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Wandel der Familie im Kontext gesellschaftlicher Modernisierungstendenzen

Intermediate Diploma Thesis, 2004, 32 Pages
Author: Nadine Heß
Subject: Pedagogy - Pedagogic Sociology

Details

Category: Intermediate Diploma Thesis
Year: 2004
Pages: 32
Grade: sehr gut
Bibliography: ~ 24  Entries
Language: German
Archive No.: V30685
ISBN (E-book): 978-3-638-31888-4

File size: 274 KB


Excerpt (computer-generated)

Martin-Luther-Universität, Halle-Wittenberg
Allgemeine Erziehungswissenschaft
Vordiplomarbeit

Wandel der Familie im Kontext gesellschaftlicher Modernisierungstendenzen

von: Nadine Heß

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wandel der Familie im Kontext gesellschaftlicher Modernisierungstendenzen

2.1 Historische Entwicklung der Institution Familie - vom „ganzen Haus“ zur bürgerlichen Kernfamilie -
2.2 Definitionen von Familie
2.3 Der Modernisierungsprozess
2.4 Gesamtgesellschaftliche Wandlungsprozesse und ihre Auswirkungen auf die Familie
2.5 Probleme in der Familienentwicklung durch den Einfluss der Modernisierung

2.5.1 Abnahme der Attraktivität der Ehe
2.5.2 Zunahme der Scheidungshäufigkeit
2.5.3 Geburtenrückgang
2.5.4 Verändertes Selbstverständnis der Frauen
2.5.5 Ökonomische Benachteiligung von Familien mit Kindern
2.5.6 Wandel von Erziehungszielen und – stilen
2.5.7 Pluralisierung der Familienformen

2.6 Stellung der Familie in der Gegenwart

3. Zusammenfassung

3.1 Abschließende Betrachtung zur Familienentwicklung
3.2 Schlusswort

4. Literaturverzeichnis

 


1. Einleitung

Der rasche gesellschaftliche Wandel, der im 19. Jahrhundert, als Folge der industriellen Revolution eintrat, hat neben anderen Veränderungen auch starken Einfluss auf die Familie ausgeübt. So haben sich beispielsweise aus dem Ideal der Kernfamilie, bestehend aus Vater, Mutter und Kind, die unterschiedlichsten Familienformen herausgebildet. Trotz der Wandlungsprozesse blieb die soziale Funktion der Familie, als eine der wichtigsten Aufgabe bestehen. Besonders für Kinder sind der familiäre Halt, die Umsorgung, die Pflege und die Sicherheit für die ‚Menschwerdung’ von zentraler Bedeutung. Somit bleiben die kindliche Entwicklung, die Sozialisation, die Vermittlung von Normen und Werten, die Erziehung und Pflege sowie das Vermitteln von Liebe und Geborgenheit die bedeutungsvollsten Aufgaben der Familie. Dabei ist es nebensächlich, wie sich die Familie zusammensetzt, die Verantwortung, die diese dem Kind gegenüber hat, bleibt stets die gleiche (vgl. Altenthan u.a. 1996, S.54ff). Das bedeutet, dass auch familienähnliche Bedingungen eine ausreichende Persönlichkeitsentwicklung des Kindes ermöglichen können und eine vollständige Familie dazu nicht dringend von Nöten ist. Obwohl die frühen Beziehungen zwischen Kind und Eltern auch durch andere Personen, wie beispielsweise Großeltern und Pflegeeltern ersetzt werden können, sind die zwischen Kind und Eltern von großer Bedeutung und wirken sich besonders förderlich auf die Entwicklung des Kleinkindes aus (vgl. Herrmann 1994 S.200).

Nicht nur für Kinder hat das familiäre Zusammenleben eine große Bedeutung, sondern auch für Erwachsene hat dies einen hohen Stellenwert. Der Rückzug ins Private, das Zusammensein mit vertrauten Menschen, die Stabilität und Zuneigung, der Zusammenhalt und die gegenseitige Unterstützung und weiteres mehr, was eine Familie bietet, wird von den meisten Menschen als erstrebenswertes Ziel angesehen. Andere Bereiche des Lebens, wie Beruf und Freunde, können diesen hohen Stellenwert nicht erreichen, auch wenn sie von Bedeutung sind (vgl. Mayer 2000, S.25f). Aus diesem Grund möchte ich in meiner Arbeit die Bedeutung von Familie, vielleicht sogar ihre Notwendigkeit, zur Sprache bringen und besonders intensiv auf problematische Aspekte des Familienwandels eingehen. Dabei ergeben sich als Erstes die Fragen, ab wann man überhaupt von einer Familie sprechen kann und an welchen Kriterien sie zu erkennen ist. Um dies näher beleuchten zu können, werde ich einen kurzen geschichtlichen Überblick über die Entstehung der Familie vom ‚ganzen Haus’ hin zur bürgerlichen Kernfamilie voranstellen. Das Hauptaugenmerk möchte ich jedoch auf die heutige Familie und ihre differenzierten Ausprägungen legen. Warum hat sich dieser starke Wandel von Familie ergeben? Welche Einflüsse spielen eine Rolle? Dabei ist anzumerken, dass Modernisierungstendenzen, die die raschen gesellschaftlichen Veränderungen mit sich bringen, hier von besonderer Bedeutung sind. Doch welche sind diese? Und was bewirken sie und wie? Zum Abschluss möchte ich der Frage, ob sich die Familie in einer Krise befindet, nachgehen. Hat das Ansehen der Familie wirklich an Bedeutung verloren? Dieses Thema wurde in letzter Zeit häufig diskutiert. Doch ob man darauf eine reelle Antwort erwarten kann, möchte ich vorerst noch in Frage stellen.

