Register or log in at GRIN

Your e-mail-address or password is wrong
Register now
For new authors: free, easy and fast
This will be used as your user name, please specify a valid e-mail address

Lost password

Your e-mail-address or password is wrong

Request a new password
Aspekte einer Gründungsbegleitung für KMU: typische Probleme und besondere Chanc... close

Please wait

Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.

Aspekte einer Gründungsbegleitung für KMU: typische Probleme und besondere Chancen

Diploma Thesis, 1999, 198 Pages
Author: Till Grothus
Subject: Company formation, Business Plans

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 1999
Pages: 198
Grade: 1,0
Language: German
Archive No.: V3043
ISBN (E-book): 978-3-638-11830-9
ISBN (Book): 978-3-638-69655-5
File size: 722 KB
Notes :
Die Arbeit leistet laut Gutachten einen ehrgeizigen Ansatz zur Schließung neuralgischer Forschungslücken der Unternehmens- und Gründungstheorie und bewegt sich durchweg auf Promotionsniveau.


Abstract

In jüngerer Zeit deutet sich ein Spektrum von Erwartungen an, die an die Gründung kleiner und mittlerer Unternehmen geknüpft werden und sich in Schlagworten und Buchtiteln wie „Die Größe der Kleinen“ , „Small is Beautiful“ oder „Der Gründerboom“ widerspiegeln. Bei der Gründung einer Unternehmung wird der Gründer aber häufig mit zahlreichen und sehr spezifischen Problemen konfrontiert, die er zum Teil nicht eigenständig lösen kann. Es entsteht ein hoher Informations- und Beratungsbedarf, der teilweise durch externe Quellen gedeckt werden muß. Aufgrund dieser Problemlösungsnotwendigkeit einerseits und der in der betriebswirtschaftlichen Literatur konstatierten Funktionen von Unternehmensgründungen in einem marktwirtschaftlichen System andererseits lassen sich zwei Fragen aufwerfen: 1. Wie können wirtschaftspolitische Maßnahmen das Gründungsgeschehen durch eine Verbesserung der relevanten Rahmendaten positiv beeinflussen? 2. Wie könnte ein möglicher Beitrag privatwirtschaftlicher Unternehmensberater oder Gründungsbegleiter zu der erfolgreichen Umsetzung einer Gründungsidee aussehen? Die vorliegende Untersuchung hat zum Ziel, aufgrund einer genauen Betrachtung des Gründungsvorganges Ansätze zu einem vermarktungsfähigen Dienstleistungskonzept der Gründungsbegleitung zu entwickeln. Der Begriff Begleitung soll dabei über den Begriff der Beratung hinausgehen und sich auch Aspekten der Unterstützung, Kooperation, Risikoübernahme etc. öffnen. Im Verlauf der Arbeit wird gezeigt, daß aufgrund der Spezifität der typischen Gründungsprobleme, auf die das Begleitungskonzept einzugehen hat, die Betrachtung der Gründungsbegleitung als spezielle Unternehmensberatung nur wenig sinnvoll erscheint . Außerdem stellt sich im nächsten Abschnitt heraus, daß die Betriebswirtschaftslehre und ihre Nachbardisziplinen für die Konzeptionierung einer Gründungsbegleitung bis jetzt kaum theoretisches Rüstzeug bereitgestellt haben. Es soll also das Anliegen dieser Untersuchung sein, dieses Theoriedefizit zunächst zu reduzieren. Nur wenn ein Erkenntnisinteresse dem Gestaltungsinteresse vorangeht, können ausreichend begründete Aussagen über die Ausgestaltung eines Begleitungskonzeptes gemacht und gleichzeitig dessen besondere Chancen und Risiken verdeutlicht werden.


Excerpt (computer-generated)

UNIVERSITÄT-GESAMTHOCHSCHULE-PADERBORN

Fachbereich Wirtschaftswissenschaften

Aspekte einer Gründungsbegleitung für KMU:
typische Probleme und besondere Chancen

Till Grothus

Diplomarbeit

Betriebswirtschaft (H II)

Bearbeitungszeitraum: 6. Januar - 6. Mai 1999

,,Unternehmensgründer mobilisieren Initiative und sind
so Initiatoren. Diese Rolle allein schon macht sie unersetzbar ..."

(Szyperski, 1981, S. 155)

Inhaltsverzeichnis
Inhaltsübersicht  ... I
Inhaltsverzeichnis  ... II
Verzeichnis der Abkürzungen  ... V
Verzeichnis der Abbildungen  ... VI
Verzeichnis der Tabellen  ... VII

Kapitel 1: Einleitung 1

1.1 Problemstellung  ... 2
1.2 Stand der Gründungsforschung  ... 3
1.3 Konzeption der Untersuchung  ... 7

Kapitel 2: Diskussion begrifflicher Grundlagen 11

2.1 Die Unternehmung  ... 12
2.1.1 Begriffliche Abgrenzung  ... 12
2.1.2 Die Unternehmung als System  ... 18
2.1.3 Kleine und mittlere Unternehmen  ... 20

2.2 Die Gründung  ... 23
2.2.1 Die Unternehmensgründung als Prozeß  ... 24
2.2.2 Eine entscheidungstheoretische Sichtweise der Unternehmensgründung  ... 27
2.2.3 Gründungsarten  ... 36

2.3 Zusammenfassung: Der Untersuchungsgegenstand  ... 39

Kapitel 3: Motive für gründungsbegleitende Maßnahmen 41

3.1 Sozioökonomische Funktionen der KMU  ... 42
3.1.1 Die marktwirtschaftliche Ordnungsfunktion  ... 43
3.1.2 Struktur- und konjunkturpolitische Funktionen  ... 44
3.1.3 Die technologische Funktion  ... 44
3.1.4 Die gesellschaftspolitische Funktion  ... 47
3.1.5 Sonstige qualitative Bedeutungen von KMU in der Volkswirtschaft  ... 49

3.2 Bedeutungen von Unternehmensgründungen  ... 50
3.2.1 Die wettbewerbspolitische Funktion  ... 51
3.2.2 Die Bedeutung im Revitalisierungsprozeß einer Volkswirtschaft  ... 52
3.2.3 Die beschäftigungspolitische Bedeutung  ... 54
3.2.4 Die Aufgaben im Innovationsprozeß  ... 56

3.3 Risikofaktoren einer Gründung  ... 57
3.3.1 Eine systematische Betrachtung der Risikofaktoren  ... 58
3.3.2 Die Personenmerkmale des Unternehmensgründers  ... 61
3.3.3 Die Informationsdefizite  ... 66
3.3.4 Die Planungsdefizite  ... 68
3.3.5 Die kritischen Umweltbedingungen  ... 70
3.3.6 Das ,Innovationsdilemma`  ... 72
3.3.7 Die Finanzierungsbedingungen  ... 74

3.4 Zusammenfassung: Die Begleitungsmotivation  ... 76

Kapitel 4: Ein heuristischer Bezugsrahmen für das Begleitungskonzept 79

4.1 Ansätze einer Gründungstheorie  ... 80
4.1.1 Die Theorie der Institution und der Gründung von Hauriou  ... 81
4.1.2 Ein sprachlogischer Ansatz von Lipp  ... 82
4.1.3 Gründungs- und begleitungstheoretische Implikationen  ... 82

4.2 Der Ansatz einer Theorie autopoietischer Systeme  ... 84
4.2.1 Soziale Systeme im Konzept der Autopoiesis  ... 85
4.2.2 Die Unternehmung als autopoietisches System  ... 89
4.2.3 Gründungs- und begleitungstheoretische Implikationen  ... 93

4.3 Eine transaktionskostenökonomische Betrachtung  ... 100
4.3.1 Der Transaktionskostenansatz von Coase  ... 101
4.3.2 Der Transaktionskostenansatz von Williamson  ... 103
4.3.3 Der Transaktionskostenansatz von Picot, Laub und Schneider  ... 105
4.3.4 Gründungs- und begleitungstheoretische Implikationen  ... 108

4.4 Zusammenfassung: Gestaltungsvorschläge für einen Bezugsrahmen  ... 113

Kapitel 5: Eine Beurteilung der aktuellen Begleitungspraxis 119

5.1 Ein Überblick über die Gründungsbegleitung in Deutschland  ... 120

5.2 Die Gründungsoffensive in NRW  ... 123
5.2.1 Darstellung des Konzeptes der Gründungsoffensive  ... 124
5.2.2 Beurteilung des Konzeptes der Gründungsoffensive  ... 125

5.3 Technologie- und Gründerzentren  ... 127
5.3.1 Darstellung des Konzeptes der Technologie- und Gründerzentren  ... 128
5.3.2 Beurteilung des Konzeptes der Technologie- und Gründerzentren  ... 130

5.4 Zusammenfassung: Die Relevanz der Begleitungspraxis  ... 134

Kapitel 6: Empfehlungen für die Gründungsbegleitung 136

6.1 Die Konzeptionierungsphase  ... 138

6.2 Der Bewertungsprozeß von Idee und Person  ... 140
6.2.1 Die Beurteilung der Gründungsidee  ... 141
6.2.2 Die Beurteilung der Personenmerkmale  ... 145

