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Scholary Paper (Seminar), 2001, 18 Pages
Author: MA Youssef Fargane
Subject: Politics - International Politics - Region: Africa
Details
Institution/College: RWTH Aachen University (Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte)
Tags: Algerienkrieg, Kolonie, Nordafrika, Algerien, Freiheit, Annexion, Proseminar, Oder, Erbfeind, Partner
Year: 2001
Pages: 18
Grade: 2,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-11882-8
File size: 197 KB
Diese Hausarbeit behandelt einen kritischen Aspekt der Kolonialgeschichte Frankreichs. Der Gegenstand dieser Thematik sorgt immer noch bis heute für Spannungen in den Beziehungen zwischen Algerien und Frankreich. Das Land der Fraternité, Egalité et Liberté weigert sich immer noch, für das Kriegsverbrechen, Folter und Vergewaltigungen, in die die französische Armee verwickelt war und systematisch beging, zu entschuldigen. Augenzeugen und Überlebende erzählten von dem schrecklichen Verbrechen an der algerischen Zivilbevölkerung. Die französische Presse beschäftigte sich mit der Wahrheit während des Algerienkriegs. Paradoxerweise hat die französische Assemblé National die Massenmorde der Osmanen an den Arminiern anerkannt. Aber Frankreich unternimmt alles, um seine Image angesichts des historisch bewiesenen Kriegsverbrechens an den Algeriern zu vertuschen. Sein nationales Archiv und das Archiv über Charles de Gaulles bleiben für die Geschichtsforschung gesperrt. Auch die Dokumentation der französischen Armee steht bis heute unter Geheimhaltungsgesetzen.
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Abstract
Dieser Aufsatz behandelt einige nicht ganz uninteressante Aspekte der Kolonialgeschichte Frankreichs. Der Gegenstand dieser Thematik sorgt immer noch bis heute für Spannungen in den diplomatischen Beziehungen zwischen der Volksrepublik Algerien und Frankreich. Die Republik der Fraternité, Egalité et Liberté weigert sich immer noch, für das Kriegsverbrechen, Folter und Vergewaltigungen, in die die französische Armee direkt verwickelt war und systematisch beging, zu entschuldigen. Überlebende, Militärangehörige und Intellektuelle waren Augenzeugen einer blutigen Auseinandersetzung und berichteten über grausame Verbrechen an der algerischen Zivilbevölkerung. Die französische Presse beschäftigt sich erst seit 1999 ernsthaft mit der Wahrheit während des Algerienkriegs, weil man bis dato nur von den „Ereignissen in Algerien“, und nicht vom Algerienkrieg, sprechen durfte. Die Abschaffung eines Gesetzes, das die Bezeichnung der algerischen Revolution und ihrer brutalen Niederschlagung durch das französische Militär als „Krieg“ unter Strafe stellte, erlaubte eine halbherzige Aufarbeitung der Ereignisse um den Algerienkrieg. Paradoxerweise hat die französische Assemblé National den Massenmord der Osmanen an den Armeniern anerkannt. Das EU-Gründungsmitglied unternimmt jedoch alles, um die weniger glorreichen Facetten eigener Geschichte -angesichts des historisch bewiesenen Kriegsverbrechens an den Algeriern- zu verschleiern. Sein nationales Archiv und das Archiv über Charles de Gaulles bleiben für die Geschichtsforschung gesperrt. Auch die Dokumentation der französischen Armee während des algerischen Aufstandes 1954 bis 1962 steht bis heute unter Geheimhaltungsgesetzen.
