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Die Rolle der Musik im Tristan Gottfrieds von Straßburg

Scholary Paper (Seminar), 2003, 18 Pages
Author: Michaela Hartmann
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik

Details

Event: PS Gottfried von Straßburg: Tristan
Institution/College: Technical University of Berlin
Tags: Rolle, Musik, Tristan, Gottfrieds, Straßburg, Gottfried, Straßburg, Tristan
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2003
Pages: 18
Grade: 1
Bibliography: ~ 14  Entries
Language: German
Archive No.: V30429
ISBN (E-book): 978-3-638-31690-3

File size: 220 KB
Notes :
Doppelter Zeilenabstand


Abstract

Die Musik spielt im Tristan Gottfrieds von Straßburg, der etwa 1210 entstanden ist, eine herausragende Rolle. Sie ist das Bildungsgebiet, auf dem sowohl Tristan als auch Isolde besondere Begabung an den Tag legen und ist neben Minne und Rittertum das dritte Strukturelement des Romans. In dieser Arbeit soll die Rolle der Musik und ihre verschiedenen Funktionen innerhalb der Handlung näher beleuchtet werden. Dabei möchte ich beweisen, dass Gottfried die Musik bewusst zu verschiedenen Zwecken einsetzt. Die Schilderungen musikalischer Vorträge sind nicht nur außergewöhnlich ausführlich, sondern sie sind auch deshalb bemerkenswert, weil Gottfried die Musik nicht nur in situationsbezogenen Zusammenhängen, z.B. bei der Jagd oder bei Festen als schmückendes Beiwerk beschreibt, sondern sie wird neben den verschiedenen Funktionen, die sie innerhalb der Handlung hat, als regelrechte Kunst betrachtet, die durchaus um ihrer selbst Willen ausgeübt wird und bei den Zuhörern bestimmte Gefühle hervorruft.


Excerpt (computer-generated)

Die Rolle der Musik im Tristan Gottfrieds von Straßburg

von: Michaela Hartmann

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Tristans Verhältnis zur Musik

2.1. Ausbildung und Raub durch die Kaufleute 4
2.2. Jagd und Harfnerszene am Hof Markes 6
2.3. Erste Irlandfahrt 8

3. Isoldes Ausbildung durch Tristan 11

4. Die Gandin-Episode 13

5. In der Minnegrotte 14

6. Zusammenfassung 16

7. Literaturverzeichnis 17


 

1. Einleitung

Die Musik spielt im Tristan Gottfrieds von Straßburg, der etwa 1210 entstanden ist, eine herausragende Rolle. Sie ist das Bildungsgebiet, auf dem sowohl Tristan als auch Isolde besondere Begabung an den Tag legen und ist neben Minne und Rittertum das dritte Strukturelement des Romans. In dieser Arbeit soll die Rolle der Musik und ihre verschiedenen Funktionen innerhalb der Handlung näher beleuchtet werden. Dabei möchte ich beweisen, dass Gottfried die Musik bewusst zu verschiedenen Zwecken einsetzt. Die Schilderungen musikalischer Vorträge sind außergewöhnlich ausführlich und sind vor allem deshalb bemerkenswert, weil Gottfried die Musik nicht nur in situationsbezogenen Zusammenhängen, z.B. bei der Jagd oder bei Festen als schmückendes Beiwerk beschreibt, sondern sie wird neben den verschiedenen Funktionen, die sie innerhalb der Handlung hat, als regelrechte Kunst betrachtet, die durchaus um ihrer selbst Willen ausgeübt wird und bei den Zuhörern bestimmte Gefühle hervorruft.

Ich werde damit beginnen, Tristans Verhältnis zur Musik näher zu betrachten und dabei die verschiedenen musikalischen Funktionen untersuchen, welche im Zusammenhang mit der Einführung dieses Protagonisten eine Rolle spielen. Danach werde ich mich mit Isoldes Ausbildung durch Tristan auseinandersetzen und in diesem Zuge auch mit ihrem Verhältnis zur Musik. Am Verhältnis der beiden Protagonisten zur Musik soll unter anderem aufgezeigt werden, dass diese in Gottfrieds Werk nicht wie in den septem artes liberales, wo sie zu den mathematische n Fächern zählt, theoretisch gelehrt wird, sondern dass Tristan und Isolde eine umfassende praktische Ausbildung genießen, die sie dazu befähigt, mit dem vollendeten Spielen der verschiedensten Musikinstrumente ein Publikum oder auch eine einzelne Person zu verzaubern und für sich einzunehmen. Zwei weitere Funktionen von Musik sollen in den beiden letzten Kapiteln, die sich mit der Gandin-Episode und dem Rückzug der Liebenden in die Minnegrotte beschäftigen, untersucht werden.