2. Wandel der Familie im Kontext gesellschaftlicher Modernisierungstendenzen

2.1 Historische Entwicklung der Institution Familie - vom „ganzen Haus“ zur bürgerlichen Kernfamilie -

Die Institution Familie und das, was wir heute darunter verstehen, begann sich erst langsam im 18. Jahrhundert herauszubilden. Vor dieser Zeit sprach man vom „ganzen Haus“ (Brunner 1978, nach Peuckert 1996, S.21). Besonders für die Bauern- und Handwerkerfamilien war diese Lebensform charakteristisch. Hierzu zählte man nicht nur die zur Familie gehörenden Personen, sondern auch das Gesinde beziehungsweise die Gesellen. Diese Art des Zusammenlebens ermöglichte es, die Produktion und das Familienleben zu verbinden. Gesinde und Gesellen bildeten dementsprechend mit der eigentlichen Familie eine Gemeinschaft, die zusammen lebte und arbeitete. Die Bezeichnung Großfamilie ist für das ‚ganze Haus’ jedoch nicht treffend, da sich dieses aus mehreren Kernfamilien zusammensetzte. Die Folge war, dass durch die fehlende Intimität und Privatsphäre gefühlsarme Beziehungen vorherrschten. Dies galt nicht nur zwischen den Geschlechtern, sondern betraf auch das Verhältnis zu den Kindern. Die Familienstrukturen des 16. Jahrhunderts wurden von zahlreichen Faktoren beeinflusst, aufgrund dessen sich der Familienbegriff sowie die Familienformen stark differenzierten. Solche Faktoren waren unter anderem die Schicht- und Glaubenszugehörigkeit, sowie die Wohngegend der Familie. Trotz dieser großen Vielfalt der Familienkonstrukte waren schon damals bestimmte Merkmale typisch für alle Familien. So hatte jeder Familienzugehörige eine bestimmte Position und Rolle inne, wobei dem Familienvater die höchste Stellung zukam und die anderen zur Familie gehörenden Personen sich ihm unterordnen mussten. Die Aufgabe der Frau war es, sich um den Haushalt zu kümmern, die Kinder zu gebären und sie zu pflegen. Die Nachkommen einer Familie waren gleichzeitig auch die Erben, ihre Arbeitskraft war für die Familie von großer Bedeutung und zugleich kam ihnen die Pflicht zu, ihre Eltern im Alter zu versorgen. Meist bestand die Ehe, die ein Mann und eine Frau eingingen, ein Leben lang. Die Auswahl des Partners richtete sich nach bestimmten Kriterien. Diese waren vorwiegend der gesundheitliche Zustand, die Arbeitsfähigkeit sowie die Besitztümer des zukünftigen Partners. Eine Ehe basierte demnach weniger auf Emotionalität als auf ökonomischen Nutzen. Der Einfluss der Eltern war bei diesen Abwägungen bedeutsam. Eine Heirat stellte keine Selbstverständlichkeit dar, da sie einem Großteil der Bevölkerung rechtlich verboten wurde oder finanzielle Bedingungen nicht ausreichend waren. Die Familie war eine Art Produktionsgemeinschaft. In Bauerfamilien wurden Güter für den Eigenbedarf hergestellt, im Gegensatz dazu stellten Handwerkerfamilien ihre Produkte zum Verkauf her. Die Familien der Bauern und der Handwerker des 18. und 19. Jahrhunderts bestanden meist aus zwei Generationen. Die Kinderzahl wurde durch die hohe Säuglingssterblichkeit gering gehalten, so dass die meisten Familien nicht mehr als drei Kinder hatten. Das ‚ganze Haus’ als Familienform erfüllte viele Funktionen, so zum Beispiel die Sozialisation, das Lernen, die Erziehung, die materielle Versorgung und so weiter. Erst durch den gesellschaftlichen Wandel wurden diese Funktionen auf verschiedene Institutionen verteilt. Im 18. Jahrhundert wandelte sich durch die einsetzende Industrialisierung die Familie im gehobenen Bürgertum in einem solchen Maße, dass sie dem heutigen Verständnis von Familie sehr nahe kommt. Diese Veränderung konnte in der gebildeten und wohlhabenden Gesellschaftsschicht stattfinden, da hier die Familien nicht auf die Erwerbstätigkeit der Frauen und Kinder angewiesen waren. Das Leben in einer bürgerlichen Familie lässt sich dabei deutlich von dem im ‚ganzen Haus’ unterscheiden. Ein wichtiges Merkmal stellt dabei die Trennung von Beruf und Familie dar, welches durch den Übergang zur Lohnarbeit erzielt wurde. Angestellte jeglicher Art wurden nicht mehr als zur Familie gehörende Personen gezählt, weshalb sich auch eine räumliche Trennung zwischen ihnen und den Familienmitgliedern vollzog. Gleichermaßen betraf dies auch die zu einer Familie gehörenden Personen, die nun nicht mehr nur innerhalb der Familie tätig waren, sondern auch in anderen Institutionen.

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