6.3 Die Planung des Begleitungsprozesses  ... 148

6.4 Die Gründungsvorbereitung und -durchführung  ... 154
6.4.1 Die Qualifizierung des Unternehmensgründers  ... 155
6.4.2 Die Ressourcenkoordination  ... 162

6.5 Zusammenfassung: Der Ansatz eines Begleitungskonzeptes  ... 164

Kapitel 7: Fazit und Ausblicke 169

7.1 Zusammenfassung der Ergebnisse  ... 170

7.2 Forschungsstrategische Ausblicke  ... 172

Literaturverzeichnis  ... 174

Verzeichnis der Abkürzungen

[...]

Verzeichnis der Abbildungen Seite

Abb. 1: Konzeption der Untersuchung  ... 10
Abb. 2: Innovationsarten  ... 14
Abb. 3: Unternehmens-Lebenszyklus einer Ein-Produkt-Unternehmung  ... 26
Abb. 4: Die Entscheidung als Interaktionsprozeß  ... 28
Abb. 5: Das Grundmodell der Entscheidungslehre im Gründungskontext  ... 30
Abb. 6: Entscheidungsphasen des Gründungsprozesses  ... 30
Abb. 7: Impulse in der Anregungsphase des Gründungsprozesses  ... 31
Abb. 8: Das Phasenschema der Gründung als Entscheidungsprozeß  ... 35
Abb. 9: Anteil des FuE-Aufwandes am Umsatz der Unternehmen nach Beschäftigtengrößenklassen  ... 46
Abb. 10: Anteil der Beschäftigten (in %) nach Beschäftigtengrößenklassen  ... 49
Abb. 11: Anzahl der Auszubildenden 1996 nach Beschäftigtengrößenklassen  ... 50
Abb. 12: Das ,magische Dreieck′ des Gründungsphänomens  ... 57
Abb. 13: Das System der Problembereiche  ... 59
Abb. 14: Informations- und Datenunsicherheit bei innovativen Gründungen  ... 60
Abb. 15: Zeit als kritischer Erfolgsfaktor  ... 73
Abb. 16: Die arche-typische und die arche-praktische Dimension einer Gründung  ... 83
Abb. 17: Die Unternehmung als Wertschöpfungszyklus  ... 92
Abb. 18: Die Reduzierung des Wertschöpfungszyklus in einer Kooperationsbeziehung  ... 99
Abb. 19: Der Übergang von interner zu externer Transaktionsabwicklung  ... 103
Abb. 20: Informationsprobleme und Transaktionskosten  ... 109
Abb. 21: Koordinationsformen zwischen Markt und Unternehmung  ... 109
Abb. 22: Die Koordinationsaufgaben in den einzelnen Gründungsphasen  ... 111
Abb. 23: Heuristischer Bezugsrahmen zur Konstruktion einer begleitungsorientierten Gründungstheorie  ... 118
Abb. 24: Zwei Ansätze begleitender Maßnahmen  ... 151
Abb. 25: Beispiel einer groben Ablaufanalyse  ... 153
Abb. 26: Dimensionen der strategischen Suchraumanalyse am Beispiel der Optoelektronik  ... 159

Verzeichnis der Tabellen Seite

Tab. 1: Abgrenzung der Unternehmen nach Größenklassen in Deutschland  ... 22
Tab. 2: Abgrenzung der Unternehmen nach Größenklassen in der Europäischen Union  ...  22
Tab. 3: Gründungsformen  ... 36
Tab. 4: Sieben entscheidende Pleiteursachen  ... 59
Tab. 5: Stilistische Verhaltensdimensionen  ... 63
Tab. 6: Träger und Durchführungsorganisationen der Gründungsförderung  ... 76
Tab. 7: Systemfunktionen  ... 97
Tab. 8: Formen institutioneller Arrangements  ... 110
Tab. 9: Koordinationsfunktionen im Gründungsprozeß  ... 114
Tab. 10: Ziele und Maßnahmen der Gründungsoffensive  ... 125
Tab. 11: Das Leistungsangebot der Technologie- und Gründerzentren  ... 129
Tab. 12: Potentielle Vor- und Nachteile eines Aufenthaltes in einem Technologie- und Gründerzentrum  ... 131
Tab. 13: Die Struktur des Gründungs- und Planungsprozesses  ... 138
Tab. 14: Personenmerkmale des Gründers als Beurteilungsgegenstand  ... 146
Tab. 15: Ablaufschema der Begleitungsplanung  ... 151
Tab. 16: Aufgabenpakete der Gründungsbegleitung  ... 152
Tab. 17: Angebote externer Beratungsstellen  ... 155

