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Termpaper, 2003, 19 Pages
Author: Christian Haase
Subject: Politics - Political Systems - General
Details
Institution/College: LMU Munich
Tags: Türkei, Demokratie, Demokraten, Probleme, Perspektiven, Demokratisierung, Welten
Year: 2003
Pages: 19
Grade: 1,4
Bibliography: ~ 21 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-32240-9
File size: 221 KB
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„Probleme und Perspektiven der Demokratisierung in den islamischen Welten“
2. Semester
Türkei: Demokratie ohne Demokraten
von: Christian Haaseb
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung Seite 1
2. Das SKOG – Konzept Seite 2
3. Das Militär Seite 2
3.1. Der Weg zur Staatsgründung Seite 2
3.2. Die Einführung des Mehrparteiensystems Seite 3
3.3. Der Militärputsch von 1980 und die politische Rolle des Militärs in der heutigen Türkei Seite 4
3.4. Das türkische Militär unter ziviler Kontrolle ? Seite 6
4. Die Parteien Seite 7
4.1. Linke und rechte Parteien Seite 7
4.2. Die gesellschaftlichen Probleme Seite 9
4.3. Die Gründe für die Krise des Parteiensystems Seite 10
5. Die religiöse Bewegung Seite 11
5.1. Das Wählerpotenzial der religiösen Parteien Seite 11
6. Die Wirtschaft Seite 13
6.1. Die Staatsunternehmen Seite 13
6.2. Die privaten Betriebe Seite 14
7. Zusammenfassung und Ausblicke Seite 15
8. Literaturverzeichnis Seite 16
1. Einleitung
Am 20.11.2003 explodierten in der türkischen Stadt Istanbul mehrere Bomben. Bei diesem terroristischen Anschlag kamen 25 Menschen ums Leben und die Zahl der Verletzten stieg auf 400. Daraufhin spekulierte die Wochenzeitung „die Zeit“ in ihrer Ausgabe vom 27.11.03 über eine etwaige Absetzung der Regierung des Ministerpräsidenten Tayyip Erdogan (AKP) durch das türkische Militär.1 Die Anschläge haben eine allgemeine Verunsicherung in der Bevölkerung hervorgerufen. Der Ruf nach einer militärischen Sicherheitslösung wird lauter, jedoch könnte dies eine konkrete Gefahr für die gewählte Regierung darstellen. Auch in der Vergangenheit waren Sicherheitsprobleme Anlass für militärische Interventionen, wie es bei der letzten Absetzung der Regierung von 1980 geschehen ist. An diesem Ereignis wird das Ansehen und der Einfluss des türkischen Militärs sichtbar. Aber nicht nur das Militär, sondern auch andere Gruppen spielen mit beim Kampf um die Macht in der Türkei. Die politische Elite d.h. die etablierten Parteien, die erstarkende religiöse Bewegung und die Eliten der Wirtschaft finden sich bei diesem Spiel ein, wobei jede Gruppe auf der Seite des Militärs oder gegen sie steht. Diese Hausarbeit soll nun die demokratischen Strukturen und die jeweiligen Gruppen erörtern, die entweder für eine weitere Öffnung des Systems zu einer liberaleren Gesellschaft hin kämpfen oder für den Status quo sich einsetzen.
2. Das SKOG – Konzept2
Das SKOG – Konzept passt nicht ganz auf das Fallbeispiel Türkei. Erstens herrscht in der Türkei kein autoritäres Regime, das demokratische Institutionen behindert. Vielmehr besitzt die Türkei ein Parlament, das die Regierungsmitglieder bestimmt, und das vom Volk durch freie Wahlen gewählt wird.3 Sicherlich wird an der Minimalanforderung der Demokratie nicht absolut entsprochen, da es immer noch Menschenrechtsverletzungen in der Türkei gibt und das Militär die Politik erheblich beeinflusst.
