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Wo sind die Grenzen der EU? Gibt eine gemeinsame europäische Identität der EU ihre 'Grenzen' vor?

Hausarbeit, 2004, 21 Seiten
Autor: Gero Birke
Fach: Politik - Int. Politik - Thema: Europäische Union

Details

Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2004
Seiten: 21
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 30  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V30589
ISBN (E-Book): 978-3-638-31812-9
ISBN (Buch): 978-3-638-74805-6
Dateigröße: 385 KB

Zusammenfassung / Abstract

Stellt die 2004 erfolgte EU-Erweiterung um zehn neue Mitgliedstaaten den Anfang vom Ende der EU dar? Wie viele weitere Mitglieder kann die EU noch verkraften – ohne wie bereits zahlreiche andere „Großreiche“ – an ihrer Größe zu scheitern? Mit Gründung der aus dem Schumann-Plan erwachsenen Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl wurde 1951 von sechs westeuropäischen Staaten der Grundstein für die Europäische Union gelegt. Über die Jahre traten der EU immer mehr Staaten bei. Vier weitere Staaten haben mittelfristig die Perspektive zum Beitritt. Wer weiß wie viele noch folgen werden. Doch diese Frage ist nicht primär die, an der sich die Zukunft der EU entscheidet. Wie sollen die Erweiterungen der EU überhaupt noch finanziert werden – ist es wirtschaftlich noch zu bewältigen? Die niedrigen Lohnniveaus, die tendenziell in Richtung Osten immer weiter abnehmen, gefährden in den EU-Geberländern Arbeitsplätze und forcieren die Standortfrage – auch wenn im Osten neue große Absatzmärkte entstehen –, sodass es immer schwieriger wird das Geld aufzubringen, mit dem der Aufschwung Ost alimentiert wird. Neben der ökonomischen Frage stellt sich ebenso die politische: Wie soll eine EU der fünfundzwanzig oder mehr Mitgliedstaaten bei den bestehenden Strukturen noch handlungsfähig sein? Es besteht die böse Vorahnung, dass sich in vielen Entscheidungen die ost- und westeuropäischen respektive landwirtschaftliche Staaten und Industriestaaten in zwei Blöcken gegenüberstehen – es bilden sich Vetoblöcke. Doch für den langfristigen Erfolg der Union ist vielmehr eine andere Frage von zentraler, ja überlebenswichtiger Bedeutung: Wie schafft es die EU alle Unionsbürger unter ihrem Dach zu integrieren, sodass sie sich mit ihr identifizieren und die EU dadurch ihre Legitimation erhält? Die Politik hat mit Schaffung des EU-Binnenmarktes, der Wirtschafts- und Währungsunion sowie der gemeinsamen europäischen Verfassung bereits Schritte zur Integration geschaffen. Bislang ist also eher nur eine technokratische Integration erfolgt, doch ist es für das Fortbestehen der EU von evidentem Interesse, dass sich der einzelne Unionsbürger mit ihr identifiziert – eine europäische Identität muss geschaffen werden. Ist es aber möglich bei Millionen von Bürgern aus so vielen verschiedenen Staaten eine gemeinsame europäische Identität zu verwirklichen?


Textauszug (computergeneriert)

Wo sind die Grenzen der EU? Gibt eine gemeinsame
europäische Identität der EU ihre „Grenzen“ vor?

von: Gero Birke

 


1. Einleitung: Setzt eine europäische Ide ntität der EU-Erweiterung Grenzen? 1

2. Was macht uns zu Europäern? – Was ist die europäische Identität? 3

2.1. Historische Gemeinsamkeiten tragen die Zukunft Europas 4
2.2. Die Osterweiterung stellt die EU auf eine Bewährungsprobe 5
2.3. In Kleinstschritten zur europäischen Identität 7

