Termpaper, 2003, 23 Pages
Author: Dominik Petko
Subject: German Studies - Linguistics
Details
Institution/College: University of Frankfurt (Main) (Institut für deutsche Sprache und Literatur II)
Tags: Gotische, Einführung, Sprachwissenschaft, Sprache, Denken, Sprachgeschichte, Sprachphilosophie
Year: 2003
Pages: 23
Grade: 1-
Bibliography: ~ 16 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-31843-3
File size: 381 KB
In der Auseinandersetzung mit dem Gotischen als Sprache soll zu erst die Herkunft und die Geschichte des Volkes der Goten beschrieben werden. In einem anschließenden Kapitel wird die Entstehung des gotischen Sprachgutes als eigenständige Sprache unter Berücksichtigung der wesentlichsten grammatischen Aspekte beleuchtet. Durch Analyse der phonetischen und morphologischen Besonderheiten des Gotischen wird die grammatische Struktur anhand ausgewählter Beispiele deutlich.
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Das Gotische
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Fachbereich Neuere Philologien
Institut für deutsche Sprache und Literatur II
Einführung in die historische Sprachwissenschaft -
Sprache und denken, Sprachgeschichte und Sprachphilosophie
von
Dominik Petko
Studiengang: L3 Deutsch, Geschichte, Sozialkunde
Semesterzahl: 3
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung Seite 3
2. Herkunft und Geschichte des Gotischen Seite 3-5
3. Die Sprache der Goten Seite 5-6
3.1 Phonetischer Überblick Seite 6-8
3.2 Morphologischer Überblick Seite 9-13
4. Ursprung und Entwicklung des Gotischen Seite 13-15
5. Die Verwandtschaft zum Germanischen Seite 15-16
5.1 Verhältnis zum Nordgermanisch/Nordseegermanisch Seite 16-17
5.2 Verhältnis zum Westgermanisch Seite 18-19
6. Zusammenfassung und Schlußbetrachtung Seite 19-20
7. Literaturverzeichnis Seite 21
Das Gotische
1. Einleitung
Als der gotische Bischof Wulfila im 4. Jh. die Bibel ins Gotische übersetzte, war sein Anliegen, eine Übersetzung zu schaffen, die von Goten gelesen werden konnte. Er erreichte aber wesentlich mehr, da ein großer Teil der Abschriften erhalten ist und dadurch das Gotische für die Nachwelt gesichert und rekonstruierbar gemacht wurde. Das Gotische ist so zur ältesten, überlieferten germanischen Sprache geworden. Wie aber ist diese Sprache beschaffen, welche Eigenschaften besitzt sie und gibt es eine Verwandtschaft zu anderen Sprachen?
In der Auseinandersetzung mit dem Gotischen als Sprache soll zu erst die Herkunft und die Geschichte des Volkes der Goten beschrieben werden, da die Entwicklung einer Sprache mit der Genese und der geographischen Verbreitung eines Volkes zusammenhängt. Auch wird auf diese Weise die Verwandtschaft des Gotischen zu anderen germanischen Sprachen transparenter, wie auch Gemeinsamkeiten und Unterschiede, auf die ebenfalls in einem Kapitel eingegangen wird, leichter zu erklären sind. In einem anschließenden Kapitel wird die Entstehung des gotischen Sprachgutes als eigenständige Sprache beleuchtet.
Im weiteren werden die wesentlichsten grammatischen Aspekte des Gotischen vorgestellt. Durch Analyse der phonetischen und morphologischen Besonderheiten des Gotischen wird die grammatische Struktur dieser Sprache deutlich. Ausgewählte Beispiele unterstreichen und vergleichen deren Merkmale mit dem grammatischen System anderer Sprachen.
Zunächst aber soll ein Blick auf das Volk der Goten und ihre Geschichte geworfen werden.
2. Herkunft und Geschichte der Goten
Die Goten gelten heute als ein zu den Ostgermanen gehörender Volksverband. Dazu zählen unter anderen die Rugier, Burgunder und Vandalen. Ihr Ursprung und ihre geographische Herkunft ist nicht gesichert. Neigten wissenschaftliche Werke und die Historiker bis vor einigen Jahren ausschließlich dazu, Skandinavien als Stammland der Goten aufzuführen, so wird diese These in heutiger Zeit zunehmend in Frage gestellt.
Einen Beweis für die skandinavische Abstammung durch Berufung auf antike Quellen zu liefern, ist wissenschaftlich sehr problematisch. Denn [...] „für die antiken Ethnographen existierte ein Volk erst, wenn es in den Gesichtskreis der zivilisierten Welt getreten war.
Dazu kommt, daß die Autoren die ihnen zugänglichen Informationen heranzogen, ohne nach Zeit und Ort zu differenzieren oder viel nach Veränderungen zu fragen.“1 Auch durch archäologische Funde konnte bis dato noch kein gesicherter Aufschluß über den Ursprung des gotischen Volkes gegeben werden.
Heute neigen die Forscher eher dazu, die Goten als einen Kontinentalstamm zu betrachten. Vergleichbar wie bei den Kelten, bewegten sich die Goten, bedingt durch die transatlantische Wanderung, vom Westen in den Osten.2 Die Geschichtsschreibung der „zivilisierten Welt“ erwähnt ein zwischen dem ersten und dritten Jahrhundert n. Chr. an der Mündung von Oder und Weichsel siedelndes Volk, daß als „Gutonen“ bezeichnet wird. Tacitus zählte dieses Volk zu den germanischen Oststämmen. Ab diesem Zeitraum ist deren weiteres Schicksal besser zu fassen und nachzuvollziehen. Zwischen 150 bis 200 n. Chr. stieß der Volksverband weiter nach Südosten vor. Auf ihren Zügen assimilierten die Goten zahlreiche fremde Völkerschaften, teils durch Unterwerfung, teils durch friedliche Integration. Als Beispiel sei das Volk der Skythen genannt, ein Reitervolk im eurasischen Steppenland.3
Um 200 n. Chr. trennte sich das gotische Volk in zwei Teile, die uns heute als West- und Ostgoten geläufig sind. Der Volksteil, welcher in Richtung Osten zog und nördlich des schwarzen Meeres siedelte, trug zu dieser Zeit die Bezeichnung „Greutungi“ oder „Ostrogothi“. Der Teil der Goten, der sich durch das heutige Rumänien bewegte und nördlich der Donau siedelte, hieß „Tervingi“ oder „Vesi“. „Die Terwingen sind die „Waldleute“, die Greutungen die „Steppen- und Strandbewohner“. Dagegen bedeutet der Name der Vesier die „Goten, Edlen“, der der Ostrogothen „ die glänzenden oder Sonnenaufgangs-Goten“.
Das Gegensatzpaar Greutungen-Terwingen besteht aus landschaftsgebundenen Fremdbezeichnungen. Das Paar Ostrogothen-Vesier sind prunkende Selbstbezeichnungen.“4
[....]
1 Herwig Wolfram, Die Goten und ihre Geschichte, München 2001, S. 14
2 Vgl. <http://www.tolos.de/goten.htm>, S. 2.
3 Vgl. ebd.
4 Herwig Wolfram, Die Goten und ihre Geschichte, München 2001, S. 35.
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