Zwar kann einerseits gesagt werden, dass das Militär eine Strategische Gruppe ist, da sie selbst Einfluss auf die Politik nimmt. Doch gibt es keine Militärjunta, die alle Ressourcen des Staates für sich behält. Auch verwendet das Militär nicht alle Mittel, um ihre Macht auszudehnen, sondern versucht den Status quo zu erhalten. Als dessen vermeintlicher Bündnispartner können die linken Parteien, die Beamten und die staatliche Wirtschaft gesehen werden. Als Konfliktfähige Gruppe kann dementsprechend der Strategischen Gruppe die religiöse - konservative Bevölkerung und deren Parteien gesehen werden.
3. Das Militär
3.1. Der Weg zur Staatsgründung
Wie in der Einleitung schon erklärt worden ist, besitzt das türkische Militär einen erheblichen Einfluss auf die Politik. Für Huntington ist ein zentrales Problem der Demokratisierung, das Militär einer zivilen Kontrolle unterzuordnen. Doch das ist in der Türkei noch nicht passiert. Hier stellt sich nun die Frage wie es zu einer so großen Beeinflussung der Politik kommen konnte.4 Um dies zu verdeutlichen muss das Entstehen der Republik Türkei im historischen Zusammenhang aufgezeigt werden. Bei der Gründung der Türkei hat das Militär die zentrale Hauptrolle eingenommen. In diesem Zusammenhang muss auch der „Vater der Türkei“ Mustafa Kemal Atatürk genannt werden.
Nach dem Ende des I. Weltkrieges drohte das große osmanische Reich nach dem Vertrag von Sèvres, der am 10.08.1920 von einer Delegation des Sultans unterschrieben wurde, in viele Kleinstaaten auseinander zu brechen. Es sollte nur eine kleine „Rumpf - Türkei“ bestehen bleiben. Kemal wurde vom damaligen Sultan Mehmet VI. beauftragt den Waffenstillstand durchzuführen und die nationalistischen Unruhen in Zentralanatolien zu beenden. Doch Kemal hielt sich nicht an den Befehl, sondern er stellte sich an die Spitze der Bewegung, die die Nation von den Besatzungstruppen, besonders von Griechenland, befreien wollte. Dies beinhaltete auch die Nichtanerkennung des Vertrages von Sèvres und die Vertreibung der Besatzer. Die Mitglieder dieser Bewegung waren vornehmlich Deserteure der sich auflösenden osmanischen Armee. Aber auch viele Bauern schlossen sich besonders in Anatolien an, da es dort den größten Rückhalt für die Bewegung in der Bevölkerung gab. In der ersten entscheidenden Schlacht zwischen Griechenland und der Türkei am Sakarya - Fluss führte Mustafa Kemal selbst die türkische Armee zum Sieg. Im weiterem Verlauf wurden die griechischen Besatzer aus Anatolien und aus der besetzten Stadt Izmir vertrieben. Schließlich wurde durch den Vertrag von Lausanne vom 24.06.1923 das Gebiet der heutigen Türkei völkerrechtlich legitimiert und am 13.10.1923 wurde die Republik Türkei als Staat ausgerufen.
[...]
1 Thumann, Michael: Mit eiserner Faust nach Europa. Die Türkei steht im Antiterrorkampf. Ihre Führung glaubt immer noch an die Versöhnung des Islams mit der westlichen Demokratie; in: die Zeit, Nr. 49 27.11.2003, S. 5.
2 Siehe für die genauere Betrachtung des SKOG – Konzeptes; Schubert, Gunter; Demokratisierung und politischer Wandel, Theorie und Anwendung des Konzeptes der strategischen und konfliktfähigen Gruppen. Hamburg 1994, Seite 57 – 105.
3 Franz, Erhard; Wie demokratisch ist die Türkei ? Das türkische Regierungssystem, in: der Bürger im Staat, Band 50, Heft 1/2000
4 Huntigton, Samuel P.; Armed Forces and Democracy. Reforming Civil - Military Relations, in: Journal of Democracy, Bosten 1995, Seite 9 – 18.
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