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Aggression in der Pflege - Welche Aggressionsformen zeigen sich auf einer psychiatrischen Station und welche Ursachen werden angenommen?

Termpaper, 1999, 32 Pages
Author: Dipl.-Pflegew. (FH) Peter Harms
Subject: Nursing / Foster Care Management / Social Services

Details

Category: Termpaper
Year: 1999
Pages: 32
Grade: gut
Language: German
Archive No.: V3113
ISBN (E-book): 978-3-638-11881-1
ISBN (Book): 978-3-638-63801-2
File size: 291 KB

Abstract

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem nach wie vor oft tabuisierten Thema: Aggression in der psychiatrischen Krankenpflege. In Theorie und Praxis soll folgender Versuch unternommen werden: Was ist Aggression und in welchen Formen kann sie während eines nicht nur stationären Pflegeprozesses auftreten? Welche theoretischen Ursachen und Definitionen werden angenommen und welche verworfen? Wie können Pflegende in der Praxis darauf reagieren? Ein Beispiel aus dem pflegerischen Alltag eines an einer Psychose erkrankten jungen Mannes soll Aufschluss darüber geben, was sich hinter aggressivem und gewalttätigem Verhalten verbergen kann und welche Hilfen und Möglichkeiten bestehen, diese für alle am Pflegeprozess Beteiligten belastenden Erlebnisse jeweils zu integrieren. Diese Arbeit ist auch ein Beitrag zum Umgang mit Gefühlen, denen sich jede Pflegekraft im professionellen Alltag stellen muss!


Excerpt (computer-generated)

Aggression in der Pflege.
Welche Aggressionsformen zeigen sich 
auf einer psychiatrischen Station und 
welche Ursachen werden angenommen?

von Peter Harms


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffe


2.1 Aggression
2.2 Gewalt
2.3 Ärger, Wut, Zorn und Haß

3 Falldarstellung

4 Aggressionstheorien


4.1 Triebtheorien
4.1.1 Psychoanalytische Triebtheorien
4.1.2 Ethologische Triebtheorie
4.2 Frustrations-Aggressions-Theorie
4.3 Lerntheorien
4.3.1 Klassisches Konditionieren
4.3.2 Operantes Konditionieren
4.3.3 Kognitive Lerntheorie
4.3.4 Psychoanalyse

5 Aspekte zur Entwicklung aggressiven Verhaltens

6 Theoretische Bewertung der Falldarstellung

7 Aspekte zur Pflege im Umgang mit aggressiven Patienten

8 Schlußbemerkungen

9 Literaturverzeichnis

 

1 EINLEITUNG

Ein Blick in das Herkunftswörterbuch (vgl. Duden Band 7 1989, S. 23 f.) verrät Aggression als "kriegerischen Angriff". Aggression ist gleichbedeutend mit dem lateinischen aggressio aus dem 18. Jh., welches sich wiederum aus dem lateinischen aggredi "heranschreiten; angreifen" ableitet, wobei das lateinische ad für "heran, hinzu" und das lateinische gradi für "schreiten, gehen" steht. Während der Aggressor "Angreifer" dem 17. Jh. zuzuordnen ist, entstammt aggressiv "angriffslustig, herausfordernd" dem 19. Jh. als neulateinische Bildung.
Der Verfasser (d.Verf.) muß gestehen, daß er erst ausreichend persönliche Erfahrungen im Umgang mit der Aggression einfangen mußte, um den Versuch einer gezielteren Annährung an dieses so komplexe Thema zu unternehmen.
Seit 1980 haben Aggressionen in der stationären psychiatrischen Arbeit mehr und weniger zum Alltag gehört. Doch vieles davon ist unreflektiert geblieben, so daß der Begriff Aggression unscharf und emotional eher negativ besetzt geblieben ist.
Doch muß dies so bleiben? Was verbirgt sich hinter diesem Begriff eigentlich, was ist der Sinn? Ist nur der psychisch kranke Mensch aggressiv oder sind es nicht auch die psychiatrisch Tätigen? Kommt es nicht häufig zu Mißverständnissen? Wird Aggression zu oft mit Ärger oder Wut verwechselt? Ist Aggression mit der Gewalt gleichzusetzen? Fragen, die mich seit Jahren begleiten und beschäftigen!
Zunächst sollen einige Begriffe erläutert werden. Es folgen eine persönlich erlebte Fallgeschichte sowie ein Kapitel über Aggressionstheorien. Anschließend möchte d. Verf. eine Bewertung der Falldarstellung versuchen. Den Aspekten zur Pflege im Umgang mit aggressiven Patienten soll abschließend eine Schlußbetrachtung zum Thema folgen.