 

 

Kapitel 1: Einleitung

In einem marktwirtschaftlichen System wird der Entstehung neuer Einheiten eine Schlüsselrolle zugeschrieben. Neu gegründete und junge Unternehmen sind Träger großer Hoffnungen. In Zeiten zunehmender Dynamik und Verschärfung des Wettbewerbs im Rahmen des europäischen Binnenmarktes und der unzweifelhaften Globalisierung aller Wirtschaftsprozesse scheinen Anpassungsfähigkeit und Vitalität der deutschen Wirtschaft nur durch einen erfolgreichen Erneuerungsprozeß gewährleistet werden zu können. Insbesondere innovative Gründungen sollen dazu beitragen, die Funktions- und Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftssystems und -standortes zu erhalten.

1.1 Problemstellung

In jüngerer Zeit deutet sich ein Spektrum von Erwartungen an, die an die Gründung kleiner und mittlerer Unternehmen, im folgenden KMU, geknüpft werden und sich in Schlagworten und Buchtiteln wie ,,Die Größe der Kleinen"1, ,,Small is Beautiful"2 oder ,,Der Gründerboom"3 widerspiegeln. Bei der Gründung einer Unternehmung wird der Gründer aber häufig mit zahlreichen und sehr spezifischen Problemen konfrontiert, die er zum Teil nicht eigenständig lösen kann. Es entsteht ein hoher Informations- und Beratungsbedarf, der teilweise durch externe Quellen gedeckt werden muß. Aufgrund dieser Problemlösungsnotwendigkeit einerseits und der in der betriebswirtschaftlichen Literatur konstatierten Funktionen von Unternehmensgründungen in einem marktwirtschaftlichen System andererseits lassen sich zwei Fragen aufwerfen:

1. Wie können wirtschaftspolitische Maßnahmen das Gründungsgeschehen durch eine Verbesserung der relevanten Rahmendaten positiv beeinflussen?4
2. Wie könnte ein möglicher Beitrag privatwirtschaftlicher Unternehmensberater oder Gründungsbegleiter zu der erfolgreichen Umsetzung einer Gründungsidee aussehen?

Auf der Suche nach Antworten überrascht die stiefmütterliche Behandlung des Themenkomplexes. Finanz- und Wirtschaftspolitik versäumen es, ausreichende Gründungsanreize zu schaffen und formale Gründungsbarrieren abzubauen. Maßnahmen der Gründungsförderung stehen in keinem Verhältnis zu der latenten und subtilen Unterstützung unternehmerischer Großstrukturen. Die betriebswirtschaftlichen Fakultäten deutscher Universitäten schneiden ihre Lehre auf Konzerne zu und fördern somit eine einseitige Allokation betriebswirtschaftlichen Know-hows. Letztlich müssen Wirtschaftswissenschaften und Soziologie in bezug auf die Gründungs- und Begleitungsproblematik mehr Forschungslücken eingestehen als sie theoretische Grundlagen zu bieten vermögen. Hier zeigen sich unverkennbare Theorie- und Handlungsdefizite.
Die vorliegende Untersuchung hat zum Ziel, aufgrund einer genauen Betrachtung des Gründungsvorganges Ansätze zu einem vermarktungsfähigen Dienstleistungskonzept der Gründungsbegleitung zu entwickeln. Der Begriff Begleitung soll dabei über den Begriff der Beratung hinausgehen und sich auch Aspekten der Unterstützung, Kooperation, Risikoübernahme etc. öffnen.
Im Verlauf der Arbeit wird gezeigt, daß aufgrund der Spezifität der typischen Gründungsprobleme, auf die das Begleitungskonzept einzugehen hat, die Betrachtung der Gründungsbegleitung als spezielle Unternehmensberatung nur wenig sinnvoll erscheint5. Außerdem stellt sich im nächsten Abschnitt heraus, daß die Betriebswirtschaftslehre und ihre Nachbardisziplinen für die Konzeptionierung einer Gründungsbegleitung bis jetzt kaum theoretisches Rüstzeug bereitgestellt haben. Es soll also das Anliegen dieser Untersuchung sein, dieses Theoriedefizit zunächst zu reduzieren. Nur wenn ein Erkenntnisinteresse dem Gestaltungsinteresse vorangeht, können ausreichend begründete Aussagen über die Ausgestaltung eines Begleitungskonzeptes gemacht und gleichzeitig dessen besondere Chancen und Risiken verdeutlicht werden.

