004/08/2628.php).

3. Die Geschichte des Hauses Saud bis zur Staatsgründung

Der Beginn der Verbreitung der wahhabitischen Lehre fiel mit den Anfängen der saudischen Herrschaft zusammen, als es 1744 zum Bündnis zwischen Abd al-Wahhab und dem lokal herrschenden Beduinenscheich Muhammad Ibn Saud kam. Mit der Unterstützung des jeweils anderen, versprachen sich beide, ihre Ziele verwirklichen zu können. Abd al-Wahhab hatte mit Ibn Saud einen Verbündeten, der die kriegerische Komponente der Verbreitung seiner Lehre übernahm und Ibn Saud sah mit dem Reformer an seiner Seite die Gelegenheit, seine Machtausübung vor seinen jetzigen und zukünftigen Untertanen zu legitimieren, ihr einen Sinn zu geben. Die Beutezüge Ibn Sauds wurden nun im Namen Allahs und gegen Ungläubige geführt, womit die wahhabitische Lehre ihre politische Relevanz bekam. Auf ihr basierte die sich weiter ausdehnende theokratische Herrschaft Ibn Sauds. Auf die Eroberung und „Säuberung“ von Mekka und Medina und der schon in Kapitel 2 erwähnten Einnahme des irakischen Kerbala folgte allerdings das Ende des ersten wahhabitischen saudischen Staates, als die Osmanen mithilfe des ägyptischen Paschas die saudische Hauptstadt 1818 eroberten und Ibn Saud hinrichteten.

[...]


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