Excerpt (computer-generated)
Die letzte französische Kolonie in Nordafrika: Algerien zwischen Freiheit und Annexion
von Youssef Fargane
1. Einleitung S. 3
2. Die Situation in Algerien vor dem Ausbruch des Kriegs S. 5
2.1 Eroberung Algeriens 1830 S. 5
2.2 Politische Lage der Algerier S. 6
3. Ausbruch des Befreiungskriegs 1954 S. 6
3.1 Nationalistische Prägung und Strategie der Freiheitsfront S. 7
3.2 Blutige Kämpfe für Freiheit und gegen Annexion S. 8
3.3 Deutsche Haltung und deutsche Waffenlieferung während des Kriegs S. 9
4. Der General an der Macht zur Erhaltung des französischen Algerien? S. 11
4.1 De Gaulle an der Spitze der V. Republik S. 11
4.2 Radikalisierungsschub seiner Haltung und die Unabhängigkeit S. 12
Algeriens
5. Schlussbetrachtung S. 14
Literaturverzeichnis
1.Einführung
" Les événements d´Algérie " so hat die offizielle Politik in Frankreich jahrelang die blutigen Auseinandersetzungen im Algerienkrieg bezeichnet. Doch bis vor kurzem wurde in der französischen Presse offen berichtet über Verletzungen der Menschenrechte, Greueltaten und Folter, denen die algerische Zivilbevölkerung während des Unabhängigkeitskrieges von 1954 bis 1962 zum Opfer gefallen war und in die die französische Armee verwickelt war. Willkürliche Exekutionen der algerischen Freiheitskämpfer, Massaker an den Zivilisten und Vergewaltigungen waren an der Tagsordnung.
Diese Arbeit aber will andere Aspekte des Algerienkrieges behandeln, indem sie die politischen und historischen Rahmenbedingungen des algerischen Befreiungskriegs analysiert unter den Fragestellungen: Warum konnte Algerien trotz seiner hohen Bedeutung als Energie- und Rohstofflieferant für die französische Wirtschaft und ihrer günstigen Lage für die französischen Kolonialinteressen im afrikanischen Kontinent seine Unabhängigkeit
erreichen? . Welche nationalistischen Kräfte und Motive stecken dahinter? . Wie waren die Antwort und die Reaktion Frankreichs auf die Unabhängigkeitsbestrebungen in - bis dahin- französisch geltendem Algerien? .
Um diese Fragen zu beantworten wird zunächst versucht, einen Überblick über die Lage in Algerien vor dem Ausbruch des Kriegs zu vermitteln.
Der Kampf für die Unabhängigkeit forderte nicht nur Tote beiderseits, sondern auch eine ganz gezielt von der " Front de Liberation Nationale " ( FLN) geführte Kampftaktik zur Sensibilisierung der algerischen Bevölkerung, und eine blinde Repression der nationalistischen Bewegung durch die französische Armee, an der auch europäische Siedler beteiligt waren.
Die FLN mit ihrem bewaffneten Flügel nutzten für ihre militärische und politische Kampagne die von französischen und deutschen Antiimperialisten gebaute Unterstützernetze in Europa. Obwohl die Bundesrepublik der französischen Regierung während des Algerienkonflikts mit Rücksicht auf die gerade begangene deutsch-französische Aussöhnung sehr entgegenkommend war und eine deutlich zurückhaltende Haltung gegenüber hatte, leisteten im Hintergrund deutsche linke Militanten große Hilfe zugunsten der Rebellen in Algerien.
Zur Beruhigung der verschärften Lage im französischen Algerien und aufgrund der politischen Sackgasse, zu der die Regierungspolitik der IV Republik angesichts der mit Waffen ausgetragenen Freiheitsforderungen der FLN führte, kam General de Gaulle an die Macht. In dieser Arbeit beschränkt man sich auf die entscheidenden Phasen seiner Algerienpolitik, die den politischen Gesinnungswandel de Gaulles reflektierten und systematisch zur Unabhängigkeit Algeriens führten. Dabei werden besonders die Aufnahme der Verhandlungen mit der FLN behandelt, die anfänglich die Wiederherstellung der Ordnung und Erhaltung des französischen Algeriens als Ziel hatten und die pragmatische Haltung de Gaulles zugunsten eines von Frankreich unabhängigen Algeriens hervorbrachten.