1.2 Stand der Gründungsforschung

Insbesondere in Deutschland wurde lange Zeit das betriebswirtschaftliche Erkenntnisobjekt fast ausschließlich in existenten großen Wirtschaftseinheiten gesehen6. Mit der Gründungsforschung, einem im deutschsprachigen Raum noch jungen Wissenschaftsgebiet, hat sich ein wirtschaftswissenschaftlicher Teilbereich herausgebildet, der sich mit Fragen und Problemen der Genese und Genetik kleinerer Einheiten auseinandersetzt7. Hier überwiegen derzeit noch eindeutig erkenntnisorientierte Forschungsarbeiten. Neben einer Gründungstheorie wird auch eine Gründungstechnik als gestaltungsorientierter Bereich gefordert8.
Auch wenn die Gründungsforschung noch keinen einheitlichen Bezugsrahmen formuliert hat, so lassen sich doch vier Forschungsbereiche identifizieren. Jeweils bezüglich ihrer Wirkung auf Gründungsaktivität und Gründungserfolg werden untersucht9:

1. die Gründerperson mit ihren Motiven, Fähigkeiten und Demographia,
2. die Strukturdaten neugegründeter Unternehmen und
3. die Umweltdaten und Rahmenbedingungen von Unternehmensgründungen10.

Gegenstand einiger empirischer Untersuchungen sind zusätzlich:

4. die Bedeutung und die Funktionen von Unternehmensgründungen in einer Volkswirtschaft.

Die Gründerperson nimmt in der Gründungsforschung eine zentrale Rolle ein, da sie der wesentliche Handlungsträger ist, zahlreiche Risikopotentiale auf sich vereint und sich im Gegensatz zu der Unternehmung, die eben häufig noch gar nicht vollständig existiert, einer Untersuchung leichter zugänglich zeigt. Eine Untersuchung des Zusammenhangs von Personenmerkmalen und Gründungserfolg steht vor allem in der angelsächsischen Gründungsforschung im Mittelpunkt11.
Die Strukturdaten einer Unternehmensgründung interessieren, da strukturelle Entscheidungen zum Zeitpunkt der Gründung nicht ohne weiteres rückgängig gemacht werden können. Eine Unternehmung wird durch die Festlegung von Standort, Rechtsform, Absatzmarkt etc. langfristig in ihrer Entwicklung beeinflußt.
Mit den Rahmenbedingungen einer Unternehmensgründung sind Aspekte wie Gründungsinfrastruktur, Konjunkturlage, Marktsituation, makrosoziales Umfeld etc. angesprochen, die einen direkten oder indirekten Einfluß auf Gründungsaktivität und -erfolg ausüben.
Über diese Bemühungen hinaus, die individuellen und situativen Ursachen von Unternehmensaktivität und -erfolg zu erklären, wird von einer gehaltvollen Gründungstheorie zusätzlich eine Erklärung der gesamtwirtschaftlichen Wirkungen und Funktionen von Unternehmensgründungen gefordert. Hier werden aggregierte Größen wie beispielsweise Konjunktur- und Beschäftigungswirkungen oder der Beitrag zum technologischen Fortschritt von Unternehmensgründungen auf makroökonomischer Ebene erfaßt und untersucht.
Die derzeitige empirische Gründungsforschung bewegt sich ,,... im Schnittfeld mehrerer Disziplinen ..."12. Mit dem Hinweis auf die Position des Kritischen Rationalismus eifert sie der Erkenntnissicherung durch Hypothesenaufstellung und -prüfung nach. Entscheidend für Hypothesen ist in erster Linie, daß sie intersubjektiv eindeutig formuliert sind und an der Erfahrung scheitern können13, und weniger ihr Inhalt oder ihre Herkunft.
Im Entdeckungszusammenhang der Gründungsforschung stehen Versuche im Vordergrund, mit Hilfe eines ,,... erkenntnistheoretisch einleuchtende[n] Liberalismus hinsichtlich des Einsatzes von Entdeckungsmethoden ..."14 Ursache- und Wirkungszusammenhänge einzelner Phänomene zu erkennen. Hier sind vermutlich zahlreiche Aussagen durch Methoden wie Intuition, Induktion, phänomenologische Betrachtungsweise etc. zustande gekommen. Insgesamt wird die derzeitige Gründungsforschung durch eine große Anzahl kleiner Forschungsprojekte geprägt, in denen Einzelhypothesen oder lose verknüpfte Mengen von Hypothesen unter relativ exakt angegebenen Bedingungen und mittels mehr oder weniger anspruchsvoller, aber uneinheitlicher Analyseverfahren geprüft worden sind. Trotzdem hat der Erkenntnisstand der Gründungsforschung kaum zugenommen, da sich bis heute lediglich ein heterogener Bestand von kaum vergleichbaren, schlecht integrierbaren und theoretisch eng begrenzten Einzelergebnissen entwickelt hat. Das Wissenschaftsziel liegt jedoch gerade nicht in einer mosaikartigen Fülle von Einzelergebnissen, sondern vielmehr in einer Zielgerichtetheit der Beobachtungen und einer Integration gehaltvoller explikativer Aussagen, die sich auf eine Menge gleicher Phänomene beziehen und keinen speziellen Raum-Zeit-Bezug aufweisen. So liegt auch das vermutlich wichtigste Ziel der betriebswirtschaftlichen Forschung ,,... in der Gewinnung von über Einzelfälle hinausgehenden Aussagen zur Lösung von Entscheidungsproblemen in der betrieblichen Praxis ..."15, und es stellt sich die Frage, wie dieses pragmatische Wissenschaftsziel auch für die Gründungsforschung möglichst schnell erreicht werden kann.
Das größte Problem scheint darin zu liegen, daß der Objektbereich der Unternehmensgründung gegenwärtig noch zu wenig bekannt ist, um sinnvolle Hypothesen aufstellen zu können. Und unter Berücksichtigung des pragmatischen Wissenschaftsziels sollte nicht so sehr der Zuwachs in der Erkenntnissicherung als vielmehr der Zuwachs im Verständnis als Maßstab für wissenschaftlichen Fortschritt gelten16. Welche alternative Forschungsstrategie bietet sich also für die Gründungsforschung an?
Kubicek schlägt vor, ,,... die Konstruktion wissenschaftlicher Aussagen als einen von theoretischen Absichten geleiteten und auf systematischem Erfahrungswissen basierenden Lernprozeß zu begreifen ..."17, der den Umweg des wissenschaftlichen Fortschritts über die Prüfung tendenziell beliebiger Hypothesen durch theoretisch geleitete Fragen an die Realität ersetzen soll. Denn während Hypothesen nach Legitimation durch Begründung verlangen, erhalten theoretisch geleitete Fragen ihre Legitimation durch den durch sie erzielbaren Erkenntnisgewinn. Der Prozeß, durch Fragen an die Realität und die theoretische Verarbeitung des dabei gewonnenen Erfahrungswissens zu weiteren Fragestellungen zu gelangen, wird als iterative Heuristik bezeichnet. Ein solches, immer nur provisorisches Erklärungsmodell soll sowohl den weiteren Forschungsprozeß steuern als auch Orientierungshilfen für die Praxis geben. Dieses Vorgehen scheint unter der Bedingung des momentan geringen Erkenntnisstandes der Gründungsforschung eine gute Möglichkeit zu sein, das Verständnis und die Beherrschung des komplexen Problembereiches der Unternehmensgründung zu verbessern.
Demnach könnte die Unternehmensgründung als bisher ungenügend beherrschbares Problem Ausgangspunkt der Konstruktion eines heuristischen Bezugsrahmens sein. Die Konstruktion ist abhängig vom Vorverständnis und der Perspektive des Forschers, da seine Annahmen, Fragen und vor allem Interpretationsmuster in ihrer Gesamtheit den heuristischen Bezugsrahmen bilden. Diese dem Vorverständnis entspringende Perspektive wird präzisiert, indem weitere Fragen und Interpretationen zur genaueren Abgrenzung des Problems entwickelt werden, die wiederum der weiteren Erfahrungsgewinnung dienen. Ein heuristischer Bezugsrahmen soll also ein die Erfahrungsgewinnung vorbereitendes Ziel erfüllen. Vorliegende und zum Teil interdisziplinäre Einzelhinweise der Gründungsforschung müßten zusammengetragen und in einen theoretischen Rahmen gestellt werden, dessen Inhalt durch künftiges Einfließen immer weiterer Erfahrungen laufend präzisiert werden kann18. Der Bezugsrahmen sollte dabei Annahmen und Fragen aus möglichst unterschiedlichen Richtungen, Ansätzen und Disziplinen berücksichtigen, die sein heuristisches Potential erhöhen.

