Autor: Nadine Stern
Fach: Politik - Didaktik, politische Bildung
Details
Jahr: 2002
Seiten: 19
Note: 1
Literaturverzeichnis: ~ 17 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 249 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-31762-7
ISBN (Buch): 978-3-638-77841-1
Zusammenfassung / Abstract
Kurt Gerhard Fischer kann wohl heute als einer der bedeutendsten jener Didaktiker angesehen werden, die nach 1945 die Entwicklung und Systematisierung einer Form des sozialkundlichen Unterrichts prägten, die sich nicht in Institutionen- und Staatsbürgerkunde erschöpfte. Seine maßgeblichen Schriften zur Theorie und Didaktik der politischen Bildung verfasste er in den späten 50ern, in den 60ern und 70ern. Ausgangspunkt waren erste Veröffentlichungen empirischer Studien und Auswertungen dessen, was in der Nachkriegszeit unter Politischer Bildung verstanden wurde. Kurt Gerhard Fischer fasst sie folgendermaßen zusammen: „Lehrer und Schüler empfanden und empfinden Unbehagen am sozialkundlichen Unterricht, der sich in formaler Kunde erschöpft, die Ergebnisse werden von den Schülern nicht erinnert und verinnerlicht, während die Lehrer zwischen Weg und Ziel, Mittel und Zweck keinen Zusammenhang zu stiften vermochten.“ Aus der Erkenntnis dieser Missstände heraus entwickelt Fischer eine Didaktik der Alternativen, deren Prinzipien hier erläutert werden. Dabei bildet den Rahmen eine kurze Darstellung der gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse der Zeit. Im Anschluss daran wird die „didaktische Wende“ thematisiert. Anhand eines Unterrichtsbeispiels Fischers werden seine Theorien von Kenntnissen, Erkenntnissen und Einsichten, sowie vom exemplarischen Lernen veranschaulicht.
Textauszug (computergeneriert)
Justus-Liebig-Universität Giessen
Fachbereich 03- Sozial- und Kulturwissenschaften
Proseminar: Didaktik der Sozialwissenschaften
Die "didaktische Wende"- Kurt Gerhard Fischers Ideengut
und seine zeitgeschichtliche Einordnung
von: Nadine Stern
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Gesellschaftliche und politische Ausgangsbedingungen zu Beginn der 60er Jahre 4
3. Entwicklung der politischen Didaktik als Fachdidaktik-Die „Didaktische Wende“ 6
4. Kurt Gerhard Fischer:
4.1. Ziele von Fischers Didaktik 6
4.1.1. Kenntniserwerb, Erkenntnisfindung, Einsichten
4.1.1.1. Begriffsbestimmungen 8
4.1.1.2. Didaktische und politische Funktionen 10
4.1.2.3. Erziehung zur Demokratie 12
4.2. Methodisch- didaktische Umsetzung dieser Ziele 12
4.2.1.1. Exemplarisches Lernen- Das „Fall-Prinzip“
4.2.1.2. Begriffsbestimmung 13
4.2.1.3. Ein Unterrichtsbeispiel 15
5. Schlussbemerkung 16
Literaturverzeichnis 18
1. Einleitung
Kurt Gerhard Fischer kann wohl heute als einer der bedeutendsten jener Didaktiker angesehen werden, die nach 1945 die Entwicklung und Systematisierung einer Form des sozialkundlichen Unterrichts prägten, die sich nicht in Institutionen- und Staatsbürgerkunde erschöpfte. Seine maßgeblichen Schriften zur Theorie und Didaktik der politischen Bildung verfasste er in den späten 50ern, in den 60ern und 70ern. Ausgangspunkt waren erste Veröffentlichungen empirischer Studien und Auswertungen dessen, was in der Nachkriegszeit unter Politischer Bildung verstanden wurde. Kurt Gerhard Fischer fasst sie folgendermaßen zusammen: „Lehrer und Schüler empfanden und empfinden Unbehagen am sozialkundlichen Unterricht, dersich in formaler Kunde erschöpft, die Ergebnisse werden von den Schülern nicht erinnert und verinnerlicht, während die Lehrer zwischen Weg und Ziel, Mittel und Zweck keinen Zusammenhang zu stiften vermochten.“1 Aus der Erkenntnis dieser Missstände heraus entwickelt Fischer eine Didaktik der Alternativen, deren Prinzipien hier erläutert werden sollen. Dabei beginne ich mit einer kurzen Darstellung der gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse der Zeit. Ich halte dies für wichtig, da so der Zusammenhang zwischen diesen Entwicklungen und der „didaktischen Wende“ des Jahres 1960 verdeutlicht wird. Ferner könnten Teilaspekte von Fischers Konzeption aus der Retrospektive missverstanden werden, würde man diesen Hintergrund nicht mit einbeziehen. Bezüglich anderer Aspekte, die für den Leser heute banal oder selbstverständlich erscheinen mögen, wird erst im Zusammenhang mit zeitgeschichtlichen Entwicklungen deutlich, wie außergewöhnlich innovativ sie für die damalige Zeit waren.
