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Scholary Paper (Seminar), 2001, 27 Pages
Author: MMag. M.A. Gisela Spreitzhofer
Subject: Politics - International Politics - Topic: Miscellaneous
Details
Tags: Ursachen, Auswirkungen, Europa
Year: 2001
Pages: 27
Grade: Gut (2)
Bibliography: ~ 19 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-31838-9
ISBN (Book): 978-3-638-68294-7
File size: 557 KB
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Abstract
Nach dem 2. Weltkrieg, der den furchtbarsten Höhepunkt des Nationalismus seit dessen Geburt darstellte, waren sich die europäischen Mächte einig: Solche nationalistischen Auswüchse gefährden die europäische Stabilität, verstoßen gegen grundsätzliche Menschenrechte und dürfen nie wieder vorkommen. In den folgenden Jahrzehnten wuchs (West)europa immer mehr zusammen, v.a. wirtschaftlich, aber auch politisch. Die globale Mobilität von Kapital, Gütern und Dienstleistungen wurde forciert und ein durch die Europäische Union geeintes Europa propagiert. Zugleich bestehen in zahlreichen Regionen quasi als Gegenreaktion zu Zentralisierung und Vereinheitlichung Abschottungstendenzen, die teils sogar in gewaltsamen (ethnischen) Konflikten zum Ausdruck kommen. Verstärkt werden sie durch die neoliberale Politik des Sozialabbaus und deren allgemein verunsichernde Folgen. Hielt man den Nationalismus für ein bald der Vergangenheit angehörendes Relikt, so flammt er heute oft umso stärker auf und bedroht die europäische Integration, indem er einen Nährboden für ethnische Konflikte bildet. Kaum ein europäisches Land besteht aus einer ethnisch homogenen Bevölkerung, sodass Konfliktpotential fast überall gegeben ist – sowohl in West-, als auch in Osteuropa. Zum Aufbau der Arbeit: Zunächst halte ich eine Definition verschiedener Begriffe (Nationalität, Nation, Nationalismus, Staat, Volk) für unumgänglich für das weitere Verständnis. In einem nächsten Schritt wird ein Rückblick auf die Geschichte des Nationalismus in Europa zu werfen sein. Danach werde ich neonationalistische/neokonservative Tendenzen in der heutigen multikulturellen Gesellschaft Europas unter die Lupe nehmen. Besonders möchte ich mich beziehen erstens auf Nationalismus in den postkommunistischen osteuropäischen Staaten und zweitens auf Österreich mit seinem wesentlich von der FPÖ getragenen (Deutsch)nationalismus. Schließlich wird ein Ausblick auf die Zukunft von Nationalismus/ethnischen Konflikten in Europa den Kreis schließen. Wird die Europäische Union stark genug sein, um nationalistischen Tendenzen erfolgreich die Stirn zu bieten?
Excerpt (computer-generated)
Schriftliche Arbeit im Rahmen des IP-PS
„Ethnische Konflikte als Problem der internationalen Politik“
WS 2000/2001
URSACHEN UND AUSWIRKUNGEN DES
(NEO)NATIONALISMUS IN EUROPA
von
Gisela Spreitzhofer
Inhaltsverzeichnis
1. NATIONALISMUS – EIN PROBLEM IM ZUSAMMENWACHSENDEN EUROPA ZU BEGINN DES 21. JAHRHUNDERTS? 3
2. ZU DEN BEGRIFFEN „NATIONALITÄT“, „NATION“, „NATIONALISMUS“, „STAAT“ UND „VOLK“ 5
2.1 Nationalität 5
2.2 Nation 6
2.3 Nationalismus 9
2.4 Staat 9
2.5 Volk 11
3. URSPRÜNGE UND AUSBREITUNG EUROPÄISCHER NATIONALISMEN: EIN GESCHICHTLICHER RÜCKBLICK 12
3.1 Von der Frühzeit bis ins 19. Jahrhundert 12
3.2 Die Geburt des Nationalismus im 19. Jahrhundert und seine Veränderungen in der Folgezeit 13
3.3 Ernest Gellner: Eine alternative Theorie zum Nationalismus 14
3.4 Periphere Nationalismen und Regionalismen im 20. Jahrhundert 17
4. NEONATIONALISMUS ALS ÜBEL UNSERER ZEIT 18
4.1 Nationalismus in Osteuropa nach der Wende 19
4.2 Der österreichische (Deutsch)nationalismus 20
5. DIE ZUKUNFT EUROPAS 21
QUELLENVERZEICHNIS 26
1. Nationalismus – ein Problem im zusammenwachsenden Europa zu Beginn des 21. Jahrhunderts?
Nach dem 2. Weltkrieg, der den furchtbarsten Höhepunkt des Nationalismus seit dessen Geburt darstellte, waren sich die europäischen Mächte einig: Solche nationalistischen Auswüchse gefährden die europäische Stabilität, verstoßen gegen grundsätzliche Menschenrechte und dürfen nie wieder vorkommen. In den folgenden Jahrzehnten wuchs (West)europa immer mehr zusammen, v.a. wirtschaftlich, aber auch politisch. Die globale Mobilität von Kapital, Gütern und Dienstleistungen wurde forciert und ein durch die Europäische Union geeintes Europa propagiert. Die geplante EU-Osterweiterung soll einer weiteren Einung von Europa dienen.