2 BEGRIFFE
2.1 Aggression

Die Aggression stellt sich als ein Problem dar, solange es Menschen gibt. Schon das alte Testament gibt zahlreiche Schilderungen und Beispiele von indirekten und direkten Aggressionen bis hin zum Brudermord von Kain an Abel (vgl. SELG et al. 1997, S. 1 f.).
Immer wieder haben Wissenschaftler Aggression unterschiedlich bewertet und gewichtet, so daß der Terminus eine immer weitere Ausdehnung erfahren hat.
In der Sportberichterstattung, z.B. über Fußball und Boxen erfährt man oft nur relativ wenig über menschliche Fähigkeiten eines einzelnen Sportlers, sondern meist nur Ausschnitte darüber, wer wen im Strafraum aggressiv gefoult hat oder in den ersten Runden zu Boden geschlagen hat. Der Sieger siegt, weil er halt gehörig aggressiv aufgetreten ist.
Die Rockmusik der 70er Jahre hinterließ bei den Eltern d. Verf. stets einen wüsten und aggressiven Eindruck.
Aber reicht das für eine Beschreibung aus?
Es wird oft behauptet, auch in der Aggressionsforschung gebe es keine befriedigende Definition von Aggression (vgl. SEL et al. 1997, S. 3 f.).
Sicherlich wird Forschung und Wissenschaft aber immer wieder der Situation ausgesetzt sein, nie zu jeder Zeit auf relevante Begriffe so zu antworten, daß jeweils ein Höchstmaß an Befriedigung und "endgültiger" Definition herauskäme. Begriffe und deren Definitionen sind immer auch Konstrukte, die weiter entwickelbar bleiben müssen. Denn was gestern noch brauchbar und nützlich gewesen ist, kann morgen schon wieder neu oder anders gestellten Fragen nicht mehr genügen. Wissenschaft und Forschung sollten nicht durch Dogma und Starre charakteristisch sein, sondern sich offen, aber präzise, durchlässig und doch grenzenaufzeigend darstellen.
Von den meisten Begriffen darf man wohl auch nicht die Definition erwarten, sondern meistens den Stand derzeitiger Forschung.
Selg hält an seiner bereits 1968 formulierten Umschreibung von Aggression fest:
"Eine Aggression besteht in einem gegen einen Organismus oder ein Organismussurrogat gerichteten Austeilen schädigender Reize; eine Aggression kann offen oder verdeckt, sie kann positiv oder negativ sein." (vgl. Selg et al. 1997, S. 4 f.)
Selg möchte die Aggression als einen Beurteilungs- und nicht als Beschreibungsbegriff verstanden wissen (vgl. Selg et al. 1997, S. 15 f.).
Für ihn kann Aggression körperlich und/oder verbal, aber auch phantasiert, von der Kultur ge- und mißbilligt in Erscheinung treten. Aggression umschreibt auch Ärger erregende Verhaltensweisen wie beleidigende und Schmerz zufügende.
Mit Aggression ist kein Affekt gemeint, sondern ein Verhalten ohne Spekulationen über mögliche Ursachen.
Danach paßt es nicht, zu sagen, der Patient X habe Aggressionen, wo er Zorn oder Wut verspüre, um daraufhin zu joggen. Patient Z reagiere Aggressionen ab, wäre in diesem Sinne ebenfalls unpassend. Es paßt aber zu sagen, Patient Z reagiere konkret seinen Ärger ab (vgl. Selg et al. 1997, S. 4 f.).
Wenn d. Verf. einen Teil der letzten Urlaubsfotos (zu verstehen als Organismussurrogat) zerreißt, geschieht dies nicht in einer aggressiven Handlung, sondern er hält die Bilder für nicht aufhebenswert.
Als gestern der Stadtbus in der Kurve scharf bremsen mußte, wurden einige Fahrgäste mit Stehplatz unangenehm von dahinterstehenden angerempelt. Dies geschah nicht zielgerichtet in aggressiver Weise, obwohl dies zunächst von einigen betroffenen Fahrgästen so erlebt wurde.
Aggressives Verhalten sollte also nur als solches bezeichnet werden, wenn schädigende Reize auf einen Organismus bzw. ein Organismussurrogat einwirken und das Verhalten als (wissenschaftlich begründet) zielgerichtet interpretiert werden kann: nicht jedoch vom Opfer oder Täter (vgl. Selg et al. 1997, S. 7 f.).