3. Wo befinden sich die Grenzen der EU? 8

3.1. Ein islamischer Staat als Mitglied der EU? – Die Debatte um den Beitritt der Türkei 8
3.2. Die Türkei auf dem langen Weg nach Westen 9
3.3. Der Islam beschränkt sich nicht auf die Türkei – er ist mitten unter uns 11
Exkurs: Ist die Türkei bereits reif für eine EU-Mitgliedschaft? 12
3.4. Die Türkei scheint bereit für die EU – ist die EU auch bereit für die Türkei? 13

4. Fazit: Eine europäische Identität setzt der EU-Erweiterung keine Grenzen 15

Quellenverzeichnis

Anhang


 

1. Einleitung: Setzt eine europäische Identität der EU-Erweiterung Grenzen?

Stellt die am 1. Mai 2004 erfolgte EU-Erweiterung um zehn neue Mitgliedstaaten den Anfang vom Ende der EU dar? Wie viele weitere Mitglieder kann die EU noch verkraften – ohne wie bereits zahlreiche andere „Großreiche“ – an ihrer Größe zu scheitern? Mit Gründung der aus dem Schumann-Plan erwachsenen Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) wurde am 18. April 1951 von sechs westeuropäischen Staaten1 der Grundstein für die Europäische Union (EU) gelegt. Über die Jahre traten der EU immer mehr Staaten bei – bis dato sind es fünfundzwanzig2. Vier weitere Staaten3 haben mittelfristig die Perspektive zum Beitritt. Wer weiß wie viele noch folgen werden. Doch diese Frage ist nicht primär die, an der sich die Zukunft der EU entscheidet.

Um Mitglied in der EU zu werden müssen die Bewerberstaaten bestimmte Aufnahmekriterien erfüllen. Dies garantiert institutionelle und gesellschaftliche Standards wie sie in der EU bislang üblich sind. Doch löst auch dies nicht das Dilemma, dem sich die EU gegenübersieht und das mit jedem weiteren Mitgliedstaat, jedem weiteren Unionsbürger wächst. Wie sollen die Erweiterungen der EU überhaupt noch finanziert werden – ist es wirtschaftlich noch zu bewältigen? Die niedrigen Lohnniveaus, die tendenziell in Richtung Osten immer weiter abnehmen, gefährden in den EU-Geberländern Arbeitsplätze und forcieren die Standortfrage – auch wenn im Osten neue große Absatzmärkte entstehen –, sodass es immer schwieriger wird das Geld aufzubringen, mit dem der Aufschwung Ost alimentiert wird. Neben der ökonomischen Frage stellt sich ebenso die politische: Wie soll eine EU der fünfundzwanzig oder mehr Mitgliedstaaten bei den bestehenden Strukturen beispielsweise im Rat der Europäischen Union noch handlungsfähig sein? Es besteht die böse Vorahnung, dass sich in vielen Entscheidungen die ost- und westeuropäischen respektive landwirtschaftliche Staaten und Industriestaaten in zwei Blöcken gegenüberstehen – es bilden sich Vetoblöcke. Zudem werden Beschlüsse aufgrund der nochmals erschwerten Mehrheitsfindung, sofern sie überhaupt zustande kommen, auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zusammengestrichen werden.