2. Tristan Verhältnis zur Musik

2.1 Ausbildung und Raub durch die Kaufleute

Interessant ist an der Ausbildung Tristans vor allem, dass der Schwerpunkt eindeutig auf dem Erlernen und Können der „intellektuellen und musischen Potenzen“1 liegt anstatt sich auf die ritterlichen Fächer zu konzentrieren. Ausdrücklich wird in diesem Zusammenhang nur die Kunst des Saitenspiels benannt, die er erlernt, bis er sie vorzüglich beherrscht:

Under diesen zwein lernungen
der buoche unde der zungen
sô vertete er sîner stunde vil
an iegelîchem seitspil.
dâ kêrte er spâte unde vruo
sîn emezekeit sô sêre zuo,
biz er es wunder kunde.
(v. 2093-2293)2


Allerdings wird hier die Musik als Kunstform von Gottfried noch nicht außergewöhnlich stark betont, sondern scheint nur ein Teilgebiet der umfangreichen Ausbildung Tristans zu sein. Interessant ist die Feststellung Langers, dass „diese bestimmte Erziehung eine Lebensform intiiert, in der kunst im weitesten Sinne zum Instrument der Selbstverwirklichung“3 wird. Die Person Tristan definiert sich demnach nicht oder nicht nur über heldenhaftes Verhalten à la Erec, sondern auch über ihre musischen und intellektuellen Fähigkeiten. Dies zeigt sich bereits in der nächsten Szene, der Entführung Tristans durch die norwegischen Kaufleute (v. 2291 - 2295), in der die Musik das erste Mal eine größere Rolle spielt. Zu diesem Zeitpunkt ist die Ausbildung Tristans sozusagen abgeschlossen und das Vorführen seiner Kenntnisse vor den Kaufleuten wirkt wie die praktische Umsetzung dessen, was er, theoretisch durch Gottfried in den vorangegangen Versen beschrieben, gelernt hatte. An dieser Stelle wird der Rezipient das erste Mal mit der ans Überirdische grenzenden Perfektheit Tristans konfrontiert, welche den Kaufleuten schließlich Anlass dazu gibt, ihn zu entführen, wodurch „sein ganzes weiteres Schicksal“4 bestimmt wird. Seine Fähigkeiten beeindrucken die Kaufleute so sehr, dass sie glauben, durch ihn Geld und Ansehen erwerben zu können.

ouch sang er wol ze prîse
schanzûne und spaehe wîse,
refloit und stampenîe.
(v. 2291 – 2293)

Tristans Wissen und Können, speziell seine musikalische Geschicklichkeit, treibt hier zum ersten Mal das romanhafte Geschehen voran und wird zum „schicksalswendenden Faktor“5. Die Musik dient hier vor allem dazu, die vollendeten Fähigkeiten des Protagonisten das erste Mal in exponierter Weise vor einem Publikum darzustellen.

[...]


1 Langer, Otto: Der Künstlerroman Gottfrieds – Protest bürgerlicher Empfindsamkeit gegen höfisches Tugendsystem ? In: Euphorion Band 68. Heidelberg, 1974. S. 7.

2 Gottfried von Straßburg: Tristan. Nach dem Text von Friedrich Ranke. Neu herausgegeben, ins Neuhochdeutsche übersetzt mit einem Stellenkommentar und einem Nachwort von Rüdiger Krohn. Band 1: Text Mittelhochdeutsch / Neuhochdeustch, Verse 1 – 9982. 9. Aufl., Stuttgart, 1998.

3 Langer, Otto: Der Künstlerroman Gottfrieds – Protest bürgerlicher Empfindsamkeit gegen höfisches Tugendsystem ? In: Euphorion Band 68. Heidelberg, 1974. S. 7.


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