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Diplomarbeit, 1993, 96 Seiten
Autor: Martin Müller
Fach: Agrarwissenschaften
Details
Tags: Thailand, Akha, Nachhaltige Landwirtschaft, Entwicklungsprojekte, Wanderfeldbau
Jahr: 1993
Seiten: 96
Note: 1
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-11852-1
Dateigröße: 643 KB
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Textauszug (computergeneriert)
UNIVERSITÄT HOHENHEIM
Institut für Agrarsoziologie, Landwirtschaftliche Beratung und
angewandte Psychologie
Prof. Dr. Hartmut Albrecht
Fachgebiet Landwirtschaftliche Beratung
Ökologische Angepaßtheit und kulturelle Akzeptanz von Projektmaßnahmen
in einer traditionellen Gesellschaft
Untersuchung am Beispiel eines Projektes einer thailändischen
Nicht-Regierungs-Organisation zur Umstellung
von traditionellem Wanderfeldbau auf dauerhafte Landwirtschaft
in einem Akha-Dorf in Nordthailand
Diplomarbeit
vorgelegt von
Martin Uwe Müller
Hohenheim, März 1993
Diese Arbeit wurde aus Mitteln der Vater und Sohn Eiselen - Stiftung gefördert
1 EINLEITUNG ... 1
1.1 Problemstellung ... 1
1.2 Ziel der Untersuchung ... 2
1.3 Aufbau der Arbeit ... 3
1.4 Charakterisierung der Untersuchungsregion ... 4
2 METHODISCHES VORGEHEN ... 6
2.1 Wahrnehmung im kulturellen Kontext ... 6
2.2 Fallstudie ... 7
2.3 Quellenstudium ... 8
2.4 Teilnehmende Beobachtung ... 9
2.5 Befragung von Projektbeteiligten ... 11
3 THEORIE DER ENTWICKLUNGSARBEIT ... 14
3.1 Nachhaltige Landnutzung und Verwendung lokaler Ressourcen ... 14
3.2 Selbstbestimmte Entwicklung von Technologie ... 15
3.3 Interkulturelle Kommunikation ... 17
4 ALLGEMEINER HINTERGRUND ... 19
4.1 Traditionelle Landnutzungssysteme ... 19
4.1.1 Wanderfeldbau ... 19
4.1.2 Gemeindewald ... 22
4.1.3 Bewässerungsfeldbau ... 22
4.2 Situation in Nordthailand ... 25
4.2.1 Drogenhandel im "Goldenen Dreieck" ... 25
4.2.2 Geopolitische Situation in Thailand nach 1940 ... 25
4.2.3 Ökologische und ökonomische Situation ... 27
5 KULTUR UND WIRTSCHAFTSWEISE DER AKHA ... 30
5.1 Herkunft und Geschichte ... 30
5.2 Kulturelle Besonderheiten ... 31
5.3 Traditionelle Landnutzung ... 34
5.4 Aktuelle Probleme ... 36
6 PROJEKTBESCHREIBUNG ... 39
6.1 Das Projekt ... 39
6.1.1 Entstehung und Ziele ... 39
6.1.2 Aufbau der Organisation ... 41
6.1.3 Arbeitsweise ... 42
6.2 Das propagierte Landnutzungssystem ... 44
6.2.1 Propagierte Maßnahmen ... 44
6.2.2 Soziokulturelle Voraussetzungen ... 45
6.2.3 Ökologische und ökonomische Erwartungen ... 46
6.3 Projektstand ... 47
6.3.1 Realisierte Neuerungen ... 47
6.3.2 Probleme bei der Umsetzung ... 49
6.3.3 Probleme innerhalb der HADF ... 51
6.4 Bewertung des propagierten Landnutzungssystems ... 52
6.4.1 Beurteilung der Neuerungen ... 52
6.4.2 Methodische Änderungsvorschläge ... 53
6.4.3 Technische Änderungsvorschläge ... 55
6.5 Veränderungsvorschläge zu Problemen innerhalb der HADF ... 56
7 DISKUSSION ... 59
7.1 Prognose 59
7.2 Ableitung allgemeinerer Aussagen ... 60
LITERATURVERZEICHNIS ... 63
ANHANG 66
A 1 Höhenlinienbild des Gebietes um Pakha Sukjai ... 66
A 2 Bestandteile der Feldforschung (Vorhaben) ... 67
A 3 Leitfaden für die Feldforschung (Orientierungsfragen) ... 67
A 4 Leitfaden für die Befragung von Dorfbewohnern (in Englisch) ... 68
A 5 Aussagen von Bewohnern Pakha Sukjais ... 69
A 6 Bodennutzungsintensität ... 73
A 7 Bodenabtrag in Abhängigkeit von der Fruchtfolge, der Hanglänge und der Hangneigung ... 73
A 8 Geschichte der Kuomingtang in Nordthailand ... 74
A 9 Sloping Agriculture Land Technology (SALT) ... 75
A 10 Tuenjai Deetes′ Adress ... 76
A 11 The Lomi-Akha of Mae Salong (n.n., no title, no date, appr. 1990) ... 78
A 12 Gewinnung und Ausbringung von organischem Dünger ... 85
A 13 Integration von Feuer- und Nutzholz in Konturhecken ... 86
A 14 Maßnahmen zur Reduzierung des Oberflächenabflusses und Hebung der Wasserverfügbarkeit ... 87
Verzeichnis der Abbildungen
1.1: Thailand mit angrenzenden Staaten ... 4
1.2: Bezirk Mae Chan, Kartenausschnitt von Abb. 1.1 ... 5
2.1: Klassifikation der Beobachtungsformen ... 10
3.1: Vergleich der Konzepte "Technologietransfer" und "Farmer first" ... 16
3.2: Aktivitäten der Bauern und Rolle der Berater ... 17
4.1: Zusammenhang zwischen Brachedauer und Bodenproduktivität im Wanderfeldbau ... 20
4.2: "Spirale" bei steigender Besiedlungsdichte ... 21
5.1: Wanderung der Akha ... 30
5.2: Teil des Feldgürtels um Pakha Sukjai (Zentrum) ... 35
6.1: Administrative Struktur des Projekts ... 42
6.2: Partizipationsmodell der HADF ... 43
6.3: Zusammenhang zwischen Ziel, Maßnahmen und Mitteln ... 47
6.4: Entwicklung soziokulturell angepaßter Lösungen ... 54
6.5: Selbstversorgung mit Reis ... 56
6.6: Reaktion auf Besucher ... 57
6.7: Mögliche Antworten auf Probleme des Mitarbeiterstabes ... 58
6.8: Möglichkeiten zur Erweiterung des Fachwissens ... 58
Verzeichnis der Tabellen
6.1: Beteiligung an der Umstellung auf Alley Cropping in Pakha Sukjai ... 47
6.2: Nutzung von "Umlaufkrediten" in Pakha Sukjai ... 48
Verzeichnis der Abkürzungen
[...]
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
Zu Beginn der 90er Jahre herrscht größeres Elend, Unterernährung und mehr soziale und politische Unruhe als vor 25 Jahren. Keines der großen Ziele der beiden letzten Entwicklungsdekaden wurde erreicht. Der Blick richtete sich auf die marginalisierten Standorte. Mehr als ein Viertel aller Menschen hängen in ihrem Lebensunterhalt von traditioneller, extensiver Landbewirtschaftung ab. Mit ihrer Subsistenzwirtschaft produzieren sie nicht für den ökonomischen Markt und sind keine Abnehmer seines Angebots. Aus der Sicht einer nach Industrialisierung strebenden Gesellschaft ist das als verschwenderisch im Sinne der Nationalökonomie anzusehen: Die Dorfgemeinschaft, die sich mit Subsistenz zufrieden gibt, bindet Ressourcen und Produktivkräfte, die rationell zur Mehrung des Wohlstands einzusetzen wären. Die Entwicklungsanstrengungen richteten sich deshalb auf die Modernisierung dieser Bewirtschaftungsweisen. Marginalisierung und kulturelle Entwurzelung traten in der Folge verstärkt auf. [VERHELST, S.19 ff.]
Für große Teile der Bevölkerung war das mit negativen Begleiterscheinungen verbunden. Vorbehalte kamen gegen diesen Fortschritt und die moderne, industrialisierte und individualistische Gesellschaft auf. Unter diesen Voraussetzungen konnten die staatlichen Programme die Zielbevölkerungsgruppen kaum motivieren. Der Blick richtete sich auf basisorientierte Nicht-Regierungsorganisationen. Es wurden Hoffnungen in Entwicklungsansätze gesetzt, die auf lokale oder regionale Zusammenarbeit mit der marginalisierten Bevölkerung aufbauten. Die Betroffenen sollten in die Projektplanung und Ausführung einbezogen werden. Aufbauend auf ihr traditionelles Wissen sollten sie selber die Anpassungen an die neuen Umstände entwickeln, die ihrem kulturellen Selbstverständnis und der Tragfähigkeit des Ökosystems entsprechen. [WARREN, S.161]
Die kritische Auseinandersetzung mit der bisherigen Entwicklungsarbeit spiegelte sich auch im Methodenstreit wieder. Nach Auffassung einer Gruppe von Theoretikern und Praktikern kann der Transfer landwirtschaftlichen Wissens (TOT - Transfer of Technologie) als Kreisprozeß angesehen werden: Forschungszentren geben wissenschaftliche Ergebnisse an Beratungsdienste weiter, wo sie in Botschaften transformiert werden, die verschiedene Gruppen von Bauern erreichen sollen. Die Bauern wiederum sollen über ihren Bedarf, ihre Probleme und Erfahrungen berichten, was zu Forschungen auf neuen Gebieten Anregung gibt. [BENAD und LUPANGA, S.463] Gleichzeitig waren Klagen über eine mangelhafte Weitergabe landwirtschaftlichen Wissens und landwirtschaftlicher Neuerungen an die Landbevölkerung verbreitet. Der Grund dafür wurde häufig im Traditionalismus - dem "Widerstand gegen Veränderung" der bäuerlichen Bevölkerung gesehen. Andererseits wurden Defizite im Beratungswesen, fehlende Geldmittel und Mangel an geschultem Personal dafür verantwortlich gemacht. [BENAD und LUPANGA, S.465]
Kritiker dieses TOT-Modells sehen die Probleme an anderen Stellen: die Kommunikation erscheint ihnen meist als eine Einbahnstraße: von Systemen aus Forschung und Beratung zu den Bauern, aber kaum umgekehrt. In Forschungsinstituten werde bevorzugt bio(techno)logisch an landwirtschaftliche Probleme herangegangen. Fragen der ökonomischen Durchführbarkeit, der Anpassung an bestehende Landnutzungssysteme oder kulturelle Besonderheiten fänden wenig Beachtung. Das Augenmerk scheint isoliert auf die Steigerung der Produktion gerichtet zu sein. [BENAD und LUPANGA, S.463 f.] Dem Inhalt der Beratung und seiner Eignung für die Bauern werde zu wenig Beachtung geschenkt. Darüber hinaus mangele es meist an den für die Übernahme des Empfehlungs-"Pakets" notwendigen Ressourcen wie Einnahmequellen, Kredit oder der Verfügbarkeit der Einsatzmittel. Oder es werden nicht die besondere Situation und die daraus entwickelten, vorrangig zu verfolgenden Ziele und Techniken der Landbevölkerung berücksichtigt. [BENAD und LUPANGA, S.465]
Aufbauend auf diesen Erfahrungen wurden partizipatorische Ansätze in der Entwicklungshilfe erarbeitet. Sie zielen darauf hin, der ländlichen Bevölkerung bei der Gestaltung und Umsetzung von Beratungsinhalten mehr Freiraum zu lassen. Diese können aber nicht isoliert umgesetzt werden. Günstige Rahmenbedingungen auf gesellschaftlicher und politischer Ebene entscheiden mit über den Erfolg solcher Ansätze. Wenn innerhalb der nach Industrialisierung strebenden Gesellschaft kein Verständnis und Respekt für andersartige Lebensweisen und Lebensziele aufgebracht werden, ist ohnehin alles Theorie. Der mächtigere Kulturkreis fordert den Kulturkreis, der die zahlenmäßig kleinere Gruppe stellt, zu Umstellungen und Verzicht auf. Der Zwang zum Wandel wird nicht aufzuheben sein. Es stellt sich nur die Frage, welchen Unterschied es gesellschaftlich und für die Identität der Betroffenen macht, ob eine Gemeinschaft den Wandel selbst gestaltet oder zur Übernahme fremd wirkender Maßnahmen gezwungen wird.
1.2 Ziel der Untersuchung
In Nordthailand versuchen thailändische Regierungsstellen und NRO′s den Wanderfeldbau der Bergvölker zu stoppen. Methoden der modernen oder nachhaltigen Landbewirtschaftung und des Erosionsschutzes sollen eingeführt werden. Damit soll ihre Existenz gesichert und dem Entstehen sozialer und wirtschaftlicher Not vorgebeugt werdem. Eine dieser Organisationen ist die Hill Area Development Foundation (HADF), bei der ich 31/2 Monate zu Gast war. Sie genießt internationale Anerkennung für ihren bisherigen Beitrag zur Dorfentwicklung.
Aufgabe des Projektes ist es, Bergvölker in der Umgebung von Mae Salong bei der Umstellung von traditionellem Brandrodungsfeldbau auf eine ökologisch verträglichere, nachhaltige Landbewirtschaftung zu beraten und zu unterstützen. Meine Studie beschränkt sich weitgehend auf die Entwicklungsarbeit der HADF bei einem der Bergvölker - den Akha - in einem der Projektdörfer. Ziel meiner Untersuchung ist, die ökologischen und kulturellen Bedingungen des traditionellen Landnutzungssystems denen des Projektansatzes gegenüberzustellen. Erfolge und Schwierigkeiten bei der Umstellung des Landnutzungssystems sollen erkennbar werden. Daraus können Schlüsse über Methoden und Inhalt der Beratungsarbeit der HADF gezogen werden. Schließlich sollte es möglich sein, allgemeingültige Aussagen darüber abzuleiten, unter welchen Bedingungen NRO′s eine Alternative in der Entwicklungszusammenarbeit darstellen und was die Voraussetzungen für verbesserte Beratungsinhalte sind. Die in dieser Fallstudie erkennbaren sinnvollen Ansätze und auftretenden Probleme können für ähnliche Situationen in anderen Entwicklungsvorhaben sensibilisieren.
1.3 Aufbau der Arbeit
Im Untersuchungsprozeß kamen verschiedene Methoden der qualitativen Sozialforschung zur Anwendung. Sie werden zunächst erläutert, und die Auswahl wird begründet. Die theoretischen Ausführungen zur Entwicklungsarbeit beschreiben ein sozio-ökonomisches und methodisches Konzept als Grundlage für eine Bewertung der Leistung der HADF. Um die Situation der Bergvölker, die Anstrengungen und die Ziele der HADF einzuordnen, ist eine Darstellung der Landnutzungssysteme und der Situation in Nordthailand notwendig. Die Kultur der Akha und die aktuellen Probleme im Dorf vor dem Eintreffen der HADF liefern den Hintergrund zur Beurteilung der Umstellungsmaßnahmen und Arbeitsweise der HADF. Der Einblick in die Geschichte der HADF führt die Schwierigkeiten der Anwesenheit und die Entstehung der Ziele vor Augen. Die Gegenüberstellung von Projektabsichten und Projektwirklichkeit soll verdeutlichen, inwieweit die propagierten Maßnahmen zur Lösung der ökonomischen und ökologischen Probleme beitragen und in welchem Maße die Bevölkerung an den Entwicklungsvorhaben partizipiert. Zusammenfassend werden die realisierten Neuerungen unter Berücksichtigung aller genannten Aspekte zu beurteilen sein.
Unter Bezug auf die theoretischen Vorüberlegungen sollen methodische und technische Veränderungsvorschläge für die gastgebende HADF entwickelt werden. Der mögliche Entwicklungsgang und der zu erwartende Beratungsbedarf soll anschließend prognostiziert werden. Damit lege ich der Trägerorganisation terre des hommes, die meinen Aufenthalt im Projekt vermittelt hat, meine Einschätzung des Entwicklungsbedarfs und der Bedeutung der Förderung des Projektes vor. Abschließend sollen aus den Ergebnisse dieser Fallstudie allgemeingültige Aussagen herausgearbeitet werden. Sie können für andere Projekte und Organisationen nützlich sein.
[...]
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