Doch für den langfristigen Erfolg der Union ist vielmehr eine andere Frage von zentraler, ja überlebenswichtiger Bedeutung: Wie schafft es die EU alle Unionsbürger unter ihrem Dach zu integrieren, sodass sie sich mit ihr identifizieren und die EU dadurch ihre Legitimation erhält? Die Politik hat mit Schaffung des EU-Binnenmarktes (1993), der Wirtschafts- und Währungsunion (2002) sowie der gemeinsamen europäischen Verfassung (2004)4 bereits Schritte zur Integration geschaffen. Bislang ist also eher nur eine technokratische Integration erfolgt, doch ist es für das Fortbestehen der EU von evidentem Interesse, dass sich der einzelne Unionsbürger mit ihr identifiziert – eine europäische Identität muss geschaffen werden. Ist es aber möglich bei Millionen von Bürgern aus so vielen verschiedenen Staaten eine gemeinsame europäische Identität zu verwirklichen? Um diese Frage diskutieren zu können, muss zunächst geklärt werden, was man unter Identität versteht, sodass anschließend bestimmt werden kann ob eine gemeinsame europäische Identität oder zumindest Ansätze dazu bestehen. Dies gilt es sowohl für die alte EU zu untersuchen als auch für die am 1. Mai 2004 hinzugekommenen Mitgliedstaaten. Nach Klärung des Status Quo soll sich mit der Erweiterung der EU und ihren „Grenzen“ befasst werden. Würde beispielsweise die Türkei als islamischer Staat in die EU integriert werden können, ohne dass sich die europäische Wertegemeinschaft daran entzweit? Die Beantwortung dieser Frage soll Schlüsse zulassen inwieweit sich eine gemeinsame europäische Identität verwirklichen lässt und ob diese möglicherweise der EU ihre „Grenzen“ vorgibt.

2. Was macht uns zu Europäern? – Was ist die europäische Identität?

Bei der Suche nach dem, was Europa ausmacht, reichen Erklärungsmodelle, die das politische oder ökonomische System der EU nennen, bei Weitem nicht aus. Diese beiden Komponenten bilden das Konstrukt; die dritte Komponente, die letztendlich über den dauerhaften Erfolg oder Misserfolg der EU entscheidet, ist eine andere – die Identifikation eines jeden Unionsbürgers mit der EU. Es geht also nicht um irgendein System, sondern um jeden einzelnen von uns. Was macht uns zu Europäern? Wie denken, empfinden und handeln wir – was daran ist europäisch und worauf gründen diese Verhaltensweisen? Es stellt sich die Frage nach unserer Identität5 (vgl. Weidenfeld 2002: 16). Im Laufe unseres Lebens entwickeln wir eine Verhaltensdisposition, unsere Identität. Wir statten uns mit bestimmten sozialen Merkmalen aus und ordnen uns sozialen Gruppen zu. Diese so genannte soziale Typisierung erfolgt zugleich von anderen, die uns zuordnen und charakterisieren. Unsere Identität ist nie fest und statisch. Mit jedem neuen Tag versuchen wir sie zu bestätigen oder neu zu definieren. Dies geschieht, indem wir mit unseren Mitmenschen interagieren und kommunizieren. Dabei erhalten wir Reaktionen auf unser Verhalten, durch die ein Prozess der Selbstreflexion in Gang gesetzt wird, sodass das daraus resultierende Selbstbild Einfluss auf unsere Identität nimmt. Dieser Vorgang wird als inhaltliche Dimension der Identität bezeichnet. Des Weiteren verfügt die Identität über eine zeitliche Dimension – sie impliziert die Organisation der Identität entlang der Struktur von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft (vgl. Liebsch 2000: 66- 68).

[...]


1 Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg, Niederlande

2 Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland, Griechenland, Großbritannien, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, Slowakische Republik, Slowenien, Spanien, Tschechische Republik, Ungarn, Zypern (vgl. http://europa.en.int/abc/ index_de.htm#)

3 Bulgarien, Kroatien, Rumänien, Türkei (vgl. http://europa.eu.int/comm/enlargement/candidate_de.htm)

4 Bevor die europäische Verfassung wie geplant frühestens 2007 in Kraft treten kann muss sie noch von den Staaten im Parlament oder per Volksentscheid – möglicherweise auch durch beide – ratifiziert werden.

5 Identität (lat. idem »derselbe«), allg. die Übereinstimmung einer Person, eines soz. Gebildes, einer kult. Objektivation oder einer bestimmten Naturgegebenheit mit dem, was sie bzw. es tatsächlich ist, also mit sich selbst (»Selbigkeit«). […] (Hillmann 1994: 350f)


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