Am Ende der Arbeit werden allgemeine Betrachtungen und Ergebnisse noch mal komprimiert dargestellt und bewertet.
Was die Literatur und Informationsquellen angeht stützt sich diese Arbeit auf Quelleneditionen, Handbücher und Zeitungsartikel sowie auf Angaben von Zeitschriften, die dabei nicht nur eine Idee über die offizielle Politik Frankreichs, sondern auch die Haltung der französischen Öffentlichkeit während des Algerienkriegs vermitteln sollen, aber auch auf Monographien und Dokumentarfilme deutscher Produktion, die Informationen zum deutschen Beitrag während des Algerienkrieges liefern. Erwähnenswert sind dabei das interessante Werk von Elsenhans, der sich eher mit der Kolonialgeschichte des Konfliktes beschäftigt, und der politikgeschichtlich gerichtete Aufsatz von Müller, in dem die Haltung Deutschlands und die Hintergründe für seine Gleichgültigkeit während des brutalen Kriegs in Algerien im Mittelpunkt stehen.
Was den aktuellsten Forschungsstand in dieser Thematik betrifft, ist zu erwähnen, dass am 03.05.01 ein neues Buch von dem ehemaligen Koordinator des französischen Geheimdienstes in Algerien, Paul Aussaresses, der unter dem Schutz des " Service historique des armées" steht , erschienen ist. In diesen neuen Enthüllungen gibt der General offen zu, Anhänger der FLN selber gefoltert und ermordet zu haben .
In Rahmen der historischen Forschung beschäftigen sich heute viele Historiker mit dem Algerienkrieg, um das tatsächliche Geschehen während der französischen Kolonialzeit in Algerien zu ermitteln - unabhängig von der offiziellen Version des Algerienkriegs.
In den nächsten Tagen veröffentlicht die junge Historikerin, Raphaelle Branche, die Ergebnisse mehrjähriger Recherchen - auch im französischen Verteidigungsministerium- über Algerienkrieg und Folter . Für die Historiker bleibt trotzdem der Algerienkrieg ein noch nicht abgeschlossenes Kapitel in der Kolonialgeschichte Frankreichs, in dem immer wieder die historische Forschung durch die Politik erschwert wird. Der französische Premierminister, Jospin, sieht da eine Notwendigkeit " objektiver Erklärungs- und Verständnisarbeit" und verspricht, " besseren Zugang zu den Archiven für Historiker" zu geben .
2. Die Situation in Algerien vor dem Ausbruch des Krieges
2.1 Eroberung Algeriens 1830
Vorangetrieben von Handelsinteressen der Bourgeoisie in Marseille eroberte die Kolonialmacht Frankreich 1830 Algerien. Als Vorwand dafür dienten sicherlich auch die diplomatischen Anspannungen zwischen Frankreich und dem nordafrikanischen Land, als dieses die Bezahlung von Weizenlieferungen an Frankreich nach der Französischen Revolution forderte. In dem eroberten muslimischen Land an der Mittelmeerküste sind riesige Bevölkerungskolonien entstanden, wo Tausende von Europäern mit Hilfe der französischen Regierung eingewandert waren. Im Gegensatz zu anderen Staaten wie USA und Israel hat Frankreich die einheimische Bevölkerung nicht ausgerottet oder vom Staatsgebiet verdrängt. Im Gegenteil, sie lebten mit den Einwanderern aus Europa zusammen.
Jedoch wurde ihnen das Land durch willkürliche Gesetze und Enteignungsmaßnahmen weggenommen, in dem die Siedler große Agrarkolonien bauten. Die Arbeitslosigkeit brach unter den Einheimischen so massiv aus, dass es nur noch die Möglichkeit bestand, bei den Siedlern als Felah oder Fellachen , Arbeitskräfte oder Tagelöhner in den Agrarkolonie rekrutiert zu sein.
[...]
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