Please wait
Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.
Essay, 2002, 12 Pages
Author: Benjamin Kristek
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Details
Institution/College: Humboldt-University of Berlin (Institut für Literatur der Humboldt Universität zu Berlin)
Tags: Ulrich von Liechtenstein Mediävistik ältere Literatur
Year: 2002
Pages: 12
Grade: 1,3
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-11838-5
ISBN (Book): 978-3-638-80592-6
File size: 169 KB
Das frei geschriebene Essay fand Aufnahme in die Anthologie ´Literaturen im Mittelalter´ meiner Dozentin.
Other users also were interested in the following titles:
Abstract
Ulrich von Liechtenstein schreibt in Lied 55 am Ende seines Romans über den ,,Frauendienst": wol mich wol mich wol mich des daz ich han funden | uf der erde ein himelrich (FD, Ld. 55, S. 385f).1 Das himelrich, das er gefunden zu haben glaubt, ist der erfolgreiche, weil belohnte Minnedienst, den er im Dienst der zweiten frouwe verbringt. Die Frage nach dem Verhältnis von Dienst und Lohn ist konstituiv für den ,,Frauendienst". Das zeigt sich besonders in der Vermischung von lyrischer und epischer Form. Hohe Minne kann als die Form einer ethischen Selbststilisierung angesehen werden. Das traditionelle Konzept der hohen Minne sah vor, daß sich ein Adliger um die Gunst einer zumeist sozial höherstehenden Dame bemühte, um sowohl sein als auch ihr Ansehen zu vermehren. In der reinsten Ausformung des Minnesangs ist die Liebe jedoch immer unerfüllt. Der Werbende kann seine Angebetete nie besitzen. Die Erfüllung der Liebe bleibt ausgeschlossen, der Dienstgedanke als funktionaler Frauendienst, bei dem sich der Ritter seiner Dame unterordnet, steht im Vordergrund. Der Sänger als männlicher Ich-Sprecher spielt in reflektierendem Stil eine Rolle, die aus der Hoffnung auf Lohn und dem Schmerz des vergeblichen Werbens besteht. Er reflektiert über die geliebte Frau, sich selbst und sein Singen, über seine Wünsche. Doch alle Wünsche des Minnesängers sind unerfüllbar. Und das ist in soweit verständlich, als der Minnesänger sich im Dienst seiner Angebeteten moralisch bewährt, seine dichterischen Fähigkeiten steigert und seine Ehre und die der Dame erhöht. Würde der Minnesänger von der Dame erhört werden und käme er in den Genuß körperlicher Nähe, wäre der Minnedienst sich selbst enthoben und ad absurdum geführt. Die verherrlichte Frau bleibt schon deshalb immer anonym, ein idealisiertes Vorbild an Schönheit und Tugend, keusch und asexuell und unerreichbar für den Sänger. Sie reagiert gleichgültig und ablehnend auf sein Werben. Trotz mannigfaltiger Enttäuschung harrt der Minnesänger jedoch gemäß der ritterlicher Tugend der staete aus, da der Dienst ihm höfisches Ansehen bringt. Die klassische Form des Minnedienstes ist das lyrische Lied. Es stellt sich hier die Frage, was passieren würde, wenn sich ein mittelalterlicher Autor entschlösse, nicht nur Minnesang zu betreiben, sondern den Minnedienst als solchen zu erzählen und zusätzlich besonderen Wert auf die Belohnung seines Dienstes legen möchte. Er würde zwischen alle Stühle fallen.
Excerpt (computer-generated)
Humboldt-Universität zu Berlin
Philosophische Fakultät II
Institut für deutsche Literatur
Hauptseminar: Ulrich von Liechtenstein: ,,Frauendienst"
WS 2001/2002
Poetisches Erzählen - lyrisches Schweigen:
die Einbindung der Minnelieder
in den Erzählzusammenhang
in Ulrich von Liechtensteins ,,Frauendienst"
Benjamin Kristek
Deutsch, Geschichte L 4
7. Semester
Ulrich von Liechtenstein schreibt in Lied 55 am Ende seines Romans über den ,,Frauendienst": wol mich wol mich wol mich des daz ich han funden | uf der erde ein himelrich (FD, Ld. 55, S. 385f).1 Das himelrich, das er gefunden zu haben glaubt, ist der erfolgreiche, weil belohnte Minnedienst, den er im Dienst der zweiten frouwe verbringt. Die Frage nach dem Verhältnis von Dienst und Lohn ist konstituiv für den ,,Frauendienst". Das zeigt sich besonders in der Vermischung von lyrischer und epischer Form.