[...]


Comments

Dietmar Böhmer
14.07.2004 07:47:54
Prävention Handlungskompetenz Deeskalation
In der heutigen Zeit in einem Krankenhaus zu arbeiten, bedeutet oftmals mit einem Maximum an verschiedensten Belastungen konfrontiert zu werden. Dies gilt in besonderem Maße für alle in der Psychiatrie Tätigen. Schwierige Krankheitsbilder, leere Kassen und eine kontinuierliche Überbelegung der Stationen sind an der Tagesordnung. Kürzere Verweildauern und eine damit einhergehende stärkere Frequentierung bewirken ein Übriges, um die Streßbelastung der Mitarbeiter in die Höhe zu treiben. Dem gegenüber steht zumeist eine hohe Erwartungshaltung seitens der Patienten, ihrer Angehörigen und der Kostenträger an die Behandler. Kommt es dann zu Situationen mit hohem Eskalationspotential, so fehlt es häufig an der angemessenen Handlungskompetenz. Viele Handlungsrezepte oder so. Präventivtechniken greifen nicht, weil sie nicht ressourcenorientiert, d.h. auf die Einzelperson bezogen angelegt sind, sondern lediglich Verhaltensvorschläge beinhalten. Diese mögen objektiv anwendbar erscheinen, sind jedoch subjektiv nicht umsetzbar. Gerade in der Behandlung / Pflege psychisch kranker Menschen ist der Interaktionsstil von zentraler Bedeutung um Eskalationen oder Übergriffe zu verhindern. Umso wichtiger ist es, die eigenen Impulse steuern zu können um handlungsfähig zu bleiben, denn Gewalt ist nicht kontrollierbar, Sie selbst aber schon! Unseres Erachtens nach ist es wichtig, die Behandler in den Bereichen Fachkompetenz, Handlungskompetenz und Sozialkompenz der Gewaltprävention zu sensibilisieren. Dies bedeutet konsequenterweise einen Handlungsplan v o r der Krise zu entwickeln. Krisenmanagement trägt immer nur die Spitze des Eisberges ab. Gewalt entsteht seltenst aus dem "Nichts" heraus. Sie ist immer ein multifaktorielles Zusammenspiel von emotionalen und rationalen Bewertungssystemen. Neueste Untersuchungen belegen eindeutig : In den meisten Fällen geht der Eskalation ( und damit häufig dem Übergriff) ein Konflikt mit dem Personal der betreffenden Station voraus. Dies bedeutet dass wir als Personal immer mitbeteiligt sind an Konfliktentstehungen und -verläufen. Was liegt da näher als den eigenen Interaktionsstil hinsichtlich deeskalativer Kompetenzen zu hinterfragen oder upzugraden? Da Eskalationen / potentielle Patientenübergriffe nicht zu unserem Berufsalltag gehören sondern Ausnahme- oder spezielle Situationen darstellen, benötigen wir eben auch spezielle Instrumente um diesen Anforderungen begegnen zu können. Hier bietet unseres Erachtens nach das Modell der ESUS effiziente Ansätze. Der Ansatz entstand in Abstimmung mit dem Max-Planck-Institut München, dort Herrn Prof.Dr.mult. J.J. Brengelmann und setzt auf die frühstmögliche Reflexion und Bewertung eigener Verhaltensweisen und Betroffenheit in solchen Situationen. Laufende Untersuchungen dieses Modells belegen einen hohen Transfergehalt sowie die besondere Geeignetheit als umsetzbare Praxislösung. Wir beantworten gerne Fragen zu diesem Themenkomplex - fr
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