1.3 Konzeption der Untersuchung

Auf dem Weg zu einem Begleitungskonzept für Unternehmensgründungen müssen zahlreiche Teilziele verfolgt werden. Da die Gründungsforschung bis jetzt noch keine Theorien zur Verfügung stellt, aus denen sich ein umfassendes Begleitungskonzept ableiten ließe, soll im Rahmen der vorliegenden Arbeit zunächst ein heuristischer Bezugsrahmen entwickelt werden, aus dem sich sinnvolle Orientierungshilfen und Handlungsempfehlungen für die Praxis der Gründungsbegleitung ableiten lassen. Dieser Bezugsrahmen soll weniger die ,,... Ursachen und Wirkungen von Unternehmensgründungen erklären ..."19, sondern vor allem die Risiko- und Erfolgsfaktoren20 einer Unternehmensgründung transparent machen, um daraus gründungsbegleitende Maßnahmen ableiten zu können.
Für diesen Bezugsrahmen ist zunächst eine präzise und ausführliche Begriffsabgrenzung der Untersuchungsgegenstände Unternehmung und Gründung erforderlich21. Zum einen verdeutlichen solche Definition das Vorverständnis und die Perspektive des Forschers und sind somit Ausgangspunkt aller theoretischen Überlegungen, und zum anderen sind sie Voraussetzung für eine Überprüfbarkeit der Untersuchungsergebnisse, da insbesondere die Handlungsempfehlungen, aber auch der heuristische Bezugsrahmen selbst zunächst nur einen Behauptungscharakter aufweisen.
In Kapitel 2 dieser Arbeit wird also der Versuch unternommen, diejenigen Merkmale herauszuarbeiten, die notwendig und hinreichend dafür sind, daß es sich bei einem Beobachtungsgegenstand um eine Unternehmung handelt. Erst wenn festgelegt ist, ab wann es sich um eine Unternehmung handelt, kann des weiteren auch das Ende ihres Gründungsprozesses fixiert werden. Darüber hinaus wird auch der Beginn einer Gründung genau festgesetzt und der Gründungsprozeß in einzelne Phasen gegliedert.
In Kapitel 3 werden Sinn und Notwendigkeit einer Gründungsbegleitung verdeutlicht. Zum einen scheinen diese in bestimmten Funktionen zu liegen, die KMU und deren Gründungen in einem marktwirtschaftlichen System zukommen. Andererseits ist die Begleitung und Unterstützung von Unternehmensgründungen aufgrund vielfältiger Gründungsprobleme und -risiken sowie Nachteilen der neugegründeten Unternehmungen gegenüber etablierten Großunternehmen notwendig und sinnvoll. Da die Probleme, die sich in der Gründungsrealität beobachten lassen, nicht nur Motiv, sondern auch Ansatzpunkt für eine Gründungsbegleitung sind, wird versucht, deren Ursachen aufzuspüren und sie zu systematisieren. Dazu wird auf die Ergebnisse des Kapitels 2 zurückgegriffen.
In Kapitel 4 soll ein heuristischer Bezugsrahmen als exploratives Instrument auf dem Wege zu einer begleitungsorientierten Gründungstheorie erstellt werden. Ein solcher heuristischer Bezugsrahmen kann zwar von seiner logischen Konsistenz und Operationalität
her nicht den strengen Anforderungen an ein Hypothesensystem genügen, er hilft aber, die komplexen Phänomene von Unternehmensgründungen zu ordnen22. Hierzu werden neben den Einzelergebnissen über Problembereiche einer Unternehmensgründung aus Kapitel 3 auch allgemeine und anerkannte Denkmodelle aus Betriebswirtschaftslehre und Soziologie herangezogen. Vor allem die Betrachtung der Unternehmung als autopoietisches System und die Einbeziehung transaktionskostentheoretischer Aspekte scheinen Beiträge zu einem pluralistischen und eklektischen Bezugsrahmen leisten zu können.
In Kapitel 5 soll eine Darstellung der augenblicklichen Begleitungspraxis in Deutschland erfolgen. Vor allem Institutionen wie beispielsweise Technologie- und Gründerzentren oder Initiativen wie die Gründungsoffensive in Nordrhein-Westfalen sollen anhand der Ergebnisse aus Kapitel 4 beurteilt werden. Darüber hinaus werden existente Begleitungskonzepte daraufhin untersucht, ob sie weitere Anregungen für die eigene Konzeptionierung bieten können.
In Kapitel 6 werden schließlich auf der Grundlage des heuristischen Bezugsrahmens Aussagen über konkrete Handlungsmöglichkeiten und Ansatzpunkte der Gründungsbegleitung gemacht und zu einem Begleitungskonzept zusammengefaßt23.

[...]


1 Aiginger/Tichy, 1984.

2 Ziegler, 1990.

3 Bögenhold, 1987.

4 Dieser Frage wird nicht direkt nachgegangen, doch finden sich im Verlauf der Arbeit implizite Hinweise auf Lösungsansätze.

5 Das Institut für Mittelstandsforschung (1997, S. 7ff.) ist diesbezüglich anderer Meinung. Die Entwicklung einer geschlossenen Theorie der Beratung wurde aber bis heute ebenfalls nicht geleistet. Vgl. Steyrer, 1991, S. 2ff.

6 Vgl. z.B. Chmielewicz, 1984, S. 151f.

7 Zu der Einordnung der Gründungsforschung in die Wirtschaftswissenschaften vgl. Klandt, 1984b, S. 43ff.

8 Vgl. Klandt, 1984b, S. 48f. Gestaltungsorientierte Arbeiten beschränken sich bisher zumeist auf Leitfäden und Ratgeber des Typs ,Wie mache ich mich selbständig?`. Als Beispiele solcher in der Regel außerakademischen Arbeiten, die ihre Erfolgsrelevanz allenfalls argumentativ absichern, seien genannt: Arnold, 1996; Karnath, 1990; Kotsch-Fasshauer, 1997; Rasner/Füser/Faix, 1997; Rentrop, 1991 und Schoeffling, 1991.

9 Mit Gründungserfolg ist hier der Abschluß der Gründungsphase zu einer lebensfähigen Unternehmung gemeint. Zu einzelnen Befunden vgl. Müller-Böling/Klandt, 1993, S. 156ff.

10 Ein Überblick über die Beziehung zwischen diesen Forschungsobjekten findet sich bei Müller-Böling/Klandt, 1993, S. 143.

11 Das englische Begriffsäquivalent für Gründungsforschung ist Entrepreneurship Research. Zu Forschungsinhalten vgl. Klandt, 1984b, S. 45f.

12 Preisendörfer, 1996, S. 8. Es handelt sich in erster Linie um Beiträge aus Sozialpsychologie, Betriebswirtschaftslehre, Soziologie, Rechtswissenschaften, Geschichtswissenschaften und Volkswirtschaftslehre. Ein Überblick über relevante Einflußfaktoren aus benachbarten Wissenschafts-disziplinen findet sich bei Klandt, 1984b, S. 39ff.

13 Vgl. z.B. Raffée, 1993, S. 34.

14 Mugler/Plaschka, 1987, S. 174. Zur Kritik an Forschungsmethoden und -instrumenten der Gründungsforschung vgl. auch Müller-Böling, 1983, S. 124f.

15 Kubicek, 1977, S. 5.

16 Vgl. Kubicek, 1977, S. 7.

17 Kubicek, 1977, S. 13.

18 Dieses Vorgehen unterscheidet sich von einem naiven Induktivismus dadurch, daß das Vorverständnis des Forschers problematisiert wird und nicht sofort zu gesicherten Aussagen über die Realität, sondern zunächst zu Fragen führen soll, die geeignet sind, das Vorverständnis zu erweitern. Vgl. Kubicek, 1977, S. 14.

19 Unterkofler, 1989, S. 69.

20 Diesbezüglich spricht z.B. Baaken (1989, S. 64) von ,,Determinanten" des Gründungserfolges oder -mißerfolges. Es ist allerdings zweifelhaft, ob der Erfolg einer Unternehmensgründung wirklich durch einzelne Faktoren so festgelegt wird, wie es diese Formulierung impliziert.

21 Dieses scheint insbesondere auch deshalb notwendig zu sein, da die Gründungsforschung in dieser Hinsicht noch nicht viel mehr als Arbeitsdefinitionen zustande gebracht hat, die als stabile Basis für eine Gründungs- oder Begleitungstheorie nicht geeignet sind.

22 Vgl. Kubicek, 1977, S. 17f.

23 Die Erfolgswahrscheinlichkeit einer Unternehmensgründung hängt auch von differenzierten ökonomischen, technologischen, politischen und gesellschaftlichen Bedingungen ab. Dieses erfordert eine so flexible Gestaltung des Begleitungskonzeptes, daß dieses relativ unabhängig von konjunkturellen und politischen Veränderungen innerhalb unseres Wirtschaftssystems Anwendung finden kann.


Comments

No comments yet

Add Comment
Your comment is reviewed before being published

Other users also were interested in the following titles:

Strategisches Management EON

Author: Britta Stelly
Economics / Business: Business Management, Corporate Governance, 2003 Download as PDF-file for 6,99 EUR

This text can be quoted and accessed from this url:

http://www.grin.com/e-book/3043/aspekte-einer-gruendungsbegleitung-fuer-kmu-typische-probleme-und-besondere
please wait Please wait