Zugleich bestehen in zahlreichen Regionen quasi als Gegenreaktion zu Zentralisierung und Vereinheitlichung Abschottungstendenzen, die teils sogar in gewaltsamen (ethnischen) Konflikten zum Ausdruck kommen. Verstärkt werden sie durch die neoliberale Politik des Sozialabbaus und deren allgemein verunsichernde Folgen. Hielt man den Nationalismus für ein bald der Vergangenheit angehörendes Relikt, so flammt er heute oft umso stärker auf und bedroht die europäische Integration, indem er einen Nährboden für ethnische Konflikte bildet. Überall erwachen ethnische oder nationalistische Interessen und wird größtmögliche Autonomie gefordert. Manche Autoren gehen so weit zu behaupten, dass jetzt, wo der 2. Weltkrieg zu Ende ist, der 1. Weltkrieg wieder beginnen könne – in Anbetracht nationalistischer, ethnischer und rassistischer Ambitionen in zahlreichen Regionen Europas (Vgl. Langer 1992:57). Ich persönlich halte diese Sichtweise zwar für etwas überzogen, da ich mir derzeit keinen gesamteuropäischen Krieg, wie das die beiden Weltkriege waren, vorstellen kann; dennoch gibt es in zahlreichen Regionalgebieten unleugbar gewaltigen Zündstoff: Man denke nur ans Baskenland, an Korsika, an Nordirland,... Ex-Jugoslawien erinnerte Europa schmerzhaft daran, dass der längst besiegt geglaubten Gottheit des Nationalismus weiterhin gehuldigt wird – Menschenopfer inklusive (Vgl. Kessler/Vitzthum/Wertheimer 1997:7).
Kaum ein europäisches Land besteht aus einer ethnisch homogenen Bevölkerung, sodass Konfliktpotential fast überall gegeben ist – sowohl in West-, als auch in Osteuropa. Trotzdem scheinen derzeit vom Nationalismus im ehemaligen Ostblock mehr Gefahren auszugehen, da in Zeiten der (politischen) Neuorientierung Menschen am anfälligsten für einfache „Lösungen“, wie der Nationalismus eine verspricht, sind. Auf jeden Fall tritt Nationalismus in Europa in verschiedensten Spielarten und aus verschiedensten Gründen auf, die noch zu klären sein werden. Generell gilt: Nationalistische, ethnische und religiöse Bewegungen bergen heute wesentlich mehr Massenmobilisierungspotential als Klassenunterschiede. Die Meinungen über Völker, die nach größtmöglicher Autonomie streben (z.B. Armenier, Kurden, Lappen), gehen auseinander: Manche sehen darin eine gesunde Reaktion gegen Zentralismus, Bürokratie und Dominierung einer Mehrheit, andere fürchten dagegen mögliche daraus resultierende Konflikte und Kriege (Vgl. Langer 1993:57f).
Nationalismus geht oft mit offener rassistischer Gewalt von Seiten der Bevölkerung (alltäglicher Rassismus) und mit gesetzlichen Diskriminierungen von Seiten des Staates (institutioneller Rassismus) einher (Vgl. Caglar 1997:7). Die Opfer sind Minderheiten im Staat oder auch Migranten und Flüchtlinge aus dem Ausland, deren Präsenz in Europa in den letzten Jahren stark zunahm. Ebenfalls durch Rassismus und Nationalismus bedroht sind Menschenrechte und demokratische Errungenschaften. Nationalistische Tendenzen spiegeln sich auch in der steigenden Popularität rechter und rechtsradikaler Parteien wider, welche in immer mehr Ländern die politische Landschaft verändern – das beste Beispiel dafür ist vor unserer Haustür, nämlich die FPÖ, welche sich zur Regierungspartei mauserte.
Bevor ich mich im Folgenden dem eigentlichen Thema widme, nämlich „(Neo)nationalismus in Europa“, halte ich eine Definition verschiedener Begriffe (Nationalität, Nation, Nationalismus, Staat, Volk) für unumgänglich für das weitere Verständnis.
In einem nächsten Schritt wird ein Rückblick auf die Geschichte des Nationalismus in Europa zu werfen sein. Wann führten welche Faktoren zu seiner Geburt und wie entwickelte er sich in Folge in den unterschiedlichen Regionen?
Danach werde ich neonationalistische/neokonservative Tendenzen in der heutigen multikulturellen Gesellschaft Europas unter die Lupe nehmen. Besonders möchte ich mich beziehen erstens auf Nationalismus in den postkommunistischen osteuropäischen Staaten und zweitens auf Österreich mit seinem wesentlich von der FPÖ getragenen (Deutsch)nationalismus.
Schließlich wird ein Ausblick auf die Zukunft von Nationalismus/ethnischen Konflikten in Europa den Kreis schließen. Wird die Europäische Union stark genug sein, um nationalistischen Tendenzen erfolgreich die Stirn zu bieten?
Auf den angekündigten Abstecher zu den drei Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam bzw. ihrer Pluralismusfähigkeit möchte ich jedoch verzichten, da dies den Rahmen der Arbeit sprengen würde.
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