Im Anschluss daran soll die „didaktische Wende“ thematisiert werden, indem allgemein darauf eingegangen wird, wie man von der politischen Pädagogik zur Didaktik der politischen Bildung gelangte und aus welchen Gründen dies geschah. In einem weiteren- meinem vierten- Abschnitt beschäftige ich mich tiefgreifender mit den Inhalten dieser Fachdidaktik und gehe auf den Einfluss Kurt Gerhard Fischers und die Ideen ein, die er zu ihrer Konstituierung beigetragen hat. Untergliedert habe ich dieses Kapitel in zwei Abschnitte, um auf übersichtliche Weise sowohl auf die inhaltlichen Ziele als auch auf das methodisch-didaktische Vorgehen zur Umsetzung dieser Ziele im Unterricht eingehen zu können. In dem Abschnitt über Methoden zitiere ich eines der Unterrichtsbeispiele Fischers, da ich diese m.E. seine Theorien von Kenntnissen, Erkenntnissen und Einsichten, sowie vom exemplarischen Lernen gut veranschaulichen. Zweiteres in meinen Augen ein wesentlicher Punkt für die „didaktischen Wende“ in der politischen Bildung, die meist auf das Jahr 1960 als das Erscheinungsdatum des Buches „Der politische Unterricht“2 datiert wird. Hier liegt der Beginn einer Konstituierung von Fachdidaktik überhaupt, an der K.G. Fischer wesentlich mitwirkte. In meiner Schlussbetrachtung möchte ich die Ergebnisse kurz zusammenfassen. Es soll aber auch die Kritik auseinandergesetzt werden, die an den Konzepten Fischers geäußert wird.
1. Gesellschaftliche und politische Ausgangsbedingungen zu Beginn der 60er Jahre
Voraussetzung für eine „didaktische Wende“ war zunächst ein grundlegender politischer Wandel in vielen Bereichen. Dieser war Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre zunächst insofern zu verzeichnen, als sich die Beziehung der Supermächte zueinander änderte. Nach der Kubakrise, die den Weltfrieden erheblich bedroht hatte, begannen die beiden Systeme 1963 vom Kalten Krieg mehr in einen friedlichen Wettbewerb überzugehen. Auch das deutsch-deutsche Verhältnis hatte sich nach dem Mauerbau 1961 auf längere Sicht ehr entspannt, als verschlechtert. So war es nicht verwunderlich, dass man sich auf diesem neuen Hintergrund innenpolitischen Feldern wie der Bildungspolitik zuwendete und hier Reformen anstrebte. In den 40er und 50er Jahren hatte ein großes Defizit in der pädagogischen Aufarbeitung der NS-Zeit gelegen. Auch antisemitische Ausschreitungen Ende der 50er rüttelten die zuständigen Stellen wach und führten zu einer Intensivierung der politischen Bildung. Seit 1964 kam es gar zu einer regelrechten Bildungsplanung, die viele große Bildungsreformen auf den Weg brachte. Nachdem es der SPD unter Ablösung der Großen Koalition 1969 zum ersten Mal gelang, zusammen mit der FDP die Regierung zu stellen, wuchs auch das Vertrauen der Bevölkerung in die Demokratie wieder. In dieser Umbruchsstimmung, waren bildungspolitische Neuerungen und Modernisierungen auf dem Gebiet der politischen Bildung gut durchsetzbar waren. Besonders, da sie als Reaktion auf den Rechtsruck nötig schienen, der seit 1959 in der Bundesrepublik zu beobachten war.
[...]
1 K.G. Fis cher: Überlegungen zur Didaktik des Politischen Unterrichts, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1972, S. 29
2 Kurt Gerhard Fischer/Karl Herrmann/Hans Mahrenholz: Der politische Unterricht, Gehlen, Bad Homburg v.d.H. 1960
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