Hohe Minne kann als die Form einer ethischen Selbststilisierung angesehen werden. Das traditionelle Konzept der hohen Minne sah vor, daß sich ein Adliger um die Gunst einer zumeist sozial höherstehenden Dame bemühte, um sowohl sein als auch ihr Ansehen zu vermehren. In der reinsten Ausformung des Minnesangs ist die Liebe jedoch immer unerfüllt. Der Werbende kann seine Angebetete nie besitzen. Die Erfüllung der Liebe bleibt ausgeschlossen, der Dienstgedanke als funktionaler Frauendienst, bei dem sich der Ritter seiner Dame unterordnet, steht im Vordergrund. Der Sänger als männlicher Ich-Sprecher spielt in reflektierendem Stil eine Rolle, die aus der Hoffnung auf Lohn und dem Schmerz des vergeblichen Werbens besteht. Er reflektiert über die geliebte Frau, sich selbst und sein Singen, über seine Wünsche. Doch alle Wünsche des Minnesängers sind unerfüllbar. Und das ist in soweit verständlich, als der Minnesänger sich im Dienst seiner Angebeteten moralisch bewährt, seine dichterischen Fähigkeiten steigert und seine Ehre und die der Dame erhöht. Würde der Minnesänger von der Dame erhört werden und käme er in den Genuß körperlicher Nähe, wäre der Minnedienst sich selbst enthoben und ad absurdum geführt. Die verherrlichte Frau bleibt schon deshalb immer anonym, ein idealisiertes Vorbild an Schönheit und Tugend, keusch und asexuell und unerreichbar für den Sänger. Sie reagiert gleichgültig und ablehnend auf sein Werben. Trotz mannigfaltiger Enttäuschung harrt der Minnesänger jedoch gemäß der ritterlicher Tugend der staete aus, da der Dienst ihm höfisches Ansehen bringt. Die klassische Form des Minnedienstes ist das lyrische Lied.
Es stellt sich hier die Frage, was passieren würde, wenn sich ein mittelalterlicher Autor entschlösse, nicht nur Minnesang zu betreiben, sondern den Minnedienst als solchen zu erzählen und zusätzlich besonderen Wert auf die Belohnung seines Dienstes legen möchte. Er würde zwischen alle Stühle fallen. Es bliebe ihm zunächst die Möglichkeit, seinen Dienst gemäß der Tradition in Minneliedern auszudrücken. Auf diese Weise könnte er jedoch nicht seine Erfahrungen mit dem Minnedienst beschreiben. Eine andere, erzählerische Form müßte dafür adaptiert werden. Es ist Ulrich von Liechtensteins große Leistung dies im Frauendienst umgesetzt zu haben.
[...]
1 Zitiervorlage bildet in dieser Arbeit die Ausgabe: Ulrich von Liechtenstein, Frauendienst, hrsg. v. Franz Viktor Spechtler, Göppingen 1987 (=Göttinger Arbeiten zur Germanistik 485). Nicht übernommen wurde weder die, dem Mittelalter unangemessene, moderne Zeichensetzung, noch die ebenfalls moderne Großschreibung der Anfangszeilen.
Comments
No comments yet
Other users also were interested in the following titles:
Peter Singers Potentialitätsargument und dessen Problematisierung
Author: Johannes KeyPhilosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...), 2005 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt vom Normalarbeitsverhältnis zum Arbeitskraftunternehmer. Was bedeutet der Wandel für Beruf und Mensch?
Author: Eike-Kristin WilinskiSociology - Work, Profession, Education, Organisation, 2004 Download as PDF-file for 9,99 EUR
Zur Konstruktion der ersten Minnedame in Ulrichs von Liechtenstein Frauendienst
Author: Linda Kim WegenerGerman Studies - Older German Literature, Mediaevistik, 2005 Download as PDF-file for 3,49 EUR
Franz Kafkas "Die Verwandlung": Interpretation der Erzählung und Betrachtung des Märchencharakters anhand kritischer Texte
Author: Steffen KueglerGerman Studies - Modern German Literature, 2002 Download as PDF-file for 5,99 EUR
This text can be quoted and accessed from this url: