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Interkulturelle Wirtschaftskommunikation - Analysen von Erscheinungsweisen und Problemfeldern

Examination Thesis, 2002, 119 Pages
Author: Anonym
Subject: German Studies - Linguistics

Details

Category: Examination Thesis
Year: 2002
Pages: 119
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 126  Entries
Language: German
Archive No.: V30790
ISBN (E-book): 978-3-638-31977-5

File size: 458 KB
Notes :




Excerpt (computer-generated)

Bergische Universität Gesamthochschule Wuppertal

Interkulturelle Wirtschaftskommunikation - Analysen von Erscheinungsweisen und Problemfeldern

Examensarbeit

2002


Nur ein Vergleich 1

Ein Mensch hat irgendwann und wo,
Vielleicht im Lande Nirgendwo,
Vergnügt getrunken und geglaubt,
Der Wein sei überall erlaubt.
Doch hat vor des Gesetzes wucht
Gerettet ihn nur rasche Flucht.
Nunmehr im Land Ixypsilon
Erzählt dem Gastfreund er davon:
Ei, lächelt der, was Du nicht sagst?
Hier darfst Du trinken, was Du magst!
Der Mensch ist bald, vom Weine trunken,
An einem Baum hingesunken.
Wie? brüllt man, welch üble Streiche?
So schändest Du die heilige Eiche?
Er ward, ob des Verbrechens Schwere,
Verdammt fürs Leben zu Galeere
Und kam, entflohn der harten Schule,
Erschöpft ins allerletzte Thule.
Ha! Lacht man dorten, das sind Träume!
Hier kümmert sich kein Mensch um Bäume.
Der Mensch, von Freiheit so begnadet,
Hat sich im nächsten Teich gebadet.
So, heißts, wird Gastfreundschaft mißnutzt?
Du hast den Götterteich beschmutzt!
Der Mensch, der drum den Tod erlitten,
Sah: andre Länder, andre Sitten.

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ... 1
1.1. Gegenstand, Ziel und Gliederung der Arbeit ... 2

I. TEIL: EINFÜHRUNG IN THEMENSPEZIFISCHE GRUNDLAGEN

2. Forschungsbereich Interkulturelle Wirtschaftskommunikation ... 6
2.1. Entwicklung und Stand der Forschung ... 6
2.2. Ansätze und methodologische Grundlage der Arbeit ... 8
2.2.1. Der Kontrastiv-pragmatische Ansatz ... 9
2.2.2. Interaktions-/prozeßorientierte Ansätze ... 11
2.3. Die Bedeutung interkultureller Kommunikation für die Wirtschaft ... 13

3. Begriffsdefinitionen ... 16
3.1. Die wechselseitige Verknüpfung von Kultur und Sprache ... 16
3.1.1. Der zugrundliegende Kulturbegriff ... 16
3.1.2. Sprache und Kommunikation ... 19
3.1.4. Interkulturelle versus intrakulturelle Kommunikation ... 24
3.2. Kommunikation in wirtschaftlichen Zusammenhängen ... 26
3.2.1. Wirtschaft ... 26
3.2.2. Interkulturelle Wirtschaftskommunikation ... 26

II. TEIL: PROBLEMBEREICHE DER KOMMUNIKATION ZWISCHEN INTERNATIONALEN GESCHÄFTSPARTNERN

4. Allgemeine Voraussetzungen und Probleme fremdkultureller Begegnungen ... 31
4.1. Mißverständnisse ... 33
4.2. Lernersprachliche Defizite ... 35
4.3. Wahl der Kontaktsprache ... 36
4.4. Pragmatischer Transfer ... 37

5. Mündliche versus schriftliche Wirtschaftskommunikation: Eine Abgrenzung ... 39
5.1. Kulturbedingte Kommunikationsunterschiede im Bereich Mündlichkeit versus Schriftlichkeit ... 40
5.2. Der Geschäftsbrief ... 43

6. Verbale Kommunikation ... 46
6.1. Face-to-face-Kommunikation in Abgrenzung zu Telefongesprächen ... 46
6.2. Sprachliches Lexikon ... 50
6.3. Sprechakte ... 51
6.4. Sprechhandlungssequenzen ... 53
6.4.1. Begrüßung ... 53
6.4.2. Höflichkeit ... 55
6.4.3. Anredeformen ... 56
6.5. Konventionen des Diskursablaufs ... 57
6.6. Grad der Indirektheit ... 59

7. Paraverbale Kommunikation ... 62
7.1. Rhythmus und Lautstärke ... 62
7.2. Prosodie und Tonhöhe ... 64

8. Nonverbale Kommunikation ... 66
8.1. Gestik ... 68
8.2. Mimik und Blickkontaktverhalten ... 70
8.3. Körperhaltung ... 72

9. Extraverbale Elemente ... 75
9.1. Die Sprache des Raumes ... 75
9.2. Die Zeitsprache ... 76
9.3. Die Vertragssprache ... 77
9.4. Denkmuster ... 78
9.5. Kontextabhängigkeit in der Kommunikation ... 80

10. Kommunikativer Stil ... 83
10.1. Die Bedeutung von Kontextualisierungshinweisen ... 84
10.2. Stilunterschiede und ihre Relevanz für Mißverständnisse ... 86

11. Unterschiede im Rezipientenverhalten ... 88
11.1. Hörersignale ... 89
11.2. Rezipientenechos ... 90

12. Der Übersetzer als Vermittler ... 91
12.1. Problemfelder der Übersetzung ... 92
12.1.1. Lexikalisch-semantische Konventionen ... 93
12.1.2. Para- und nonverbale Konventionen ... 93
12.1.3. Konventionen pragmatischer Sprechhandlungen ... 94

III. TEIL: MIßVERSTÄNDNISSE ZWISCHEN AMERIKANISCHEN UND CHINESISCHEN MANAGERN: EIN EXEMPLARISCHES BEISPIEL

13. Interkulturelle Kommunikation mit sprachlichen Hindernissen ... 96
13.1. Falsche Anrede als Auslöser für Mißverständnisse ... 97

14. Schlußbetrachtung ... 99

15. Verzeichnisse ... 104
15.1. Abbildungsverzeichnis ... 104
15.2. Literaturverzeichnis ... 105
15.3. Internetquellen ... 114

 

1. Einleitung
Interkulturelle Mißverständnisse werden häufig als zentrales Forschungs- und gleichzeitig als Legitimationsobjekt zur wissenschaftlichen Bearbeitung des Phänomens der interkulturellen Kommunikation herangezogen. Mittels empirischer Studien bestätigen Forscher, was die gesamte Gesellschaft schon vorher vage erahnte: Kommunikationsprozesse zwischen Angehörigen zweier oder mehrer Kulturen verlaufen meist weitaus störanfälliger als die Kommunikation zwischen Angehörigen einer einzigen Kultur (für eine Zitatensammlung einschlägiger Äußerungen vgl. ROST-ROST 1994: 9).
Mit der zunehmenden Internationalisierung der wirtschaftlichen Beziehungen innerhalb der letzen drei Jahrzehnte ist auch ein wachsendes Interesse an interkulturellen Kommunikationsproblemen zu verzeichnen, die bei Kontakten mit ausländischen Geschäftspartnern entstehen können. Die Erkenntnis, daß kommunikative Mißverständnisse der positiven Entwicklung von Geschäftsbeziehungen im Wege stehen oder das Zustandekommen solcher Beziehungen im Extremfall sogar verhindern können, hat eine wachsende Zahl an Publikationen, die solche kommunikativen Mißverständnisse analysieren und vorbeugen wollen, hervorgerufen. Dabei sind sich die Autoren einig, daß Kommunikationsstörungen zwischen Angehörigen verschiedener Kulturen unterschiedlichste Bereiche betreffen, hier sind u.a. zu nennen: fremdsprachliche Verständigungsprobleme, Störungen in der verbalen, paraverbalen, nonverbalen und extraverbalen Kommunikation, sowie Störungen infolge unterschiedlicher kommunikativer Stile.
Die Palette der Bereiche in der Wirtschaft, in denen es aufgrund von kulturellen Unterschieden zu Mißverständnissen kommen kann, ist sehr breit gefächert und umfaßt u.a. solch verschiedenartige Gebiete wie z.B. Verhandlungsstile, Formen der Begrüßung, Organisationsformen, Dauer und Ziele von Verhandlungsgesprächen, das Verständnis von Zeit.

1.1. Gegenstand, Ziel und Gliederung der Arbeit
Wenn interkulturelle Kommunikationsforschung zum Ziel hat, kulturbedingte Einstellungen, Sicht- und Handlungsweisen, Konventionen, Werte usw. und deren Einfluß auf die Kommunikation mit Angehörigen anderer Kulturen zu analysieren, dann kann der Beitrag der Linguistik nicht in erster Linie in der Beschreibung von Sprachsystemen liegen, sondern muß die Verwendung von sprachlichen Strukturen innerhalb der Kommunikation behandeln. Der Beitrag muß auf den Begriffe von sprach- und kommunikationswissenschaftlichen Untersuchungen aufbauen, die die Bedingungen für das Zustandekommen von Verständigung in der Kommunikation untersuchen und die Strukturen der Einzelsprachen als Mittel betrachten, diese Verständigung herbeizuführen. Nur in einem solchen Untersuchungsfeld kann die interkulturelle kommunikations-relevante Thematik von kulturspezifischen Werten linguistisch behandelt werden (vgl. GÜNTHNER 1993: 4-5).
Innerhalb dieser Forschungsrichtung bezeichnet ‚Interkulturelle Wirtschaftskommunikation’ ein Forschungsfeld, das sich mit sprachlich und kulturell bedingten Kommunikationsproblemen in internationalen Wirtschaftsbeziehungen beschäftigt. Die Aufgabe besteht darin, systematisch und interdisziplinär zu analysieren, welche Faktoren die grenzüberschreitende Kommunikation in Handlungsfeldern der Wirtschaft positiv oder negativ beeinflussen. In der vorliegenden Arbeit sollen dabei die wesentlichen Faktoren unter linguistischen Gesichtspunkten analysiert und diskutiert werden.
Die Literatur zu diesem Thema ist nur schwer zu überschauen, zumal sie aus verschiedenen interdisziplinären Bereichen herangezogen werden muß, um die Komplexität der Thematik vollständig zu erfassen. Der Schwerpunkt der herangezogenen Werke liegt daher auf der Literatur zur interkulturellen Kommunikation; hier findet man mehrheitlich Sammelbände und Fallstudien unterschiedlicher Qualität, aber nur selten linguistisch-orientierte Monographien einführender Natur. Aufgrund der Komplexität und Vielschichtigkeit des Forschungsfeldes thematisieren Forscher innerhalb der linguistischen Analysen lediglich einzelne Aspekte der interkulturellen Kommunikation, beispielsweise „Diskursstrategien“ (GÜNTHNER 1993) oder „Intonatorische Verfahren“ (RABANUS 2001) und beschränken sich dabei in der Regel auf die Kontrastierung von zwei maximal drei Kulturen. Die Vielfalt der Kulturen und relevanten Forschungsrichtungen – mit ihrer jeweilige Perspektive, sowie die Vielschichtigkeit der Dimensionen interkultureller Wirtschaftskommunikation (mündliche vs. schriftliche / direkte vs. indirekte Kommunikation) zeichnen die Problematik aus, die dieser Arbeit gegenüber steht.
Aufgrund dessen wurde der zentrale Analyseschwerpunkt dieser Arbeit auf die direkte mündliche Kommunikation gelegt. Untersuchungsgegenstand sind demnach Face-to-face-Interaktionen zwischen international agierenden Managern. Eine vollständige Analyse aller Phänomene und Problembereiche ist im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich. Deshalb werden weitere Problemfelder (z.B. internationaler Briefverkehr, Computerkommunikation und Telefongespräche) lediglich in Abgrenzung dargestellt, aber nicht im Detail diskutiert.
Es wurde bewußt eine ansätzeübergreifende Methode für die Analyse gewählt, um möglichst differenzierte Ergebnisse zu erzielen. Ausgehend von der interkulturellen linguistischen Forschungsrichtung, deren Ansätze in einer Wechselbeziehung zu verschiedenen anderen Disziplinen (z.B. Soziologie, Sozialpsychologie, Kulturanthropologie) stehen, soll sich die methodologische Vorgehensweise der Arbeit im wesentlichen an der kontrastiven Pragmatik und dem interaktionistischen Ansatz orientieren (nähere Ausführungen siehe Kapitel 2.2.).
Resultierend aus dem gewählten Analyseschwerpunkt ist es das Ziel dieser Arbeit, einen Überblick über die verschiedenen Problembereiche der interkulturellen Kommunikation in wirtschaftlichen Zusammenhängen zu schaffen und kritisch zu analysieren, zu welchen kommunikativen Problemen es kommen kann, wenn sich Manager in direkter Interaktion mit internationalen Geschäftspartnern befinden.

Die Arbeit ist in drei aufeinander aufbauende Teile gegliedert. Im ersten Teil wird der theoretische Rahmen für die Analyse gesteckt. Dabei wird zunächst der Forschungsbereich Interkulturelle Wirtschaftskommunikation vorgestellt, die verschiedenen relevanten Forschungsansätze diskutiert und die methodologische Grundlage für die Arbeit näher erläutert (Kapitel 2). Im Anschluß folgt eine definitorische Abgrenzung der zugrundeliegenden Begriffe Kultur, Kommunikation, interkulturelle Kommunikation, Wirtschaft und interkulturelle Wirtschaftskommunikation (Kapitel 3).
Der folgende Hauptteil beschäftigt sich mit der Frage: Welche sprachlichen und kommunikativen Problembereiche treten in der Kommunikation zwischen international agierenden Managern als Angehörige verschiedener Kulturen auf? Dabei soll die linguistische Analyse exemplarisch ausgewählter interkultureller Phänomene der direkten mündlichen Kommunikation in Abgrenzung zu weiteren Problemfeldern im Vordergrund stehen. Zunächst werden allgemeine Phänomene und Voraussetzungen interkultureller Kommunikation vorgestellt (Kapitel 4). Dem schließt sich ein kurzes Kapitel an, indem mündliche und schriftliche Wirtschaftskommunikation voneinander abgegrenzt werden (Kapitel 5). Anhand der vier Dimensionen verbal, paraverbal, nonverbal und extraverbal wird nun eine kontrastive Analyse mit exemplarischen Beispielen aus verschiedenen Kulturen vorgenommen (Kapitel 6-9), der sich eine interaktionistische Analyse des kommunikativen Stils anschließt (Kapitel 10). In einem letzten Abschnitt wird das Rezipientenverhalten als Quelle für Mißverständnisse (Kapitel 11) und die Problematik des Sprachmittlerdiskurses anhand eines gesonderten Kapitels über die Rolle des Übersetzers (Kapitel 12) thematisiert.
Im dritten Teil wird ein zuvor theoretisch diskutiertes Problem an einem konkreten Kommunikationsbeispiel illustriert. Aufgrund der großen kulturellen Distanz und der damit zu erwartenden Mißverständnisse wurde hierfür die Kommunikation zwischen westlichen und asiatischen Managern ausgewählt (Kapitel 13).

In der abschließenden Schlußbetrachtung werden nicht nur die Ergebnisse der Arbeit noch einmal zusammengefaßt, sondern es findet auch ein kurzer Transfer der erzielten Ergebnisse in die Fremdsprachendidaktik statt, um somit die Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit im Forschungsbereich Interkulturelle Wirtschaftskommunikation hervorzuheben und die Relevanz und die Bedeutung der linguistischen Analyse zu betonen (Kapitel 14).

I. TEIL: EINFÜHRUNG IN THEMENSPEZIFISCHE GRUNDLAGEN
2. Forschungsbereich Interkulturelle Wirtschaftskommunikation
In Anlehnung an die These von Bernd-Dietrich Müller (1991) wird die Analyse von kommunikativen Handlungen im Rahmen von Wirtschaftsbeziehungen unter Beteiligung von Personen aus verschiedenen Ländern bzw. Kulturen in dieser Arbeit als Teil des Forschungsbereichs Interkulturelle Kommunikation und nicht als Sonderfall einer engeren Fachsprachen-Linguistik betrachtet (vgl. MÜLLER 1991: 27).

[...]


1 ROTH 1977: 163


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